Ist jemand zweisprachig aufgewachsen?

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Monx
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Re: Ist jemand zweisprachig aufgewachsen?

Beitragvon Monx » 07.02.2012, 13:46

Ich kann da mysla irgendwie ein bisschen zustimmen...es geht ja dann auch darum kindern englische kinderlieder vorzusingen und englische gedichte oder so vielleicht...das kann man sich zwar auch alles anhören vorher ist ja aber doch was anderes als: meine mama hat mir das immer vorgesungen, jetzt singe ich dir mein liebstes kinderlied vor.

graefinlwl
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Re: Ist jemand zweisprachig aufgewachsen?

Beitragvon graefinlwl » 07.02.2012, 14:19

Ich werde mal kurz als Mutter zum zweisprachig aufgewachsen Stellung beziehen. Bei meinen beiden großen Kindern hatte ich nicht die Möglichkeit sie frühzeitig mit einer Fremdsprache vertraut zu machen. Bei meinem jüngsten Kind eröffnete sich mir eine Gelegenheit mit dem Besuch einer internationalen Schule ab Vorschulklasse. Meine Tochter war das einzigste Kind in der Klasse, wo kein Elternteil Englisch spricht (bis heute nicht). Vom ersten Tag an, war Englisch die Unterrrichtssprache, sie hatte auch eine Lehrerin, die kein Deutsch sprach. Ich hatte eigentlich ein großes Chaos erwartet, ich wußte nicht, ob dies gut gehen wird. Nach 14 Tagen sang das Kind bereits 6 kleine engliche Kinderlieder, zu Weihnachten sprach sie die ersten zusammenden Sätze, Februar/März erfolgten dann Sätze, in denen Englisch und Deutsch (wegen fehlendem Wortschatz) zusammen gehauen wurden. Das gab sich zu Ende des Vorschuljahres von allein wieder. Das erste Schuljahr ging dann ohne Probleme mit der englischen Sprache los.
Was mir in der Zeit ganz besonders aufgefallen ist und bis heute muss ich darüber schmunzeln, war folgendes: In den Ferien oder wenn sie mal krank war, schaltete meine Tochter pünktlich um 8.15 Uhr gedanklich auf Englisch um und wenn sie mit ihren Puppen und dergleichen spielte, sprach sie von 8.15 bis 15.30 Uhr nur Englisch. Das war genau die Zeitspanne, die sie sonst Schule hatte.
Heute ist es so, dass sie mit den deutschen Mitschülern außerhalb der Schule Deutsch spricht, mit ausländischen Mitschülern wird grundsätzlich auch außerhalb des Unterrichts Englisch gesprochen, auch am Telefon. In der Schule ist die Unterrichtssprache für alle Englisch, was man auch in den Pausen spricht.
Sehr gern nutzt sie die Gelegenheit mit Mitschülern, die aus spanischsprachigen Ländern kommen auch Spanisch zu sprechen (dank ATJ in Arg). Bei Facebook geht es auch in 3 Sprachen, mit Mitschülern in Englisch, mit Freunden, die nichts mit ihrer Schule zu tun haben in Deutsch und mit arg. Freunden und arg. Familie in Spanisch. Sehr gern würde sie noch Italienisch dazu lernen.
Mein Fazit ist: wer die Gelegenheit nutzen kann, seine Kinder von klein auf mit einer weiteren Sprache vertraut zu machen, sollte dies tun, natürlich auf gutem Niveau. Kinder speichern in den ersten Lebensjahren Vokabeln ganz anders im Gehirn ab, als wenn sie dann schon 10 oder 12 Jahre alt sind. Das lästige Vokabelpauken entfällt um so jünger man an eine Sprache heran geführt wird.

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Re: Ist jemand zweisprachig aufgewachsen?

Beitragvon Mysla » 07.02.2012, 16:15

@graefinlwl: Mal abgesehen davon, dass ich natürlich nicht aus eigener Erfahrung sprechen kann... :lol:
Das halte ich in dem Fall für etwas anderes, weil dein Kind in der Schule englisch gelernt hat und im ATJ dann noch spanisch. Das ist meiner Einschätzung nach eben etwas anderes. Du hast ja trotzdem deine Muttersprache mit ihr gesprochen. Und ich bin einfach überzeugt davon, dass das sehr wichtig ist.
Die Muttersprache ist doch ein ganz wichtiger Teil von einem. Solange man in Deutschland lebt als Deutsche(r) wird einem Deutsch leichter fallen. Klar nehmen Kinder eine neue Sprache unglaublich schnell auf.
Aber egal wie gut ich jemals Englisch sprechen werde, werde ich trotzdem keinen eigenen Bezug zu englischen Kinderliedern haben. Ich schließe nicht aus, dass ich mal mit meinem Kind später "twinkle twinkle little star" singen werde. Aber wenn ich mich an meine Kindheit zurückerinnere, dann sind da andere Lieder. Und das möchte ich doch auch weitergeben, weil es mir etwas bedeutet.
Und es kann mir niemand erzählen, dass man "mal eben" durch ein Studium und einem Jahr im Ausland insofern auf Muttersprachniveau kommt, dass man eine ganze Kultur samt Mentalität und eigenen Kindheitserfahrungen gleich mit in sich aufnimmt. Und das ist es doch auch, worauf es ankommt.
Ist zumindest meine Theorie als Tochter, die auch mitbekommen hat, wie es ist, wenn Eltern den ein oder anderen Fehler machen.
Meine Mutter z.B. ist badisch aufgewachsen und hat mit mir aber immer nur Hochdeutsch gesprochen. Und selbst das war nicht authentisch.
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Re: Ist jemand zweisprachig aufgewachsen?

Beitragvon miss.random » 07.02.2012, 18:17

Zum Kinder zweisprachig erziehen: Ich finde es auch keine tolle Idee, dass Kind in einer Sprache zu erziehen, welche nicht die eigene Muttersprache ist. Es fehlt einem wirklich der vollständige Bezug und Verständniss der Sprache. Wenn ich Englisch rede und schreibe, werde ich auch immer für eine Amerikanerin gehalten und es ist für mich auch komplett natürlich Englisch zu benutzen (wahrscheinlich, weil ich schon seit ich ein Kleinkind war ständig mit Amerikanern zu tun hatte)...aber irgendwie möchte ich meine Kinder nicht unbedingt auf Englisch erziehen, es gibt da doch noch diese kleine Barriere. Aber "Twinkle twinkle little star" könnte ich mit denen schon singen und Dr. Seuss Bücher vorlesen, weil meine amerikanische Nachbarin dies mit mir getan hat und die mich schon geprägt haben. Aber nicht erziehen.
Momentan würde ich mir nicht mal zutrauen meine Kinder auf Finnisch zu erziehen, weil mein Finnisch nun mal nicht perfekt ist, besonders das schriftliche und ich schon möchte, dass sie die Sprache gründlich lernen. Vielleicht in ein paar Jahren, wenn sich mein Finnisch noch mehr verbessert hat. Wenn ich in Finnland bleibe ist es ja kein Problem, lernen sie Finnisch sowieso. Im Ausland bräuchte ich schon nen finnischen Mann und ich würde dann halt Deutsch reden.

Meine Tante schickte/schickt meinen Cousin auf schwedisch-sprachige Schulen und redet mit ihm auch Schwedisch, obwohl sie selbst eigentlich Finnisch Muttersprachlerin ist, nur auf der schwedisch-sprachigen Wirtschaftsuni studiert hat und dort "gründlich" Schwedisch lernte. Das Ende vom Lied: Mein Cousin kann schlechtes Finnisch, obwohl er in Helsinki lebt wo die offiziele Sprache Finnisch ist....finde ich jetzt auch nicht gerade produktiv.
Ich fände es ok, wenn sie ihn nur auf die schwedisch-sprachigen Schulen schickt, aber mit ihm selbst Finnisch reden würde, weil dies nun mal ihre Muttersprache ist. Selbst ich, welche kaum Schwedisch kann, höre sofort, dass Schwedisch nun Mal nicht ihre Muttersprache ist und mein Cousin verbessert sie sogar schon manchmal! Da hätte sie ihm lieber noch die Chance gegeben in zwei Sprachen fliessend zu werden. Finnisch durch Zuhause und Schule und Schwedisch durch Schule und Freunde.
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Re: Ist jemand zweisprachig aufgewachsen?

Beitragvon graefinlwl » 07.02.2012, 18:34

@Mysla: Ich gebe dir hinsichtlich der Muttersprache vollkommen Recht. Für mich war damals klar, ich hätte damals nicht die Zeit gehabt, Englisch zu lernen und zu Hause wird natürlich Deutsch gesprochen. Das hatte den Vorteil, dass mein Kind, wenn es bei den Hausaufgaben Hilfe brauchte, erst übersetzen mußte und die deutschen Fachbegriffe von mir gelernt hat.
Ich gebe dir noch mehr Recht, dass die Kultur auch mit der Sprache vermittelt wird. Hin und wieder äußert meine Tochter dazu, dass ihr ein wenig die deutsche Kultur fehlt. Ist aber auch logisch. Sie geht seit der Vorschule in die Internationale Schule, hat tagtäglich ca. 75 Nationen um sich und lernt von vielen Nationen einiges. Es werden keine speziellen Feierlichkeiten von Deutschland gefeiert, weil man es da allen Nationen einräumen müßte, ihre Feierlichkeiten auszuleben. Das gleiche gilt für Religion und Ethik. Religion gibt es gar nicht als Schulfach und aus Ethik werden Themenbereiche in zwei anderen Fächern unterrichtet und am Jahresende erfolgt dann durch Herausziehen der Themenbenotung eine Jahresendnote. Ihre Freundschaften sind natürlich total international und über die Jahre auch über den Erdball verteilt. Es ist ja bekannt, dass es an den Internationalen Schulen eine große Fluktation gibt. Dies ist bedingt durch die Berufe der Eltern (Diplomaten, Manager u.ä.).
Auch die Lehrerschaft ist völlig international und wechselt alle 2 bis 3 Jahre. Es gibt nur einen kleinen Lehrerbestand, der zum Inventar der Schule gehört. Klassenlehrer werden jedes Jahr gewechselt. Voraussetzung für jeden Lehrer ist, dass er die englische Sprache spricht, Deutsch muss er nicht können. Ich habe zu Elternsprechzeiten grundsätzlich einen Dolmetscher zur Verfügung bekommen, wenn der Lehrer kein Deutsch sprach.
Zweisprachig aufwachsen, heißt nicht unbedingt durch die Eltern eine weitere Sprache erlernen, es gibt so viele Möglichkeiten durch bilinguale Kita's und Schulen. Allerdings sollte man sich immer von der Qualität der Einrichtungen vorher überzeugen.

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Re: Ist jemand zweisprachig aufgewachsen?

Beitragvon Lumilintu » 07.02.2012, 19:01

miss.random hat geschrieben: Momentan würde ich mir nicht mal zutrauen meine Kinder auf Finnisch zu erziehen, weil mein Finnisch nun mal nicht perfekt ist, besonders das schriftliche und ich schon möchte, dass sie die Sprache gründlich lernen. Vielleicht in ein paar Jahren, wenn sich mein Finnisch noch mehr verbessert hat. Wenn ich in Finnland bleibe ist es ja kein Problem, lernen sie Finnisch sowieso. Im Ausland bräuchte ich schon nen finnischen Mann und ich würde dann halt Deutsch reden.


Geht mir genauso...
Ich würde meine Kinder auch gern mit Estnisch aufwachsen lassen - allein schon um ihnen das zu bieten, was mir selbst verwehrt wurde. Aber mein Estnisch ist einfach nicht wirkliches Muttersprachenniveau und daran kann ich nichts ändern. Leider. :roll:
Mit meinen Kindern Estnisch zu reden fände ich deswegen irgendwie falsch, weil ich ihnen doch keine Sprache beibringen kann, die ich selber nicht komplett fehlerfrei beherrsche.
Und selbst wenn ich die nächsten Jahre in Estland verbringen würde, würde sich nichts an der Tatsache ändern, dass ich nun mal nicht mit Estnisch aufgewachsen bin. Meine Mutter wohnt jetzt ja auch schon seit bald 20 Jahren hier in Deutschland und hat zudem davor in Estland Germanistik studiert. Trotzdem korrigiere ich hin und wieder ihre Fehler, obwohl sie Deutsch fließend und fast akzentfrei spricht.
Auf Muttersprachenniveau bekommt man eine (Fremd-)Sprache meiner Meinung nach also nie - es sei denn, man ist wirklich mit ihr aufgewachsen.

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Re: Ist jemand zweisprachig aufgewachsen?

Beitragvon SarahS » 07.02.2012, 20:39

Ich verstehe eure grundsätzliche Skepsis. Allerdings ist es halt so, dass ich Sprachen liebe und Englisch eben schon wirklich gut spreche und das evtl. gerne an meine (noch hypothetischen) Kinder weitergeben würde. Wenn ich es tun würde, würde ich wirklich dafür sorgen, dass meine Kinder ausreichend Kontakt zu Muttersprachlern haben.

Und das mit den Kinderliedern ist kein wirklich gutes Argument, finde ich. Meine beiden Lieblings-Kinderlieder, das Lied, dass mir mein Vater immer zum Ins-Bett-Gehen vorgesungen hat und ein Rolf-Zuckowski-Lied, sind beide lange nach der Kindheit meiner Eltern entstanden. Vielleicht wird das prägende Lied für meine Kinder auch mal etwas, was ich erst als Erwachsene kennengelernt habe - das muss ja das Kind entscheiden. Das heißt natürlich nicht, dass ich meinen Kindern nicht traditionelle deutsche Lieder vorsingen würde.
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Re: Ist jemand zweisprachig aufgewachsen?

Beitragvon Monx » 07.02.2012, 21:09

SarahS hat geschrieben:
Und das mit den Kinderliedern ist kein wirklich gutes Argument, finde ich. Meine beiden Lieblings-Kinderlieder, das Lied, dass mir mein Vater immer zum Ins-Bett-Gehen vorgesungen hat und ein Rolf-Zuckowski-Lied, sind beide lange nach der Kindheit meiner Eltern entstanden. Vielleicht wird das prägende Lied für meine Kinder auch mal etwas, was ich erst als Erwachsene kennengelernt habe - das muss ja das Kind entscheiden. Das heißt natürlich nicht, dass ich meinen Kindern nicht traditionelle deutsche Lieder vorsingen würde.


Na das war doch auch nur ein Beispiel :roll:
Wegen mir nehm Abzählverse, Kinderreime, Kinderwitze, Gute Nachtgeschichten, Englische Märchen,... es geht ja so um das alles drum herum, was man eben nicht auf englisch miterlebt hat!

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Re: Ist jemand zweisprachig aufgewachsen?

Beitragvon SarahS » 07.02.2012, 21:51

Aber nur weil ich es nicht miterlebt habe, ist es ja nicht illegal, Kinderbücher auf Englisch zu kaufen ;-). Außerdem ist der Kinderbuchmarkt so ziemlich international. Ein Großteil meiner englischen Schüler sind z.B. mit der Übersetzung der Raupe Nimmersatt aufgewachsen. Die gibts da in jeder gut sortierten Buchhandlung, genauso wie Pippi Langstrumpf, die Kinder von Bullerbü und sämtliche Werke von Enid Blyton. Märchen sind auch international, z.B. ist Rotkäppchen, das ja als eines der typischsten Grimm-Märchen gilt, gar nicht zuerst in Deutschland, sondern in Frankreich veröffentlicht worden. Einer der berühmtesten britischen Exportschlager in der Kinderbuchbranche ist Paddington Bear. Den kenn ich sogar aus meiner Kindheit ;-). Und auch Abzählreime, Fingerspiele etc.pp. kann man als Bücher kaufen. Meine Mutter hat da bei meinem kleinen Bruder (der ist ein Nachzügler) auch viele neue gelernt.
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Re: Ist jemand zweisprachig aufgewachsen?

Beitragvon -Jule- » 07.02.2012, 22:15

sehr interessant, was ihr alles schreibt!

Ich habe grad mal nachgedacht, wenn ich mit meinem Freund mal eine Familie haben sollte (auch wenn das noch dauert), wie wir das dann mit den Sprachen machen. Er kommt nicht aus Deutschland, ist erst seit ein paar Jahren hier und sein Deutsch ist nicht so toll. Wir reden zur Zeit meistens Englisch untereinander, was aber für keinen von uns die Muttersprache ist. Sein Englisch ist zwar besser, da auf seiner Schule alles auf Englisch war, er immer auf Englisch studiert hat etc. Trotzdem ist das ja kein muttersprachliches Niveau, grammatikalisches sind da immer wieder Schnitzer drin. Das kommt vielleicht aber auch aufgrund seiner Herkunft, da dort viel Englisch, aber manchmal mit zweifelhafter Grammatik gesprochen wird. (vllt. kann man sich jetzt denken, woher er kommt ;) )
So, wir planen in Deutschland zu planen, also würden die Kinder auf jeden Fall Deutsch lernen, seine Muttersprache möchte er, denke ich mal, auch gerne an seine Kinder weitergeben. Aber was wird das für ein Wirrwarr wenn wir untereinander immer noch Englisch sprechen? Oder gesetz des Falles, dass wir bis dahin nur Deutsch sprechen (was ich mir grade nicht vorstellen kann), klappt es dann trotzdem noch, dass er seine Muttersprache den Kindern beibringt?
Ist jetzt kein großes Problem, aber das waren so meine Gedanken zu dem Thema. Bin mal gespannt...

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Re: Ist jemand zweisprachig aufgewachsen?

Beitragvon Teatime » 07.02.2012, 22:39

Ich finde gerade bei der Englischen Sprache, dass man sie dem eigenen Kind nicht selbst beibringen muss, wenns nicht die eigene Muttersprache ist.
Heutzutage fängt man doch teilweise schon in der Vorschule an mit der Sprache und auch, wenn es vielleicht etwas holprig klingt, kann sich fast jeder 6. Klässler problemlos mit Muttersprachlern unterhalten. Englisch ist doch mittlerweile so wichtig geworden, dass einem doch kaum etwas anderes übrig bleibt, als es zu lernen.

Sarah - du meinst ja, du würdest dafür sorgen, dass deine Kinder ausreichend Kontakt mit Muttersprachlern hätte. Das reicht doch! Gerade, wenn man noch irgendwelche frühkindlichen Fördermaßnahmen anwendet oder so.
Zur Not gibt es doch (gerade in Großstädten) die Möglichkeit, Muttersprachler als Babysitter einzustellen (gerade, wenn man voll berufstätig ist echt praktisch).

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Re: Ist jemand zweisprachig aufgewachsen?

Beitragvon miss.random » 07.02.2012, 22:46

Lumilintu hat geschrieben:
miss.random hat geschrieben: Momentan würde ich mir nicht mal zutrauen meine Kinder auf Finnisch zu erziehen, weil mein Finnisch nun mal nicht perfekt ist, besonders das schriftliche und ich schon möchte, dass sie die Sprache gründlich lernen. Vielleicht in ein paar Jahren, wenn sich mein Finnisch noch mehr verbessert hat. Wenn ich in Finnland bleibe ist es ja kein Problem, lernen sie Finnisch sowieso. Im Ausland bräuchte ich schon nen finnischen Mann und ich würde dann halt Deutsch reden.


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Mit meinen Kindern Estnisch zu reden fände ich deswegen irgendwie falsch, weil ich ihnen doch keine Sprache beibringen kann, die ich selber nicht komplett fehlerfrei beherrsche.
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Ok, hier liegt ein kleines Missverständniss vor. Ich bin Finnin, Finnisch ist auch meine Muttersprache, die erste Sprache die ich gelernt habe und bin mir ihr auch aufgewachsen. Da ich aber leider nie in Finnland zur Schule gegangen bin (ausser jetzt Uni) bin im schriftlichen wirklich nicht der Hammer und mein Vokabular könnte auch noch ein kleines Stück grösser sein. Sonst mache ich noch solche Füchtigkeitsfehler oder ich leite etwas aus dem Deutschen ab und Ver-finnische es. Wenn ich jetzt im Ausland leben würde mit einem nicht-finnischen Mann, dann würde ich höchst wahrscheinlich meine Kinder schon auf Finnisch erziehen....ausser ich finde Deutsch wäre plötzlich besser (was es ja theoretisch wäre). Wenn ich aber in Finnland bleibe, dann würde ich die auf Deutsch erziehen, weil ich die Gelegenheit nun mal dazu habe. Deutsch ist meine andere Muttersprache, ich spreche und schreibe es fliessend.

@SarahS
Naja, wie schon beschrieben das Beispiel meiner Tante. Die Idee mag genial klingen, das Kind auf Englisch/Schwedisch/ne Sprache, welche nicht die Muttersprache der Eltern ist, gänzlich zu erziehen...aber kann schnell mal "peinlich" werden. Ich persönlich finde es auch ein bisschen seltsam. Wie schon gesagt, ich werde auch für ne Amerikanerin gehalten, wenn ich Englisch rede....aber meine Kinder möchte ich deswegen nicht auf Englisch erziehen (ausser es geht nicht anderst), wenn ich nicht mal in einem Englisch sprachigen Land lebe. Auf eine englische Schule schicken, ja. Selbst mit denen Englisch reden....ne.
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Re: Ist jemand zweisprachig aufgewachsen?

Beitragvon SarahS » 08.02.2012, 11:08

Teatime hat geschrieben:und auch, wenn es vielleicht etwas holprig klingt, kann sich fast jeder 6. Klässler problemlos mit Muttersprachlern unterhalten.

Und wovon träumst du nachts :D? Das kannst du doch jetzt nicht ernst meinen. Ein Sechstklässler kann doch noch fast gar nichts. Wenn er einen guten Lehrer hatte, kann er vielleicht nach dem Weg fragen und die Antwort verstehen, wenn langsam und deutlich gesprochen wurde, aber mehr auch nicht. Und das gilt schon fürs Gymnasium. Von unterhalten kann da keine Rede sein.

Teatime hat geschrieben:Sarah - du meinst ja, du würdest dafür sorgen, dass deine Kinder ausreichend Kontakt mit Muttersprachlern hätte. Das reicht doch! Gerade, wenn man noch irgendwelche frühkindlichen Fördermaßnahmen anwendet oder so.
Zur Not gibt es doch (gerade in Großstädten) die Möglichkeit, Muttersprachler als Babysitter einzustellen (gerade, wenn man voll berufstätig ist echt praktisch).

Das Problem ist halt nur, dass man Muttersprachler des Englischen in Deutschland doch sehr selten trifft. In meiner Stadt hätte ich eher ein Angebot an spanischen Muttersprachlern. Die dann dafür aus aller Welt.
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Re: Ist jemand zweisprachig aufgewachsen?

Beitragvon Panambi » 08.02.2012, 12:25

SarahS hat geschrieben:Und wovon träumst du nachts :D? Das kannst du doch jetzt nicht ernst meinen. Ein Sechstklässler kann doch noch fast gar nichts. Wenn er einen guten Lehrer hatte, kann er vielleicht nach dem Weg fragen und die Antwort verstehen, wenn langsam und deutlich gesprochen wurde, aber mehr auch nicht. Und das gilt schon fürs Gymnasium. Von unterhalten kann da keine Rede sein.

klar stimmt es, dass sechstklässler nicht besonders gut sind, aber spätestens nach der 9ten klasse dürfte sich jeder halbwegs problemslos auf englisch verständigen können (was dann so ziemlich alle schüler wären). als ich in enland war, hatte ich sprachlich gesehen so gut wie keine probleme. natürlich fehlten mir ein paar (fachspezifische) vokabeln, aber ansonsten habe ich mir alles aus dem kontext heraus denken können oder einfach erklären lassen. mit dem englischen englisch hatte ich glück, da es dem schulenglisch ähnlicher ist, aber trotzdem hatte ich auch sonst bei amerikanern oder australiern nie probleme mit der sprache. und heutzutage fangen sie ja schon teilweise 3 jahre früher mir englischunterricht an, als es bei mir der fall war.
natürlich spricht kein schüler perfektes englisch, aber verständigung ist echt kein problem :wink:

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Re: Ist jemand zweisprachig aufgewachsen?

Beitragvon pumpkinchocolate » 08.02.2012, 13:30

-Jule- hat geschrieben:sehr interessant, was ihr alles schreibt!

Ich habe grad mal nachgedacht, wenn ich mit meinem Freund mal eine Familie haben sollte (auch wenn das noch dauert), wie wir das dann mit den Sprachen machen. Er kommt nicht aus Deutschland, ist erst seit ein paar Jahren hier und sein Deutsch ist nicht so toll. Wir reden zur Zeit meistens Englisch untereinander, was aber für keinen von uns die Muttersprache ist. Sein Englisch ist zwar besser, da auf seiner Schule alles auf Englisch war, er immer auf Englisch studiert hat etc. Trotzdem ist das ja kein muttersprachliches Niveau, grammatikalisches sind da immer wieder Schnitzer drin. Das kommt vielleicht aber auch aufgrund seiner Herkunft, da dort viel Englisch, aber manchmal mit zweifelhafter Grammatik gesprochen wird. (vllt. kann man sich jetzt denken, woher er kommt ;) )
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Ist jetzt kein großes Problem, aber das waren so meine Gedanken zu dem Thema. Bin mal gespannt...


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