Live aus JAPAN

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Dana
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Live aus JAPAN

Beitragvon Dana » 02.04.2004, 17:47

24.03.2004

Am Mittwoch um 7.20 Uhr startete der Flieger in Tegel Richtung Frankfurt am Main. Das hieß, 4 Uhr aufstehen (nach drei Stunden Schlaf *gähn*), schnell frühstücken, den Koffer endgültig schließen und Eileen abholen, weil sie mich gerne zum Flughafen begleiten wollte. Plötzlich kam uns auf dem Weg zu unserem Auto Catrin - eine gute Freundin der Familie - entgegen, um sich von mir zu verabschieden und noch ein paar Süßigkeiten (after eight *lecker*) zu schenken. Ich war echt überrascht.

Am Flughafen verabschiedete ich mich von meinen Eltern und meiner besten Freundin. Ich war zu diesem Zeitpunkt komischerweise weder aufgeregt noch sonderlich traurig. Eileen schenkte mir ein selbst bemaltes T-Shirt mit einem Notenschlüssel und ein Bild von uns beiden. Ich hatte mal wieder an das Gleiche gedacht, extra einen Bilderrahmen gekauft und ihr auch das gleiche Bild geschenkt. Tanoshii.

In Frankfurt trafen wir uns mit den AFSlern aus Deutschland (wir waren 20) und da passierte das erste Missgeschick! Sanny, noch ein paar andere Japanflieger und ich hatten unser Gepäck gleich durchgecheckt und setzten die Koordinatorin in Kenntnis davon. Diese beachtete uns aber nicht und sagte, dass alles in Ordnung sei. Wir dachten dann, dass sie unsere Bordkarten hat - hatte sie aber nicht. 20 Minuten vor dem Schließen der Flugzeugtüren trafen wir uns vor der Gepäckkontrolle und wir fragten vorsichtig noch einmal nach. Da guckte sie uns mit großen Augen an und es ging das große Rennen los. Schnell zurück zum Schalter und Karten besorgen. Als wir die hatten, mussten wir uns überall vordrängeln, um dann auf die Minute genau das Flugzeug zu betreten. *puh *. Wir saßen dann endlich auf unseren Plätzen und da stellte sich heraus, dass mein Handgepäck zu groß war *Panik*. Die britische Stewardess machte große Augen und quetschte es daraufhin in die Ablagen über den Sitzen. Joria saß hinter mir neben einem Japaner, der ganz stolz war, dass er einem Ausländer Kanjis beibringen konnte. Er schmetterte mir mit einem breiten Grinsen ein "ananta wa kirei na hito desu" entgegen.

In London sind wir ohne weitere Probleme umgestiegen und als wir zusammen ins Flugzeug (British Airways 007!!!) stiegen, wunderten wir uns erst einmal: in den Lehnen der Sitze befanden sich kleine Bildschirme, damit der Hintermann sein eigenes Fernsehprogramm bestimmen konnte. Es lief "The Last Samurai", CNN und andere englischsprachige Sender und wenn man den Fernseher ausschaltete, lief ein Radioprogramm.

Dann setzte sich ein Japaner neben mich, der zu meinem Erstaunen richtig gut Englisch verstand. Es stellte sich heraus, dass er 10 Jahre an der Schule, an die ich in Japan gehen werde, unterrichtete. Seine Tochter ist dort Klavierlehrerin und ich soll mich bei ihr melden. Er selber lehrt "Englischsprachige Länder in Europa" und lud mich zu seiner Uni in Tokyo ein, wenn ich ein bisschen besser Japanisch spreche. Er meinte, dass seine Schüler nur sehr schlecht Englisch sprechen und sich über einen Europäer freuen würden. Die Welt ist ein Dorf.

Er erklärte mir immer, was ich gerade esse, weil es ein japanisches Menue gab. Und erzählte außerdem, dass nach japanischen Jungennamen die Zahl der Geburtenfolge steht (Wie soll ich das beschreiben?) und wir unterhielten uns über Irland, weil er dort seinen Urlaub verbrachte.

Der Flug war trotzdem eine Qual, weil viel zu lang und ich nur ein Stunde schlafen konnte.

25.03.2004 (Donnerstag)

Gegen 10 Uhr Ortszeit (2 Uhr nachts bei Euch) machten wir unsere ersten Schritte auf japanischen Boden, füllten schnell noch die Einreiseformulare aus und gingen mit unseren Koffern, die zum Glück alle ankamen, durch die Zollkontrolle, um auf AFSler aus Finnland, Ungarn und der Schweiz und auf Kuma zu treffen. Kuma (Daisuke) ist in meinem Komitee tätig und war ein Jahr lang in Deutschland. Ich habe gehört, dass er sich total gefreut hat, einen deutschen Austauschschüler zu bekommen. Kuma heißt im übrigen Bär und es ist sein Spitzname.

Wir erhielten Bänder, die unseren Zielort kennzeichneten und wurden mit Bussen oder dem Flugzeug verschleppt. Meine Gruppe, die in Tokyo blieb, ist mit dem Bus mitten durch Tokyo gefahren. Das war ein echtes Erlebnis!!! Schon beim Einsteigen bemerkt man den Linksverkehr. Man steigt von der *falschen* Seite ein (was aber nichts macht, weil ich eh nie weiß, wo links und rechts ist). Der Busfahrer hat weiße Handschuhe an.

Die Straße, auf der wir fuhren, schlängelte sich über den Köpfen der Japaner an den Häusern vorbei und weil Tokyo wie eine amerikanische Stadt aufgebaut ist, kann man nach jedem Häuserblock durch die Strassen sehen. Es ist alles so bunt und die Stromkabel hängen durcheinander. Es sind hunderte Menschen zu sehen. Leider war das Wetter schlecht und die Fensterscheibe dreckig. Meine Fotos sind nicht die Besten.

Dann habe ich geschlafen - eine Stunde - da muss wohl ein japanischer Stau gewesen sein.

Im Orientierungscamp angekommen, bekamen wir als Gruppe (ich glaube, dass es alle vom Flughafen waren) zwei Gruppenleiter (Masako und Kuma) zugeteilt. Und sie erklärten uns landestypische Dinge (z.B. Essensregeln usw.). Japanische Sprache wurde nicht unterrichtet. Wir machten keine Pause. Nicht mal vor und nach dem leckeren Essen, das wir unter drei oder vier Gerichten wählen konnten. Wir sind noch Baden gegangen. Chantal aus der Schweiz und ich haben nicht gewusst, dass es mehrere Ofurobas gab. Wir sind ins erst Beste gegangen und fragten uns, wo unsere Gruppe nur ist? Wir waren umgeben von Japanerinnen, die ihre Blicke nicht zurückhalten konnten, während unsere Gruppe im Nebenraum war.

Im Ofuroba wäscht man sich vor dem Becken, indem man sich auf einen kleinen Stuhl setzt und Wasser in einen Eimer laufen lässt und ihn sich über den Kopf kippt. Das Wasser, in das man sich setzt, ist wirklich warm und man hält es nicht länger als 10 Minuten aus.

Um 11 Uhr abends konnten wir endlich ins Bett, um 7.30 anderstags wieder aufstehen zu müssen.

Da hatte ich das erste Mal Zeit für ein kleines Heimweh, aber ich war so müde, dass ich doch gleich mit meinem Kuschelhasen einschlief.

26.03.2004 (Freitag)

Der nächste Tag war nicht weniger anstrengend. Wir haben Hanami gemacht. Im Moment blühen nämlich gerade die Kirschen (Sakura, Sakura) und da konnten wir uns Kekse und Getränke aussuchen, um ein Picknick zu machen. Auf der Wiese spielte ein kleiner Junge mit seiner Mutter Baseball. Franzi und ich sind einfach hingelaufen und haben mitgespielt, aber mit dem Treffen des Balles hatte ich es nicht so...

Abends fand eine Talentshow statt. Aus fast jedem Land wurde ein Tanz oder ein Lied präsentiert. Wir motivierten uns, spontan "Alle meine Entchen" zu performan. OK, das war lächerlich, aber egal.

Danach wurde ein japanisches Buffet aufgetischt. Oishii. (Lecker.)

27.03.2004 (Samstag)

Um 6 Uhr schon aufstehen. Vormittags sind diejenigen, die dem Komitee Tokyo Tama zugeteilt waren, zusammen mit Kuma mit dem Zug 10 km durch Tokyo gefahren. Er hat uns gezeigt, wie wir Fahrkarten kaufen können!

Das Komitee hat eine Party für uns geplant *freu*. Wir kamen in einen Raum und man erklärte uns, was wir tun sollten. Nach einer kurzen, angespannten Wartzeit gingen wir in den größeren Nebenraum, in dem unsere Gastfamilien warteten und betraten eine kleine Bühne, auf der wir uns vorstellen sollten. Manche ATS können aber noch kein Japanisch, lernten aber wenigstens ein paar Standartsätze auswendig.

Die ehemaligen ATS hatten eine kleine Show für uns vorbereitet.

Danach konnten wir mit unseren Familien gehen...

Wir brachten meinen Koffer ins Auto und gingen in einen Park in der Nähe. Sasakis wollten mir noch die wunderschönen Kirschen zeigen. Ich entdeckte - es war auch nicht zu übersehen - riesige große mülltütenblaue Plastikplanen, auf denen Hunderte von Menschen saßen und professionell Hanami (Blütenschau) betrieben ^_^ . So richtig lang vorbereitet, mit überdimensionalen Picknickkörben und den leckersten Speisen... In der Mitte des Gartens befindet sich ein See, auf dem Kinder und Liebespaare zusammen Tretboote fuhren. Ich kam mir vor wie in einem rosaroten (Kitsch-) Märchen.

Sasakis redeten immer munter auf mich ein, in der Hoffnung, dass ich schon wisse, was sie sagen. Meistens habe ich den Sinn schon verstanden, wenn ich auch nur die Hälfte des Satzes übersetzen konnte. Der Rest ging auf Englisch..

Danach sind wir mit dem Auto zur Wohnung gefahren. Sasakis wohnen im 3.Stockwerk (also ganz oben). Das Haus ist aber anders gebaut, als ein deutsches Mehrfamilienhaus. Das Treppenhaus ist außen angebracht und man betritt jede Wohnung von einem langen Balkon aus. Sie zeigten mir außerdem die Briefkästen. Sie sind mit einem Zahlenschloss, das man mal im und mal gegen den Uhrzeigersinn drehen muss, gesichert. Eigentlich ganz praktisch, weil man dann nicht für jedes Familienmitglied einen Schlüssel braucht.

Auf der einen Seite des Hauses befindet ein Feld, das zu einer Uni gehört. Hier können die Studenten ihr Gemüse anbauen und in den Pausen essen. Dahinter sieht man natürlich Häuser, was sonst. Wenn man aus dem Fenster des Wohnzimmers schaut, dann sieht man auch nur Häuser. Eigentlich ist es hier relativ grün, wenn man das mit der Innenstadt vergleicht. Dort steht nicht ein Baum. Hier ist ein kleiner Garten mit Kirschbäumen und dort picknicken und spielen die Kinder mit ihren Eltern. Wenn man 200 Meter läuft, kommt man in eine Einkaufsstraße, in der man alles bekommt. Sogar ein Mc Doof (maku donarudo) ist dort zu finden.

Mein Zimmer ist im Vergleich zu meinem in Deutschland sehr klein. Das hatte ich aber erwartet und ich finde es echt superoberriesenklasse, dass Chihiro zu Ayumi gezogen ist, damit ich hier mein eigenes Zimmer habe. Letztendlich habe ich auch alles untergekriegt und bin die meiste Zeit im Wohnzimmer, wo sich immer alle aufhalten. Ansonsten sind mein Zimmer und die ganze Wohnung sehr westlich eingerichtet. Ich schlafe in einem Bett (und nicht auf einem Futon, den ich dann jeden Morgen nach dem Schlafen hätte wegräumen müssen) und daneben steht ein kleiner Schreibtisch. Wenn man aufs Klo geht, muss man hier auch nicht die Schuhe wechseln, wie es durchaus in anderen Familien üblich ist.

Dann bin ich mit Chihiro einkaufen gegangen und habe meine Schälchen für den Reis und die Mizosuppe gekauft und danach ein Kanji-Lernheft für Zweitklässler.

Das ist alles sooo bunt und lustig, weil ich die meisten Sachen nicht kenne. Ich sah einen Spielautomaten, in dem man erst 100 Yen einwirft und dann einen Knopf drückt, damit sich eine Schaufel bewegt und Süßigkeiten schaufelt, um sie danach auf eine Oberfläche zu werfen, auf der sich noch ein Brett befindet, das sich nach vorne und hinten bewegt und die Süßigkeiten in ein Loch schiebt, damit man sie sich endlich nehmen kann. Klingt zwar komisch, is aber so! Auf jeden Fall hatte ich zwei Hände voller Süßigkeiten (von denen die Hälfte aus Zitronen- und Orangentraubenzucker bestand und ich dagegen eine Allergie habe!) und habe mich total gefreut. Das sind also die Mittel, mit denen kleine Kinder (und ahnungslose neugierige Ausländer) abgezockt werden. Ich kann mir die Dramen vorstellen, die bei jedem Familieneinkauf ablaufen, wenn die kleinen Süßen doch sooo gerne auch mal spielen möchten. Das ist typisch Japan.

Wieder zu Hause angekommen, gab mir okaasan (Mutter) eine Figur, die annähernd rund ist. Ich sollte mit selbstabgeriebener Kalligraphietusche ein Auge malen und mir dabei etwas wünschen. Wenn der Wunsch in Erfüllung geht, darf ich das zweite Auge malen. Die Figur hat durch einen speziellen Schwerpunkt, die Eigenschaft sich immer wieder aufzurichten, was den Siegeswillen und das Niemalsaufgeben symbolisiert. (Stehaufmännchen)

Dann habe ich noch gelernt die Kanji für Sasaki zu schreiben. Mit Chihiro habe ich mich durch die ersten Seiten des Kanji-Lernheftes gequält. Viele Kanji kannte ich ja schon, aber das mit den Lesungen ist so eine Sache. Die verlerne ich zu schnell (wenn ich sie überhaupt schon konnte (^_^))

Zum Abendbrot gab es Spaghetti. Die wurden aber ausnahmsweise nicht mit den ohashi (Stäbchen) gegessen. Jeder isst hier mit seinen eigenen Stäbchen aus seinen eigenen Schalen. Da muss man erst einmal durchsehen. (^?^)

Beim Essen lief der Fernseher und zwar mit zwei Kanälen gleichzeitig. Den Sinn dieser Aktion werde ich wohl nie ganz verstehen, aber wahrscheinlich können sie nichts verpassen, oder so. Der Fernseher läuft den ganzen Tag.

Ayumi hat mir ihr neustes Play Station Spiel gezeigt. Sie breitete eine Matte vor der Konsole aus und begann je nach den Richtungen der Pfeile, die von unten nach oben über den Bildschirm rasten, auf die Matte zu treten. Dazu liefen Songs, die man sich aussuchen konnte. Ich selber bin da viel zu langsam gewesen und habe bei dem Tempo niemals auf die Reihe bekommen zu gucken, zu denken und gleichzeitig in die richtige Richtung zu treten. *Mist*

Am Abend wurde noch die Badewanne eingelassen, aber das mit der Reihenfolge in einer traditionell lebenden Familie scheint hier auch egal zu sein. Das Wasser hatte sogar eine angenehme Temperatur (oder habe ich mich einfach nur daran gewöhnt, weil ich in Berlin auch so heiß gebadet habe?)

Danach bin ich ins Bett gefallen...

28.03.2004 (Sonntag)

... und habe bis 10 Uhr geschlafen.

Nachmittags sind wir zur Bibliothek gefahren, in der okaasan (Mutter) arbeitet. Jetzt habe ich einen Leseausweis und ein Kinderbuch ausgeliehen, das wir gleich durchgelesen haben. Tanoshikatta.

Dann sind wir noch mit dem Fahrrad in meine Schule gefahren. Ein paar Schüler waren trotz der Ferien mit ihren Clubaktivitäten beschäftigt. Die Schule ist wirklich sehr schön. Mit einem großen Garten und alles sieht so neu aus. Ich freu mich schon auf meine Schuluniform.

Mit dem Fahrrad sind wir ganz langsam gefahren und haben 20 Minuten gebraucht. Aber irgendwie komme ich mit den Vorfahrtsregeln nicht so richtig klar. Die, die von links kommen, müssten die Vorfahrt haben, aber keiner achtet darauf. Otosan (Vater) fährt, wenn er will und wenn er sich in eine Schlange einordnen will, hupt er einfach aufdringlich und fährt ohne Rücksicht los. Ist das der Tokyoter Fahrstil? Oder nur der meines Gastvaters? Ich werde es weiter beobachten...

Die Klos hier sind ja echt lustig. Auf dem meiner Familie stehen die Kanji für groß und klein und nach dem Händewaschen läuft das Wasser über einen Wasserhahn über der Spüle in ein kleines Waschbecken, um es dann beim nächsten Mal zum Spülen zu benutzen. Das nenne ich mal clever. An anderen Klos sind Knöpfe angebracht, um Spülgeräusche zu imitieren, damit es nicht so peinlich ist (ist das nicht niedlich?). Bei noch anderen Klos werden die Brillen beheizt. Da fragt man sich jedes Mal "Wer saß denn hier schon". Wenn man die vielen Knöpfe ausprobiert, spritzt auf einmal Wasser von unter hoch und wenn man entsetzt aufspringt, spült das Klo von selber... Da bekommt man es mit der Angst zu tun...

29.03. 04 (Montag)

Heute Morgen musste ich schon relativ früh aufstehen, weil eine Versammlung der Hausbewohner stattfand. Ich solle mich vorstellen. Das war ein bisschen peinlich, weil alle mich plötzlich so erwartungsvoll anguckten und nach jedem Satz, den ich gesagt habe, ging ein erstauntes Nicken durch die Reihen. Danach durfte ich zum Glück gehen und Chihiro hat noch bei unseren Nachbarn geklingelt, weil sie ein Klavier haben und auch immer mal üben.

Danach war ich - was sonst - einkaufen.. Alles ist bunt, aber eben auch genau so teuer *geiz*. Also habe ich nur ein paar Süßigkeiten gekauft und mich ganz doll gefreut.

Jetzt verstehe ich auch, warum Austauschschüler in dem Jahr ein paar Kilo zulegen. Die essen hier schon zum Frühstück das Dreifache von dem, was ich sonst verdrücke. Zum Mittag fragen meine Gasteltern mich immer, ob ich wirklich schon satt bin und finden das ganz komisch. Dann bin ich vom Mittag noch satt, da gibt es gleich Abendbrot. Und auch so viel. Man möchte ja schließlich nicht unhöflich sein. Ayumi verdrückt zudem noch eine Packung Chips pro Tag...

30.03.2004 (Dienstag)

Heute sind wir Vormittags mit dem Bus nach Kichijoji gefahren, weil dort ein AFS Tokyo Tama Treffen stattfand. Die gespielte Freundlichkeit des Busfahrers ist echt mal erwähnenswert: Jedes Mal, wenn jemand sein Geld bezahlte sagte er mit gelangweilter Stimme "arigatou gozaimashita" (Vielen Dank). Und das dann 10 Mal pro Haltestelle und in genau dem selben Abstand. Noch dazu wird der Wert des Geldes nicht einmal überprüft, sondern man wirft es einfach in eine Box rein. Japaner sind doch zu ehrlich, oder? Die gleiche Freundlichkeit erwartet einen auch beim Einkaufen. Da tritt man einem Japaner aus Versehen auf den Fuß und da entschuldigt sich dieser doch glatt dafür, dass sein Fuß dort gerade im Weg war... Aber eigentlich ist das eine bessere Art miteinander umzugehen, als die, die man in Deutschlands Städten gewohnt ist, oder wird man in Deutschland in jedem Geschäft begrüßt, auch wenn man daran vorbeiläuft?

In Kichijoji waren wir erst einmal Pizza essen und danach wurde ich zum AFS-Treffort gebracht. Danach hatten wir 2 Stunden (glaube ich) Unterricht. Wir lernten Katakana, Zahlen und die Uhrzeiten. Bajul aus der Schweiz und ich haben uns total gelangweilt, weil wir schon eine ganze Weile Japanischunterricht hatten. Die andern wunderten sich, dass wir sogar Kanji schreiben können. Na ja, die Zeit verging irgendwie, aber das Schlimmste was, dass wir noch viele Hausaufgaben aufbekamen. Ich sehe das einfach als Wiederholung an... und habe sie schnell zu Hause gemacht. Das war hart. Ich hab´s mit Hausaufgaben sowieso eher nicht so. Das Ganze geht im April wieder weiter. Es ist aber ganz cool, die anderen Austauschschüler immer mal zu sehen und Erfahrungen auszutauschen.

Zum Abendbrot gab es Pferd vom Opa und zu meiner Begrüßung. Und weil das nicht gereicht hat, wurde es roh!!! gegessen. Ich hab aus Höflichkeit mal gekostet und mich dann auf meinen Reis und meine Mizosuppe gefreut...

31.03.2004 (Mittwoch)

Shinjuku ist ja sooo genial!!!

Chihiro, ihre Freundin, die sie schon seit 10 Jahren kennt und ich haben uns im Kino einen koreanischen Film angesehen. Mit japanischen Untertiteln. Ich weiß gar nicht, wie man das in der Geschwindigkeit lesen soll (zumal ich die Kanji eh nicht kenne). Na, auf jeden Fall war das ein sehr tiefgründiger Film mit sehr wenigen Farben und ich verstand ihn überhaupt nicht. Da habe ich ein bisschen geschlafen und auf die Musik gehört, die zwar ganz schön war, aber wenn man den ganzen Film lang drei Lieder immer wieder wiederholt, geht es einem echt auf die Nerven...

Danach sind wir zu den Purikura-Automaten gegangen. Ich liebe Purikura. Da könnte man sein ganzes Taschengeld reinwerfen. (Keine Angst zu Hause, ich werde mich beherrschen (^_^))

Man geht in eine Kabine und macht ein paar schräge Fotos. Danach kann man mit einem Metallstift auf einem Bildschirm den Hintergrund bearbeiten und Sterne, Herzchen, Kuscheltiere und viele bunte Sachen einfügen. Dabei hat man eine Zeitbegrenzung, die die Sache erst richtig interessant macht. Das ganze kostet 300 Yen. Aber zu dritt geht das schon. Danach bekommt man eine Karte mit den Bildchen drauf und die kann man dann zerschneiden und aufteilen.

Shinjuku (Stadtteil Tokyos) selber ist riesig. Ganz viele Wolkenkratzer und Tausende

von leuchtenden Reklameschildern. Das ist ziemlich eindrucksvoll. Aber kitschig. Ich finde es auch komisch, dass 19-jährige in Geschäfte mit rosafarbenen Disneysachen gehen und sich über Hunde, Katzen und Prinzessinnen freuen, alles angrabbeln und ganz entzückt *kawaii * quietschen. Aber das ist hier normal...

Meine Gastmutter hat mir auch einen Pyjama gekauft, der hellrosa ist und einen Mickey und Minni Mouse Aufdruck hat. Der kam aber mit der Post und da konnte ich nichts sagen.

(Nachts sieht mich ja keiner, außer meiner Gastfamilie!!!)

Abends gab es Tempura zum Essen. Das ist Gemüse und Fisch mit einer Panade aus Eiern und Mehl drum rum. Hier kochen sowohl Mutti als auch Papi, je nachdem, wer gerade Zeit und Lust hat. Ich war wieder mit dem Tischdecken beschäftigt und habe die Stäbchen mal wieder vertauscht. Ob ich es jemals lernen werde *sichselbstfrag*? Zum Tempura gab es natürlich noch Reis und Mizosuppe mit Tofu.
Warnung: Japan macht süchtig.

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Kääpiö
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Beitragvon Kääpiö » 02.04.2004, 19:15

=) es scheint dir zu gefallen.
Wenn man liest, was du erlebst wird einem richtig bewusst, dass Japan eine komplett andere Welt ist, wünsche dir noch viel Spaß dort :wink:
Nuuskamuikkunen istuutui maahan pää käpäliensä välissä ja valitti: - Kaunis meri! Poissa! Hävinnyt! Ei enää purjehduksia, ei uimisia, ei suuria haukia! Ei valtavia myrskyjä, ei hohtavia jäitä, ei öisiä kirkkaita vesiä, joihin tähdet kuvastuivat... Ja hän painoi päänsä polviaan vasten eikä tahtonut enää katsoa ylös. <3

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Beitragvon Klein-Ju » 02.04.2004, 20:33

cool, schöner bericht;-) freut mich, dass es dir so gut gefällt...
Schlaflos in Kassel 2004!!!!! (Leute es war so geil!) (ey ich bin ein A und ein D!)

2 Austreisserkinder allein im Geisterhaus...
"Lena hast du mein Fenster gesehen???"

Ecuador
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Beitragvon Tini » 02.04.2004, 21:40

Von mir erstmal ein dickes DANKE!!!! Dafür, dass du das alles hier reinstellst!!! Ich freue mich voll für dich, dass es dir so gut gefällt...da wird meine Vorfreude noch größer, als sie sowieso schon ist.... :D

Lg Tini
Träume nicht dein Leben; lebe deine Träume!!!
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Jeder Tag an dem du nicht lächelst ist ein verlorener Tag! (Charly Chaplin)

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Beitragvon Marlen » 02.04.2004, 22:42

Danke Dana für deinen Bericht. Hat mir echt Spaß gemacht den zu lesen und es freut mich für dich, dass es dir so gut in Japan gefällt. Wünsche dir noch ganz viel Spaß in Japan.

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Beitragvon Lischen » 03.04.2004, 13:34

Cooler Bericht!!!! Wünsch dir natürlich auch weiterhin ALLES gute in Tokyo!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!

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Beitragvon NoRdLIchTofNz » 03.04.2004, 14:35

Schöner Bericht , klingt echt spannend :D

Weiterhin viel Spaß :mrgreen:

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Beitragvon Piischen » 03.04.2004, 15:04

ich liebe erfahrungsberichte!
hast du ecth süß geschrieben!
coole sache...
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HH 16. o7. 2Oo5 um 9:00 nach Newark/NJ --> Ciudad de Panamá
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Beitragvon evAnini » 05.04.2004, 17:03

echt gut geschriebener und super interessanter bericht! respekt :)
You know that point in your life when you realize that the house that you grew up in isn't really your home anymore? All of the sudden even though you have some place where you can put your stuff that idea of home is gone. [...] You'll see when you move out it just sort of happens one day one day and it's just gone. And you can never get it back. It's like you get homesick for a place that doesn't exist. - Garden State

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Beitragvon eurefreundin » 05.04.2004, 18:19

Jep, also ich fands auch klasse und kann es nun kaum erwarten loszufahren....Nun ja, hoffentlich findeste irgendwann nochmal Zeit zum schreiben, denn ich finds echt super interessant *smile*
Gruß
EureFreundin
Kleiner Tipp: Wenn dir das Wasser bis zum Hals steht, solltest du denn Kopf nicht hängen lassen ;-)

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die nächsten Tage

Beitragvon Dana » 06.04.2004, 20:53

Freitag, 2. April 2004

Mit Ayumi bin ich heute Morgen losgefahren, um ihre Freundin am Bahnhof zu treffen. Wir sind zusammen ins Kino gegangen und haben uns "Master And Commander" angesehen. (Ich weiß gar nicht, ob es den in Deutschland auch gibt?) Der Eintritt hat auch NUR 1800 Yen (rund 14 Euro) gekostet!!! In Japan werden die Filme meistens mit Untertiteln gezeigt, weil die Japaner die Originalstimmen hören wollen. Das hab ich mir zumindest sagen lassen!? Für mich war das aber ganz angenehm, weil ich wenigstens mitbekam, worum es ging. ^-^

Danach bin ich wieder nicht an den Purikura-Automaten vorbeigekommen (ich gebe es ja zu) und habe Mika und Ayumi gleich mitgeschleppt *grins *. Als wir dann fanden, dass wir genug Geld dafür ausgegeben haben, schlugen sie vor, noch eine Stunde in einer Karaokebar zu verbringen. Ich war total gespannt, weil ich da noch nie drin war...

Wir meldeten uns erst an und bekamen eine Zimmernummer angesagt. In diesem relativ kleinen Zimmer stand vorne neben der bunten Glastuer ein Fernseher mit lauter Knöpfen und Anzeigen, die in allen Farben aufleuchteten. Wir setzten uns um den Tisch herum und suchten uns Lieder aus, die wir dann mit einer Fernbedienung eingaben. Es lagen zwei Hefte vor uns: Eins für japanische und eins für englischsprachige Lieder. Im Letzteren gab es echt eine bunte Mischung! Was für eine Ehre für Lennie Bernstein gleich über Britney Spears zu stehen!!! Aber es war aber eine gute Chance für mich, herauszufinden, was die japanischen Jugendlichen kennen, und was nicht. Voller Entsetzen musste ich feststellen, dass Backstreet Boys & Co hier richtig bekannt und beliebt sind... Ich dachte, dass ich diese Musik wenigstens für ein Jahr nicht mehr hören muss... aber nein... sie verfolgt mich... Zum Glück konnten sowohl Ayumi als auch Mika gut singen, was die Sache doch wieder ganz lustig machte, auch wenn ich die japanischen Poplieder nicht wirklich kenne und deshalb nicht mitsingen konnte.

Samstag, 3. April 2004

In den Ferien gegen sieben Uhr aufstehen zu müssen, um in die Schule zu fahren, ist doch echt deprimierend! Dort wurde ich dem Schulleiter und ein paar Lehrern vorgestellt und bekam ein Gesangsbuch, eine Gebetskette für die allmorgendlichen buddhistischen Gebete und zwei Anstecker ausgehändigt. Danach suchten sie krampfhaft eine Schuluniform für mich. Dabei müssen aber so viele Kleidungsregeln eingehalten werden, dass erst die allerletzte Schuluniform passte, nachdem ich schon 10 anprobiert hatte. Der Rock, der bei der Winteruniform mit der Weste vernäht ist, muss z.B. unbedingt kurz unter der Knien enden, d.h. das Knie bedecken. Aber mir kamen so viele Mädchen entgegen, deren Röcke überall endeten, nur nicht dort... Dann bekam ich noch drei Blusen mit dem Schullogo, drei Paar Socken, einen Blazer, eine Krawatte mit Gummizug *puh*, einen Sommerrock aus dünnerem Stoff (aber auf keinen Fall kürzer) und Schuhe, die total unbequem sind.

Danach drückten sie mir noch ein Sportzeug in die Hand mit einem roten Band, das man sich um den Kopf bindet, damit jeder weiß, zu welcher Mannschaft man gehört. Eine Schürze mit weißen Spitzen für den Kochunterricht ergänzte die Grundausstattung... Insgesamt bin ich dann mit drei Tüten und dem Blazer in der Hand aus der Schule getrabt.

(Geduld wegen der Fotos. Das mit den Bildern ist so ne Sache... ich versuche mein Bestes. Sasakis Rechner ist irgendwie total gut eingebaut. Ich finde überhaupt keine Ein- und Ausgänge zum Andocken des Fotoapparates, ohne das halbe Wohnzimmer auseinander zu nehmen. Spätestens in der Schule (fängt am 8. an) wird es schon klappen.)

Danach trafen wir uns gleich mit AFS zum Obento Essen in einem Park und uns wurde ganz viel darüber erzählt, wie Japaner zur Natur stehen und welche Pflanzen welche Bedeutungen haben. Darauf folgte wieder der berühmt berüchtigte Japanischunterricht, in dem ich aber diesmal vorsorglich die Aufgaben der nächsten Lektion machte, damit ich sie nicht als Hausaufgabe aufbekam... Nächstes Mal schreiben wir einen Test...*bäh*

Sonntag, 4. April

Huch, was war das? Ich wurde heute um 8 Uhr aus dem Bett gerüttelt, die Lampe in meinem Zimmer wackelte und die Türen klapperten! Ein leichtes Erdbeben. Im Fernseher liefen sofort die Anzeigen, wie stark es war und wo sich das Epizentrum befand. Ich bin gleich wieder ins Bett *gähn*.

Hier ist richtiges Sch...wetter. Aber trotzdem fand heute eine AFS Hanami-Feier statt. Draußen konnten wir ja nicht sitzen, da sind wir halt in die Turnhalle gegangen und haben dort ein paar gemalte Blumen aufgehängt. Es war trotzdem total cool und mein Komitee hat sich wie immer sehr viel Mühe gemacht.

Zuerst haben wir unsere Obentos gegessen. Meine Gastmutter hatte Sushi gemacht und noch ein paar süße Kleinigkeiten, wie Reiskuchen, gekauft.

Als wir fertig waren, zeigt jede Familie eine kleine Show. Meine Gastfamilie hatte u.a. dafür "Mein Hut der hat drei Ecken" gelernt. Danach fanden Spiele statt, in denen die Familien gegeneinander antreten sollten. Bei einem Spiel sollten wir mit dem Mund Süßigkeiten in einem Karton mit Mehl finden. Da haben sich alle, die teilnahmen, erst mal so richtig eingesaut. Aber ich weiß ja jetzt, wer auf diese grandiose Idee kam... *hihihi*

Als Nachgeburtstagsgeschenk bekamen Bajul aus der Schweiz, Samuli aus Finnland und ich ein AFS-T-Shirt geschenkt, auf dem unsere Köpfe abgebildet sind. Ich hatte auf dem Foto noch meinen Handgepäck-Rucksack auf, aus dem der Schmidtsche Osterkuschelhase herausguckte. Derjenige, der das T-Shirt anfertigte dachte wohl, dass das noch zu meinen Haaren gehört! Nun ist der Hase also auf dem T-Shirt verewigt...

Auf dem Rückweg nach Hause hat es immer noch geregnet und es war sooo kalt. Hoffentlich werde ich nicht krank.

Beim Vorbeigehen an einem Laden habe ich einen Regenschirmständer entdeckt. Man tut hier seinen nassen Schirm in eine Plastiktüte, damit der Laden nicht voll getropft wird. Wenn man ihn aber draußen liegen lässt bzw. vergisst, darf jeder ihn benutzen. Pech!

Montag, 5. April

Morgens bin ich um 7.30 aufgestanden, weil ich mich vor allen Lehrern vorstellen sollte. Dazu durfte ich die Schuluniform in Gänze das erste Mal anziehen. Es ist ja so kompliziert und viele Schichten übereinander. Erst die Bluse, dann den Schlips, danach Rock und Weste, darüber noch einen Pullover und dann erst den Blazer. Die Zeit vergeht - bis man sich morgens entschieden hat, was man anzieht und bis man alles anhat... Und was für ein Abenteuer aufs Klo zu gehen, ohne das irgendetwas verrutscht...

Mit dem Fahrrad ging es heute zur Schule. Ca 15 Minuten. Praktisch mit dem Faltenrock und Gegenwind...

In der Schule war meine Gastmutter plötzlich ganz aufgeregt und zottelte an mir rum, damit auch alles perfekt sitzt. Ich habe fast eine Krise bekommen. Sie übertrug ihre Nervosität letztendlich auch auf mich. Vor den Lehrern durfte ich dann zum x-ten Mal mein "konnichiwa, watashi wa Dana desu..." ablassen.

Mittags traf ich mich mit Robert in Shinjuku. Wir kennen uns aus dem Wahlplichtunterricht Japanisch an unserer Schule in Berlin. Er macht auch gerade ein Austauschjahr, ist aber schon seit einem halben Jahr hier. Weil er zufälligerweise hier in der Nähe wohnt, bot es sich einfach an, sich mal zu treffen. Meine Gastmutter war bei meiner Bitte ganz aus dem Häuschen und rief gleich seine Gastfamilie an. Von mir wollte sie wissen, ob das wohl mein Freund sei... Sie meinte dann, dass wir uns in Shinjuku treffen könnten und dass sie mitkommt, damit wir uns unterhalten können. *interkulturelle Panne* Zum Glück sah seine Mutti das alles nicht so eng. Letztendlich durften wir sogar alleine durch Shinjuku streifen und ein paar Ansichtskarten kaufen, auch wenn diese hier untypisch sind und wir ewig suchen mussten.

Wir waren Deutsch essen und Robert bestand darauf, zu bezahlen. (Danke nochmals). Es war echt lecker. Klasse, mal wieder eine Mahlzeit ohne Reis zu bekommen...

Jetzt tun mir meine Füße aber ganz schön weh... Das Gespräch, das unsere beiden Gastmütter miteinander führten, hat dazu beigetragen, dass ich vielleicht auch einmal etwas alleine machen kann. Meine okaasan ist jetzt ein bisschen beruhigter und hat nicht mehr so viel Angst. Sie erzählte mir gleich, was Robert alles Tolles nach der Schule macht und wie sehr sie sich über seinen Blumenstrauß freute. (Also Robert: einen schönen Gruß an deine Gastmum!)

Dienstag, 6. April 2004

Als ich aufwachte, hatte ich so ein leichtes Kratzen im Hals... kein gutes Zeichen. Ansonsten hat mein Gastpapi heute Geburtstag, aber das wird total ignoriert, weil morgen gefeiert wird und auch erst dann gibt es die Geschenke. Morgen wird Chihiro nämlich 19!
Warnung: Japan macht süchtig.



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Beitragvon Sumsebrumm » 06.04.2004, 21:42

Echt cool deine Berichte, und so schön ausführlich :D !!
Weiterhin viel Spaß in Japan auch von mir :wink:
Macht kaputt, was euch kaputt macht!!!
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Beitragvon eurefreundin » 07.04.2004, 11:12

Jep, wieder ein echt cooler Bericht und wie Sumse ( :mrgreen: ) schon sagte, so schön ausführlich.
Also noch viel Spaß und vielleicht schreibste ja bald wieder *smile*
Kleiner Tipp: Wenn dir das Wasser bis zum Hals steht, solltest du denn Kopf nicht hängen lassen ;-)

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Beitragvon Tini » 07.04.2004, 16:29

DANKE für die schönen Berichte...

Lg Tini
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Beitragvon Katrin » 09.04.2004, 21:01

Hey, deine Bericht sind echt gut geschrieben.
Vorallem ist es total spannend, weil Japan was total anderes ist.
Also immer schön weiter Berichte schreiben. :wink:
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