Türkei

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ranima
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Re: Türkei

Beitragvon ranima » 03.06.2013, 22:39

Geht jemand nächstes Schuljahr in die Türkei?

Wie viel kriegt ihr in Deutschland eigentlich von den Unruhen in Istanbul mit? Hier in der Türkei hört man über die öffentlichen Medien so gut wie garnichts. :-?
Ist echt sehr schockierend diese Situation! :(
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Sophie :)
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Re: Türkei

Beitragvon Sophie :) » 03.06.2013, 22:51

Ich geh diesen Sommer in die Türkei. :) Hab aber noch keine Gastfamilie.

Ja, hab sogar schon von einer Ats in der Türkei gehört, dass Erdogan die Idee hatte, das Internet abzustellen und bereits einzelne Facebook-Accounts
blockiert worden sind?! .. Echt traurig. Ist aber auch beeindruckend und schön zu sehen irgendwie, wie sich soviele Menschen
gegen Polizeigewalt solidarisieren.
Ich find, eigentlich kriegt man hier relativ viel mit. Zumindest ist es immer in den Nachrichten, in den Zeitungen und ich
halt mich mit sonem Blog auf dem Laufenden, wo alle Bilder/Videos gesammelt werden.
Wo bist du denn und kriegst du direkt was von den Unruhen mit bzw. beteiligen sich irgendwelche Freunde/Mitschüler?
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Re: Türkei

Beitragvon Marios-kun » 10.06.2013, 22:43

Ich finde die Situation dort wirklich sehr schade, denn die Türkei war eines der Länder, die wirklich gezeigt haben, das das Land auch westlich, demokratisch und modern sein kann, trotz dieser ganzen Vorurteile, wie z.B. der Religion, aber wenn das so weitergeht... Es kam ja vor kurzem im Fernsehen, die ganzen neuen Gesetze, die Ausrottung von Istanbuls Nachtleben, oder wie Turkish Airlines seine Stewardessen behandelt. Am liebsten würde ich in die Türkei gehen und protestieren und das sage ich als Grieche!
Zuletzt geändert von Marios-kun am 11.06.2013, 23:35, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Türkei

Beitragvon Kai » 10.06.2013, 23:18

Sind im Umkehrschluss also alle anderen Staaten, in denen der Großteil der Bevölkerung muslimisch ist, unwestlich, undemokratisch und unmodern? Ich empfehle Edward Saids "Orientalism" als Lektüre ;)
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Re: Türkei

Beitragvon Marios-kun » 11.06.2013, 23:39

Das hab ich nicht gemeint, ich hab mich falsch Ausgedrückt, was ich meine ist, dass die Türkei einfach ein Land ist, dass sich gegen diese ganzen Vorurteile, die in der ganzen Welt existieren (vor allem hier :roll: ), geschlagen hat. Die Türkei hat einfach genau das Gegenteil bewiesen. Ist jetzt besser rüber gekommen was ich meine?
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Re: Türkei

Beitragvon Kai » 12.06.2013, 01:04

Welches Gegenteil hat die Türkei denn bewiesen? Dass sie genau so toll nation-building betreiben und säkular sein können wie die Europäer (vgl. Mustafa Kemal in den 1920ern)? Dass sie das Kalifat und Millet-System aufgegeben haben zugunsten einer zugegebenermaßen weniger expansionistischen aber dennoch Minderheiten stark diskriminierenden Politik?

Ich möchte, wie gesagt, nur anregen, zu bedenken, mit welche kulturellem Hintergrund man solche Aussagen tätigt, Stichwort: Eurozentrismus.

Ich persönlich finde die doppelzüngige Politik (innen- wie außenpolitisch) von Erdogan, Gül und AKP auch alles andere als gut und unterstütze die friedlichen Proteste, aber ich versuche, meinen Zeigefinger ein wenig zu zügeln ;)
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Re: Türkei

Beitragvon ranima » 20.06.2013, 21:15

Ich bin in Alaplı und hier bekommt man nicht wirklich viel von den Unruhen mit - zum Glück. Es gibt aber einige Mit-AFSer in Istanbul, die dürfen sich von AFS und den Familie aus nicht mehr frei bewegen, sondern müssen immer und überall Bescheid sagen.
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Re: Türkei

Beitragvon GoingToEngland » 24.06.2013, 10:43

Ja die Sache mit Erdogan ist schon krass..er versucht die Türkei zu einem muslimischen Land zu verwandeln was die Leute nicht wollen (denn die Türkei ist gar kein muslimisches Land wie die Mehrheit denkt + kaum einer trägt ein Kopftuch). Ihr braucht überhaupt keine Angst haben euch wird nichts passieren. Dennoch würde ich die Gebiete Nahe der Iranischen/Irakischen Grenze vermeiden :)
falls es irgendwelche Fragen gibt fragt einfach :))

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Re: Türkei

Beitragvon Kai » 24.06.2013, 11:03

Leute, hört doch bitte einfach mal auf, so unglaublich zu verallgemeinern.
Was ist denn ein muslimisches Land deiner Meinung nach? Wo die Regierung einen islamischen Staat ausgerufen hat? Wo die Bevölkerung vornehmlich muslimisch ist?
Und warum sollen die Kurdengebiete gefährlicher sein als bspw. die Innenstädte von Istanbul und Ankara derzeit?
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Re: Türkei

Beitragvon GoingToEngland » 26.06.2013, 18:46

Ich denke ich kann das besser beurteilen wenn meine Familie zerstreut in der Türkei lebt

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Re: Türkei

Beitragvon Kai » 27.06.2013, 00:57

Das mag ja sein. Aber ich weiß trotzdem noch nicht, wovon du redest. Ich würde mich freuen, wenn du deinen Standpunkt (Fragen siehe letzter Post) ein wenig präzisieren könntest.
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Re: Türkei

Beitragvon Marios-kun » 28.06.2013, 01:28

Ich habe auch sehr viele türkische Freunde und alle, auch ihre Familien in der Türkei, wirklich alle finden dass was da gerade geschieht einfach nur falsch. Alleine schon die ganzen Vorschriften für die Stewardessen von Turkish Airlines sind einfach nur lächerlich und welchen Sinn hatte es jetzt den Kaiserschnitt zu verbieten? Natürlich hat Erdogan auch sehr viele gute Sachen für die Türkei getan, wie die Wirtschaft anzukurbeln, Unterstützung der Kurden...
Die Leute dort gehen ja nicht aus Spaß oder Faulheit auf die Straße (wird hier ja oft behauptet, siehe z.B. auch Griechenland :roll: ). Und dies ist auch meine Meinung dazu.
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Re: Türkei

Beitragvon Sophie :) » 18.10.2014, 11:50

... ich wollte nur mal eben die Türkei für längere Auslandsaufenthalte wärmstens empfehlen.
Das Einleben in die Kultur hat bei mir zwar seeehr lange gedauert, jetzt im Rückblick erkenne ich aber die ganzen Schätze, die mir die Türkei mitgegeben hat und würde es wirklich immer wiedertun. Man erlebt halt wirklich einen sehr starken Perspektivwechsel durch das Leben in einer mehr oder weniger polarisierten Gesellschaft. Mit drei Gastfamilien war mein Jahr zwar wirklich sehr schwierig, jedoch hat auch diese Erfahrung ihren Wert - jedenfalls wurden mir drei ganz verschiedene Blickwinkel nahe gebracht - die aktuelle Regierung aus kurdischer, aus streng muslimischer, und aus einer sehr sehr westlichen Sicht. Natürlich bin ich oft angeeckt mit vielen Sichtweisen, die ich aus Deutschland mitgebracht habe, zum Beispiel dachte ich am Anfang, ich träume, als wir morgens vor dem Schulleiter stramm stehen und dann im Sportunterricht marschieren mussten, allgemein ist das aber ja wie in jedem anderen Land auch - Eingewöhnung braucht Zeit. Ich könnte noch Romane über meine Erinnerungen an die Weite von İstanbul, den morgendlichen Nebel überm Bosphorus, die kargen Wüstenhügel vor Ankara, den Sonnenaufgang über der Vulkanlandschaft von Kappadokien schreiben. Aber die wichtigen Erfahrungen waren andere. Zum Beispiel die Trauerfeier für einen verstorbenen Gastcousin - ein berühmter İmam ist gekommen, hat eine Stunde lang aus dem Koran gesungen. Die Gespräche mit meinem ersten Gastvater über den İslam, "guck dir all die Wunder im Universum an, wieso sollte es keinen Gott geben?", mein erster Moscheebesuch, die Begeisterung darüber und wiederum die Begeisterung über meine Begeisterung seitens meines Gastvaters, der mir am nächsten Tag einen deutschen Koran schenkte. Dann in Ankara die wieder aufflammende Protestwelle, ich kann mich noch so gut an das Gefühl erinnern, das einem verriet, dass es am Abend eine Eskalation geben würde. An dem Morgen kam mein Gastbruder in das Zimmer von meiner Gastschwester und mir und sagte "Berkin Elvan ist gestorben, es geht eine Kettennachricht um, zieht schwarze Kleidung an!"
Dann im Fernsehen in der Kantine die Menschenmassen in İstanbul, die für ihn trauerten und am Abend in nahezu jeder Grossstadt Riesendemonstrationen.
Davor, im Oktober, das Opferfest, in den alten Gassen von Istanbul roch es nach frischem Essen und Süßspeisen, überall waren Kühe angebunden und ich lernte meine Gasturoma kennen, mit der zusammen ich drei Bleche duftendes Baklava aus dem Ofen zog, die mich zum Abschied küsste und mir Allahs Segen wünschte. Ein Stück weit in die türkische Kultur hineinzuwachsen war wunderschön, um wirklich ein Teil davon zu werden die Zeit zu kurz, insgesamt eine unglaubliche Erfahrung in einem Land, was seine Identität weder ganz im Mittleren Osten noch ganz in Europa findet. Jetzt erlebe ich das Jahr mit einer türkischen Gastschwester nochmal aus einer umgekehrten Perspektive und ich kann nur allen nochmal empfehlen: Wenn ihr in eurer Länderwahl unsicher seid, denkt doch mal über die Türkei nach!
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Re: Türkei

Beitragvon sonnenblume_ » 04.11.2014, 21:41

Sophie :) hat geschrieben:... ich wollte nur mal eben die Türkei für längere Auslandsaufenthalte wärmstens empfehlen.
Das Einleben in die Kultur hat bei mir zwar seeehr lange gedauert, jetzt im Rückblick erkenne ich aber die ganzen Schätze, die mir die Türkei mitgegeben hat und würde es wirklich immer wiedertun. Man erlebt halt wirklich einen sehr starken Perspektivwechsel durch das Leben in einer mehr oder weniger polarisierten Gesellschaft. Mit drei Gastfamilien war mein Jahr zwar wirklich sehr schwierig, jedoch hat auch diese Erfahrung ihren Wert - jedenfalls wurden mir drei ganz verschiedene Blickwinkel nahe gebracht - die aktuelle Regierung aus kurdischer, aus streng muslimischer, und aus einer sehr sehr westlichen Sicht. Natürlich bin ich oft angeeckt mit vielen Sichtweisen, die ich aus Deutschland mitgebracht habe, zum Beispiel dachte ich am Anfang, ich träume, als wir morgens vor dem Schulleiter stramm stehen und dann im Sportunterricht marschieren mussten, allgemein ist das aber ja wie in jedem anderen Land auch - Eingewöhnung braucht Zeit. Ich könnte noch Romane über meine Erinnerungen an die Weite von İstanbul, den morgendlichen Nebel überm Bosphorus, die kargen Wüstenhügel vor Ankara, den Sonnenaufgang über der Vulkanlandschaft von Kappadokien schreiben. Aber die wichtigen Erfahrungen waren andere. Zum Beispiel die Trauerfeier für einen verstorbenen Gastcousin - ein berühmter İmam ist gekommen, hat eine Stunde lang aus dem Koran gesungen. Die Gespräche mit meinem ersten Gastvater über den İslam, "guck dir all die Wunder im Universum an, wieso sollte es keinen Gott geben?", mein erster Moscheebesuch, die Begeisterung darüber und wiederum die Begeisterung über meine Begeisterung seitens meines Gastvaters, der mir am nächsten Tag einen deutschen Koran schenkte. Dann in Ankara die wieder aufflammende Protestwelle, ich kann mich noch so gut an das Gefühl erinnern, das einem verriet, dass es am Abend eine Eskalation geben würde. An dem Morgen kam mein Gastbruder in das Zimmer von meiner Gastschwester und mir und sagte "Berkin Elvan ist gestorben, es geht eine Kettennachricht um, zieht schwarze Kleidung an!"
Dann im Fernsehen in der Kantine die Menschenmassen in İstanbul, die für ihn trauerten und am Abend in nahezu jeder Grossstadt Riesendemonstrationen.
Davor, im Oktober, das Opferfest, in den alten Gassen von Istanbul roch es nach frischem Essen und Süßspeisen, überall waren Kühe angebunden und ich lernte meine Gasturoma kennen, mit der zusammen ich drei Bleche duftendes Baklava aus dem Ofen zog, die mich zum Abschied küsste und mir Allahs Segen wünschte. Ein Stück weit in die türkische Kultur hineinzuwachsen war wunderschön, um wirklich ein Teil davon zu werden die Zeit zu kurz, insgesamt eine unglaubliche Erfahrung in einem Land, was seine Identität weder ganz im Mittleren Osten noch ganz in Europa findet. Jetzt erlebe ich das Jahr mit einer türkischen Gastschwester nochmal aus einer umgekehrten Perspektive und ich kann nur allen nochmal empfehlen: Wenn ihr in eurer Länderwahl unsicher seid, denkt doch mal über die Türkei nach!

schön das zu hören - ich werde nämlich vermutlich selbst bald ein jahr in Istanbul leben. Bin gespannt, wie das wird..
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Re: Türkei

Beitragvon eisvogel » 06.02.2015, 13:01

Oha, ich hab jetzt meinen Erasmus-Platz für die Türkei ab dem nächsten wintersemester sicher :).
Es geht nach Bursa! Da weiß ich so ziemlich gar nicht drüber, war mehr eine Bachentscheidung das anzugeben, weil ich nicht nach Ankara oder Istanbul wollte :D.
Weiß jemand vielleicht mehr über diese Stadt?
Auch aus Steinen, die einem in den Weg gelegt werden, kann man noch was Schönes bauen!


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