2010/2011

Themen zu Jahrgängen, die (noch) kein eigenes Unterforum haben gehören hier hinein. Sollten sich Themen zu einem Jahrgang häufen, wird u.U. ein eigenes Forum eingeführt. Allgemeine jahrgangsübergreifende Themen gehören weiterhin in das Allgemeine oder die Zeit-Foren.

Wo wollt ihr euer ATJ verbringen?

Afrika
5
1%
Asien
26
6%
Europa
68
16%
Mittel-und Südamerika
67
16%
Nordamerika
225
54%
Ozeanien
24
6%
 
Abstimmungen insgesamt: 415

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Jaka
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Re: 2010/2011

Beitragvon Jaka » 20.03.2013, 00:24

pink.lurchi hat geschrieben:Wie schmeichelhaft... ich hoffe mein Jahr dort wird auch so gut. ;)

gut war mein Jahr nicht unbedingt aber das Land ist wundervoll :)
Ich mache in der Ukraine ein FSJ und zwar in einer jüdischen Gemeinde :schuechtern:
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Liraelle
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Re: 2010/2011

Beitragvon Liraelle » 27.06.2013, 03:15

Leute es ist unglaublich dass unser ATJ jetzt so lange zurückliegt... Drei Jahre seit wir aufgebrochen sind :o ... Die meisten von uns haben jetzt wohl gerade Abi gemacht... Denkt ihr oft an das Jahr zurück? Ehrlich gesagt habe ich das Gefühl, viel zu oft noch an Chile zu denken, also dafür dass es schon so lange her ist, eigentlich fast jeden Tag. Ich hör zum Beispiel auch fast nur noch Latino-Musik seit ich wieder da bin, praktisch nichts anderes mehr :lol: Gar nicht mal aus Nostalgie oder so, sondern weils mir einfach gefällt... Und auch sonst gibts noch einige "Chile-Gewohnheiten", die ich aufrecht erhalte, was ja eigentlich auch schön ist!
Kontakt habe ich noch zu meinen wichtigsten Freunden von dort, zwar nicht gerade oft, aber dafür regelmäßige, lange Texte, und das find ich toll. Zu einigen Leuten ist der Kontakt auch komplett eingeschlafen, aber ich denke das ist normal...
Na ja, jedenfalls habe ich in letzter Zeit irgendwie vermehrt drüber nachgedacht.. vor dem ATJ, währenddessen und direkt danach war es irgendwie DAS wichtigste Ereignis im Leben, klar.. ich habe mich irgendwie übers ATJ definiert. Jetzt ist es zwangsläufig übergegangen zu einem wichtigen Ereignis der Vergangenheit.. Traurig irgendwie, aber so ist es eben.
Jetzt, wo ich noch einmal ins Ausland gehe, versuche ich irgendwie, das in meinem Kopf strikt zu trennen, um nicht wenn ich in Tansania bin zu viel zu vergleichen, und auch, weil ich nicht will, dass meine Tansania-Erfahrungen die in Chile in irgendeiner Form "ersetzen" oder "überdecken" (oh Gott, versteht jemand was ich meine? xD Das ist so schwer in Worte zu fassen... ich will einfach nicht, dass Chile und "meine" Chilenen nur wegen der neuen Auslandserfahrung und den neuen Leuten die ich kennenlernen werde irgendwie weniger wichtig für mich werden)

Wie siehts bei euch so aus? Habt ihr schon irgendwie mit dem Jahr "abgeschlossen" und es irgendwie "abgehakt" (ganz geht das natürlich nie, schätze ich..) oder denkt ihr auch noch so oft daran zurück?
(Können auch gern Leute aus anderen Jahrgängen antworten.. ich habe gerade eine kleine Nostalgiephase, ausgelöst von meinen Tansania-Vorbereitungen, und fänds echt toll zu wissen ob es nur mir so geht gerade bzw. ob das normal ist :) )

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Re: 2010/2011

Beitragvon Jaka » 27.06.2013, 08:54

@Liraelle mir geht es genau so wie du, viele meiner Freunde wollten nichts mehr mit mir zu tun haben wiel ich am Anfang zu oft über Costa Rica geredet habe. Ich gehe ja jetzt in die Ukraine und ich versuche auch das so gut es geht zu trennen. Ich weiß nicht ob es für das FSJ eher ein Vor oder ein Nachteil ist dass ich schonmal weg war.
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Re: 2010/2011

Beitragvon tammyaway » 27.06.2013, 09:52

Ich denke auch noch oft an mein ATJ, klar es war auch die Zeit die mich bis jetzt am meisten geprägt hat.
Mir hat es sehr geholfen dass ich bei AFS ehrenamtlich arbeite. da verstehen mich alle :P
Ich habe im Spanisch-Abi über die Motorradreise von Che Guevara gehalten und irgendwie versteh ich sein Zitat über diese Reise "Ich bin nicht mehr ich, zumindest in meinem inneren nicht. Diese Reise hat mich mehr verändert als ich geglaubt habe"
Ist schon was wahres dran ;D
In 2 Wochen gehts nach NZ für ein Praktikum und am September fang ich meine Ausbildung an :lol:
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Re: 2010/2011

Beitragvon Liraelle » 27.06.2013, 15:10

Jaka hat geschrieben:Ich weiß nicht ob es für das FSJ eher ein Vor oder ein Nachteil ist dass ich schonmal weg war.

Ich glaube unterm Strich ist es auf jeden Fall ein Vorteil.. Zumindest hat man vieles schon einmal durchlebt, zum Beispiel die verschiedenen Phasen der Anpassung, die Erfahrung wie es ist sich endlich eingelebt zu haben und sich zu Hause zu fühlen, man weiss, wie schnell so ein Jahr vorbeigeht und dass dann die Probleme die man hatte in den Hintergrund rücken.. Es kann vllt ein Nachteil sein wenn man am Anfang zu viel vergleicht, und ich glaube bei einem FSJ oder bei weltwärts ist es wohl zumindest am Anfang viel schwieriger einheimische Freunde zu finden, schon allein weil man nicht zur Schule geht, und da könnte, wenn man vergleicht, das ATJ anfangs viel besser bei wegkommen... deswegen würde ich sagen, wenn man sich dieser Problematik sehr bewusst ist und das im Kopf strikt trennt, sollte das kein Problem sein und dann finde ich ist es ein Vorteil :) Hab aber auch schonmal über genau das gleiche nachgedacht, ob es nicht auch ein Vorteil ist, einfach komplett unvoreingenommen zu sein, ohne hohe Erwartungen und so.. Na ja es ist wie es ist, wir werden bestimmt ne super Zeit in der Ukraine bzw. Tansania haben :D

tammyaway hat geschrieben:"Ich bin nicht mehr ich, zumindest in meinem inneren nicht. Diese Reise hat mich mehr verändert als ich geglaubt habe"

Wie schön :rollsmily: Echt viel wahres dran, vor allem rückblickend..
Das wird bestimmt toll in NZ.. wie bist du denn an die Praktikumsstelle rangekommen, und was genau machst du da? :)

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Re: 2010/2011

Beitragvon tammyaway » 27.06.2013, 16:05

Liraelle hat geschrieben:Das wird bestimmt toll in NZ.. wie bist du denn an die Praktikumsstelle rangekommen, und was genau machst du da? :)

Ich bin über GLS gegangen, weil ich jetzt während dem Abi nicht so die Zeit und die Muse hatte mich selbst darum zu kümmern. Ich arbeite in Wellington im Bats Theatre. Das ist ein- wenn ich das richtig verstanden habe- ein Modern Arts Theatre. Meine Ansprechpartnerin hat mir erzählt dass sie mich im administrativen Bereich einsetzten will, ich allerdings abends auch mal an der Garderobe aushelfen soll damit ich mir die Aufführungen anschauen kann. Ich freue mich so, meine Ansprechpartnerin klingt so nett und meine Gastfamilie dort auch.
Was machst du in Tansania?
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Re: 2010/2011

Beitragvon Liraelle » 27.06.2013, 16:52

Das mit dem Theater klingt echt richtig toll! Da wirst du bestimmt ne super spannende Zeit haben! :D
Ich werde in ganz verschiedenen Projekten arbeiten, hauptsächlich in einem HIV-Projekt, bei dem HIV-Patienten zu Hause besucht und betreut werden, aber auch in verschiedenen Schulen unterrichten, und auch ein paar administrative Sachen bei meiner Orga vor Ort.. finde ich ganz gut so, ich glaube ein Jahr lang in derselben Einrichtung zu sein würde mich irgendwann vielleicht langweilen, so bin ich flexibel :D

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Re: 2010/2011

Beitragvon Orava » 27.06.2013, 18:55

Liraelle hat geschrieben:vor dem ATJ, währenddessen und direkt danach war es irgendwie DAS wichtigste Ereignis im Leben, klar.. ich habe mich irgendwie übers ATJ definiert. Jetzt ist es zwangsläufig übergegangen zu einem wichtigen Ereignis der Vergangenheit.. Traurig irgendwie, aber so ist es eben.
Ich verstehe, was du meinst. Aber bei mir ist es irgendwie immernoch (ich bin ja noch viel länger schon nicht mehr in Finnland ;) ) mehr als ein wichtiges Ereignis der Vergangenheit. Irgendwie hat sich "mein Ich" von vor dem Austauschjahr als ziemlich andere Person in meinem Kopf etabliert. Ich denke manchmal so Sachen wie "puh, warum hast du das damals eigentlich gemacht/gut gefunden/gewollt?" und dann fällt mir wie als Erklärung ein: "ach, das war ja vor Finnland." Und obwohl das schon so lange zurückliegt, teile ich mein Leben stark in "vor Finnland" und "nach Finnland" ein, und "vor Finnland" liegt ja in der Realität ein Jahr länger zurück als "nach Finnland", aber vom Gefühl her viel länger. Ich kann mich noch ganz gut in mich mit fast 18 reinversetzen, aber praktisch garnicht mehr in mich mit gerade 16.
(War das verständlich ausgedrückt?)
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Re: 2010/2011

Beitragvon Liraelle » 27.06.2013, 19:35

Das war total verständlich ausgedrückt, ja! Und ich bin froh dass du das geschrieben hast, denn mir geht es genauso, ohne dass ich es so in Worte hätte fassen können! Bei mir ist das auch ziemlich extrem, wenn ich an mein Vor-Chile-Ich zurückdenke, ist das einfach ein ganz anderer Mensch, ich kann äußerlich daran zurückdenken, was ich gemacht habe, auch größtenteils was ich gedacht und gefühlt habe, aber ich kann mich nicht mehr reinversetzen und vieles nicht mehr nachvollziehen.
Verrückterweise könnte ich sogar mehr oder weniger den Finger auf die Stelle in meinem ATJ legen, als ich vom alten zum neuen Ich wurde, auf den Monat genau :lol: Klingt verrückt, aber in dieser Zeit ist so einiges passiert, was mich einfach verändert hat...
Orava, wie war das denn bei dir, als du dann nochmal im Ausland warst, war das auch wieder eine Art "Cut" in deiner Persönlichkeitsentwicklung, oder ist das vielleicht einfach beim ATJ so heftig, weil man da einfach noch so jung und "formbar" ist? Ich finde den Gedanken komisch, nächstes Jahr nach weltwärts eventuell wieder ein ganz anderer Mensch zu sein, obwohl das ja an sich nichts schlechtes ist..
Zuletzt geändert von Liraelle am 27.06.2013, 20:23, insgesamt 1-mal geändert.

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Re: 2010/2011

Beitragvon Orava » 27.06.2013, 20:23

Ich würde auf jeden Fall sagen, dass es beim Auslandsschuljahr viel heftiger ist als später. An mir selbst kann ich das jetzt nicht beweisen, ich war seitdem nurnoch zweimal für einen Monat im Ausland. Im September gehe ich nochmal für ein Semester weg.

Meine beiden Sommerunis (1 Monat Finnland 2010/1 Monat Färöer 2011) waren beide extrem intensiv. Finnland war allerdings einfach schon sehr normal für mich, auch wenn ich die Stadt vorher nicht kannte, man weiß einfach wie es läuft. Die Zeit auf den Färöern war der Wahnsinn, und ich denke andauernd daran, und vermisse die Färöer jedes Mal, wenn ich ein Bild sehe... und ich habe sogar zu ein paar Leuten aus dem Kurs noch Kontakt. Ich glaube schon, das das Erlebnis mich auch geformt und verändert hat. Aber nicht so im Kompletten wie das Auslansjahr.

Bei mir zumindest war es so, dass ich als Kind/Jugendliche einfach viel mehr versucht habe, wie alle anderen zu sein. Ich wollte die Klamotten tragen die gerade alle anhatten, fand Musik gut, die die anderen gutfanden, wollte meinen KlassenkameradInnen gefallen und dabei sein bei dem, was die machen. Vor dem Austauschjahr habe ich angefangen zu merken, dass die meisten Leute eigentlich garkeine Menschen sind, die es verdient habe, dass ich sie nachmache. Ich habe angefangen, Sachen zu machen, weil ich sie WIRKLICH gutfand. Musik gehört, die außerhalb vom Mainstream war und so. Aber nach dem Austauschjahr war ich da plötzlich viel, viel weiter und habe mich getraut, auch zu zeigen, dass ich mein eigenes Ding mache und dass nicht jede in der Schule "meine ABF" ist.

Ich denke später haben die Leute einfach generell schon mehr Selbstbewusstsein. Dadurch ist der Unterschied vielleicht nicht mehr so krass.
Meine Erklärung. Falls jemand eine andere hat, her damit, interessiert mich auch sehr.
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Re: 2010/2011

Beitragvon Mysla » 28.06.2013, 20:02

Bei mir war es so, dass ich mein zweites Auslandsjahr als nicht mehr ganz so intensiv wahrgenommen habe. Wenn man hier die Hopees und Awayess und frisch Zurückgekehrten schreiben sieht, merkt man ganz schnell, dass eigentlich alle von "zwei Leben" schreiben. Diejenigen, die jetzt in ein paar Monaten aufbrechen, schreiben fast so, als würden sie fuer immer auswandern und nicht nur fuer ein paar Monate ins Ausland gehen. Hinterher kommt die Frage, ob sie in Deutschland ueberhaupt noch leben können.
Ich denke, zum einen hat das damit zu tun, dass es der erste große Bruch im Leben fuer die meisten ist. Es gab IMMER schwarz und weiß (also richtig & falsch, gut & böse, dazugehören & Außenseiter sein) — und dann wird man von heute auf morgen in eine andere Realitaet verpflanzt und muss schauen, dass man alles richtig macht, zu den Guten gehört und vor allem kein Außenseiter wird. Und ganz plötzlich erscheint einem die "alte", die deutsche, Realitaet falsch.
Jetzt bei einem Auslandsstudium hab ich gemerkt, dass diejenigen, die ihr ganzes Leben bei ihren Eltern verbracht haben und dann im Ausland zum ersten Mal auf sich allein gestellt waren, das aehnlich krass wahrgenommen haben. Angst vor der Rückkehr, "THIS is my home now, I can't go back" usw. Zwei meiner Kommillitonen in Deutschland haben auch bei ihren Eltern gewohnt noch und sind gleichzeitig wie ich ein Jahr im Ausland gewesen — man erkennt zumindest die eine kaum wieder und auch die andere hat sich wirklich stark veraendert. Erwachsen geworden, möchte man fast sagen :lol:

Fuer mich war es mehr wie ein dritter Stein in einem großen inkompletten Mosaik. Meine Sichtweise auf mein ATJ hat sich veraendert, obwohl ich kaum beschreiben kann inwiefern. Es ist irgendwie mehr ein Teil von mir geworden, vielleicht auch weil ich dort von den meisten als Neuseelaenderin gesehen wurde und das Widersprechen irgendwann aufgegeben habe. Ich konnte den Zeitraum 10 Monate vorher auch ganz gut abschaetzen und wusste, das ist nicht fuer immer. Allerdings hab ich mich auch nicht mehr so sehr auf das alles eingelassen. Es war nicht mehr mein Ziel nur mit Einheimischen zu tun zu haben, ich habe auch die Gemeinschaft mit den andren Internationals genossen. Fuer mich war der Aufenthalt auch die Zeit und der Abstand, den ich von diversen privaten Problemen gebraucht habe.

Veraendert habe ich mich auch dieses Mal. Ganz rausgefunden habe ich es noch nicht, aber ich weiß jetzt besser, wo ich stehe und was ich prinzipiell (nicht) will. Und meiner angeschlagenen Gesundheit hat's auch ganz gut getan :wink:

Wooops, das ist'n Roman geworden. Man merkt, ich hab meine Gedanken bezueglich dieses Themas auch nicht so ganz geordnet :oops:
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Re: 2010/2011

Beitragvon Orava » 29.06.2013, 17:08

Mysla hat geschrieben:Jetzt bei einem Auslandsstudium hab ich gemerkt, dass diejenigen, die ihr ganzes Leben bei ihren Eltern verbracht haben und dann im Ausland zum ersten Mal auf sich allein gestellt waren, das aehnlich krass wahrgenommen haben. Angst vor der Rückkehr, "THIS is my home now, I can't go back" usw. Zwei meiner Kommillitonen in Deutschland haben auch bei ihren Eltern gewohnt noch und sind gleichzeitig wie ich ein Jahr im Ausland gewesen — man erkennt zumindest die eine kaum wieder und auch die andere hat sich wirklich stark veraendert. Erwachsen geworden, möchte man fast sagen :lol:
Das kann ich auch unterstreichen. Vielleicht ist es wirklich eher, das erste Mal von zuhause wegzusein. Vor meinem Austauschjahr hatte ich 2 beste Freundinnen. Nach dem Austauschjahr konnte ich kaum noch was mit ihnen anfangen, ich sie waren in meinen Augen wahnsinnig kindisch. Eine der beiden war nach dem Abi als Au Pair in den USA, und hat dadurch definitiv aufgeholt. Die zweite ist jetzt Masterstudentin, wohnt bei ihren Eltern und ist noch immer ein... positiv gesagt "recht kindlicher", negativ gesagt "komplett weltfremder" Typ.

Das ist auch mein Problem mit dem Erasmus-Programm derzeit. Ich gehe ja im Herbst mit Erasmus ins Ausland, und fühle mich jetzt schon total bevormundet. Das ist einfach ein Programm, das davon ausgeht, dass die Teilnehmer noch nie allein im Ausland waren und wahrscheinlich noch bei ihren Eltern wohnen... :roll: Klar, für solche Leute ist das eine tolle Sache, ich freu mich ja für die, wenn die jetzt mal rauskommen. Aber ich persönlich brauche den ganzen Kram drumrum eigentlich echt nicht.
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Re: 2010/2011

Beitragvon Ravna H. » 29.06.2013, 19:17

Ich bin ja auch wieder im Ausland, allerdings am gleichen Ort wie im ATJ, und bis ich im August ins Wohnheim ziehen kann, wohne ich auch bei meiner Gastfamilie.

Wie sich das diesmal vom ATJ unterscheidet, lässt sich nach fast zwei Wochen natürlich noch nicht sagen. Aber auch wenn man mal davon absieht, dass ich diesmal die Landessprache von vornherein kann, merke ich, dass es eine ganz andere Ravna ist, die diesmal in Norwegen angekommen ist. Vor drei Jahren war ich schüchtern, unsicher und ziemlich unzufrieden mit mir selbst und mit wer ich war, und ich hätte mich ganz bestimmt nicht getraut, irgendwo alleine hinzugehen, um etwa eine Aufenthaltsgenehmigung zu beantragen. Auch nicht, wenn ich schon Norwegisch gekonnt hätte. Natürlich besteht auch sowieso ein Unterschied zwischen fast 17 und fast 20, aber ich habe auch als ich z.B. mit einer Freundin in Paris war, gemerkt, dass ich eine ganz andere Haltung zu "Alleine in einem anderen Land" und überhaupt zu Selbstständigkeit habe, als sie, deren ganze Wegvonzuhause-Erfahrung aus 3 Wochen Besuch der Partnerschule bestand.
Meine Haltung zu "zu Hause" hat sich aber verändert. Ersteinmal habe ich ja eigentlich sowieso nicht vor, innerhalb des nächsten Jahres wieder nach Deutschland zu ziehen (und wenn doch, dann nicht zu meinen Eltern), aber ich trenne bei Freunden nicht mehr so streng zwischen Norwegen und Deutschland. Wenn ich mit jemandem telefoniere, dann, weil ich in Kontakt bleiben will, egal, ob derjenige gerade in Berlin oder im Nachbarhaus ist. Es gibt nicht diese Einteilung in "Das hier ist Ausland, dass musst du jetzt voll ausnutzen" und "Das hier ist Deutschland, dass ist jetzt erstmal außen vor". Dadurch fühlt sich mein Leben aber auch irgendwie kompletter an. Ich kann die komische Ravna, aufgewachsen in Berlin, die gerade in Bergen wohnt sein, und nicht die Austauschschülerin, die sich anpasst und deswegen aber gerade ein bisschen zwischen den Stühlen steht.
Immer noch die alte Ravna. Nur sollte man nicht gleichzeitig seine Emailadresse deaktivieren und das Forenpasswort vergessen.

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Re: 2010/2011

Beitragvon Mysla » 29.06.2013, 22:37

Also ich fand Erasmus da ganz entspannt in der Hinsicht. Man wird ja nicht gezwungen die "Hilfestellungen" anzunehmen. Ich habe aber gemerkt, dass viele sehr froh waren, dass ihnen jemand nochmal personlich erklaert, wie die Behoerdengaenge funktionieren. Ist ja nicht so, dass es auf der Internetseite und in DREI Info-Zetteln der Uni stand. XD Oder die Erasmus-Partys, dass man ja nicht in Verlegenhet geraet, mal mit Einheimischen was zu machen.

Da gings mir dann aber aehnlivh, wie ravna beschrieben hat. Ich hatte nie den Anspruch islaendisch zu werden - in NZ wollte ich um jeden Preis dazugehoeren. Ich wollte natuerlich Islaender kennenlernen, aber was spricht gegen eine Freundschaft zu Leuten aus Spanien, Deutschland oder Australien? Hauptsache sie sind nett. Dort hatte ich zeitweise auch viel Kontakt zu Uni-Freunden aus Deutschland. Es waren diesmal halt nicht zwei Leben, auch nicht 3, sondern ein einziges. Und ob ich da jetzt in Reykjavik, Wellington oder Stuttgart wohn, spielt keine grosse Rolle, ausser dass natuerlich andere Menschen dann jeweils da wohnen ;-) dementsprechend hatte ich auch nicht so sehr dieses "ich bin im Ausland und muss alles ausnutzen"-Gefuehl. Das fand icherdiga fast schon wieder schade. Man muss es ja nicht gleich uebertreiben, aber das meiste rauszuholen, ist doch immer gut. Hab ich mir jetzt fuer Deutschland vorgenommen.

Ich bin jetzt allerdings auch auf die naechsten 12 Monate gespannt, denn eigentlich war es das Jahr nach dem ATJ, das mich fast noch mehr gepraegt hat. Und auch jetzt seh ich Deutschland wieder mit ganz anderen Augen, noch mehr "von aussen". Mal gucken also, was die Wiedereingliederung bringt
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Re: 2010/2011

Beitragvon Doerdey-goes-USA » 20.08.2013, 21:17

Ich bin grade dabei die Formulare für ein halbes Jahr Au Pair in Australien auszufüllen und habe so ein richtiges Deja-Vu.. Die persönlichen Angaben, das Medical, usw.. Und mir fällt jetzt erst auf das ich das am meisten vermisse.. Das Beste an allem war für mich die Zeit vor den ATJ, die Aufregung, die Ungewissheit, und dann die Neuheiten, wenn man schließlich da war.. Das fehlt mir total und ich freu mich voll dass mich wieder so eine Aufregung erwartet :)
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