Live aus JAPAN

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MiakaYuuki
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Beitragvon MiakaYuuki » 08.03.2005, 19:18

o.o ^-^ viel glück beim Autoführerschein dana ^.^ :mrgreen:
ach das wird schon auch nach einen jahr linksverkehr XDD o.o naja isses/war denn wieder eine umstellung wegen den verkehr als du nach hause kamst ? als ich letztes jahr im mai in england ne woche war , war schon hamma genug *g* ich wollte an der fahrer seite einsteigen *lach*

naja ^-^ würdest du denn später denn auch nach Japan hin ziehen wollen oder eher hier in deutschland bleiben ? würde mich intressieren ob du das jetzt schon so beurteilen kannst *schultern zuck*

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Dana
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Beitragvon Dana » 11.03.2005, 20:58

naja isses/war denn wieder eine umstellung wegen den verkehr als du nach hause kamst?


jo, ich laufe heute noch auf der falschen Seite an den leuten vorbei, wenn man sich aus dem Weg gehen möchte :oops:

naja ^-^ würdest du denn später denn auch nach Japan hin ziehen wollen oder eher hier in deutschland bleiben ?


Leben *denkt* , weiß ich jetzt noch nicht, aber nach dem Abi noch mal hin und dort ein Jahr studieren, das wär schon toll

wie stehts mit deinem Buch?

Na, das dauert noch ein wenig. Alles muss noch mal gelesen und vielleicht üeberarbeitet werden, dann zu nem Lektor und gaaaanz nebenbei geh ich ja auch noch zur Schule, sitze in der Fahrschule und der Chor und mein Klavier benötigen auch einige Zeit...

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Dana
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Beitragvon Dana » 28.03.2005, 14:36

Mittwoch, 26.01.2005

Schon komisch, dass ich den heutigen Tag überlebt habe, bei der ständigen Adrenalinausschüttung! Schon morgens begann es mit der Abschiedsrede vor allen Zweitklässlern meiner Schule. Ich war total aufgeregt und stotterte mir was zusammen, kann ich euch sagen. Dabei stand alles auf meinem Zettel und ich hätte es bloß fehlerfrei abzulesen brauchen. Na ja, es ist in Japan und an dieser Schule ja nicht wirklich ein Problem, wenn man nicht perfekt ist. Ruria und Ran aus meiner Klasse kamen nach meiner Rede zu mir auf die Bühne, um etwas zu meiner Person zu erzählen und mir anschließend eine recht schwere Tüte zu überreichen. Drin befand sich ein Teeset, bestehend aus einer echt stilvollen Teeschale, einem Natsume (Teedose, in den man den Tee nach dem Sieben aufhäuft, um ihn von da aus mit einem Spatel in die Teeschale zu geben) und das zugehörige Sieb und der Spatel waren ebenfalls dabei. Nakade-sensei hat das Set besorgt und die Zweitklässler dafür Geld gesammelt. Bei mir meldet sich echt das schlechte Gewissen. Meine Teelehrerin wurde von Nakade-sensei beauftragt, guten Tee zu besorgen und vom Teeclub werde ich am Sonnabend den Teebesen zum Schaumigschlagen des Tees bekommen.

Nach dem Unterricht schleppte man ich mit zu einer Versammlung ins Lehrerzimmer, damit ich auch dort eine Dankesrede halten konnte. Schön, dass man mir das bereits 10 Minuten vorher gesagt hatte. Aber mir ist hier schon lange nichts mehr zu dumm und zu peinlich… Ein bisschen aufgeregt ist man natürlich schon, vor allen Dingen, da Abe-sensei mich völlig fertig machte, weil sie mehr unter Spannung stand als ich. Sie zottelte ständig an meiner Schuluniform herum und hetzte nervös von einer Stelle zur anderen. Schließlich wird sie dafür verantwortlich gemacht, wenn es Probleme mit mir gibt.

Donnerstag, 27.01.2005

Im Japanischunterricht habe ich heute Sprichwörter kennen gelernt, in denen Tiere vorkommen. Das ist echt spannend und manchmal musste ich schon schmunzeln. Manche der Sätze ähneln sehr deutschen Redewendungen. Das ist doch interessant, oder?

Na ja, ich gebe mal ein paar Beispiele:

Beim ersten Satz war das dazugehörige deutsche Sprichwort nicht gerade schwer zu erkennen: „Wenn man einem kleinen Kind eine goldene Halskette schenkt, ist das als wenn man einem Schwein eine Perle gibt.

Dann gab es den folgenden Satz: „Wenn es auf dem Schulweg anfängt zu regnen und dann auch noch die Klamotten dreckig werden, ist das wie ein Bienenstich im Gesicht.

„Der Sohn eines bedeutenden Sumoringers hat einen bedeutenden Kampf im Sumo gewonnen. Das Kind des Frosches ist ein Frosch.“ Das hat doch was von „Der Apfel fällt nicht weit vom Stamm“.

„Ein Bademeister muss vorm Ertrinken gerettet werden. Auch ein Affe fällt mal vom Baum.“ Gemeint ist, dass auch ein Spezialist mal Fehler machen kann. In meinem Wörterbuch heißt die Übersetzung ins Deutsch: „Auch ein Meisterschütze schießt fehl.“

A: „Herr Ishidsu hat in einem Fotowettbewerb einen Preis bekommen!“
B: „ Ich wusste gar nicht, dass er sich für Fotos interessiert. Ein Adler mit Talent zieht seine Krallen ein.“ Wenn ich das richtig deute, heißt das, dass ein Mensch, der wirklich begabt ist, nicht damit zu prahlen braucht, denn ein Adler ist ein guter Jäger und zeigt es auch aus taktischen Gründen nicht. (Da kann man mal sehen, wie viel man in Sprichwörter reininterpretieren kann!)

„Obwohl es gefährlich ist, Motorrad zu fahren und obwohl gesagt wird, dass es besser wäre damit aufzuhören, hört der Sohn nicht hin, denn es wirkt sich aus wie ein Gebet in Pferdeohren“. Das Deutsch dazu könnte „den Mond anbellen“ sein.

„Die Eheleute haben eine Beziehung wie Hund und Affe“

„Auch wenn ein Hund laufen kann, stößt er gegen einen Stock“ in meinem Wörterbuch wird es mit „Auch ein blindes Huhn findet mal ein Korn“ übersetzt. Die Logik erschließt sich mit jetzt nicht unbedingt, oder hab ich da einen Aussetzer?

„Insekten erwachen“ heißt, dass man launenhaft und nervös wird.

„Ich hatte ein Würmerwissen“ sagt man, wenn man eine Vorahnung hatte.

Sonnabend, 29.01.2005

Schon mal Blattgold gegessen?

Heute, an meinem letzten Schultag ist so einiges passiert:

Zunächst wurde ich zum Schulleiter geschickt, um dort eine Urkunde und mein Zeugnis aus dem Japanischunterricht entgegenzunehmen. Man hatte meine Kallegrafie aufgehängt und dann wurde ein Foto für die Schülerzeitung gemacht. Morgens hatte ich verschlafen und dementsprechend blieb zum Anziehen der Bluse kaum Zeit. Da habe ich mich von oben bis unten jeweils um einen Knopf verknöpft, was ist bis dahin keinem aufgefallen war. Als aber Abe-sensei an mir herumzottelte und ich mir wieder eine Bemerkung über meinen viiiiel zu kurzen (altersmäßig durchschnittslangen!) Rock einfing, stellte sie es peinlicherweise fest und bat Suzuki-sensei, mich doch bitte mal ordentlich anzuziehen. Zum Glück war der Schulleiter da aber noch nicht dabei. Na ja, kann ja mal passieren…

Danach hatte ich eine Stunde Zeit, um mein Schließfach auszuräumen und Mittag zu essen. Tja, und dann begann die Teeclubabschiedsfeier. Ich brauchte heute aber keinen Tee servieren, denn man hatte ein paar Süßigkeiten eingekauft und wir quatschten ein bisschen, bis Nakamura-sensei, die ältere der beiden Lehrerinnen, mich fragte, ob ich schon mal in einem richtig traditionellen Japanischen Restaurant gegessen hätte. Auf meine Verneinung hin nuschelte sie etwas von „Das müsste man Dich noch essen lassen“. Aus Höflichkeitsgründen darf man ja dann nicht darauf einsteigen und so kamen wir wieder vom Thema ab. Noch mal nachfragen darf man in Japan erst recht nicht und so hoffte ich die zwei Stunden lang, dass sie ihre indirekte Einladung wiederholen und wahr machen würde.

Und wirklich! Sie tat es! Sie lud die jüngere Teelehrerin, die beiden engagiertesten Zweitklässlerinnen und mich zum Essen ein. Zuerst gingen wir alle zusammen zu ihrem Haus, weil sie dort ihre Tasche abstellen wollte. Die Gegend versetzte mich schon in Staunen. Eine Siedlung mit alten japanischen Häusern und ebenso alten Bäumen. Die Lehrerin scheint gleich zwei Grundstücke, jeweils eins auf beiden Seiten der Straße zu besitzen. Und sogar ein eigenes Teehaus. Schon ihr Vater muss ein berühmter Teelehrer gewesen sein, der sogar Bücher darüber veröffentlicht hat. Sie schenkte mir nämlich eins zum Abschied: „Chanoyu Text“ von Nakamura Sekiou.

So eine Mahlzeit habe ich jedenfalls noch nie erlebt! Schon bei dem ersten von fünf Gängen hatte ich Hemmungen das Kunstwerk, das aus vielen kleinen Häppchen unterschiedlicher, für mich auch nach Erklärung nicht identifizierbarer Luxushäppchen bestand, in den Mund zu stecken. Weiter ging es mit gerösteten Krabben, die mit Chitinpanzer gegessen wurden. Danach gab es eine Suppe, in der sich eine Reisinsel befand, die wiederum mit Blattgold (!) bestreut war.

Die Serviererin kannte Nakamura-sensei wohl persönlicher und zwischen einem der Gänge wurde meine Kallegrafie herumgezeigt und der Oberkoch persönlich aus der Küche geholt. Mir war das natürlich wieder furchtbar peinlich. Alles, sogar Teller und die große Rolle wurden ausgepackt und untersucht.

Dann kam der vierte Gang – die Hauptmahlzeit, die in Pfannen in Holzkisten mit Holzdeckel auf den Tisch gestellt wurden. In ihnen befand sich Reis mit dem verschiedensten Gemüse. Dazu eine kleine Suppe und am Ende wurde der restliche Reis mit etwas Wasser, Lauch und Wasabi (grüner Meerrettich) als Suppe gegessen.

Dann begann die jüngere Teelehrerin, über ihre Zeit als Studentin zu reden und darüber, dass ihre Uni ja nicht gerade eine der schwersten Aufnahmetestes hatte. Nakamura-sensei fuhr sie an, den Mund zu halten. Betretene Stille…

Und da kam auch schon der Nachtisch: ein kleiner Mangopuddingwürfel mit Blaubeersauce. Der hat aber geraaaade so noch reingepasst!

Da scheint sich bei Nakamura-sensei ganz schön etwas an der anfänglichen negativen Einstellung mir gegenüber geändert zu haben, oder? Jedenfalls war das Essen ein echter Wahnsinn!

Am Abend bekam ich noch einen unerwarteten Anruf aus Oita. Anett, bekannt als higanbana aus meinem Japanjahr-Forum, rief an, um mich zu fragen, ob ich bei ihrer geplanten Hochzeit im März in Deutschland nicht während der Trauung das Übersetzen für ihren japanischen Mann übernehmen könne. Sie selbst darf es nicht tun, braucht also dringend jemanden dafür. HILFE!!! Ich kann das doch nicht…
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Dana
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Beitragvon Dana » 28.03.2005, 17:51

Nun noch meine letzten beiden Tagebuchtage in Japan und meine Aufzeichnungen sind vollständig. Ich hoffe, ihr hattet Spaß und Spannung beim Lesen und habt vielleicht auch was Neues/Interessantes über Japan erfahren.

Sonnabend, 05.02.2005

Der Tag war auch so voll gepackt wie die letzten und hätte 48 Stunden haben müssen! Makino-chan wollte sich unbedingt mit mir treffen, bevor ich wieder nach Hause fahre und letzten Sonntag hatte es ja irgendwie nicht geklappt. Also schob ich sie terminlich vor die geplante Abschiedsparty in der Schule, was hieß, dass wir uns 10 Uhr in Kichijouji trafen. Ich musste aber heute die ganze Schuluniform zurückgeben und hatte damit in den überfüllten Bahnen ganz schön zu tun. Zum Glück fanden wir in Kichijouji ein Schließfach, das groß genug war, um wenigstens die Hälfte darin zu verstauen. Nachdem wir Purikura schießen und ein (großes!) Eis essen waren, musste ich auch schon wieder los zur Schule.

Dort war der Raum geschmückt und jede Menge Fressalien verteilt. Ich musste allerdings eine halbe Stunde vor dem Raum warten, weil die Vorbereitungen noch ganz nicht beendet waren. Ich kam mir ohne Schuluniform ehrlich gesagt ziemlich merkwürdig vor, weil so jeder mitbekam, dass ich bald nach Hause fliege. Wir futterten also ein paar Chips, spielten Spiele und ich veranstaltete mein Quiz. Ich erzählte ihnen zum Beispiel, dass in Deutschland immer Kartoffeln mit 25 cm Durchmesser gegessen werden. Die Klasse sollte entscheiden, ob ich die Wahrheit sage oder lüge. Die Geschichte wurde mir tatsächlich von der Mehrheit abgekauft *lacht*. Der schiefe Turm von Pisa befindet sich natürlich ebenfalls in Deutschland. Logisch!

Von der Klasse erhielt ich als Abschiedsgeschenk ein Scrapbook, in dem jede eine Seite gestaltet hatte. Natürlich freue ich mich darüber, aber das Ding wiegt mehr als 2 Kilo und somit bleibe ich niemals in der Gewichtsbeschränkung des Koffers für den Flug… Noch dazu bekam ich von Eriko und Yui eine kleine Pinnwand, die als Rahmen für eine Fotocollage diente. Soweit also zum stundenlangen Reden in der Drinkbar am Mittwoch. *zwinker* Sie haben sich echt ganz dolle angestrengt und ich bin erst mal richtig beeindruckt von ihrer Kreativität! Zum Abschluss sangen wir im Musikzimmer alle zusammen "Sakura"- das Lied, mit dem sie am Chorfesttag auftreten werden.

Danach hieß es Abschied nehmen. Eriko und Yui wollen morgen zum Bahnhof Tokyo kommen, aber den Rest sehe ich so schnell nicht wieder. *schnief*

Was soll ich in Zukunft bloß ohne diese Klasse machen?

Zu Hause angekommen blieb gar keine Zeit mehr zum Trauern, denn mein halbfertiger und jetzt zu schwerer Koffer wartete auf mich. Der wurde auch erst gegen 23 Uhr fertig und hatte 5 Kilo Übergewicht. Mein Handgepäck war auch zu schwer. Mist. Dabei hatte ich alles Überflüssige schon aussortiert. Meine Rettung war, dass okaasan mir anbot, ein Paket am Montag abzuschicken, wenn ich ihr Geld da lasse. Daraufhin durfte ich mir natürlich wieder stundenlang anhören, dass die Austauschschüler vor mir schon im Sommer ein Paket nach Hause geschickt hatten und das AFS mich extra darauf hingewiesen hätte - blablabla. Aber was hätte ich vorher losschicken können? Ich brauchte alles bis zum Schluss! Zum Abendessen wurde Sushi bestellt. Ich hatte meiner Gastfamilie als Abschiedsgeschenk einen Kalender, besser gesagt Familienplaner, mit Bildern von Berlin und mir gebastelt und genau in dem Moment, als ich ihn überreichen wollte, fingen meine Gasteltern sich an zu zoffen und otousan rannte beleidigt aus dem Zimmer und schmiss die Tür hinter sich zu. So wurde ich gleich mit angeschnauzt, warum ich noch immer nicht am Tisch sitze. Na ein Glück, dass ich die bald los bin!

Sonntag, 06.02.2005


Uahh, ich habe meinen Wecker nicht gehört... Eigentlich sollte ich gegen 6 Uhr aufstehen, weil wir gegen 7 Uhr das Haus verlassen wollten. Doch plötzlich war es 6.45 als jemand meinen Namen rief - okaasan. War aber auch nicht weiter wild, weil bereits alles fertig gepackt war und ich auf Frühstück nur sehr wenig Appetit hatte. Ich zog mir alles an, was gewichtstechnisch nicht mehr in den Koffer gepasst hatte: Zwei T-Shirts, eine Trainingsjacke, darüber einen Fleece-Pulli. Dann zwei Trainingshosen und die Jacke, die nach all den schichten nun zu klein war, wickelte ich mir um die Hüfte. In Tokyo kann man so ja herumlaufen. Mein Gastvater stand extra auf, um mich an der Tür zu verabschieden. Er sagte iterrasshai, was eigentlich bedeutet, dass man abends wieder nach Hause kommt. Danach wurde mir erläutert, dass man das bei AFS so machen würde und okaasan erklärte mir stolz, dass sie in den Kalender auch "Abfahrt" und nicht "Heimkehr" geschrieben hatte. Toll! (^_-)

Am Tokyo Bahnhof angekommen, stellte ich entsetzt fest, dass sich dort zum Express gar keine weiteren Schranken befinden, an denen ich mich aber eigentlich mit Eriko und Yui treffen wollte. Und der Bahnhof ist grooooß. Wir trafen uns trotzdem irgendwie und zu meiner Überraschung war ein Viertel meiner Klasse mit dabei. *freu* Hanawa-san (der Tokyo Tama Präsident) und Akabane-san (LP) kamen auch. Sie unterhielten sich sofort mit okaasan und somit konnte ich mich ohne schlechtes Gewissen ganz und gar meinen Freundinnen zuwenden. Sie bildeten einen Halbkreis um mich und zogen alle zur gleichen Zeit jeder einen Brief für mich aus der Tasche. *nochmalfreu* Nach ein paar letzen Fotos und Umarmungen fuhr der Express Richtung Narita schon ab.

Ich machte den Fehler, mir zuerst Erikos Brief durchzulesen, was zu einigen Tränen führte, aber als wir eine Stunde später am Flughafen ankamen war zum Trauern schon keine Zeit mehr. Dort musste ich meinen Koffer öffnen, was ziemlich peinlich war, denn Sachen, die in letzter Minute von mir noch reingestopft worden waren, sahen alles andere als ordentlich aus. *rotwerd* Wahrscheinlich lag es am japanischen Tee, der in Metalldöschen gelagert wird, oder aber am Baton? Aber das unsystematische Rumgewühle in meinem Koffer hätte sie sich auch sparen können.

Zu meiner Überraschung war Familie Sasaki zum Flughafen gekommen. Alle vier strahlten mich an. Sie überreichten mir das Ergebnis des JPLT-Tests vom Dezember, das gestern bei ihnen per Post angekommen war. Ich hab das Level 3 bestanden!

Die Sicherheitsschranken haben natürlich auch gefiept, weil ich in einer der Hosen etwas Metallisches hatte. Daraufhin musste ich die Schuhe auch noch ausziehen. Dann gab es wieder Aufregung, weil eine der deutschen Austauschschülerinnen glaubte, ihre Bordkarte verloren zu haben. Später stellte sich heraus, dass Franzi ihn in der Hand hielt. *augenroll* Kurz nach dem Start kam eine genuschelte Durchsage, von der ich nur "... is broken" verstand. Mich befiel Panik. Es war aber nur der Ofen zum Erwärmen der Speisen... Während des Fluges standen wir AFSler zeitweise zu fünft hinten im Flugzeug und unterhielten uns stundenlang. Von einer der britischen Stewardessen wurden wir deswegen echt angemacht. Daraufhin kam eine der japanischen Stewardessen und entschuldigte sich auf Japanisch!!! bei uns und belegte die Britin mit ein paar saftigen Ausdrücken. Wir haben ja so gelacht. Schließlich drei Stunden Aufenthalt in London und danach ab nach Hause. Meine Eltern, mein Bruder und Catrin erwarteten mich kurz nach 22 Uhr am Flughafen in Tegel mit Blumen. Meine Mutti hatte eine Kette gebastelt, an der Kinderschokobons und andere deutsche Leckereien hingen, die den Abschiedsschmerz lindern und mir die Rückkehr versüßen sollen. Es war ein merkwürdiges Gewühl wieder auf deutschem Boden zu stehen. Als ich zu Hause ankam, war mir erst einmal als sei ich gar nicht weg gewesen. Mein Zimmer war aber so fürchterlich groß und ordentlich (^_-). Kleine Sachen haben sich natürlich verändert: In unserer Wohnung hängen neue Bilder, wir haben eine andere Waschmaschine, mein Bruder ist ein Stück gewachsen und aus dem Stimmbruch heraus, mein Papi ist ein bisschen grauer geworden *hihi* und auf meinem Schreibtisch türmen sich Bücher, Zeitschriften, CDs und eben alles, was sich in dem Jahr für mich angesammelt hat. Catrin hatte mir eine große Obstschale geschenkt und mein Papi einen frischen Obstsalat für mich geschnippelt. Inzwischen war es fast Mitternacht. Wir haben noch ein bisschen gemeinsam am Küchentisch gesessen und geschwatzt und irgendwann fiel ich todmüde ins Bett.
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Beitragvon Zacha » 16.05.2005, 10:49

Hez ich missbrauche kurz deinen Thread Dana. Sei nicht boese!!! :mrgreen: ich kann mich heute zum ersten mal im Forum melden. wollte nur sagen, dass es mir hier voll gut geht, ich ne super geile gastfam und klasse habe, dort auch schon viele neue freunde gefunden hab und das es hier verdmt heiss ist. hier hatte es schon ene april gegen die 30 grad. ich radel jeen morgen 20 km in die schule und das ganze dann wieder zurueck. ich bin dem fotoclub beigetreten. macht richtig viel spass und das ganze ist ist kostenlos. schwarz weiss bilder duerfen wir sogar selber entwickeln. ich lerne auch kendo, was auch richtig geil ist. wir haben auch schon ein bambusschwert fuer mcih gekauft. mit dem japanisch gehts auch gut voran, aber das ist verdamt schwer oder besser gesagt so verdammt anders. manchmal verzweifelt man echt daran herauszufinden warum die was so machen, wie sie es machen. komischer satz, nicht? :wink: so ich muss jetzt dann schluss machen, denn ich mach das ganze hier gerade heimlich von nem computer eines ALT. Die ansonsten richtig coole Schhule spinnt imo noch ein bisschen in Sachen Internet und meine Gastfam hat keines. Vllt find ich ja mal irgednwo ein gutes internetcafe. Also bis denne und machts gut :mrgreen:
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Beitragvon Little Ai » 16.05.2005, 12:00

hey zacha :D
freut mich, dass die klasse und gastfam so super sind :wink: wo lernst du denn kendo? an der schule oder extra in nem verein?
stellst du auch mal bilder ins netz wenn du das internetcafe gefunden hast? :jumper:
okay, noch alles gute in Japan
lg
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Beitragvon Dana » 17.05.2005, 06:07

Zacha hat geschrieben:Hez ich missbrauche kurz deinen Thread Dana. Sei nicht boese!!! :mrgreen: ich kann mich heute zum ersten mal im Forum melden. :


Hey Zacha, aber gerne doch. :jumper: Ich würde es sogar supi finden, wenn "Live aus Japan" nicht verschwindet, sondern durch die jetzigen Awayees weiter geführt wird.

Zacha hat geschrieben:Die ansonsten richtig coole Schule spinnt imo noch ein bisschen in Sachen Internet und meine Gastfam hat keines.


Na, das Drama kenn ich zur Genüge. :roll:
AFS Japan und das Internet -wäre echt einen EXTRA-THREAD wert.

Ansonsten freu ich mich für Dich, dass Du es so gut angetroffen hast. Fotoclub klingt echt klasse. Hätte ich auch gerne gemacht.
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Beitragvon MiakaYuuki » 24.05.2005, 23:03

mao ... boah ihr steigert meine vorfreue nur um so mehr *kopfschüttel , kicher*

kendo habe ich mir überlegt würd eich auch mal gerne machen .. wäre bestimmt cool , aber sagt mal gbit es hier sowas in deutschland ? weil sagen wir ich würde das drüber in Japan auch machen und dann wieder hier her , würde mir etwas fehlen denke ich.
und hier ist es bestimmt (wenn es das gibt!!) sau teuer.


ps .. dana deine einträge sind echt spitze .. ^_^ *jump* :jumper:

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Beitragvon Little Ai » 01.06.2005, 16:37

kendo habe ich mir überlegt würd eich auch mal gerne machen .. wäre bestimmt cool , aber sagt mal gbit es hier sowas in deutschland ? weil sagen wir ich würde das drüber in Japan auch machen und dann wieder hier her , würde mir etwas fehlen denke ich.
und hier ist es bestimmt (wenn es das gibt!!) sau teuer.


gibt es sicherlich in großstädten! in düsseldorf auf jeden fall! das tokio deutschlands *gg* und ich denke mal, es sind normale vereinspreise! also auch nicht teurer als tennis oder so!
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Beitragvon Futschie » 14.06.2005, 22:10

*sich die augen aus dem kopf les* Du schreibst echt schön. ;_;
Deine Klasse erinnert mich ein bisschen an meine. ;_; *total vermiss*

Oh mann, kann das alles total gut nachvollziehen, da kommen einem ja alle erinnerungen wieder hoch. ^^

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Beitragvon Zacha » 09.08.2005, 06:45

Hey ich habe gerade meinen Halbjahresbericht fuer AFS geschrieben, der an mein Stipendium geknuepft ist und da dacht ich mir, dass hier ganz gut reinpassen wuerde. Ich hoffe ich habe nicht zu viele Rechtschreibfehler reingehauen. Besonders mit derm fehlenden Scharfes komme ich nicht klar. :mrgreen: Also ich hoffe ihr werdet viel freude beim lesen haben. :wink:

Am 23. Maerz, einen Tag nach meinem Geburtstag war es also so weit. Der Tag der Abreise in mein wohl groesstes und spannendes, aber auch schwierigstets Abenteuer bis dato. Komischerweise aber war meine Aufregung dementsprechend klein. Mir kam das alles noch wie eine kleine Reise vor. Richtig realisiert hatte ich das ganze noch nicht.
Als ich die anderen 19 deutschen AFSer und auch unsere Nachbarn aus der Schweiz, die ab Kopenhagen zu uns gestossen sind einen 14 stuendigen Flug hinter sich hatten, stiegen wir aufgeregt, aber vor allem mit viel Vorfreude aus dem Flugzeug und betraten im internationalen Flughafen Narita in Tokyo zum ersten mal japanischen Boden. Eine ganze Menge bzw. es waren genau 135 Austauschschueler aus der ganzen Welt kamen an diesem Tag mit AFS nach Narita um fuer ein Jahr ins Ungewisse zu gehen. Da wir so viele waren, wurden wir dann gleich in Gruppen aufgeteilt und fuhren zu unseren Orientationscamps nach Tokyo, Nagayo, Fukuoka oder wie in meinem Fall nach Osaka. Dies zog aber auch eine 10stuendige Fahrt im Bus mit sich. Der anfaengliche Missmut darueber schwand aber schnell, da ein Bus voller Austauschschueler Spass pur bedeutet.
Im Camp in Osaka wurden wir dann auf anfaenlgiche Probleme vorbereitet und nochmals ein bisschen in die japanische Kultur eingefuehrt, um sich nicht ganz so verloren vorzukommen. Zudem war es eine tolle Gelegenheit viele neue Freunde zu finden. Aber genau dort kam dann auch schon mein erstes Problem auf. Irgendjemand von AFS in Deutschland muss es wohl versaeumt haben mir zu sagen, dass ich in Japan einen Inlandsflug zu meiner Gastfamilie haben werde. Dazu muss man wissen, dass man in Japan bei Inlandsfluegen nur 15 kg anstatt den sonst 20 kg als Gepaeck haben darf. Da ich sowieso mit meinen 22kg 2kg Uebewrgewicht hatte musst ich nun irgendwie improvisieren. Gluecklicherweise sind 3 Stuecke Handgepaeck erlaubt und so habe ich in Taschen, die ich noch aus Deutschland mitgebracht hatte so viel reingestopft wie nur ging und habe so mein Gepaeck bis auf 17 kg runtergebracht. Mit diesen kam ich schliesslich dann auch ins Flugzeug, als ich mit einem anderen Thai Richtung Kochi flogen, das im Sueden von Shikoku liegt, die kleinste der 4 Hauptinseln. Also alles halb so schlimm.
Wie anfangs beschreiben, hatte ich bis zu diesem Punkt noch kaum Herzklopfen oder Sonstiges, aber als ich dann zum wiederholten male meinen Fuss aus dem Flugzeug setzt und meine und die Gastfamilie des Thai schon in der Eingangshalle winken sah, ist mir mein Herz in die Hose gerutscht. Die Aufregung, die ich bisher kaum hatte kam nun doppelt und dreifach in mir hoch. Meine Knie wurden weich und ein bisschen habe ich auch gezittert. Es ging alles so schnell und ich kann mich auch gar nicht mehr an alles erinnern was geschehen ist, bevor ich dann mit meiner neuen Gastfamilie im Auto zu ihrem und mittlerweile auch meinem Zuhause fuhren.
Die ersten Tage gingen also vorbei und nach der anflaenglichen Aufregung folgte dann die Langeweile. Mit dem Japanisch wollte es noch nicht so richtig klappen und machen konnte man hier auch nichts wirklich, denn ich wohne hier in einem paar hundert Seelen Reisdorf. Diese Phase ging aber dann genau so schnell wieder, wie sie gekommen ist. Ab dem 6. April ging dann naemlich die Schule an der Kochi Minami (Sueden) Koukou (Highschool) los. Am Anfang kam ich mir noch ein bisschen komisch vor, denn man muss wissen, wenn man als Nicht-Asiate in eine japanische Schule geht ist das ein Ding fuer sich, an das man sich auch erst mal gewoehnen muss. Von allen Seiten wird man angeschaut, von ueberall her hoert man Gefluester und ab und zu trauen sich diese schuechternen Wesen mal zu Winken oder wenn jemand ganz mutig ist kommt ein “Hello!” ueber seine Lippen. Falls man nun noch darauf antworten sollte, geht bei den Maedchen das Gekreische los. Auch bei den Jungen erfaehrt hoechste Beliebtheit, nur allein wegen der Tatsache, dass man aus dem Ausland kommt.
Am ersten Tag war noch nicht wirklich viel zu machen. Mir wurde die Schule gezeigt, ich sollte mich vor dem Lehrerkollegium vorstellen und auch eine kurze Rede vor der versammelten Schule halten. Zum Glueck hatte ich so etwas schon geahnt und deshalb daheim mit meiner super Familie eine kleine Rede auf Japanisch vorbereitet. Als ich das alles dann hinter mir hatte wurde ich schliesslich in meine neue Klasse, die “2 no 5” gebracht. So gingen also die Tage in der Schule. Die Aufregung unter den Schuelern legte sich auch mit der Zeit (obwohl ich immer noch angelacht werde ect) und ich habe mich immer mehr in die Klasse integriert. Mittlerweile fuehle ich mich sogar schon als vollstaendiges Mittglied.
Ende April habe ich mich auch entschieden, von nun an immer mit dem Fahrrad zur Schule zu fahren, was ganze stolze 15 km Hinweg sind und das ganze natuerlich auch wieder zurueck. Aber der Bus ist auf dauer einfach zu teuer. Ich wollte nicht das meine Gastfamilie so viel Geld fuer mich ausgibt, denn sie fuehlen sich verpflichtet mich wie ein ganz normals Familienmitglied zu behandeln, was auch das Busgeld mit sich zieht. Ausserdem kann es ja nicht flasch sein Sport zu treiben, was es ja ohne Zweifel ist.
Ein ganz normaler Schultag bei mir sieht folgendermasen aus. Ich stehe um 6 Uhr auf, fruestuecke, richte mich und mache mich dann so um ca. 7:15 Uhr auf den Weg zur Schule. Die Schule faengt dann um 8:30 Uhr an und endet je nach Wochentag um 15:25 Uhr oder 16:25 Uhr. Vor dem Unterricht haben wir dann erst einen SHR (Short Home Room) in dem der Lehrer wichtige Sachen fuer den Tag bespricht oder kurze Tests geschrieben werden. Danach folgt der uebliche Schultag mit Faechern wie Mathe, eines der 3 vers. Englisch, Biologie oder auch Kalligraphie. Eine jap. Schulstunden geht ueber 50 Minuten und die Pausen sind 10 minuten bzw. die Mittagspause ist 45 Minuten. Aber das kann sich auch von Schule zu Schule unterscheiden. Ich habe das glueck nicht in einer dieser paukschulen gelandet zu sein, die hier gar nicht zu selten sind.
Wie sieht also so eine Unterrichtsstunde genauer betrachtet aus. Ich glaube das Wort Frontalunterricht passt am besten. Der Lehrer redet und die Schuler schreiben mit oder schlafen. In Deutschland habe ich nie darueber nachgedacht im Unterricht zu schlafen, aber hier ist das echt eine Alternative, ausser natuerlich fuer mich, da ich immer im Blickwinkel eines jeden Lehrers bin. So verbringe ich die meiste Zeit damit, mit den von AFS Japan erhaltenen Textbuechern zu lernen oder ich beschaeftige mich irgendwie mit anderen Schuelern, die auch nicht wirklich am Unterricht interessiert sind. Nachdem alle Unterrichtsstunden beendet sind ist es Zeit zum putzen. Ja in Japan putzen die Schueler ihre Schule selbst! D. h. man putzt mit seiner Arbeitsgruppe z.B. das Klassenzimmer oder die Toilette. Aber meistens wird der Grossteil der Zeit dazu genutzt einfach zu reden oder irgendeinen Bloedsinn zu machen. Am Ende gibt es nochmals einen SHR und dann gehts auch schon Heim oder in einen der zahlreichen Klubs. Die meisten Schueler sind irgendeinem Klub beigetreten. Ich habe mich fuer den Fotoklub entschieden, da ich es zeimlich interessant finde und dieser nur woechentlich ist. Sportklubs z.B. haben jeden Tag Training.. Auch in den Ferien. Nur der Sonntag ist eine Ausnahme. Das ist mir dann doch ein bisschen zu anstrengend.
Ich kann auch stolz von mir behaupten richtige Freunde gefunden zu haben, die nicht, wie ein anderer AFSer so schoen geschreiben hat, dem Gaijin-Fanclub (Auslaender-Fanclub) beigetreten, sondern wirklich an meiner Person interessiert sind. Zurseit sind gerade Sommerferien und ich wollte viel mit ihnen unternehmen, aber ich finde keine Zeit. Jeden Tag ist was zu tun. Erst letzte Woche hatte ich mein erstes AFS Camp in der Naehe von Kyoto. Da ich so weit weg wohne, bin ich und der Thai zusammen im Zug und ab okayam sogar im Shinkansen (jap. Schnellzug) einen Tag freuher gekommen, was allein schon ein Erlebnis ist. Wir haben am ersten Tag auch mit anderen Austauschschuelern die alte Kaiserstadt Kyoto besichtig was richtig lustig war. Im Camp selber war es schoen viele alte Bekannte aus Osaka wieder zu treffen, aber auch neue Leute kennen zu lernen.. Vor allem kam ich aber wieder hochmotiviert zurueck nach Hause. Ich komme zwar mit meinem Japanisch gut voran und ich kann mich auch im Alltag gut verstaendigen (das Woerterbuch brauche ich sowieso nicht mehr so haeufig), aber am Ziel meine Traeume bin ich noch lange nicht angelangt, denn wenn die Japaner unter sich sprechen, dann verstehe ich zwar viel , aber eben noch lange nicht alles. Besonders wenn viele unbekannte Woerter dabei sind. Aber da bin ich nach diesem Camp nun sehr optimistisch.
Da wir gerade auch schon bei dem Thema Sommer waren, moechte ich noch das Wetter hier ansprechen. Ich hatte hier bisher wirklich ein tolles Jahr und werde sicher alles hier vermissen, wenn ich schon wieder in knapp 5 1/2 Monaten gehen werde. Ich empfehle es auch jedem weiter in Japan ein Austauschjahr zu machen, aber wer hier angenehmes Sommerwetter erwartet ist falsch. Jeden Tag an die 30 Grad und Luftfeuchtigkeit hat es hier auch 70% in der Regenzeit im Juni sogar bis zu 80%. Da stoenen sogar die Japaner! Aber mit einem Ventilator laesst sich das schon aushalten.
Bevor ichs noch vergesse sollte ich auch noch ueber meine Gastfamilie berichten, was ja eigentlich einer der wichtigsten Punkte ist. Sie besteht aus der Gastmutter, dem Gastvater, 2 kleinen Gastschwestern, einem kleinem Gastbruder, einer Gastgrossmutter und einem Gastgrossvater. Und ich kann von recht behaupten, die beste Gastfamilie der Welt zu haben. Ich wohne in einem Dorf in der Naehe von Kochi Stadt. Dieses kleine Dorf ist nicht so schlimm, wie ich zu Beginn gedacht hatte. Eigentlich gefaellt es mir hier sogar richtig gut und mit dem Fahrrad sind es nach Kochi nur rund 15 Minuten. Mit meiner Familie unternehme ich auch viel. Oft machen wir Ausfluege oder die hier so beliebten “Doraibu” (eng. “drive”), bei denen man sich einfach ins Auto sitzt und irgendwo hinfahert. Erst gestern sind wir ganz spontan zum Bowling gefahren. Natuerlich wird auch viel geredet.
Ich freue mich jetzt erst mal auf die naechsten Monate und auf das, was sie mir bringen werden. Natuerlich auch herzlichen dank an die Stiftung Mercador, die mir das ganze hier erst ermoeglicht hat. Und an alle unentschlossen will ich noch sagen, dass es ein Austauschjahr eine einmalige Gelegnheit ist, die man nicht versaeumen sollte. Ihr koennt hier aus einem Jahr so viel mitnehmen, wie ihr Daheim niemals koenntet und es spielt ueberhaupt keine Rolle wo man hingeht, denn man kann ueberall ein super Jahr haben.
Nur wer seine Träume lebt, kann seine Sehnsucht stillen.

Little Ai
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Beitragvon Little Ai » 09.08.2005, 18:18

:D hey, zacha, ich bin froh, dass es dir so gefällt und das du glück mit deiner gastfamilie hast :jumper: wnen ich diese berichte und auch (mal wieder) die einträge von Dana lese, dann möchte ich am liebsten sofort losfliegen :D :D :D aber ich muss mich noch in geduld üben!!!

war die 10-stunden-fahrt nach Osaka nicht der hammer? ich meine, man ist erschöpft vom flug und muss sich dann noch 10 stunden in einen bus quetschen? :wink: hattet ihr auch pausen zwischen dieser fahrt?

Ich wünsche dir noch alles alles gute in Japan :D
Ich auf Abwegen in Japan :)



AFS JAPAN 2006/2007



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Mi-chan

Beitragvon Mi-chan » 15.08.2005, 16:48

Das klingt ja alles total super, Zacha :D
Hoffentlich werden deine weiteren Monate auch so toll :D

10-Stunden-Busfahrt stell ich mir ziemlich anstregend vor nach einem 14-Stunden-Flug. Ich glaube, meine Beine wurden danach nur noch aus Pudding bestehen :wink:

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Beitragvon CDWaldi » 16.08.2005, 22:28

Boah, Dana und Zacha, ihr regt mich voll auf. Wegen euch komm ich jetzt doch noch auf die Idee meine Entscheidung für Canada in Frage zu stellen.
Ich erinner mich grade wie ich im Sommer 04 durch den Flughafen Narita gerannt bin und mich die Schlange am Einreiseschalter für Ausländer so aufgeregt hat (ich musste da zwar garnicht durch, aber meine Mutter...). Das hat dann erst mal gedauert. Als wir dann auch unser Gepäck geholt hatten und dann endlich da raus waren hab ich zum ersten mal seit den letzten vier jahren meine Obasan und Ojisan wiedergesehen.
Auch erinner ich mich an den grünen Tee, dessen erinnerung eng mit den ekeligen Tee-Süßigkeiten verknüpft sind. Das wiederum lässt das Bild meiner Cousins und meinem Onkel in meinem gehirn auftauschen, wie sie diese japanischen Schmierbohnen mit ihrem Frühstücksreis essen. Das Essen war überhaupt das beste: Der superleckere Curry und die Sushi von Obasan, die tollen Nudelbuden in Gumma, das große Essen, was der Cousin meines Vaters in so nem Restaurant für die ganze Verwandtschaft organisiert hat.
Jetzt darf natürlich auch nicht die Erinnerung an heute vor einem Jahr fehlen, wo wir mit allen Tanten, Onkels, Cousins und Cousinen einen Trip an den Fuß des Fujiyama gamacht haben... Das war alles so schön...
Ich hoffe mal, dass meine Klasse es zu schätzen weiß, dass ich für sie auf so viel, z.B. die tollen Getränkeautomaten mit den Fanta-Alu-Flaschen und dem leckren Kakao und die Pfirsich Fanta verzichte. Aber eigentlich ist da ja meine Lehrerin dran schuld, die mir absolut davon abraten wollte...
Ich liebe Japan!!!
Sorry für meinen Gefühlsausbruch :oops:

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Hi no Tori
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Beitragvon Hi no Tori » 17.08.2005, 13:20

CDWaldi hat geschrieben:Auch erinner ich mich an den grünen Tee, dessen erinnerung eng mit den ekeligen Tee-Süßigkeiten verknüpft sind.
Unverdorbene Lebensmittel sind nicht ekelig. :-?

<i>Wagashi</i> sind eben Geschmackssache -- ich liebe sie, manch anderer (sämtliche Australier, die auf einem zwei-Wochen-Austausch "meine" Schule besucht haben) kriegt sie nicht runter.

Und was deinen Gefühlsausbruch angeht -- ich denke, das geht uns "Wiedergekehrten" allen von Zeit zu Zeit so... ;) Wir leiden mit.

Übrigens, wenn du Curry vermisst -- Curry ist das einfachste japanische Gericht, das ich kenne (abgesehen vielleicht von Umeboshi bentou oder Tamagogake-Gohan ;)). Die Soßenbasis dafür kriegt man (mit deutscher und englischer Zubereitungsanweisung) in jedem gut sortierten Asialaden... Ist total einfach, probier's mal aus! Es lohnt sich!

Ja ne~
“No day but today.”- RENT

★ 11. September 2002 - 10. Juli 2003, Ōsaka, Japan
★ 1. Juli - 12. August 2006, Baltimore, MD
★ 4. September 2008 - 28. August 2009, Kyōto, Japan
★ 26. Februar - 4. August 2011, Bĕijīng, China.

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