Neuseeland- ein Tagebuch

In dieses Forum kommen Beiträge von Mitgliedern, die von ihrem Austauschjahr berichten. Hier kann man nur antworten, schreibe Deinen eigenen Beitrag einfach in ein anderes Forum evtl. wird es hier hineingeschoben.
ITZI
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Beitragvon ITZI » 17.10.2005, 14:46

Dein Live-Bericht ist ja wirklich genial!!!
:jumper: Wär echt toll, wenn du weiter schreibst!
Man sieht oft etwas hundert Mal, tausend Mal, ehe man es zum allerersten Mal wirklich sieht.
(Morgenstern)

Lara l. Z.

Beitragvon Lara l. Z. » 01.12.2005, 18:41

Hey !!!

I(ch find das echt super was du so geschrieben hast !!! ich wil nämlich auch nach neuseeland!!! Mich würde bloß mal interessieren wie du das alles hingekriegt hast deine gefühle so aufzuschreiben hast / hattest du immer so ein buch dabie wo du das reingeschrieben hast ( das hört sich nämlich so an als ob man gerade diesen moment mit dir erlebt !!)? echt genial Schreib schnell weiter

Lg Lara

globetrotter
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Beitragvon globetrotter » 16.01.2006, 23:38

ehrlich gesagt ich find den bericht auch sehr gut aber ich würd den tread dann mal schliessen ihr austauschjahr ist ja schon vorbei vor eineinhalb jahren :o also ich weiss ja nicht wie das hier weitergehen soll aber entscheidet euch halt

lg
folow the leader...

Larry
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Beitragvon Larry » 06.02.2006, 15:18

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Winona
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Re: Neuseeland- ein Tagebuch

Beitragvon Winona » 10.02.2008, 10:30

So, nach Jahren mal wieder ein kleines Update. Live-Bericht ist jetzt definitiv das falsche Wort. Ich war 2004 in Neuseeland und das ist jetzt mittlerweile vier Jahre her. Aber immerhin, diese Reportage ist kein Live-Bericht, aber eben ein Life-Bericht, wenngleich ich das Gefühl habe, dass ich jetzt, Jahre später, doch nicht mehr in der Lage bin, alles so wiederzugeben, wie es wirklich war. Man verfälscht, unweigerlich, schustert sich die Wahrheit irgendwie zusammen und doch: es bleibt ja wahrheit, ist ja wirklich passiert, eben mir, auch wenn es meine verfälschte, vier jahre zurückliegende wahrheit ist.

Ich bin tatsächlich aus dem Innes-House ausgezogen, musste dazu allerdings eine Diskussionen führen, denn es gab eine Art Kündigungsfrist, die ich hätte einhalten sollen. Durch Überredungskünste meinerseits ( oder war jemand anderes daran beteiligt ) und mit der Hilfe von Marilyn, klappte es dann. Ich durfte bereits nach einer Woche aus dem Internat in eine Gastfamilie ziehen, die von der Schule gefunden worden war.
Cathy, meine GAstmutter, lernte ich auf einem BBQ für INternational students kennen. Sie schien nett, machte sich nur etwas sorgen, als sie erfuhr, dass ich Vegetarierin sei: "OH my dear, what am I going to cook?". Das Wort "my dear" benutzte sie im Übrigen immer in Abwechslung mit "my love" oder "sweetheart", was ich anfangs sehr nett fand, vielleicht ein bißchen süß, später allerdings übertrieben, denn mein Gefühl sagte mir, dass sie es eigentlich nicht so meinte... War nur so ein Gefühl, ein bißchen unheimlich, sehr schleichend und vielleicht völlig unbegründet, aber... na ja, was kann man gegen Gefühle tun, die einen befallen...
Mein neues Zuhause: ein typische neuseeländisches Haus, weiß gestrichen, flaches Dach, kleiner Garten. Ich hatte ein hübsches Zimmer, ein breites Bett, auf dem ein weißes stück papier mit sog. "houserules" lag... Ich dachte nur: nette Begrüßung , las mir anfangs noch schmunzelnd diesen Zettel mit Regeln durch.
Da stand so was wie: Don't put anything on the cupboards, don't dry your wet clothes inside your room, if you will be late for dinner, please call till 4 pm, don't come home late without calling, if you are hungry between meals, there is plenty of apples and noodles available. Ice-cream and sweets are for sharing ( da verging mir das lächeln etwas... habe ja nichts dagegen zu teilen, aber diese Regeln schienen mir etwas lächerlich, vorallem als begrüßung, vorallem nachdem ich eine woche kurz davor war, heimzufliegen...und ooch: irgendwie hielt ich die Regeln für witzig, icht wirklich ernst gemeint, ein kleiner Gag zum guten Start )
Cathys Frage: Did you read the rules ? machte mir dann klar, dass es ihr doch etwas ernster war, als gedacht. Aber: ich war froh, erleichtert und wieder aufgeregt. Ich hatte zwar das ungute Gefühl,etwas schnell aufgegeben zu haben, aber das hier, dieses kleine Haus, die noch unbekannte Frau war eine Chance, eine offensichtlich nicht mehr einmalige, aber doch, eine neue Chance einfach mal zurück auf Start zu gehen. Es waren erst zehn Tage, ich hatte noch fast ein halbes Jahr vor mir... Und ja, alles war wieder spannend, ich war wieder im Flieger, ich traf nochmal Mrs. Streeter am kleinen Flughafen von Blenheim, wieder die grünen Hügel, die Sonne, wieder ich in der dicken Skijacke, nur diesmal: Verena, that's your hostmum, Cathy. Das obligatorische "Nice to meet you", das lächeln, das Bauchweh, als stünde man kurz vor einer klausur, das langsam weniger wird und dann irgendwann verschwindet.
Und dann war da Ayako, eine japanische Austauschschülerin. Ewig lächelnd, immer freundlich und einer der nettesten Menschen, die ich in Neuseeland kennengelernt habe. Vom ersten Tag an, saß ich oft in ihrem Zimmer und obwohl sie große Schwierigkeiten mit ihrem Englisch hatte, war da dieses Gefühl von Zusammengehörigkeit, von Freundschaft. Nicht, weil wir im selben Hause wohnten, sondern einfach, weil wir gleich waren, wahrscheinlich die gleichen Gefühle hatte, weg von zu Hause und eigentlich noch ein bißchen zu jung dafür, noch nich reif genug.
Dieses Gefühl teilte ich übrigens mit fast allen Austauschschülern. Ich gewann Freunde, die ich mir zu Hause wahrscheinlich nicht als Freunde ausgesucht hätte ( soweit man dass denn tut, sich freunde aussuchen ). Aber ich war hier und wenn man sonst keine GEmeinsamkeiten hatte, dann doch wenigstens dieses Erlebnis, dieses Gefühl der Fremdheit, der Aufregung, des Neuen.

Viele Grüße,
Winona

PS: Ich weiß natürlich nicht, ob euch dieser Erfahrungsbericht überhaupt interessiert. Einerseits hielt ich es selbst immer für sehr wichtig, Erfahrungen auszutauschen, andererseits: man beginnt sehr leicht zu vergleichen un zu hoffen, dass man selbst ähnliches erlebt. Und das wird nicht so sein. Am Ende sind selbst die schlechten Erfahrungen gut, weil sie eben Erfahrungen waren... Und glück und Freude empfindet man oft erst dann, wenn die Momente vorbei sind...
Wenn ihr meint, dass mein Aufenthalt schon etwas lange zurückliegt, dann lasse ich das mit den Berichten einfach, weil vier jahre tatsächlich eine lange zeit sind...: )
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Re: Neuseeland- ein Tagebuch

Beitragvon -Jule- » 12.02.2008, 10:44

hey,

ich würd total gern wissen wie es weitergegangen ist, grad mit deiner gastma und diesen "interessanten" houserules.. ;-)

Larry
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Re: Neuseeland- ein Tagebuch

Beitragvon Larry » 12.02.2008, 15:41

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Re: Neuseeland- ein Tagebuch

Beitragvon Winona » 14.02.2008, 17:21

Did you read the rules?, fragte mich Cathy, nachdem ich meine Kleider in den kleinen Wandschrank gehängt hatte und einige wenige Bücher in das braune Eichenholz-Regal gestellt hatte- mehr Platz war nicht, denn auf dem Regal standen zahlreiche Kuscheltiere, Keksdosen, Püppchen und gehäkelte und mit watte ausgestopfte Bären aus vergangenen Zeiten, die vielleicht ihrer Tochter gehörten ( falls sie denn eine hatte ) oder einem Austauschschüler, der sie zurückgelassen hatte.
"Yes, I did", sagte ich, vielleicht etwas zu schnippisch. Ich hatte es nicht so gemeint, denn im Grunde hatte ich mich nicht allzu sehr mit den Regeln beschäftigt, mich gewundert, gelächelt, mich kurz aufgeregt... Aber eigentlich? Es waren Regeln und ich hatte sie gelesen. Tatsächlich wollte ich sie in keiner Weise angreifen. Ich vermute, dass ich müde war, erschöpft, dass ich meine Stimme nicht kontrollieren konnte, dass mein Körper eigennützig diese Rolle übernahm und ich gar nicht verhindern konnte, dass mein Tonfall grob war, dass ich aufmüpfig klang.
"You know, love", sagte Cathy " I am serious about the rules. I had lots of students living here and afterwards, not all the time, but sometimes, this room looked like a mess. Hence the rules". Ich weiß nicht, ob ich irgendwas sagte, wahrscheinlich nickte ich, fühlte mich getadelt und unwohl, gleichzeitig froh, hier zu sein.
Ich war dabei einige T-Shirts und den Rest meiner Bücher auf eine kleine Kommode mit Spiegel zu legen. " Oh, don't that love. I just had to fix this cupboard here. You are not allowed to put anything on it". " Okay!", nahm mein Zeug und verstaute es vorerst wieder im koffer. Was machte es schon?

Eine Stunde später aß ich mein erstes Abendessen in diesem neuen Haus in der Farmar Street in Blenheim. Es gab Japanese Curry, Ayako hatte gekocht und mir anstatt dem Hühnchenfleisch extra gebratene Pilze zubereitet. Sie schien sich bereits wie selbstverständlich im Haus zu bewegen, stand auf, holte sich ein Glas Wasser, setzte sich wieder, griff nach dem Salz. Für mich war es, als sei zu besuch, jener Besuch bei fremden. Man ist schüchtern, wag nicht, auf die Toilette zu gehen, meldet sich nicht zu Wort, wenn man noch gerne ein Glas hätte. Man will keine Umstände machen. Ayako sprach nichts, lächelte ihr ewiges Lächeln und Cathy schwieg auch die meiste Zeit, fragte mich dann einige Male nach Deutschland, meiner Familie, meinen Freunden.
"Did you make some friends here , love?" fragte Cathy. Ich wusste nicht, was ich sagen sollte. Freunde? Ich kannte mittlerweile alle international students des Marlborough Girls College, aber Freunde? Nein, ich hatte keine Freunde gefunden, noch nicht jedenfalls, ich fühlte mich immern noch unangenehm berührt, wenn ich morgens in die Schule kam, aber ich hatte Zeit... ich war kaum angekommen.
Ayako und ich machten dem Abwasch. Ich tat es gerne, weil es mich beschäftigte, weil ich ein bißchen mit Ayako reden konnte, deren Lächeln mir nciht verriet, ob sie traurig war, ob sie gerne hier lebte. Sie war Anfang Januar hier angekommen, hatte erst zwei Wochen ein Englisch-Kurs gemacht und war schließlich hier eingezogen. Sie sei sehr froh, dass ich hier bin, weil sie ihr Englisch gerne verbessern würde, im Übrigen sei ich sehr nett. Sie erzählte mir ein bißchen von Japan- ja, sie hatte einen Bruder, zwei Hunde- nein in Osaka zu leben, sei nicht sehr schlimm, sie liebe die Großstadt. Nein, in Tokyo sei sie noch nie gewesen- . Man nannte dass, was wir taten wohl Smalltalk. Aber wie, bitte schön, sollte man sich denn sonst kennenlernen? Die Tatsache, dass Ayako jetzt soetwas war wie meine Gastschwester, machte und ja nicht vertrauter. Schön war, dass sie sich Mühe gab und dass ich sie vom ersten Moment an mochte.
Ayako verschwand nach dem Abwasch in ihr Zimmer, während Cathy American Idol im Fernsehen schaute. Da ich nicht wusste, was ich mit mir anfangen sollte, ging ich auch, setzte mich auf mein Bett und las. Ich las Jules Vernes 20 000 Meilen unter dem Meer, das ich mir in Wellington auf Englisch gekauft hatte. Es war mir bewusst, dass ich mich selbst auschloss, dass ich in meinem Zimmer verschwunden war und irgendwie fühlte ich mich unwohl dabei... aber dennoch: so war es einfacher ... und morgen war ja auch noch ein Tag....
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Re: Neuseeland- ein Tagebuch

Beitragvon Winona » 14.02.2008, 17:26

PS: Habe in meinem Tagebuch gesucht. Leider ist in den ersten Monaten tatsächlich nicht allzu viel verwertbares drin. Sind mehr Gedanken, viele und vorallem wirre Gefühle. Nach einigen Wochen habe ich dann angefangen, auf Englisch zu schreiben, was ich euch hier nicht antun will. Deswegen schreibe ich euch weiter auf Deutsch...
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Re: Neuseeland- ein Tagebuch

Beitragvon Winona » 22.02.2008, 00:13

Jeden Tag Schule. High School. Jeden Tag so gegen acht Uhr aufstehen, außer montags, da fing die Schule erst um 10.15 Uhr an. Das war fast so, als wolle man den Schülern noch eine Stunde geben, die durchzechten Nächte des Wochenendes zu verarbeiten.
Wir sind zu dritt. Cathy, Ayako und ich. Dennoch: jeden morgen gibt es Probleme mit dem Badezimmer. Das Klischee der Frau, die Stunden vor dem Spiegel verbringt, bevor sie das Haus verlässt, erfüllte sich bei uns zwar nicht - denn es war nicht die Tatsache, dass wir alle lang brauchten, sondern dass wir alle zur selben Zeit aus dem Haus mussten - aber Ärger gab es trotzdem.
"Girls, you have to get up earlier", sagt Cathy. "If I get up I need to be able to take my shower. I have to work". Obwohl sie diese Worte an uns beide richtet, fühle ich ich angesprochen. Und ich verstehe und irgendwie auch nicht. Ich brauche nicht lange, um mich fertig zu machen. Aber wenn's denn sein muss, stehe ich morgens früher auf. Ayako lächelt vor sich hin, sie sagt später - doesn't bother me at all- . Vielleicht nehme ich alles zu persönlich. Cathy meint es nicht böse, ich stehe früher auf, die Sonne scheint. Es wird schön.
Ich gehe morgens mit Ayako zur Schule. Wir brauchen ungefähr eine halbe Stunde. Wir unterhalten uns nicht oft, Ayako fällt es noch schwer, Worte zu finden und mir fällt nicht ein, was ich noch sagen und fragen soll. Die Dinge, die mir einfallen, habe ich bereits am ersten Abend gefragt. Familie, Hobbies, Interessen, Japan etc. Ich hoffe, dass sich das alles einspielt. Wie bei Freunden, bei Familie.
Die Marborough Girls' School ist von außen recht unauffällig. Ein offenes Tor mit zwei Backsteinwänden, auf denen in goldener Schrift "Marlborough Girls' College" prangt. Ansonsten kleine Häuser mit Flachdach, mit Ziffern an den Türen und kleinen Rasenstücken. Neben dem Gebäude der Schulleitung die große "assembly hall", zu der man sich jeden MIttwoch einzufinden hat, dahinter die Schulbücherei mit kleinem Vorhof und Bänken. Vor der Schüle stehen die rauchenden Mädchen in Schuluniform, hässliche, lange karierte Röcke und weiße Blusen. Im Winter dann blaue Pullis oder Fleeceshirts.

Nachtrag:

Erster Tag an der Schule
Ich bin vom Innes House ( internat ) direkt zum Office des INternational Dean. Wir würden dort die anderen Internationals kennenlernen, unsere Stundenpläne besprechen und auf die Englischkurse verteilt werden. Das Office hatte mir Marilyn bereits gezeigt, als sie mir an einem Sonntag eine Führung durch die ausgestorbene Schule gab.
Ich wusste also, wohin ich musste und wartete dann etwas schüchtern vor der Tür. Einige asiatische Schülerinnen saßen auf der kleinen Steinmauer vor dem Eingang und unterhielten sich - nicht in Englisch, soviel war sicher. Zwei blonde Mädchen kamen hinzu, die sich offensichtlich schon kannten.
Dann kam Paula mit einer kleinen, braungebrannten und wild gestikulierenden Modepuppe ( kurzer jeansrock, weitausgeschnitteenes, enganliegendes top, viel Farbe im Gesicht ). Die beiden unterhielten sich auf portugisisch.
"Hi ", sagte sie. "did you recover from the gym?". Ich lachte, fühlte mich auf einmal nicht mehr ganz so fehl am Platz. ich mochte Paula. "That's Marilia", sagte sie , "She is from Brazil as well." Wir begrüßten uns. Paula erklärte mir, dass sie Lila, wie sie Marilia nannte, bereits am Wochenende kennengelernt hatte. Sie war auch mit EF hier und ich area rep hatte die beiden bekannt gemacht. Sie schienen sich sofort verstanden zu haben. Aber das wunderte mich nicht. Wie lila selbt sagte war sie sehr "talkaktive". Und auch wenn ich nicht wusste, ob es dieses Wort überhaupt gab, benutzte ich es danach immer wieder, um Marilia, die kleine aus Brasilien zu beschreiben.
Marilia kannte die beiden Blonden, die ebenfalls mit EF hier waren und stellte uns vor. Liz aus Magdeburg, Paula aus Schweden. Wir bildeten jetzt eine kleine Gruppe und unterhielten uns belanglos. Smalltalk.
Ich fragte mich, ob Carolin kommen würde. Paula glaubte das nicht, denn alle, die schon ein halbes Jahr hinter sich hatten, müssten diese Sitzung nicht mitmachen. Ob das denn viele seien, fragte Liz.
"NO, no... just me, Carolin, Henny, Rachel, Valerie and nicoline... well, an of course, the Asians ". Außer den asiatischen Schülerinnen ( ausgenommen Ayako und ihre beste Freundin Reiko ) würde ich alle kennenlernen.
Paula verabschiedete sich, weil sie bereits ihre ersten Schulstunden hatte und bereits einer Form Class und einem House zugeteilt worden war, wir wurden von Mrs. Wick, dem International Dean ins Haus gebeten.
Mrs. Wick: eine kleine, sehr dünne Frau mit kurzen Hals und Haar. Sie wirkte freundlich, sprach aber mit einer Stimme, die irgendwie nach Süßholzraspel klang, was mir unsympatisch war, aber... ich wollte ja keine voreiligen Schlüsse ziehen.
Sie stellte sich vor, erklärte, was ihre Aufgaben waren : sich um uns kümmern, unsere Stundenpläne koordinieren, uns eingliedern, uns helfen, Feste organisieren. Sie würde uns einzelnen Häusern zuteilen, da sich das Marlborough Girls College in vier Häuse aufteilte, mit vier unterschiedlichen Farben ( wie bei Harry Potter ), die sich dann wieder in einzelne Forms unterteilten. Das waren Gruppen von Schülerinnen in Klassengröße. Diese Forms trafen sich jeden Morgen vor dem eigentlichen Unterrichtsbeginn, um organisatorische Fragen zu klären und die Anwesenheit zu überprüfen. Kam man zu spät, durfte man sich klein einen Lape Slip in Students Office holen. Die Houses trafen sich zu Wettkämpfen, Wettbewerben und sollten den Zusammenhalt der Schülerinnen verstärken.
Nach dieser Einleitung machten wir einen kurzen Englisch-Test, der darin bestand, dass wir uns vorstellten. Das klappte bei Liz, Lila und der schwedin Paula ( nicht die brasilianiche Paula ), sowie bei Ayako ganz gut, während die anderen größere Probleme hatten. Wir durften deshalb in ganz normale Englisch-Klassen, die anderen mussten Englisch-for-foreign-students besuchen.
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