oneworld

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sandra.wagner
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Beitragvon sandra.wagner » 07.01.2017, 12:09

Hallo,
mein Sohn ist seit September 2016 auf einer Pferderanch in Texas. Da ich mich noch gut an die Zeit vor der Abreise erinnern kann, möchte ich an dieser Stelle meine Erfahrungen, Ängste etc. niederschreiben. Seit Beginn des Jahres 2016 spielte das Thema Austauschjahr eine große Rolle in unserem und seinem Leben. Auch wenn zu Beginn des Jahres der Abreisetermin noch in weiter Ferne lag, begann die Vorbereitung schon in kleinen Schritten. Welcher Unterricht, welcher Verein musste gekündigt werden? Welche Zahlungen müssen wann getätigt werden usw. Beim letztgenannten Thema half uns die Organisation oneworld vorbildlich. Durch regelmäßig eintreffende Schreiben wusste man "Wir gehören dazu; im Sommer geht es los".
Im Sommer..., das war für uns in Niedersachsen dieses Jahr ein selbstgemachtes Problem. Da wir sehr früh Sommerferien bekamen, ging man davon aus, dass es direkt nach den Sommerferien los geht in Richtung Texas, aber so war es nicht. Und genau das muss allen Familien klar sein. Es kann sein, dass man erst eine Woche vor Abflug erfährt, wohin die Reise geht und vor allem wann es losgeht. Für meinen Sohn war dieser Zustand in der Warteschleife sehr unangenehm, da er mit dem Wissen, dass er bald die Heimatschule verlassen wird, noch drei Wochen zur Schule gehen musste - zum Glück waren es dann nur drei Wochen.
So bekamen wir dann an einem Samstagabend per mail mitgeteilt, dass seine Gastfamilie in Texas lebt und eine Pferderanch hat. Eben dieser Mail war auch zu entnehmen, dass es eine Woche später losgehen sollte; alleine über Atlanta nach Texas. Das musste erst einmal verdaut werden. Obwohl man sehnsüchtig auf diese Mail gewartet hatte, war es an diesem Abend doch ein Schock. Ich als Mutter wusste nicht, ob ich mich freuen oder weinen sollte. Gleich am nächsten Tag nahm er Kontakt zu seiner Gastfamilie auf und war schon nach sehr kurzer Zeit überzeugt.
In der darauf folgenden Woche war es sehr hektisch; die letzten Vorbereitungen mussten getroffen werden, die letzte Wäsche musste gewaschen werden, Gastgeschenke wurden besorgt, und nach und nach musste er sich von seinen einzelnen Freundeskreisen verabschieden. Der Kloß im Hals wurde glaub ich bei allen Beteiligten von Tag zu Tag größer. Den Tag vor der Abreise, seinen letzten Schultag, werde ich nie vergessen. Da er am letzten Schultag nicht mit dem Bus nach Hause fahren wollte, holte ich ihn und drei seiner Freunde nach der Schule mit dem Auto ab. Alle wussten, dass die Minuten gemeinsam im Auto nun die letzten waren. Fahren Sie einmal vier weinende Jungs nach Hause und versuchen selber, die Tränen zu unterdrücken. Nachdem sich mein Sohn dann von seinen besten Freunden verabschiedet hatte, stand mir eben genau dieser Akt bevor, denn ich hatte schon lange vor der Abreise entschieden, dass ich ihn nicht zum Flughafen bringen werde, da ich das nicht ausgehalten hätte. So kullerten na klar auch bei uns dicke Tränen, denn man wusste, das man sich erst im Sommer 2017 wiedersehen wird.
Den nächsten Tag verbrachte ich damit, seinen Flug mit einer speziellen App auf dem Bildschirm zu verfolgen- im Nachhinein total blöd, aber an diesem Tag war es irgendwie der einzige "Kontakt" zu ihm. Ich war überglücklich, als er sich NACH DER ZOLLKONTROLLE aus Atlanta meldete, denn das war neben dem sicheren Landen meine größte Sorge: Schafft er es, in der kurzen Zeit alles alleine zu meistern: Zollkontrolle, Anschlussflug finden, pünktlich einsteigen??? Alle Ängste waren umsonst, denn um zwei Uhr nachts erreichte mich ein Foto im Arm seiner Gastmutter. Ich wahr wirklich SEHR erleichtert.
Die ersten Tage waren für mich allerdings sehr sehr schwer; nachts schlief ich mit dem Handy in der Hand, weil man ja denkt, dass man als Mutter rund um die Uhr erreichbar sein muss. Tränen kullerten, sobald ich nur an ihn dachte. Aber: Das alles legt sich sehr sehr schnell!!!!
Nachdem die ersten Wochen der Eingewöhnung vorüber waren, hatte ich den Eindruck, dass er angekommen war. Toll ist es, wenn man ein Kind hat, dass sich auf alles, was neu ist, erst einmal einlässt. Er hatte die Möglichkeit, dem American Footballteam der High School beizutreten und hat das als "The German" in vollen Zügen genossen. Mittlerweile hat er einen Jagdschein gemacht, trägt Cowboystiefel, reitet und genießt das texanische Leben in vollen Zügen.
Sicherlich ist es nicht schön, wenn man an besonderen Tagen wie sein eigener Geburtstag, Weihnachten und Silvester nur an ihn denken, ihn aber nicht in die Arme nehmen kann, aber an solchen Tagen hilft es, wenn man sich sagt: 2017 bringt eben genau diese Tage wieder und die werden wir dann besonders intensiv in der Familie erleben.
Ein großer Dank gilt der Organisation oneworld. Wir wurden über jeden Schritt rechtzeitig informiert und an die Hand genommen. Das Vorbereitungstreffen in Düsseldorf war sehr informativ und hilfreich. Ich kann mir schon vorstellen, dass die Verantwortlichen in den letzten Wochen vor der Abreise sehr genervt von mir waren, aber es ist einfach sehr anstrengend, aber wohl normal, zu wissen, dass das eigene Kind bald 10 Monate im Ausland verbringen wird, man aber bis einer Woche vor der Abreise nicht weiß wann und wo. Und ob, diese Frage stellt man sich natürlich auch immer wieder. Ich kann im Nachhinein nur allen betroffenen Eltern empfehlen, Ruhe zu bewahren. Auch wenn genau das sehr sehr anstrengend ist. Und da man sich nicht darauf verlassen kann, dass das Kind begleitet fliegt, ist es schon sehr hilfreich, wenn das Kind bereits Flug- und Flughafenerfahrung hat. Ich bin mir nicht sicher, ob ich ihn wirklich alleine hätte fliegen lassen, wenn er nicht schon oft geflogen wäre, denn Atlanta ist nun nicht gerade mit einem Flughafen in Norddeutschland zu vergleichen, sondern wohl eher mit einer Kleinstadt.
Im Nachhinein haben wir festgestellt, dass es kostengünstiger gewesen wäre, wenn unser Sohn von Anfang an mit zwei Koffern gereist wäre als die immensen Strafgebühren für Übergewicht des einen Koffers zu zahlen.
Ich bin sehr gespannt, was die zweite Hälfte seines Auslandsjahres noch so mit sich bringen wird. Die erste Hälfte hat er zu mindest in vollen Zügen genossen und tolle Erfahrungen in einer supertollen Gastfamilie gemacht.
Bei Fragen stehe ich jederzeit zur Verfügung.

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