Hilfe! Meine Gastfamilie ist kaputt und unglücklich. Was tun?

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Marieke
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Hilfe! Meine Gastfamilie ist kaputt und unglücklich. Was tun?

Beitragvon Marieke » 01.10.2016, 23:52

Hallo,
ich bin seit jetzt einem guten Monat in England in einer Gastfamilie (Mutter, Tochter und 2 Labradore). Die haben auch zwei ältere Geschwister aber die sind schon auf der Uni. Ich hab mich mega auf die gefreut, deren Briefe am Anfang waren total herzlich und sie haben halt geschrieben dass sie sich total auf mich freuen. Bevor ich ankam hab ich erfahren, dass die Tochter, die da noch lebt und ungefähr ein Jahr älter ist als ich Magersucht hatte und, dass der Vater vor zwei Jahren an Krebs gestorben ist. Ich dachte mir vorher so "okay gut welche Gastfamilie ist schon perfekt und problemlos die sind ja trotzdem total nett." Als ich dann ankam habe ich erfahren dass mit der Magersucht noch längst nicht vorbei ist, sie geht zwar wieder zu Schule nachdem sie ein Jahr wegen Krankenhaus ausgesetzt hat, hat aber immer noch mehrmals wöchentlich Termine im Krankenhaus deswegen und isst auch nicht mit mir und der Gastmutter zusammen. Ist ja immer noch in Ordnung. Dann ist es aber auch so das die Mutter öfters ziemlich depri ist. Meine Gastschwerster hat mir gesagt, dass das was dauerhaftes bei ihr ist (wegen toter Schwester und Ehemann und ihre Magersucht und so). Die Gastschwerster ist auch manchmal echt launisch weil sie noch OCD hat, das ist so was wie ein Putzzwang, wenn ich es richtig verstanden hab. Und generell ist das alles halt ne schwierige Situation und ich kann ja auch verstehen, dass die dann auch gern Zeit zu zweit verbringen so "Mutter-Tochter" mäßig halt. Ist ja auch wichtig. Es ist nur so dass die nur was zu zweit machen und ich mir total außenvorkomme und die mir das Gefühl geben total unerwünscht und überflüssig zu sein. Ich bin halt diejenige die bei ihnen lebt und um die man sich kümmern muss weshalb sie aber im Monat 400 Pfund bekommen. Ich meine die Gastschwester spricht fast gar nicht mit mir, außer um mich zu fragen ob ich die Küche auch wirklich ordentlich verlassen habe. Wir haben auch fast nichts gemein und die Gastmutter ist halt meistens in ihrem Zimmer wo ich sie dann natürlich auch nicht stören will. Heute habe ich erfahren dass der Vater am 25. Dezember gestorben ist und das Weihnachten bei denen deswegen wahrscheinlich auch nicht so glücklich wird. Das klingt total egoistisch wenn ich das so schreibe und mir tut das auch echt leid, dass die Familie es so schwer hat aber ich denke halt auch wenn man null zeit für einen Austauschschüler hat und genug eigene Probleme hat dann sollte man erstmal die lösen bevor man sich einen Austauschschüler holt. Ich meine ich will nicht jeden Tag deren Launen aushalten müssen. Ich hatte die letzten Tage total Heimweh und dass haben die halt auch nicht mitbekommen ist ja auch in ordnung, konnten sie ja gar nicht. Ich war in meinem Zimmer, aber was ich sagen will ist, das zieht mich halt auch total runter...
Ich würde halt gerne eine schöne Zeit hier haben und auch mal was mit der Gastfamilie machen und nicht nur mit denen unter dem gleichen Dach schlafen.
Was denkt ihr ist das ein Grund für einen Gastfamilienwechsel oder sollte ich das aushalten? Gibt es in so einer Situation überhaupt eine Lösung durch Kommunikation oder ist die Ausgangslage einfach zu problematisch? Oder übertreibe ich total?!?!?

Ps. 85 Zugriffe bis jetzt und niemand kann mir irgendwas konstruktives sagen... Bitte irgendwas...

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Grey
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Re: Hilfe! Meine Gastfamilie ist kaputt und unglücklich. Was tun?

Beitragvon Grey » 03.10.2016, 01:12

Hallo Marieke,

eigentlich will ich - vielmehr kann - ich Dir keine Tipps geben, sorry. Denn ich war seit langer Zeit nicht mehr aktiv hier und habe nur zufällig, als ich hier rumgeklickt habe, Deinen Post gesehen. Da Du um Antworten bittest und ich nicht weiß, ob irgendeine Antwort vielleicht nicht besser als gar keine ist:
Kannst Du Dich grundsätzlich an Deine deutsche Organisation wenden?
Denn meine Intuition wäre es, dass zwar Gastfamilien keinesfalls perfekt sein müssen und dass man sich als Gastschüler*in in eine Familie einlebt, wie sie eben ist, mit Höhen und Tiefen. Die "Tiefen" sind jedoch begrenzt. Das bedeutet, dass Extremsituationen nicht ausgehalten werden müssen (ob da die gleichen Vorgaben gelten wie für nicht-Gastkinder, muss ich mal bei einem Kaffee und einem Ethik-Buch überlegen, oder so).
In Deinem Fall kommt es mir so vor, als ob die Lage belastend genug wäre, dass zumindest mal darüber geredet werden könnte, wie man weiter verfährt, und dass es nicht nur an Dir liegt, Dich eben besser an eine andere Familie und Mentalität anzupassen.
Ich würde vermutlich Deine Frage nach der Lösung durch Kommunikation vorsichtig positiv beantworten und wahrscheinlich (zumindest aus heutiger, erwachsener(er) Sicht) trotz Depression bei der Mutter und Anorexie/OCD der Tochter versuchen, das Gespräch mit der Gastfamilie zu suchen um zu schauen, inwiefern sie vielleicht überhaupt mitbekommen, dass sich ihr Verhalten auf Dich auswirkt. Ich finde es wichtig, dabei jedoch sensibel vorzugehen. Der Tod eines Familienmitgliedes oder eine Erkrankung ist nicht die Schuld der Familie und die Belastungen dadurch sind sicherlich auch für englische Familien ein schwieriges Thema und so sollte beim Vorbringen Deines Unwohlseins kein starker Vorwurf mitschwingen. Auch wenn Du Dich zurückgewiesen fühlst durch die Nichtbeachtung, glaube ich, dass es kontraproduktiv wäre, auf starke Konfrontation zu gehen.
Ich habe keine Erfahrung mit bezahlten Gastfamilien und weiß daher nicht, ob Deine Gastfamilie auf das Geld angewiesen ist. Falls ja, befürchte ich, dass sie vielleicht, obwohl sie selbst die Situation vielleicht als belastend empfindet und aufgrund der internen Probleme noch nicht bereit ist, die Familie für ein Gastkind zu öffnen, eventuell nicht wirklich zu einem offenen Gespräch, bei der auch ein möglicher Wechsel angesprochen wird, zu bringen sein könnte. Wie gesagt, nur ein Gedanke aus der Ferne, ob meine Bedenken zutreffen oder ob ich Deiner Gastfamilie nicht großes Unrecht tu, weiß ich nicht.
Deswegen meine Frage nach der Organisation. Kommst Du selbst bei Deiner Gastfamilie nicht weiter und siehst keine Möglichkeiten, die Situation zu verändern oder Dich so einzurichten, dass sie für Dich tragbar wird (bspw. durch verstärkte Aktivität außerhalb der Familie - ich weiß, dass manche hier nicht sehr froh mit ihren Familien waren, aber ein starkes soziales Umfeld hatten es deswegen in Kauf nahmen), wäre es vielleicht eine Option, von außen zumindest mal Rat zu holen, ob es irgendwelche Möglichkeiten gibt, die noch nicht ausgeschöpft sind. Falls es da keine direkte Ansprechperson in der Nähe gibt, wäre mein Vorschlag die Austauschorganisation.
Du schreibst, dass Du Angst hast, egoistisch zu wirken, aber Deine Gedanken wirken ziemlich reflektiert. Total glücklich ohne jegliche Vorschläge für Dinge, die besser sein könnten, wäre in Deiner Situation wohl niemand. Nur zu Weihnachten noch ein Hinweis: Es gibt auch Gastschüler*innen, die in nicht-christliche Familien kommen. Dort wird dann kein Weihnachten oder eben andere Festen zu anderen Zeiten oder auch gar nichts gefeiert. Es ist natürlich noch einmal etwas anderes, wenn es ein paar Tage lang eine ganz komische Stimmung aufgrund eines sich jährenden Todestages gibt. Aber vielleicht kannst Du ja trotzdem etwas aus dem Hinweis machen.

Wie gesagt: Ich bin aus dem ganzen Austausch-Universe schon lange raus, ich weiß nicht, ob es neue Leitlinien zur Auswahl von Gastfamilien oder zum Wechsel gibt und darüber, wer sich wie wem anpassen muss. Ich bin in keinster Weise qualifiziert dazu, Rat zu geben. Ich habe lediglich Deinen Post und Deine Bitte gesehen und fand es schade, dass niemand antwortete und wollte Dir daher ein Feedback darüber geben, wie ich vorgehen würde. Als Hintergrund zu mir, damit klar wird, dass das, was ich sage, wirklich mit einem grain of salt aufzunehmen ist: Ich hatte eine nicht-kaputte Gastfamilie und habe es trotzdem geschafft, mich mit ihnen zu überwerfen und das ATJ vorzeitig zu beenden. Was ich daraus gelernt habe ist jedoch, in den meisten Situationen frühzeitig das Gespräch zu suchen und mich auch nicht zu scheuen, mal Personen um Rat oder Hilfe zu fragen. Deswegen die Gedanken zum Gespräch mit der Gastfamilie und der Kontaktaufnahme mit der Austauschorganisation.

Viel Erfolg bei allem und trotz allem eine schöne Zeit wünsche ich Dir! Ich denke hier an Dich. :drueck:

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Re: Hilfe! Meine Gastfamilie ist kaputt und unglücklich. Was tun?

Beitragvon Marieke » 03.10.2016, 20:00

Danke für deinen lieben Post!
Ich wollte die Situation nicht weiter aussitzen und da die Gastfamilie nie Zeit für ein Gespräch hatte habe ich meinen Rep um Hilfe gebeten und sie ist wirklich sensible und hat mir auch versichert dass es jetzt nich darum geht irgendwen zu beschuldigen, was total in meinem Sinn ist, sonder einfach eine Lösung zu finden. Für mich kann es so nicht weiter gehen kann man jetzt verstehen oder nicht aber für einen Monat oder Zwei komme ich damit klar aber nicht für zehn.
Noch mal vielen Dank :))

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Re: Hilfe! Meine Gastfamilie ist kaputt und unglücklich. Was tun?

Beitragvon Grey » 03.10.2016, 21:17

Ach, ja, Reps gibt es ja auch noch. Umso besser, wenn Du das direkt über sie laufen lassen kannst und nicht über einen Umweg über Deutschland.
Hoffentlich findet sich bald eine zufriedenstellende Lösung!

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Re: Hilfe! Meine Gastfamilie ist kaputt und unglücklich. Was tun?

Beitragvon Souri » 08.10.2016, 01:42

@Grey schön dich mal wieder hier zu lesen.

Ich muss ganz ehrlich sagen, dass eine solche Situation mich damals in meiner Zeit als ATS überfordert hätte. Heutzutage weiss ich mich psychischen Krankheiten und deren Resultaten umzugehen, aber ich bin ehrlich mit 16 wusste ich das nicht. Ich glaube damals wäre meine Taktik gewesen mich aus solchen komplexen familiären Problemen herauszuhalten und zu versuchen die Familie zu wechseln und ehrlich gesagt halte ich das nicht mal für einen schlechten Rat für einen ATS. Klar man muss Änderungen vertragen, aber man ist auch kein Therapeut für die Familie.
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Re: Hilfe! Meine Gastfamilie ist kaputt und unglücklich. Was tun?

Beitragvon Orava » 08.10.2016, 22:34

Ich unterschreibe den Post von Souri. Man sollte als ATS mit vielen Situationen leben können, das ist aber finde ich nicht unbedingt eine davon. Ich kann auch Grey nur zustimmen; ich finde es beeindruckend, dass du so reflektiert damit umgehst. Ich glaube, du wirst das Richtige machen.
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