Gasteltern in Deutschland Erfahrungsaustausch

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JungeGastmama
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Re: Gasteltern in Deutschland Erfahrungsaustausch

Beitragvon JungeGastmama » 25.10.2015, 21:46

Die Chilenin kommt aus Santiago und geht dort auf eine deutsche Schule. Sie kommt am 5 Dezember und bleibt bis zum 10 Februar. In 41 Tagen ist sie dann endlich hier und wir freuen uns schon sehr. Im Dezember hat sie dann auch Geburtstag :-)
Wir haben auch schon ein Auge auf das ein oder andere Profil von Gastschülerinnen zur Wintereinreise gewurfen. Um genau zu sein haben wir uns zwei Profile angeschaut, wobei eine leider schon ausgeschieden ist. Mal schauen ob wir uns dazu entscheiden wieder eine Langzeitschülerin aufzunehmen. Da werden wir noch eine Nacht drüber schlafen :-)
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Sonnenblume42
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Re: Gasteltern in Deutschland Erfahrungsaustausch

Beitragvon Sonnenblume42 » 27.10.2015, 13:47

Hallo zusammen,
ich bin durch Zufall auf dieses Forum gestoßen und gerade dieser Thread hat mich sehr angesprochen.
Seit September bin ich Gastmutter einer 15jährigen Chinesin und meine eigene Tochter ist in Finnland. Am Anfang war alles sehr spannend und total entspannt. Wir haben begonnen, ihr die Gegend zu zeigen, haben kleine Ausflüge gemacht... das normale Programm. Es gab erste Heimweh-Tränen, die wir zusammen getrocknet haben. Alles in allem war es eine sehr schöne Zeit.
Leider habe ich am Anfang noch ziemlich viel Englisch mit ihr gesprochen, auch weil mir manchmal die Geduld fehlte, es 3 Mal in Deutsch zu erklären :oops: Das war dann wohl einer meiner Fehler.
Bald nach ihrer Ankunft zeigte sich, dass das Mädchen ein Problem mit meinem Mann hat. Sie mag ihn einfach nicht und hat ihn unhöflich und ignorant behandelt. Obwohl er sich wirklich sehr viel Mühe gegeben hat und sich hauptsächlich um sie gekümmert hat (jeden Tag vom Deutschkurs abgeholt, damit sie abends nicht allein Bahn fahren muss, in ihrer Ankunftswoche Urlaub genommen, etc). Irgendwann hab ich sie darauf angesprochen und sie gefragt, warum sie sich so abwertend benimmt und wo das Problem liegen würde. Ihre Antwort nach laaaangem Nachdenken war, sie hätte kein Problem, aber augenscheinlich ja ich. :cry: Ich habe sie gebeten, auch wenn sie ihn nicht mag, zumindest die Grundformen der Höflichkeit einzuhalten: zu grüßen wenn man sich begegnet, sich zu verabschieden, wenn man das Haus verlässt, auf Fragen zu antworten etc. Seit diesem Gespräch wurde unser Verhältnis merklich kühler. Sie hat sich kaum noch an der Konversation beteiligt und das schlimmste, nur noch in ihrem Zimmer verkrochen. Da ja Ferien waren, hatte sie keinen Grund rauszugehen. Die meiste Zeit hat sie mit der Kommunikation mit ihren anderen chinesischen ATSlern verbracht. Kommunikation mit uns lief nur noch in Englisch zumindest von ihrer Seite. Wir haben rigoros auf Deutsch bestanden (sie kann es wirklich gut - will aber offensichtlich nicht), haben sogar einen Vertrag mit ihr geschlossen, in dem wir den Englisch-Anteil monatlich reduzieren wollten. Als Belohnung, wollten wir dann gemeinsam im Februar einen ihrer chinesischen Freunde im Ruhrgebiet besuchen. Da war sie am Anfang Feuer und Flamme.
Vorige Woche habe ich sie (mal wieder) gebeten, mit mir rauszugehen. Ich hatte Urlaub und eigentlich wollten wir am nächsten Tag zusammen in die Hauptstadt reisen. Sie wollte nicht- und wir begannen eine Diskussion über das warum. Ich habe ihr u.a. erklärt, dass ich die Verantwortung für sie trage und ich nicht möchte, dass sie krank wird, weil sie nur in der Bude hängt und letztlich auch trübsinnig wird. Wir sind auch nicht die Menschen, die unbedingt jeden Tag stundenlang draußen-rum-laufen, aber mal so ein bisschen pro Tag und wenn dazu auch noch das Wetter schön ist... Verlange ich zuviel?
Der Streit ging dann soweit, dass sie mir vorwarf ich wäre nicht ihre Mutter und hätte ihr gar nichts zu sagen.
Ich habe dann ihre Betreuerin dazu gebeten und es gab ein Gespräch, bei dem es dann hieß: sie wolle nicht mit uns reden, deshalb beteiligt sie sich an keinem Familiengespräch und integriert sich auch nicht weiter. Kein wirklicher Grund - einfach nur stures Teenagerverhalten.
Wir sind dann natürlich nicht weggefahren, sondern nur ich mit meiner anderen Tochter und sie ist zu Hause geblieben bei meinem Mann, der arbeiten war. Also wieder den ganzen Tag allein und nichts tun. So hatte aber jeder Zeit darüber nachzudenken, wie es weitergehen soll (und auch Abstand zu bekommen). Sie hatte noch Gespräche mit ihrer Betreuerin und dann gab es ein neuerliches Zusammentreffen mit allen Beteiligten. Meine erste Frage an sie (in meinen Augen nach einigen Tagen Bedenkzeit - völlig legitim): was erwartest du?
Sie hatte hierauf keine Antwort! Und ein Auf-Uns-Zugehen... Fehlanzeige.

Was ist das? Kann mir das jemand erklären? Ich weiß Teenager sind manchmal schwierig und gerade wenn man dann noch in einem fremden Land ist... Aber trotzdem.

Danke

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Re: Gasteltern in Deutschland Erfahrungsaustausch

Beitragvon Mohnblume » 27.10.2015, 20:24

Hallo,
was hat denn die Betreuerin gesagt?
Ich könnte mir nicht vorstellen, mit jemandem zusammen zu wohnen, der sich nicht an die geringsten Höflichkeitsregeln hält.

Liebe Grüße

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Re: Gasteltern in Deutschland Erfahrungsaustausch

Beitragvon Sonnenblume42 » 28.10.2015, 09:55

Hallo,
die Betreuer (sie waren sogar im Doppelpack :D ) haben mit ihr geredet und da war sie auch sehr gesprächig. Sie haben vereinbart, dass sie sich besser integrieren soll und sie wollte das wohl auch. Aber auf die direkte Frage an sie kam dann nur: ja das was ihr gesagt habt. Aber eben nichts von sich allein.
Wir haben jetzt familienintern entschieden, dass sie die Familie wechseln soll und die Organisation ist schon informiert. Als wir ihr das mitgeteilt haben, konnte sie das Lachen im Gesicht leider nicht verbergen. Offensichtlich hat sie es genau darauf angelegt - und so liegt der schwarze Peter bei uns.
Leider ist ihr Aufenthaltstitel an die Schule gebunden, in der wir sie angemeldet haben. Das haben die in China bei der Visumserstellung so vorgegeben. Deshalb muss sie jetzt nach ner Familie im Umkreis suchen - in der Schule hat sie aber noch nichts bekanntgegeben.
Ich hoffe echt, dass das bald vorbei ist. Das Zusammenleben ist grad regelrecht quälend. Und dabei hatten wir uns echt drauf gefreut - weiß nicht, ob ich das nochmal riskieren möchte...

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Re: Gasteltern in Deutschland Erfahrungsaustausch

Beitragvon Mohnblume » 02.11.2015, 20:56

Hallo Sonnenblume,
das ist hart, wenn man eine solche Entscheidung treffen muss und man im Hinterkopf hat, dass die Person evtl. heim geschickt wird. Ich hoffe, Ihr bringt die restliche Zeit noch irgendwie passabel über die Bühne.
Dann braucht man eine Pause, damit die Familie die Erlebnisse verarbeiten kann.

Bei uns läuft es nach anfänglichen Schwierigkeiten besser. Das Knüpfen von Kontakten zu anderen ist hier eher das Problem. Aber es scheint nun anzulaufen.

Alles Gute für euch.

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Re: Gasteltern in Deutschland Erfahrungsaustausch

Beitragvon JungeGastmama » 21.11.2015, 19:34

Wie sind vor 3 Wochen auch wieder spontan Gastfamilie gewurden :jumper:
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Re: Gasteltern in Deutschland Erfahrungsaustausch

Beitragvon Higanbana » 22.11.2015, 01:28

Oh, das ging aber schnell! :o Woher kommt denn der oder die Glueckliche? Und wie lange wird er oder sie bleiben?

@Sonnenblume
Ich glaube manchmal, dass das unter asiatischen ATS relativ verbreitet ist, weil Kinder hier nicht mit Aelteren diskutieren koennen. (Lehrer, ehm Aelterenparagraph sind gueltig.) Die Thai, die wir vor ein paar Jahren aufgenommen hatten, log ihre Eltern an, dass ihr Direktor in Japan gesagt habe, sie solle in den Designkurs gehen und sie darauf hoeren muesse, weil ihre Eltern verlangt hatten, dass sie den Chemiekurs waehle. Und als sie anscheinend lieber bei ihrer Schulfreundin wohnen wollte, weil sie dort kein langweiliges Familienleben haben wuerde, erzaehlte sie mir knallhart ins Gesicht, wie sehr sie ihre thailaendische Freundin beneiden wuerde, die bei YFU durchgedrueckt bekam, ihre YFU-Gastfamilie zu verlassen und zu ihrer Schulfreundin zu ziehen. Du wirst wahrscheinlich am besten verstehen, wie weh das tat. Und die Chinesin, die meine Eltern hatten, hatte auch null Lust auf Familie, ja eigentlich nicht einmal auf Deutschland, weil sie eigentlich lieber nach Frankreich wollte, wenn denn ueberhaupt schon Austausch notwendig ist. Ja, selbst zu Weihnachten verzog sie sich in ihr Zimmer und surfte im chinesischen Internet. Und nach der Haelfte der Zeit log sie sichtlich uns an, dass eine Freundin sie kontaktiert haette, dass etwas Schlimmes passiert sei und sie uuuuuuuuuunbedingt zu ihrem Kollegort zurueckkehren muesse und wir es ja auf keinen Fall Experiment melden sollten.

Nehmt euch bitte die Zeit, euch von dem Erlebnis zu erholen und versucht es unbedingt bald noch einmal. Es gibt auch genuegend tolle Gastschueler, denen es wirklich am Herzen liegt, ein Jahr mit einer deutschen Familien zu verbringen.

Liebe Gruesse

Higanban

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Re: Gasteltern in Deutschland Erfahrungsaustausch

Beitragvon Canadien_eh » 01.12.2015, 11:57

Nur als Hinweis: Viele Städte und Gemeinden suchen gerade händeringend nach Gastfamilien für minderjährige, unbegleitete Flüchtlinge.
Vielleicht kommt das ja auch für jemanden von euch in Frage. Ich könnte mir vorstellen, dass diese - trotz aller schlimmer Erfahrungen, die sie wahrscheinlich haben - bestimmt sehr integrationswillig sind, da sie ja vorhaben, im Land zu bleiben.

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Re: Gasteltern in Deutschland Erfahrungsaustausch

Beitragvon Higanbana » 27.12.2015, 10:54

Hallo,

ich hoffe, Ihr habt alle schoene Weihnachten verbracht. Bei uns ist bald der 4. Monat vorbei, und wir sind immer noch gluecklich mit unserer Finnin. Sie spricht nicht so gut Japanisch wie die 2 10-Monate-ATS davor, aber der Charakter ist doch viel wichtiger als perfekte Sprachkenntnisse.

Besonders meine Tochter scheint wirklich viel Spass mit unserer ATS zu haben, vielleicht ja auch, wenn das Alter nicht mehr ganz so weit auseinander ist wie vorher. Sie hatte mich vor ein paar Wochen auch gebeten, dass wir unbedingt wieder jemanden aufnehmen muessen / sollen, weil es ihr soooo viel Spass macht, einer grossen Schwester Japanisch beizubringen. Mal sehen, was wir machen! Es haengt auch ein bisschen davon ab, ob ich wieder eine neue Arbeit bekomme oder nicht.

Liebe Gruesse

Higanbana

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Re: Gasteltern in Deutschland Erfahrungsaustausch

Beitragvon coolka8 » 27.12.2015, 20:42

Nachdem wir nun ein halbes Jahr Pause hatten (obwohl, nicht ganz, wir hatten im Herbst eine Lehrerin aus Afrika zu Besuch *wink zur JungenGastmama :wink: ), wurden wir im Dezember angefragt, ob wir im Januar eine Wechslerin aufnehmen möchten. Obwohl das aus einigen Gründen doch nicht geklappt hat, ist das Thema noch in unseren Köpfen.
Ich möchte es wirklich gerne noch einmal probieren, hab aber Angst, dass es wieder in die Hose geht. Am meisten Angst hab ich eigentlich vor dem Konflikt "jugendliche ATS vs. 3 kleine Gastgeschwister". Kann das eigentlich überhaupt gut gehen?
Ich brauche mal ein paar Mutmach-Worte von euch oder Erfahrungsberichte, dass es gut gehen kann...

Auf jeden Fall soll die zukünftige ATS gefragt werden, ob sie sich ein Leben in einer solchen Familie vorstellen kann und auch selber "nein" sagen dürfen. Oder ist das nicht sinnvoll?

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Higanbana
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Re: Gasteltern in Deutschland Erfahrungsaustausch

Beitragvon Higanbana » 30.12.2015, 16:02

Hallo Coolka8,

Ich möchte es wirklich gerne noch einmal probieren, hab aber Angst, dass es wieder in die Hose geht. Am meisten Angst hab ich eigentlich vor dem Konflikt "jugendliche ATS vs. 3 kleine Gastgeschwister". Kann das eigentlich überhaupt gut gehen?
Ich brauche mal ein paar Mutmach-Worte von euch oder Erfahrungsberichte, dass es gut gehen kann...

Auf jeden Fall soll die zukünftige ATS gefragt werden, ob sie sich ein Leben in einer solchen Familie vorstellen kann und auch selber "nein" sagen dürfen. Oder ist das nicht sinnvoll?


Ich kann da aus eigener Erfahrung eigentlich fast nur positives Sachen sagen. Das Gross unserer ATS war mit ihren kleinen Gastgeschwistern seeeeehr zufrieden und wollten sie am liebsten im Koffer mit nach Hause mitnehmen. Sie haben mit ihnen gespielt und sind mit ihnen spazieren gewesen oder manchmal auch in der Wanne (als die Kinder noch seeeeeehr klein waren). Bei der Ankunft unsereres ersten ATS war ja Toechterle nur 5 Monate, und wenn ich z.B. beim Essenkochen etwas Zeit brauchte, hatte er sie mit in sein Zimmer genommen und bespasst, bis ich das Essen auf dem Tisch hatte. Das Maedchen danach (Toechterle 1j4m - 2j2m) hatte mit ihr PreCure angeschaut und die Taenze getanzt. Ein paar Mal hatte sie sie auch auf den Ruecken geschnallt und mit in den Stadt genommen, weil ich beruflich verhindert war. Und sie hatte die uebelst verwirrten Blicke von Passante genossen, warum eine Auslaenderin in Schuluniform denn schon ein Baby hat. Die beiden Maedchen nach unserem Umzug hatten dann ja 2 Kindergartenkinder (6j bzw. 4j) bzw. eine Erstklaesslerin und einen 5-jaehrigen Gastbruder. Und sie waren wirklich gluecklich mit ihnen, und das letztere Maedchen hatte sogar Soehnle oft vom Kindergarten abgeholt, weil wir gerne mal das Problem hatten, dass wir es nicht bis 18 Uhr dorthin schafften. Die Anekdoten, die sie dann ueber ihn erzaehlte, waren einfach nur goettlich.

YFU hat ja leider kein Ankreuzefeld, ob man mit kleinen Kindern klarkommt oder nicht. Wenn dem so waere, dann haetten wir uns definitiv nicht fuer die Thai entschieden, weil sie naemlich absolut nichts mit Kleinkindern anfangen konnte. Ich wuerde, wenn eure Org. der Wahl das haben sollte, auf alle Faelle jemanden mit einem "Ja, kleine Kinder sind o.k." waehlen. Wenn ihr unbedingt von YFU nehmen wollt, dann wuerde ich an eurer Stelle mal nachfragen, wie der oder die moegliche ATS in Bezug auf peer-oriented family-oriented und parent-oriented eingeschaetzt wurde. Wenn eine seeeehr starke Tendenz in Bezug auf das erste vorliegt, ist zumindest die Wahrscheinlichkeit hoch, dass kleine Kinder diese(n) ATS periphaer tangieren.

Ich schaue seit der Thai auch gut darauf, wie ATS ueber ihre Familie schreiben. Wenn dazu nur das Formelle kommt und / oder nur die beste Freundin auf 27 Fotos vorgestellt wird, dann wuerde ich in eurer Situation auch von ihr oder ihm die Finger lassen. Und wenn jemand auch mal erwaehnt, dass er oder sie ab und zu babysittet oder als grosses Geschwisterkind auf kleinere Geschwister aufpasst oder noch besser mit ihnen spielt, ist das natuerlich nur ein Pluspunkt. Sicher muss das nicht automatisch bedeuten, dass alles perfekt ist, aber selbst die Katastrophen-ATS letztes Jahr hatte zu meinen Kindern ein positives Verhaeltnis und hat sie nicht komplett abgewiesen und verjagt, wie das die Thai gemacht hatte.

Unsere Finnin dieses Jahr ist die grosse Schwester von 4 Geschwistern, die anscheinend durch verschiedene Ursachen, auf die ich aus Privatgruenden nicht weiter eingehen moechte, wohl so seeeeehr anstrengend sind, dass sie sich geschworen hat, nieeeee selber Kinder zu bekommen. Aber zu meinen Kindern hat sie ein seehr gutes Verhaeltnis und scheint sie auch wirklich voll und ganz zu geniessen, auch wenn sie ihren Vorsatz, nie Mutter zu werden, noch (?) nicht aufgegeben hat. Sicherlich muss jeder selber entscheiden, wie er oder sie sein Leben verbringen will, aber ich faende es doch sehr schoen, wenn meine Kinder ihr bis zum Ende des Jahres zeigen koennten, dass Kinder nicht unbedingt automatisch die OT: Hoelle bedeuten muessen, was ihre Geschwister wohl sehr oft fuer sie sind, so dass sie ihre Entscheidung, ob sie Mutter werden moechte oder nicht, nicht auf ihre wohl unangenehme Erfahrung aus der Kindheit beruhen laesst.

Wie gesagt, sprich bitte mit der Org. deiner Wahl, dass sie dir aus der Masse jemanden vorschlagen, der keine Probleme mit kleinen Kindern zu haben scheint, und dann hast du eine gute Chance, dass du auch mit kleinen Kindern eine tolle Aufnahmeerfahrung haben kannst.

Uebrigens, auch wenn es NIEEEEEE unser Grund fuer eine Aufnahme war, so waere es eine Luege zu leugnen, dass die Tatsache, jemand fast Erwachsenes extra im Haus zu haben nicht auch verdammt geholfen hat. Nicht, dass wir je jemanden von unseren ATS als Au-Pair missbraucht haben, aber im Falle des Falles war eben doch noch jemand da, der kurzfristig einspringen konnte. So wie wenn Goettergatte Nachtschicht hat und einem selber ploetzlich Ueberstunden aufgebrummt werden. Da war dann da doch jemand da, der schon mit den Kindern gegessen und sie dann ins Bad geschickt hatte, bis ich dann gegen 8 Uhr zuhause war. Oder auch als ich schwanger war und totmuede, drueckte ich manchmal unsererer ATS dann 200 Yen in die Hand, und sie nahm Toechterle mit zum naechsten Laden und suchten sich beide ein Eis aus, so dass ich mich mal 30 min oder so aufs Ohr legen konnte. Und ich weiss jetzt nicht, ob du arbeitest oder zuhause bist, aber wenn man sich nur um die Kleinen kuemmert, ist es echt eine Erloesung, nicht staendig nur auf dem Niveau von 3-jaehrigen sprechen zu muessen. Daher fand ich den Beitrag unserer ATS mindestens gleichwertig zu dem Extraaufwand oder -kosten, die man durch mit einer ATS-Aufnahme hat.

In dem Sinne liebe Gruesse und einen guten Rutsch

Higanbana

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Re: Gasteltern in Deutschland Erfahrungsaustausch

Beitragvon Mohnblume » 05.01.2016, 03:14

Liebe Gasteltern,
ich wünschte euch ein frohes neues Jahr :prost: und noch eine gute Zeit mit euren ATS. Hoffentlich hattet ihr schöne Ferien.

Wir haben über Silvester eine tolle Zeit mit unseren Töchtern, einer ehemaligen und unserer jetzigen ATS gemeinsam in einer Ferienwohnung verbracht. Das hätte ich während des ATJ der ersten ATS nie gedacht, denn sie hatte wenig bis null Interesse an Familienaktivitäten und ich habe ihre letzten 4 Monate bei uns wirklich nur ausgehalten. Die Freundschaft zwischen ihr und unserer Großen ist immer noch sehr eng, als wären sie gar nicht getrennt gewesen. Und unsere Jüngste freut sich, mal wieder Finnisch sprechen zu können. Sie und unsere derzeitige ATS sind wie Schwestern. Diese gemeinsame Reise hat uns allen sehr gut getan.

Bei der Auswahl der zweiten ATS haben wir es so gehalten wie du, Higanbana, und alle aussortiert, die nur Fotos von Freunden ausgesucht haben.

Leider wird das unsere letzte bleiben, denn wir können uns eine Aufnahme nicht vorstellen, wenn wir selbst keine Schulkinder mehr haben. Das macht es doch um einiges einfacher.

Im Moment läuft es sehr gut, womit ich zwischenzeitlich nicht mehr gerechnet hatte. Es gab Tiefpunkte, da dachte ich, es hat keinen Sinn mehr. Unsere ATS ist nicht so ganz einfach, hatte aber 3 (!) Stipendienangebote. Die Auswahlkriterien im Ausland erstaunen mich, z.B. reine Sprachtests. Aber inzwischen haben wir sie etwas in unserem Sinne "erzogen" (andere ausreden lassen, auch mal was alleine unternehmen bspw.). Gerade wenn ich hier in diesem Thread lese, wird mir klar, wie viel schief geht, nur weil man nicht gleich oder klar äußert, was einen stört. Aber natürlich muss der ATS die Anpassungsleistung bringen. Das war bei uns beide Male lange nicht gegeben. Die jetzige kam sehr ängstlich und unselbständig hier an und war mit der ganzen Situation überfordert. Sie fühlte sich im wahrsten Sinne des Wortes in ihrer Haut nicht wohl.

Diesmal haben wir auch eine tolle Betreuung. Ihr bin ich für die neutrale Sicht von außen dankbar.

Ich bin gespannt, wie das zweite Halbjahr verlaufen wird. Hoffe, der Kontakt ins Heimatland wird ein bisschen weniger. Da bin ich als Gastmutter nicht genug hinterher :drei:, da ich mir denke, dass die Orga das ausführlich erklärt hat.

@junge GastMama: Mich würde es interessieren, welche Orgas eure double placements zulassen.

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Re: Gasteltern in Deutschland Erfahrungsaustausch

Beitragvon Mohnblume » 05.01.2016, 03:16

Habe die Grüße vergessen: alles Gute für euch
Mohnblume

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Re: Gasteltern in Deutschland Erfahrungsaustausch

Beitragvon Higanbana » 05.01.2016, 05:35

Hallo,

Mohnblume hat geschrieben:Leider wird das unsere letzte bleiben, denn wir können uns eine Aufnahme nicht vorstellen, wenn wir selbst keine Schulkinder mehr haben. Das macht es doch um einiges einfacher.

Sage nie nie! Wir konnten uns auch keine ATS mehr vorstellen und haben jetzt schon die 4. nach unserem festen Entschluss. Und selbst meine betagten Gasteltern in Daenemark (damals 68-69 J) hatten mir nicht nur einmal erzaehlt, dass ich die letzte in ihrer langen Aufnahmekarriere (sie haben schon seit ihrer Hochzeit immer jemanden bei sich gehabt, nur war ich der 1. klassische ATS) werden wuerde. Ich hatte ihnen das nicht abgenommen, und siehe da, ich war keine 3 Monate zuhause, als sie eine Studentin beherbergten, die keine passende Wohnung finden konnte.

Sicher muesst ihr es selbst entscheiden, in Deutschland kann man ja leichter Urlaub nehmen und reisen, wo dann ATS vielleicht auch stoeren wuerden, aber aus meiner persoenlichen Erfahrung heraus muss ich sagen, dass keine Gastgeschwister zu haben durchaus auch viele Vorteile hat. Man hat seine Gastmama eben fuer sich und muss sie hoechstens mal mit dem Gastvater teilen, so dass wir viel Zeit fuer Gespraeche hatten. Und auch wenn ich meine Gastnichten und -neffen (damals 6 und 9 J.) geliebt hatte, so weiss ich nicht, wie ich mich gefuehlt haette, wenn ich sie jeden Tag gehabt haette. Durch die Besuche mal ueber die Ferien oder verlaengerte Wochenenden hatte ich das Beste von Gastgeschwistern und gastgeschwisterfreien Familien.

Das Einzige, was ich je bereut habe, war, dass ich durch das Alter bedingt meine Gasteltern frueh verlieren wuerde. Und ja meine Gastmama starb 19 Jahre nach meinem Jahr und mein Gastvater dann knapp 3 Jahre spaeter. Einen Tag vor dem Todestag seiner Frau.

Diesmal haben wir auch eine tolle Betreuung. Ihr bin ich für die neutrale Sicht von außen dankbar.

Ich hatte von Japan nie irgendwelche erwaehnenswerte Betreuung erwartet, weil sie bis WYS immer nach dem Motto lief "Der Auslaender ist immer im Unrecht! Und ueberhaupt belaestigt mich nicht!" Auch wenn es leider dann doch mit dem Rauswurf der ATS endete, so war ich wirklich positiv ueber die Unterstuetzung von WYS ueberrascht. Sie haben besonders mir sehr geholfen, weil ich an der Sache sehr gelitten hatte.

@junge GastMama: Mich würde es interessieren, welche Orgas eure double placements zulassen.

Oh ja, das wuerde mich auch mal interessieren, ueber welche Orgs. du Schueler hast. Ansonsten, Double placements bekommt man doch relativ leicht, wenn man sich einfach gleichzeitig bei 2 Orgs. als GF meldet.

Liebe Gruesse

Higanbana

PS: Drueckt mir die Daumen, ich habe heute eine echt wichtige Pruefung.
Zuletzt geändert von Higanbana am 07.01.2016, 12:39, insgesamt 1-mal geändert.

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Re: Gasteltern in Deutschland Erfahrungsaustausch

Beitragvon Orava » 05.01.2016, 11:54

Also YFU D lässt double placements auf jeden Fall prinzipiell zu.
Teic, Ziemeļu vējš:
No kurienes manī tāds spīts?
Pēc negaisa vienmēr būs saule,
Pēc nakts - vienmēr rīts.


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