Neuseeland- ein Tagebuch

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NoRdLIchTofNz
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Beitragvon NoRdLIchTofNz » 31.07.2004, 11:10

boa das ist so schön , hört sich wirklich wie ein richtig gutes buch an :mrgreen:
mach weiter

Winona
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Beitragvon Winona » 02.08.2004, 17:44

Ankunft

Ich steige aus dem Flieger, sehe nur grüne von verdorrtem Gras bewachsene Hügel und stehe auf einem kleinen flugplatz.
Das ist also Blenheim.
Ich weiß nicht so recht, was ich tun soll und so tue ich das, was alle anderen Passagiere auch tun... ich folge ihnen wie ein kleines , schüchternes Mädchen und bestätige somit mal wieder die allgemein bekannte Gruppenzwang-Theorie.
Ich schwitze und zum ersten Mal spüre ich die Hitze... Ich bin mit meiner Snowboardjacke, einer Strickjacke und langen Hosen bekleidet, obwohl es in Blenheim über 30 °C hat...
Als ich das Flughabengebäude betrete, sehe ich nur einen kleinen Raum, ein paar Sessel, einen Minikiosk und zwei Schalter. Es erhebt sich eine Frau, die mich fragt, ob ich Verena sei. Ich bin verwirrt, antworte nur mit yes und frage mich innerlich, wer diese Frau denn ist.
Wir holen nur noch meine Koffer und schon sitze ich im Auto dieser Frau, die den Auftrag hat, mich zu meiner Gastfamilie zu bringen.
Ich bleibe während der ganzen Fahrt in meinem verwirrtem Zustand, weiß nicht, was ich sagen, denken oder fragen soll, bin müde, habe Kopfweh... und ich brauch unbedingt eine Dusche.
Die Dame stellt sich mir als Mrs. Streeter vor, dem International Homestay Coordinator meiner Schule.
Wir fahren vorbei an schöneren Hügeln, an grünen Wiesen, an Schafen und ein paar vereinzelten Farmen, ehe wir nach 15 Minuten bei meiner Gastfamilie ankommen.
Der Mensch ist dazu verurteilt , frei zu sein
Sartre

Ein Vogel schlüpft aus dem Ei. Das Ei ist die Welt. Um neu geboren zu werden, muss man eine Welt zerstören.
Hermann Hesse

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Beitragvon NoRdLIchTofNz » 06.08.2004, 20:22

weiter :jumper:

Winona
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Beitragvon Winona » 06.08.2004, 21:26

Meine Gastfamilie besteht nur aus Marilyn, meiner Gastmutter und das hätte mir vielleicht nicht so, hätte ich nicht gewusst, dass ich dort nur für vier Tage bleibe... Aber sie ist unglaublich nett und lieb, erklärt mir alles und nimmt mich an meinem ersten Tag gleich mit in die Stadt.
Auf dem Weg erzählt sie mir, dass ich in der letzten Nacht wohl ziemlich verwirrt gewesen sei, denn ich wäre in ihr Schlafzimmer gegangen, hätte sie verwirrt angestarrt und sei dann einfach zurück in mein Bett.
Ich kann nicht mal darüber lachen, weil ich immer noch innerlich verwirrt, aufgeregt, verängstigt...
Ich kann noch immer nicht glauben, dass ich hier sechs Monate verbringen werde. Diese Tatsache macht mir keine Angst, es ist einfach nur seltsam und beschäftigt mich während der ganzen Fahrt in die Stadt.
Meine Gedanken kreisen in meinem Kopf, ich frage mich tausend Dinge, wundere mich über meine Gedanken und versuche verzweifelt einen kühlen KOpf zu bewahren. Und diese verdammte Hitze!

Marilyn erklärt mir, sie müsse noch zur Arbeit und lasse mich jetzt einfach die Stadt auf eigene Faust erkunden... Ok, nichts leichter als das.
So wandere ich eine zeitlang durch eine kleine, aber durchaus schöne Stadt, mit vielen Bäumen, ein paar Palmen, Blumen und Blumen und schönen Läden. Ich bleibe stehen vor einem hübschen bücherladen und kaufe mir gleich mal ein neues Buch. The quiet American. Davon hatte ich in Deutschland auch schon gehört und da ich nicht weiß, was mir gefällt, nehme ich es einfach mit ohne mir große Empfehlungen der Verkäuferin anzuhören.
Blenheim ist wirklich schön und vorallem wahnsinnig sonnig. Vielleicht kann ich mich nicht mehr an deutsche Städte im Sommer erinnern, aber mir kommt Blenheim einfach unglaublich hell, strahlend und leuchtend vor. Die Sonnenstrahlen werden von rötlichen Platten reflektiert , es ist heiß, ich bin durstig und jetzt, wo ich alleine bin, fühle ich mich einfach nur wohl. Ich bin alleine mit all meinen Gedanken, weiß aber, dass alles gut ist, dass alles schönn wird und ist... ES sind nur kurze Momente, die mich manchmal überfallen, die einfach da sind, ganz plötzlich und die mich dann erfüllen. Ich will mich selbst kneifen, um aufzuwachen aus meinen wirren Gedankenträumen...
Aber hey, ich bin doch schon wach!
Ich kaufe mir was zu trinken und denke an den Heimweg.... Ich hätte wissen sollen, dass mich mein Gedächtnis im Stich lässt und jetzt stehe ich hier und weiß nicht, welche Richtung ich gehen soll.
Ich Idiot... Ich hätte mir wenigstens ein paar Straßennamen merken sollen...Der einzige name , an den ich mich erinner kann ist Nelson Street und so irre ich eine Weile durch Blenheim in der Hoffnung, vielleicht irgendwie auf diese Straße zu stoßen.
Während meiner Wanderung entdecke ich den schönsten, kleinen Park, den ich je gesehen habe... Erleuchtet von der Sonne sehe ich einen kleinen Glockenturm aus weißen Steinen, ein Springbrunnen, ein Meer aus Blumen , ein paar alte, große Bäume und eine Palme. Wenn ich doch nur mehr Zeit habe...
Da es wirklich spät ist, frage ich eine Dame nach Nelsonstreet... Sie weist mir den Weg und nach ein paar bangen Minuten kann ich mich an die Straßen erinnern und finde meinen Weg zurück. Ich muss ehrlich sein.!!! Ich hatte niemals Angst, nicht, als ich merkte, dass ich den WEg nicht kannte... Vielleicht bin ich einfach noch zu verwirrt... Und ja, ich bin einfach verwirrt, sitze hier in meinem Zimmer, auf einem Bett mit geblümter Bettwäsche, die Sonne strahlt und ich bin müde... einfach müde...
Ich weiß nicht, was gut für mich ist, weiß nicth, was ich tun oder denken soll, ob ich einen schönen Tag hatte. Alles war so neu, ist neu, und ich bin einfach müde, verdammt müde....
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Beitragvon NoRdLIchTofNz » 07.08.2004, 16:25

*blubb* weiter :lol:

Winona
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Beitragvon Winona » 07.08.2004, 18:10

Am morgen bekomme ich einen Anruf von einer weiteren deutschen ATS in Blenheim. Ihr Name ist Carolin und sie hat den Auftrag einer Lehrerin , sich ein bißchen um mich zu kümmern.
Wenn ich ehrlich bin, kann ich meine Enttäuschung nicht verbergen, denn ich will niemanden, der auf mich aufpasst , und schon gar keine Deutsche... Vielleicht sollte ich anders sein, mich freuen mit jemandem reden zu können, der das gleiche erlebt hat, der die gleichen Sorgen hat, der auch mal angekommen ist und mir erklären kann, wie man sich am besten einlebt. Aber will ich das auch???
Ich will es nicht und irgendwie doch. Ich freue mich ja irgendwie, dass ich die chance habe, jemanden gleich am zweiten Tag meiner Ankunft kennenzulernen, ich muss dankbar sein und doch... Ich bin enttäuscht, weil ich alles alleine erleben will und muss. Es sind meine Erfahrungen, meine eigenen Probleme, die vielleicht leichter zu lösen sind, wenn ich Hilfe habe, aber doch meine Probleme bleiben, die ich alleine lösen sollte.
Carolin ist nett, sie redet viel, erklärt mir viel, fühlt sich völlig wohl in Blenheim und in ihrer Gastfamilie. Sie kommt mir nicht vor wie eine Fremde, eher wie eine gute Bekannte und ich fasse das als Zeichen auf, mich doch über meine neue Bekanntschaft zu freuen.
Wir reden viel, fast eine Stunde und beiläufig erwähne ich das INNES HOUSE, das Hostel ( Internat ) in dem ich leben werde.
Carolin ist geschockt. Sie kennt das INNES HOUSE und empfiehlt mir, auf keinen Fall dort zu leben, denn es sei schmutzig und einfach unheimlich.
Und da platzt er mein Traum vom Internatsleben... , ein Traum, den ich schon als kleines Mädchen hatte, der Traum von ewigen Freundschaften, von nächtlichen Pyjama-Parties, von jede Menge Spaß und Unabhängigkeit. Ein naiver Traum vielleicht, aber immerhin ein Traum....
Ein zerplatzter Traum. Einmal überzeugt, dass das INNES HOUSE ganz schrecklich ist, kann meine Laune nicht mehr gebessert werden. Ich fange an, viel nachzudenken, bin traurig, enttäuscht, kann nicht glauben, dass ich mich aus eigenen Stücken für ein Internat entschieden habe, wo ich in einer tollen Gastfamilie hätte leben können. Ich fange an, Carolin zu beneiden, weil ihre Geschichten aus NZ einfach soooo toll klingen, ihre Gastfamilie scheint fantastisch zu sein, sie hat viele Freunde etc.

Jedes Mal wenn ich solche Gedanken habe, schäme ich mich, weil ich eigentlich weiß, dass Neid eines jener menschlichen Gefühle mit Makel ist, die man eigentlich nicht haben sollte... die ein richtig ehrlich, guter Mensch nicht hat. Ich weiß das und doch kann ich diese Gefühle nicht ändern...

Ich schweige beim Essen ( es gibt einen riesigen, leckeren Salat für mich als Vegetarier ) und meine Gastmutter fängt an, sich Sorgen zu machen... Ich erzähle ihr, dass ich schreckliche Dinge übers INNES HOUSE gehört habe. Ich erwarte, dass mir erzählt, dass alles halb so wild sei, ich erstmal abwarten solle etc. ... Aber auch sie fängt an , Carolins Story zu bestätigen...
Wieder bin ich unendlich müde, unglaublich erschöpft, traurig, wieder verwirrt... Ich weiß nicht, was ich denken oder hoffen soll... Alles ist anders, schwierig und anders... und meine zerplatzen Träume...??? :-?
Carolin will mich am nächsten Tag in die gym nehmen, wo ich dann auch ihre beste Freundin Paula treffen kann... natürlich gehe ich mit, was sonst sollte ich auch tun...
Am sonntag geht es dann ab ins INNES HOUSE... Ich kann's kaum erwarten... wieder könnte ich mich selbst ohrfeigen, immerhin habe ich es noch nicht einmal gesehen, somit kann ich weder sagen, dass es besonders schmutzig ist, noch das es unheimlich ist. Vielleicht gefällt es mir ja???? Doch ich bin schon überzeugt, dass es schlimm sein muss... und merke mal wieder, dass ich noch viele Dinge verändern muss während in in Neuseeland bin... und das ich jetzt endlich schlafen muss... Ich nämlich verdammt müde!"
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Beitragvon Cocos87 » 07.08.2004, 22:29

Hab den Thread erst jetzt gefunden, aber die Beiträge sind echt gut. Und auch sehr gut geschrieben!!! :clap: :clap: Werd jetzt öfters vorbeischaun!! Wann gehts weiter??? :mrgreen:

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Beitragvon Desi » 07.08.2004, 22:36

möchte deine beiträge auch mal loben!! Zeigen sehr gut deine GEfühle und so, richtig schön halt :D :clap: :up:
"Du bist vielleicht enttäuscht,
wenn du scheiterst,
aber du bist verloren,
wenn du es nicht versuchst."
(Beverly Sills)

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Beitragvon antiintelligent » 08.08.2004, 00:19

Jap, von mir auch: Dickes Lob!! :clap:
Ich hab den Thread auch jetzt entdeckt und werd hier ab heute immer vorbeischaun...

Danke für diese tollen Beiträge! Freu mich schon drauf, wenn`s weitergeht...;)

Lg, Anja

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Beitragvon Spooky » 08.08.2004, 01:34

schreib weiter ....ich finds richtig gut wie du schreibst ;)...will umbedingt wissen wies weiter geht :)
Frankreich (Frühling 2002, 10Tage Austausch)
Weymouth,England (Sommer 2002, 2 wochen Sprachreise)
Los Angeles, California(Sommer 2003, 4 wochen Sprachreise)
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Die Welt ist eine einzige Bühne und alle Frauen und Männer bloße Spieler.Sie gehen auf und wieder ab. Ein Lebenlang spielt Mancher eine Rolle...(Shakespeare)

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nici

Beitragvon nici » 08.08.2004, 15:42

dito :wink:

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Beitragvon Winona » 14.08.2004, 08:51

Ich habe Angst, Carolin und Paula zu treffen und weiß gar nicht warum. Ich hätte mich freuen sollen, doch jetzt suche ich einfach mit einem komischen Gefühl im Magen die Gym.
Um ehrlich zu sein, war ich noch nie im Fitnessstudio, weil ich es in Deutschland nicht mochte und lieber Sport in irgendwelchen Vereinen gemacht habe. Doch Carolin hatte mir am Telefon erzählt, dass sie starkt bereut habe, keinen Sport in NZ gemacht zu haben und deshalb auch wahnsinnig zugenommen habe. Ich bin zwar nicht sehr besorgt um mein Gewicht, dennoch bin ich nach diesen Berichten etwas geschockt und denke mir, dass mir die Gym schon nicht schaden wird...
Carolin erwartet mich an der Tür, sie ist klein, schlank und blond. Ich wundere mich , ob sie wirklich viel zugenommen hat, denn mir scheint sie immer noch recht dünn.
Wir treffen Paula bereits im Center. Sie stürmt sofort auf mich zu, mit einem riesigen Lächeln, fragt mich alle möglichen Sachen und ich fühle mich einfach wohl. Meine Angst ist wegeblasen, weil die beiden einfach richtig lieb und nett sind. Vielleicht hatte ich Angst, weil ich mir alles etwas anders vorgestellt hatte, weil ich enttäuscht war... Ich hatte erwartet, dass ich am ersten Wochenende bereits viele Kiwis kennengelernt habe, dass mich alle Kiwis wahnsinnig interessant finden, dass ich etwas besonderes bin...? Ich wollte meine eigenen Freunde finden und nicht in schon bestehende Freundschaften eindringen...
Carolin erzählt mir, dass auf dem Marlborough Girls College genausoviele internationals students sind, wie auf jeder anderen nz Schule.
Ich bin wieder ein bißchen enttäuscht, denn das hatte ich auch nciht erwartet, immerhin hatte ich gedacht, Neuseeland sei eines dieser exotischen Länder, eine Art Geheimtipp...
Wieder fangen wir an über das INNES HOUSE zu reden, ehe Carolin von Paula unterbrochen wird, die ihr etwas genervt zugehört hat... Und auch ich könnte weinen, weil ich einfach nicht weiß, was ich tun soll... Ich höre all diese schlimmen Dinge vom Internat und weiß doch, dass ich dort sechs Monate verbringen werde...! ' Carolin, you don't really know the INNES HOUSE, do you? So stop telling her that it is that bad because she might just like it'. Ich bin Paula dankbar...
Nach der Gym gehe ich zurück nach Hause, es gibt lunch und ich bin in Gedanken wieder in diesem INNES HOUSE:... Ich weiß, dass es falsch ist, sich wegen Gerüchten verrückt zu machen... Ich weiß immer, wenn mein Verhalten nicht OK ist, aber ich kann nicht anders. Marilyn erwähnt das INNES HOUSE nicht mehr, weil sie mir wohl angemerkt hat, dass ich nicht sehr glücklich bin. Ich bin nicht nur traurig, weil ich morgen umziehen muss, sondern vielmehr, weil ich Marilyn verlassen muss. Ich mag sie, ihre Art, ihr Lachen, ich mag sogar ihr Haus und ihren kleinen süßen Garten. ja, ich könnte sie mir als Gastmutter durchaus vorstellen.
Na ja... vielleicht werde ich sie morgen fragen, ob ich nicht bei ihr bleiben kann... Oder ist das peinlich??
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Beitragvon NoRdLIchTofNz » 14.08.2004, 12:17

wie immer schön und bewegend :jumper:

Liebe Grüße Nordlicht

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Beitragvon Spooky » 14.08.2004, 20:14

Hach,einfach traumhaft geschrieben :)
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Beitragvon Winona » 15.08.2004, 16:00

Ich wache erst gegen 11.00 Uhr auf, obwohl ich in Deutschland eigentlich kein Langschläfer war. Die Sonne scheint in das kleine Zimmer, in dem ich heute die letzte Nacht verbracht habe... es wirkt viel zu hell hier drin, so voller Sonne, voller Licht, die Blumendecke ist geradezu unwirklich. Ich kann im Zimmer spüren, dass es draußen unglaublich heiß sein wird und als ich das Fenster öffne, werde ich nur bestätigt... Es ist richtig heiß.
Ich hatte mir gestern einen Sonnenbrand geholt, deshalb schmerzen meine Arme ziemlich und mein Gesicht ist auch ziemlcih rot.
Aber was soll's...
Ich gehe in die Küche und mache mir ein kleines Frühstück zurecht... Marilyn scheint nicht da zu sein, aber ich finde eine Notiz auf dem Küchentisch.
' Hi darling, I am really sorry but I had to go to work and I did not want to wake you up. Mrs. Wick is going to pick you up at about 3 pm this afternoon so you shoul be ready by then. I am going to visit you in the Hostel tonight. Marilyn'
Ich weiß nicht, ob ich sie wirklich gefragt hätte, ob ich bei ihr wohnen kann... vielleicht... vielleicht auch nicht... Aber da sie nun weg ist, erübrigt sich diese frage sowieso und ich nehme es einfach zur Kenntnis, bin nichtmal enttäuscht oder was auch immer! Ich habe mich ja auch für ein Internat entschieden, es war ganz alleine meine Entscheidung und mit dieser Entscheidung sollte ich doch auch leben. nicht leben müssen, sonder leben können, immerhin hatte ich die Wahl und hab mich dafür entschieden. Aber ich kenne mich nicht mehr wieder. Was ist los mit mir?? Nur weil mir ein paar Leute erzählen, dass es schlimm sei im INNES HOUSE, heiß das noch lange nicht, dass es wirklich so sclhimm ist... Und was bedeutet schlimm schon?? vielleicht schlimm für diese zwei personen, aber das muss doch nicht gleich auf mich zutreffen.... :roll:
Ich versuche mich selbst zu beruhigen und wer das schonmal versucht hat, weiß, dass es ziemlich schwierig ist... Ich weiß nicht so recht, was ich tun soll, immerhin muss ich meinen Koffer nicht packen, da ich ihn gar nicht erst ausgepackt habe...!
Ich gehe duschen und danach fällt mir nichts besseres ein als zu essen... In Deutschland ist mir das noch nie passiert! Ich meine, Essen ist ja schön und gut, aber ich sollte doch wirklich nicht aus Langeweile essen... Aber na ja, ist auch egal... Heute ist eine Ausnahme!
Um 15.00 Uhr werde ich von Helen Wick ( international dean ) abgeholt.

( aus meinen Notizen )

Es ist schrecklich hier, und damit meine ich richtig schrecklich.... ! Aber was ich hatte ich auch erwartet???
Ich ging in dieses Gebäude, war offen für neues ( glaube ich ), dachte an die Bilder im Internet und hätte niemals erwartet , was ich vorfand.
INNES HOUSE ist alt, obwohl es ganz nett aussah, als es so von der Sonne beschienen wurde. Doch als ich mein Zimmer sah, war ich einfach enttäuscht. Es gleicht einer Kabine, d.h. es ist keine Tür da, sondern nur ein Vorhang... die Wände reichen nicht bis an die Decke und sind außerdem schmutzig und ziemlich dünn.
Mein Schrank ist ebenso alt und es gibt keine Kleiderbügel- Wo also hin mit meinen Hosen und jacken?? Das schlimmste ist aber mein Bett. Ich habe einfach Hemmungen mich da hineinzulegen. Ach Gott, und dabei hatte ich wirklich geglaubt, es sei schön, in einem Internat zu leben.
Die Toiletten sind in Ordnung, hässlich, aber na ja... Toiletten eben. Ich fühle mich wie in einer diese Jugenherbergen... es ist okay, für eine Woche, aber nicht länger...!
Es muss bessere Internate geben als INNES HOUSE, dabei lockt dieses noch im Internet mit ' HOTEL STYLE HOSTEL'... Aber wer kann oder wer würde sich schon freiwillig in ein Hotel begeben, dass nicht mal anständige Zimmer hat??
Mrs. Russell, die Leiterin, scheint jedoch nett zu sein, obwohl hier eigentlich alle relativ nett sind.

Eben war Marilyn da, die ebenso geschockt war wie ich. Sie versucht morgen mit Mrs.Streeter zu sprechen oder sie spricht mit einer Freundin.
Ich kann und werder hier nicht lange bleiben!
Ich weiß nicht, ob das, was ich gerade fühle, Heimweh ist. Wenn es so ist, dann fühlt es sich schlimm an, Heimweh zu haben, dann würde ich lieber mit all meinen Ängsten leben.
Irgendwie hatte ich gehofft, Marilyn würde mich gleich wieder zu sich mit nach Hause nehmen, aber das geht wohl nicht!
Und ich weiß, dass das mal wieder naive Gedanken waren...
Nach dem 'Tea' unterhielt ich mich noch etwas mit Hilary, einem Kiwi-Girl, das auch im Innes House lebt und, so unglaublich es klingen mag, es geht mir besser. Also scheint reden eine gute Möglichkeit zu sein, Heimweh oder Traurigkeit, loszuwerden.
Hilary kommt aus Kaikoura, einem der schönsten Orte Neuseelands. Sie erzählte mir, dass ihre Eltern eine FArm in den Bergen haben. Ich habe mich mit ihr wirklcih gut unterhalten, vorallem über Vorurteile, aber auch über Themen wie die USA, Popstars... eben alles mögliche...
Ja, ja, doch dies alles ändert nichts an der Tatsache, daass ich sofort in ein schönes, weiches Bett möchte.
Es ist 10.55 pm und ich sitze hier auf diesem Bett und kann nicht glauben, was mir hier passiert ist. Es war alles so schön... Ich fühlte mich wohl bei Marilyn, wir verstanden uns, es war eine Verbindung da. Und jetzt bin ich in diesem Hostel und weiß nicht, wie mir geschieht, ob ich vielleicht nicht doch zu empfindlich bin... Vielleicht bin ich einfach zu verwöhnt, ein verwöhntes Kind, das sich leicht beeinflussen lässt... Vielleicht sehe ich alles zu ernst?? Oh mann, was soll ich machen??? Ich muss lernen, mich anzupassen. Aber ich brauche meinen Freiraum, ich brauche Privatsphäre... und hier, in diesem Zimmer höre ich jedes Geräusch... jedes Gerede... und damn, ich muss doch schlafen....
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