Japan

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Higanbana
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Re: Japan

Beitragvon Higanbana » 05.08.2018, 17:31

Hallo,
:
das hat viele Gruende:

    Gastfamilien zu finden ist auch auf den Inseln nicht einfach. Auf unserer Insel ist es EIN Ehepaar, das sich seit 19 Jahren bereit erklaert, die Kinder aufzunehmen. Daher wohnen alle 6 dort. Und auch wenn die Schule ohne Probleme mehr aufnehmen koennte und wuerde, so gibt es kein anderes Zuhause fuer weitere Kinder.

    Ausbildungspflicht gibt es nur bis Klasse 9. Selbst wenn Leute bereit waeren, dort ATS aufzunehmen, gaebe es keine Schule fuer ATS. Auch die Inselkinder muessen fuer die weitere Ausbildung ihre Insel verlassen und irgendwo zur Untermiete oder im Schulinternat ihrer Oberschule wohnen. Oder eben zu ihren Eltern zurueckkehren, um dort dann wieder zu wohnen.

    Gastfamilien in diesen Programmen werden bezahlt. Und zwar nicht einmal wenig. Wir koennten uns das jedenfalls nicht leisten, jeden Monat 90.000 Yen (800 Euro) an die GF zu ueberweisen. Das geht nur, weil diese Programme Stipendien vergeben, damit sie so die Anzahl der Kinder an diesen Minigrund- und Mittelschulen erhoehen. Und ich bezweifle, dass so viel Geld an Auslaender gegeben wuerde, die nicht den gleichen Status wie japanische Bewohner haetten. Der Grund fuer die Foerderung ist, dass so die Schueler- und Einwohnerzahl erhoeht werden kann.

    Weiterhin ist Wohnraum in Grossstaedten begrenzt (ich erinnere an den Ausdruck "Japanische Kaninchenstaelle"), auch wenn Haeuser auf dem Land eher mal Platz fuer eine weitere Person haetten. Nur gibt es da vielleicht eine Oberschule, wenn ueberhaupt, die taeglich erreicht werden koennte. Wenn diese sich weigert, wie das leider all zu gerne vorkommt, ist die Platzierung dort auf dem Land gestorben.

    Ich kann doch meine Wohnung keinem Fremden zeigen. (Und das stimmt schnell mal so, selbst ich habe schon so manche voellig verkramte Wohnung oder Haeuser gesehen.

    Ein 10-Monat Gast ist mir zu anstrengend.

    Japanische Kinder sprechen Japanisch und kennen die Kultur. Und "ich kann doch kein Englisch!"

    "Ich weiss nicht, wie ich mit Auslaendern umgehen soll." Wenn ich am Telefon war, haben die meisten sofort wieder aufgelegt. Um Gottes Willen, ein Auslaender!

    "Ich weiss gar nicht, dass es solche Programme ueberhaupt gibt." An Leute auf dem Land kommt man oft im Guten gar nicht ran, besonders weil das Gros der japanischen Orgs. die Organisation ihrer Programme von Tokyo aus machen. Die beste Moeglichkeit zur GF Werbung sind Oberschulen. Aber die, die aufnehmen oder potentiell aufnehmen, sind in der Regel in Grossstaedten oder noch haeufiger in Metropolen wie Tokyo.

    Ausserdem, selbst wenn die Insel meiner Tochter eine Oberschulabteilung haette, waere ich mir nicht sicher, ob ATS ueber so eine Platzierung dort so gluecklich waeren. U.U. waeren sie der einzige Schueler in der Klasse oder haetten vielleicht ein oder zwei andere Mitschueler. Auch wenn meine Tochter zufrieden mit dem ist, was sie hat und wie sie ihre Zeit verbringt, so haette ein(e) ATS dort nicht einmal die Moeglichkeit, sich irgend etwas selber im Laden zu kaufen. Mit Freunden oder Freudinnen eben mal Shoppen gehen waere genau so wenig drinnen wie Kino oder andere Vergnuegungen. Es gaebe nur die Schule und die Gastfamilie. Und viel Natur mit jeder Menge Insekten und halbwilden Katzen, die sich aber auch gerne mal streicheln lassen. Ich befuerchte, dass das Gros der ATS sich ueber eine solche Platzierung von vornherein beschweren wuerden.

Liebe Gruesse

Higanbana

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relch
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Re: Japan

Beitragvon relch » 05.08.2018, 18:59

Interessant. Danke für die ausführliche Erklärung!
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Re: Japan

Beitragvon TheVillageGirl » 06.08.2018, 15:28

Hallo an alle :)

Ich will noch nicht zu laut schreien oder mir zu viele Versprechungen machen, aber meine Bewerbung bei Rotary wird jetzt direkt an den Jugenddienstleiter des für mich (hoffentlich) zuständigen Clubs geschickt. Das würde für mich heißen, dass ich dem Auslandsjahr ein Stückchen näher kommen würde.

Jetzt kann es sich nur noch um Tage handeln, bis ich eine Antwort bekomme. Also fängt noch mal das große Zittern und Daumendrücken an. Ich halte euch auf dem Laufenden!


@Higanbana Ich habe auf deinem Blog gelesen, dass es scheinbar einige ATS gestört hat, dass du Deutsche bist und deine Familie damit nicht "rein japanisch". Natürlich wäre das etwas gewöhnungsdürftig, insbesondere für Deutsche, aber ich fände das tatsächlich ziemlich interessant. Aber wie du schon geschrieben hast: Wer nicht will, der hat schon :wink:

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Re: Japan

Beitragvon Severina » 09.08.2018, 20:54

Während Shiruki gerade an der Email an die Gastfamilie bastelt, kann ich mitteilen, dass dieselbe bekannt gegeben wurde - zumindest die für die ersten drei Monate.

4 Kinder im Alter von 3 bis 13 Jahren, Mutter und Vater und Oma und Opa - ein volles Haus, welches nicht in Numazu, sondern in Fuji steht.

Jetzt können wir endlich über Mitbringsel nachdenken!

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Re: Japan

Beitragvon Higanbana » 10.08.2018, 11:07

Hallo,
TheVillageGirl hat geschrieben:Hallo an alle :)

Ich will noch nicht zu laut schreien oder mir zu viele Versprechungen machen, aber meine Bewerbung bei Rotary wird jetzt direkt an den Jugenddienstleiter des für mich (hoffentlich) zuständigen Clubs geschickt. Das würde für mich heißen, dass ich dem Auslandsjahr ein Stückchen näher kommen würde.

Jetzt kann es sich nur noch um Tage handeln, bis ich eine Antwort bekomme. Also fängt noch mal das große Zittern und Daumendrücken an. Ich halte euch auf dem Laufenden!

Ja, ich druecke dir die Daumen, dass es klappt.

@Higanbana Ich habe auf deinem Blog gelesen, dass es scheinbar einige ATS gestört hat, dass du Deutsche bist und deine Familie damit nicht "rein japanisch". Natürlich wäre das etwas gewöhnungsdürftig, insbesondere für Deutsche, aber ich fände das tatsächlich ziemlich interessant. Aber wie du schon geschrieben hast: Wer nicht will, der hat schon :wink:
Naja, aber was ist schon rein Japanisch? Oder sagen wir mal besser Standardjapanisch? Japan ist so unterschiedlich in den verschiedenen Regionen, dass jemand in Tokyo selbst bei 2 japanischen Eltern eine voellig andere Erfahrung machen wuerde als bei einer Platzierung in Kyushu oder Shikoku oder Hokkaido. Die Schule nimmt den groessten Teil des Tages ein, nach Klubs ist man oft erst gegen 19.30 Uhr bis 20 Uhr zuhause. Und das waere "fruehestens". Am Wochenende ist auch oft Klub und/oder Schule. Und wenn ich an unsere Familie denke, mein Mann spricht schon seit ueber 16 Jahren nur Japanisch mit mir, meine Kinder hatten nie jemand anderen als mich, der Deutsch mit ihnen sprach. Daher war, egal, was ich machte, der Japanischinput immer weeeeeeeit groesser als der deutsche. Und da meinen Kindern Japanischsprechen immer leichter fiel als Deutschsprechen und sie auch seeeeeeehr wohl von klein an auch wissen, dass ich sehr wohl Japanisch spreche, haben sie auch gar nicht erst versucht, auf deutsche Fragen auch Deutsch zu antworten, sondern hoechstens mal ein deutsches Wort in einen japanischen Satz eingebaut. "Willst du Milch?" -"Milch iran (brauch nicht)." "Ist dir kalt?" - "Kalt-kunai." Daher wuerde man selbst sprachenmaessig wenig Deutsch hoeren. Und auch essensmaessig ist alles Japanisch, da auslaendische Sachen dank fehlender Zutaten viel zu aufwaendig waeren. Der einzige grosse Unterschied zu anderen Familien waere, dass wir uns ab und zu einen deutschen oder manchmal auch einen englischen Film anschauen. Das wuerde in reinjapanischen Familien eher nicht passieren. Und natuerlich haette man im Fall des Falles jemanden, sprich eine einzige Person in der Familie, die Deutsch und Englisch versteht. Aber nur mit den Sprachen wuerde man zu keinem anderen Familienmitglied oder auch Freunden eine tiefergehende Beziehung aufbauen koennen. Und wir gehen zu den grossen Kirchenfeiertagen in die Kirche, was einem auch eher selten in japanischen Familien passieren koennte. Immerhin sind nur 1% aller Japaner Christen.

Ich hatte manchmal gelesen, dass zukuenftige ATS fehlende Fortschritte in der Gastlandsprache auf die Existenz einer Deutschen schieben und daher ablehnen. Aber die, die wirklich die Sprache lernen wollten, sprachen die Sprache fliessend am Ende des Jahres. Unsere Finnin mochte Buchlernen nicht und brauchte daher viel zu lange, um mit der aktiven Sprache zu beginnen. Und die letzte Deutsche versuchte nicht einmal, unsere Vorschlaege zur effektiven Sprachaneignung umzusetzen und kam dann mit "Ich kann es mir nicht merken." oder "Der Kopf tut mir weh, wenn ich Japanisch hoere." Im Gegensatz zu der Finnin, die zwar nicht lernte, aber viele japanische Dramen schaute und ein gutes Sprachohr hatte, verbrachte die Deutsche ihre Freizeit mit deutschen und englischen Youtubeclipsschauen. Und daher war dann ihr Japanisch so schlecht wie das von anderen nach 2 Monaten.

Um's kurz zu fassen, du haettest hier bei uns weniger unjapanische Elemente, als du wahrscheinlich erwarten wuerdest. Ich glaube, wir waeren eine groessere Enttaeuschung fuer ATS, wenn wir ploetzlich nach Deutschland ziehen und dort ATS aufnehmen wuerden, weil da dann unsere Lebensweise in vielem Undeutsch waere.

Während Shiruki gerade an der Email an die Gastfamilie bastelt, kann ich mitteilen, dass dieselbe bekannt gegeben wurde - zumindest die für die ersten drei Monate.
4 Kinder im Alter von 3 bis 13 Jahren, Mutter und Vater und Oma und Opa - ein volles Haus, welches nicht in Numazu, sondern in Fuji steht.
Jetzt können wir endlich über Mitbringsel nachdenken!


Herzlichen Glueckwunsch! Schoen, dass ihr endlich Bescheid bekommen habt. Ich hatte uebrigens heute frueh schon mal geschaut, auch Fuji-Shi hat mehrere oeffentliche Baeder und Schwimmhallen, wo Toechterle ihrem Schwimmdrang folgen koennte, ohne unbedingt in den Schulklub eintreten zu muessen.

Ich habe auch mal geschaut, wie weit es ungefaehr ist. Natuerlich weiss ich nicht genau, wo in Fuji sie wohnen wird (Wenn du mir die PLZ 000-0000 per PM schickst, dann kann ich es fuer sie nachschlagen.), aber gesetzt den Fall, ihre Reise beginnt am Fuji (Haupt)bahnhof, dann wird sie inklusive Laufen vom Bahnhof zur Schule ca. 40 min brauchen. Bis zu einer Stunde ist auch bei der relativ weiten Entfernung voellig normal. Wir wohnen auch nur 8 km von der Schule unserer Daenin weg, aber egal, ob sie nun den Zug nimmt oder mit dem Bus faehrt, so wird sie trotzdem mit einer Stunde rechnen muessen.

Ich werde wahrscheinlich naechste Woche wenig Moeglichkeiten haben, lange Ausfuehrungen zu schreiben, weil ich wahrscheinlich nur uebers Handy antworten kann. Aber wenn da noch etwas ist, was ihr wissen wollt, dann meldet euch einfach.

Liebe Gruesse

Higanbana


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