RoHayHu Paraguay- ein Jahr, eine Erfahrung, ein Bericht

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tammyaway
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RoHayHu Paraguay- ein Jahr, eine Erfahrung, ein Bericht

Beitragvon tammyaway » 06.07.2010, 22:26

-Bitte in Liveberichte verschieben-

Es geht zwar erst in 23 Tagen los aber ich fang trotzdem schon mal einen Livebericht zu schreiben ;)

Wie alles begann...
...Paraguay,Paraguay,Paraguay. Wenn ich es mir recht überlege, wäre ich wohl nie wohl nie auf die Idee gekommen, dass mein Austauschjahr nach Paraguay gehen soll. Ja, ich hatte eigentlich auch nicht dran gedacht, dass meine Eltern Lateinamerika erlauben würden. Die Idee des Austauschjahres fanden sie soweit gut. Klar, warum auch nicht? Das Kind ist ein Jahr weg, lernt alleine zurecht zu kommen und eine (neue) Sprache. Aber Lateinamerika? Das ist ja eigentlich viel zu gefährlich!
Wenn es nach meinen Eltern gehen würde, würde ich entweder nach Osteuropa oder in die USA fliegen. Aber würde ich damit glücklich werden? Vermutlich schon-aber nicht so glücklich wie mit einem lateinamerikanischen Land.
Nun ja, nach langen Gesprächen bekam ich also die Erlaubnis mich bei AFS für Lateinamerika zu bewerben.
Im November war dann mein Auswahlwochenende und keine 3 Tage später hatte ich die Gewissheit, dass ich Nachrücker bin. Zuerst ein Schock. Mir gingen viele Fragen durch den Kopf. Bin ich jetzt weniger geeignet? Was hab ich falsch gemacht? Warum "nur" Nachrücker? Aber irgendwo überwog doch die Freude nicht abgelehnt worden zu sein.
In dem Umschlag mit dem Brief lag auch noch ein gelber Bogen- meine Länderwahlliste. Ich füllte sie sofort aus und bracht sie zur Post. Es war klar zu erkennen, dass ich nur nach Lateinamerika wollte. Es ist nicht so, dass ich andere Länder nicht interessant fand aber entweder waren meine Eltern dagegen oder ich konnte es mir einfach nicht vorstellen dort ein Jahr lang zu leben.
Um ehrlich zu sein, Paraguay habe ich einfach nur so angekreuzt. Nicht weil ich da unbedingt hin wollte und auch nicht weil ich es besonders interessant fand (Asche auf mein Haupt) sondern einfach nur weil es in Lateinamerika liegt.
Am 12.12.09 kam dann völlig unerwartet meine Landmitteilung und damit auch mein Festplatz.
"Herzlichen Glückwunsch. Wir schicken dich nach Paraguay"
Nun gut, es wurde also Paraguay. Nicht Bolivien oder Panama, wie ich es gehofft hatte.
Meine Eltern haben erstmal im Atlas nachgeschaut, wo das denn genau liegt, und ich bei meiner besten Freundin angerufen. Auch wenn ich nicht damit gerechnet hatte freute ich mich doch wie ein Schnitzel.
Dieses Telefonat werde ich wohl nie vergessen.
Ich: Ich habe einen Festplatz bei AFS und werde nach Paraguay fahren. AAAAH ich freu mich so
L: Echt? Ist ja cool. Aber Paraguay. Davon habe ich noch nie was gehört. Wobei doch der eine Fußballspieler von Dortmund kommt aus Paraguay
Ich: Ja genau.
L: Aber wo liegt das? In Afrika?
Ich: Nein in Südamerika

Ja genau das war mein Kenntnissstand was ich über Paraguay wusste: ein kleines bohnenförmiges Land in Südamerika und ein Fußballer in Dortmund.
Die Frage, ob Paraguay in Afrika liegt begleitet mich bis heute.

Und heute? 23 Tage vor Abflug?
Was weiß ich inzwischen über das Land? Klar ein paar Sachen, die man so ließt-aber ist das wirklich wissen? Vermutlich nicht. Das Land werde ich erst noch kennen lernen und wenn ich wieder komme kann ich sagen "Ich weiß was über Paraguay".
Meine Hopeezeit hatte einige Tiefen. Egal wie wenig Lust ich an manchen Tagen auf Auslandsjahr und Paraguay hatte, ich hätte es mir nie verzeihen können eine einmalige Chance zu verpassen.
Natürlich hatte meine Hopeezeit auch Höhen. Egal wie klein eine Sache war, waren es die Flugdaten, die Beurlaubung, die Auswahl des richtigen Koffers oder sogar die Rechnung, die mir doch ein schlechtes Gewissen macht: Ich habe mich total gefreut. Diese kleinen Sachen machen mir bewusst, dass ich wirklich bald soweit ist und dass ich tatsächlich durchgesetzt habe was ich wollte.
Es kann losgehen und ich freue mich auf das größte Abenteuer meines bisherigen Lebens
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Re: RoHayHu Paraguay- ein Jahr, eine Erfahrung, ein Bericht

Beitragvon Elfenlied » 07.07.2010, 08:31

Wow, Paraguay. Ich kann mir richtig vorstellen, wie man am Anfang die Info bekommt nach Paraguay zu kommen und dann feststellt, dass man keine Ahnung von dem Land hat.
Wirst du nicht ständig ganz verwundert angeschaut, wenn die Leute erfahren dass du nicht in die USA, sondern nach Paraguay gehst? :D

Aber sehr schöner Schreibstil, ich freu' mich mehr zu hören (und wünscht dir natürlich eine schöne Zeit) (:

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Re: RoHayHu Paraguay- ein Jahr, eine Erfahrung, ein Bericht

Beitragvon HollaDieWaldfee » 07.07.2010, 08:40

Aii :D

Der Bericht ist aber echt süüß geschrieben :P
Ich werde ihn weiter verfolgen, auf jeden Fall. Schaue ja öfters bei euch im Stammtisch vorbei, von daher :)

Hm. Du bist mir voraus, ich als Anti-Fußball-Fan weiß nichts vom dem Spieler bei Dortmund, dabei wohne ich doch dort in der Ecke, haha :D

Ich wünsche dir viel Spaß in Paraguay :)
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Re: RoHayHu Paraguay- ein Jahr, eine Erfahrung, ein Bericht

Beitragvon tammyaway » 07.07.2010, 18:29

Hehe Danke :)
Jetzt kann ich ein neues Thema ansprechen :D

Verwunderung
Du machst ein Auslandsjahr?Ist ja cool! In die USA?...Wie nicht in die USA? Wo denn dann?...Nach Paraguay? *schluck* Was willst du denn da? Das ist doch in Afrika oder?
So oder so ähnlich kamen die Reaktionen als ich den Leuten eröffnete, dass meine große Reise nach Paraguay geht.
Zugegeben: Paraguay ist etwas anderes. Da geht nicht jeder hin. Nicht jeder kennt es. Mit erschrecken musste ich feststellen, dass viele in meinem Umfeld noch nicht mal wissen wo sie Paraguay auf der Weltkarte suchen sollten. Ihnen zu erklären, dass es nicht in Afrika liegt sondern in Südamerika war wohl noch das kleinste Problem.

Was willst du denn da?
Ja das ist eine gute Frage. Für mich war klar, dass mein Auslandsjahr nach Lateinamerika gehen sollte. Warum? Spontan würde ich sagen, dass ich mit dieser Kultur einfach sehr früh "konfrontiert" wurde. Meine Tante Susanne hat Spanisch studiert und hat sich mit dem Thema "Austauschjahr" auch schon von der anderen Seite befasst, als Gastfamilien mit Sara aus Kolumbien und Priscilla aus Guatemala. Ich hörte gerne zu, wenn die beiden von ihrer Heimat erzählten. Was ich hörte fand ich wunderschön und exotisch aber zugleich auch erschreckend. Ihre Erzählungen gingen von Schulalltag bis Familienleben-aber auch von hoher Kriminalitätsrate bis großer Armut. Aber dass alles erweckte noch viel mehr mein Interesse an Lateinamerika. Warum weiß ich nicht genau. Es klang einfach wunderbar unbekannt, und man geht ja weg um Neues zu erleben.
Und warum jetzt genau Paraguay?
Wie schon erwähnt es war nicht meine Erstwahl. Aber trotzdem habe ich keine Minute lang in Erwägung gezogen mich auf die Wechselwunschliste setzten zu lassen. Zum einen weil ich keine Lust hatte mir Hoffnungen auf ein anderes Land zu machen und am Ende eventuell enttäuscht zu werden, weil ich keinen Platz in einem anderen Land bekomme. Und zum anderen weil ich anfing mich mit diesem Land zu beschäftigen. Je mehr ich mich damit beschäftigte, merkte ich, dass dieses Land genau das richtige für mich ist. Ein Land voller alter Traditionen, mit zwei Amtsprachen: Guarani (die Sprache der Ureinwohner Paraguays) und Spanisch. Völlig anders als Deutschland, je weiter man auf Land rausfährt desto weniger ist es verwestlicht. Wunderschöne Natur. Viele Aspekte, was ich mir einfach von einem Austauschland verspreche. Klar, Paraguay ist vielleicht nicht so vielfältig wie Kolumbien oder Brasilien: Es gibt keine Berge, kein Meer. Nur zwei Flüsse und den Gran Chaco, den es sich mit Argentinien teilt.
Und was sprach gegen die USA?
Es ist nicht so, dass ich mir nicht vorstellen konnte ein Jahr in den USA zu leben. Immerhin hätte ich in Virginia eine wundervolle Gastfamilie, die auch Deutsch spricht. Sie wären mit mir in der ersten Woche nach San Francisco geflogen, denn im August bekommt mein "Gastbruder" Kind Nummer 2. Aber sie hätte Deutsch mit mir gesprochen. Englisch hätte ich nur in der Schule gesprochen. Der sprachliche Aspekt fiel also schon mal weg. Dann kommt noch hinzu dass sie jahrelang die Nachbarn meiner Mama waren und auch sehr "deutsch" sind (so fern man das als Ami sein kann). Irgendwie entsprach alles nicht meinen Vorstellungen von einem Austauschjahr. Ich habe es keine Sekunde bereut ihnen abgesagt zu haben, denn irgendwie haben die ganzen Umstände nicht zu mir gepasst und ich weiß, dass ich immer zu ihnen kann. Also die USA kann ich auch noch in den Ferien machen oder nach dem Abi

-An dieser Stelle möchte ich anmerken, dass ich nicht prinzipiell gegen ein Austauschjahr in den USA bin und es toll finde, dass Leute dort hingehen. Jedes ATJ ist anders und deswegen sollte jeder für sich selbst entscheiden welches Land zu einem passt.-

Edit: Rechtsschreibfehler korrigiert. Verzeiht wenn Grammatikalische Fehler drin sind oder der Satzbau einfach nur *****-allerdings schreib ich manchmal zu schnell und seh meine Fehler erst wenn ich abgeschickt habe
Zuletzt geändert von tammyaway am 07.07.2010, 21:12, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: RoHayHu Paraguay- ein Jahr, eine Erfahrung, ein Bericht

Beitragvon HollaDieWaldfee » 07.07.2010, 20:58

Da ich, wie oben gesagt, keine Ahnung vom Fußball habe, habe ich jetzt dein Bericht gelesen (:
Ich find es schön das zu lesen, lese ja auch deinen Blog und joa :P
Habe gerade einfach nichts zu tun & weiß auch nicht wirklich, was ich dazu jetzt noch sagen soll :/
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Re: RoHayHu Paraguay- ein Jahr, eine Erfahrung, ein Bericht

Beitragvon Laurithaa » 08.07.2010, 00:48

Total schön geschrieben und erklärt :P
Mich stören Schreibfehler nicht sonderlich...ich schreib auch manchmal schneller als ich denke :lol:

tammyaway hat geschrieben:
Die Frage, ob Paraguay in Afrika liegt begleitet mich bis heute.


Musste irgendwie total grinsen als ich das gelesen hab. :lol: Wenn ich Leuten von meinem Traum nach Uruguay zu gehen erzähle fragen sie mich auch immer ob das in Afrika liegt und ob man da Afrikaans, Englisch oder Französisch spricht. Auf Spanisch ist bis jetzt noch niemand gekommen :lol:

Ich wünsch dir ganz ganz viel Spaß dort!
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Re: RoHayHu Paraguay- ein Jahr, eine Erfahrung, ein Bericht

Beitragvon Elfenlied » 08.07.2010, 12:45

Ich stimm Laurithaa zu, ich musste auch sehr lachen.
Immer wenn irgendwer erfährt, dass ich später mal mindestens ein Jahr nach Costa Rica möchte, kommt die Frage: Warum das denn? Das liegt doch in Asien, oder? (>__<)

Ich bin wirklich gespannt, was du so erzählst, wenn du da bist (:

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Re: RoHayHu Paraguay- ein Jahr, eine Erfahrung, ein Bericht

Beitragvon Quiteña » 10.07.2010, 16:21

Du schreibst wirklich schön, macht wirklich Spaß, deinen Bericht zu lesen! :)
Ich bin auch schon gespannt, was man hier so lesen wird, wenn du erstmal drüben bist. Ich muss zugeben, ich weiß auch so gut wie gar nichts über Paraguay, und gerade jetzt durch die WM etc. werde ich selber neugierig... Ich weiß gar nicht, wieso ich das Land bisher immer ''übersehen'' habe. :nee:

Das mit "Paraguay liegt in Afrika" kann ich mir gut vorstellen.. sehr viele Leute (vor allem auch Jugendliche...) haben ja mal echt überhaupt keine Ahnung von Geographie. Als ich von Ecuador zurück gekommen bin, meinte eine Freundin zu mir: 'Dann kannst du jetzt bestimmt voll gut Englisch, oder?' Ähm, nein - Spanisch. *räusper* Und als ich mit einer Freundin über Brasilien geredet habe, meinte die nur: 'Ach, die sprechen da bestimmt so gut wie alle Spanisch - Portugiesisch ist da sicher nur so ne Nebensprache!" :o

Naja... ich wünsche dir jedenfalls gaaaaanz viel Spaß in Paraguay! Südamerika ist wunderschön... du wirst es lieben! :rollsmily:

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Re: RoHayHu Paraguay- ein Jahr, eine Erfahrung, ein Bericht

Beitragvon Erasmus » 15.07.2010, 11:50

Kann ich nur bestätigen.Südamerika ist der helle Wahnsinn. Genieß die Zeit ordentlich, sie geht soooo schnell rum. Die Menschen dort sind sehr augeschlossen. Alles ist etwas einfacher als bei uns, aber das macht es wahrscheinlich auch aus. Denn die Herzlichkeit die mir entgegengebracht wurde, werde ich nie vergessen.

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Re: RoHayHu Paraguay- ein Jahr, eine Erfahrung, ein Bericht

Beitragvon tammyaway » 04.08.2010, 18:19

Ankunft in Paraguay
Hier bin ich also. Im Moment haben wir 8°C und keine Heizung. Also ist frieren angesagt. Im allgemeinen Unterscheidet sind der südamerikanische Winter sehr vom Deutschen. Selbst im Winter ist es an machen Tagen warm und man kann in Sommerkleidung rum laufen. Mein Flug nach Paraguay ganz ok. AUf der Strecke Frankfurt-Sao Paulo gab es Turbulenzen aber ansonsten war er ruhig. Als ich in Asuncion aus dem Flieger gestiegen bin dachte ich erst "WOW". Mehr konnt ich in dem Moment nicht. Ich war einfach überwältigt von dem Gedanken hier ein ganzes Jahr leben zu dürfen.

Kulturschock Paraguay
Auf dem Weg vom Flughafen zum Camp fiehlen mir schon die ersten Unterschiede auf:
der Sand ist rot statt braun, die Busse sind bunt und alt und man ist hier sehr entspannt. An unserem Bus fuhr ein Pickup vorbei. Auf der Ladefläche lagen Leute, tranken Terere (Nationalgetränk) und chillten einfach.
Im Camp angekommen gab es das volle Programm mit Guarani, Mate und Terere. Ich genoss jede Minute im Camp und die Freunde auf meine Gastfamilie stieg.
Als ich von meiner Gastfamilie abgeholt wurde fuhren wir zu meiner Tante. Ich habe mich ins Auto gesetzt und da fiehlen mir schon die nächsten Unterschiede auf. Man schnallt sich nicht an und in einem kleinen Auto ist es auch sehr lustig in eine Nebenstraße zu fahren. Hier sind nur die Hauptstraßen geterrt. Auf diesem Weg habe ich leider das andere, traurige, Gesicht von Paraguay/Südamerika kennengelernt. Wir standen an einer Ampel und plötzlich waren überall Straßenkinder und haben um Geld gebettelt. Die Latinos sind an so was gewöhnt. Als Europäer fühlt man sich hilflos aber man weiß, dass man ihnen kein Geld geben soll weil sie sich damit kein Essen sondern Drogen kaufen.
Ich, als Deutsche, bin hier was besonderes. Mit meinen dunkelblonden/hellbraunen Haaren und grünen Augen bekomme ich immer wieder Sachen wie " Ey Rubia", "Linda" oder "Bonita" hintergerufen oder mir wird einfach hinterher gepfiffen.

Schule in Paraguay
Zugegeben ich hatte nicht das Gelbe vom Ei erwartet aber dass es so krass ist konnte ich mir nicht vorstellen. Meine Schule ist öffentlich, daher kann es sein, dass es mir einfach wirklich richtig krass vorkommt. Überall kaputte Fenster und als Unterricht kann man es nicht bezeichnen. Eher als Betreuung. Man sitzt im Klassenzimmer und redet einfach. Weil es so kalt ist haben meine Klassenkameraden eine Feuerstelle und Kohle geholt im Klassenzimmer ein Feuer gemacht. Wirklich gewärmt hat es nicht aber sie haben dann einfach angefangen Tortillas zu machen. War sehr lecker. Mein Lehrer kam dann nach dem der Unterricht eigentlich schon seit einer Stunde begonnen hatte. Aber anstatt dann mit dem Unterricht anzufangen setzt er sich einfach zu uns,redet mit uns und isst mit. In den letzten 10 Minuten der Mathestunde ist er dann aufgestanden und hat irgendwas an die Tafel geschrieben und ist wieder gegangen. Ich habe das Gefühl, dass besonders auf den öffentlichen Schulen, die Leute sehr wenig auf der Berufsleben vorbereitet werden. Aber wen wundert es, wenn es völlig normal ist, dass man einfach mal so aus dem Unterricht geht, im Klassenzimmer rumläuft, schläft oder sonstigen Blödsinn macht und den Lehrer es nicht interessiert.
Auch hier bin ich was besonderes. An meinem ersten Schultag, wurde ich von meiner Rektorin in die Klasse gebracht und kaum war sie weg wollten alle neben mir sitzen und ich wurde umringt von Leuten und alle redeten auf mich ein.
Vorallem für Jungs schein ich sehr interessant zu sein. Immer wieder höre ich "Te quiero" oder ich werde einfach mal gefragt ob ich nicht mit ihnen gehn will. :lol: An Angeboten mangelt es mir nicht.
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Re: RoHayHu Paraguay- ein Jahr, eine Erfahrung, ein Bericht

Beitragvon tammyaway » 25.08.2010, 02:37

Como te quiero Paraguay
Ich hier und der erst Monat verging viel zu schnell. Natürlich, ich vermisse Deutschland, meine Eltern, meine Freunde und meinen Freund. Aber ich will hier nicht mehr. Im Ernst. Ich fange an meine schon so oft bereute Länderwahl zu lieben. Ich liebe einfach alles hier. Das Essen, die Leute, meine Familie, mein Ort (dem meine Schwester liebevoll als "Middle of nowhere" bezeichnet) und auch die Schule.

Reise nach Argentinien
Nach dem ich an der Grenze zu Argentinien wohne, ist es sehr leicht auch mal rüber zu fahren. Und genau habe ich am 7.8. getan. Der Tag hat eigentlich ganz normal angefangen. Wie ein Samstagmorgen hier halt anfängt. Man schläft erst mal aus (das schätze ich hier wirklich), duscht sich und frühstückt dann gemütlich (oder geht gleich zum Mittagessen). Beim Mittagessen, eröffnete meine Gastfamilie mir, dass wir diesen Mittag nach Argentinien fahren. Gesagt getan. Wir uns ins Auto gesetzt und sinst erst mal durch die Migration gefahren. Zum Ausreisen brauche ich ja einen Ausreisestempel. Dann sind wir über die Grenze gefahren, über den Riio Parana, vorbei am E-Werk und am Staudamm. Auf Argentinischen Boden mussten meine Gasteltern mit mir wieder durch die Migration, den ich brauche ja auch einen Einreißestempel. Egal ob es sich nur um ein paar Stunden handelte.
Wir sind dann, nachdem ich meinen Stempel hatte, eine halbe Stunde durch argentinische Felder/ Hinterland gefahren, bis wir zur der nächsten Stadt kamen. Ich muss schon sagen, ich hatte für einen Augenblick das leichte Gefühl nicht in Südamerika zu sein. Im Gegensatz zu Paraguay waren in Argentinien wirklich ALLE Straßen geteert und auch sonst sah es viel moderner aus als in Paraguay. Als ich aus dem Auto ausgestiegen bin, war mir aber schnell wieder bewusst, dass ich in Südamerika bin und nicht Europa. Die Leute sehen genauso aus wie in Paraguay und schauen mich auch genauso an, wie "am anderen Ufer". Das Spanisch klingt auch nicht viel anders. An der Grenze zu Argentinien spricht man "argentinisch". Klingt sehr lustig, wie ich finde.
Das "ll" wird, genauso wie das "y" als "sch" ausgesprochen.
Wir sind also aus dem Auto ausgestiegen und erst mal in eine Bäckerei gegangen. Dort haben wir dann Medialunas gekauft. Die Medialunas (hab leider vergessen, was das auf deutsch heißt :oops: ) schmecken hier so wunderbar. Bei 3 Gastbrüdern waren sie auch sehr schnell verputzt.
Nachdem wir Freunde meines Gastvaters besucht hatten sind wir wieder durch die argentinische Migration gefahren und ich habe wieder einen Ausreisestempel bekommen.
Das Tag war ganz schön. Allerdings hatte mein Gastvater auf dem Rückweg vergessen, mir wieder einen neuen Einreisestempel für Paraguay zu besorgen. Wie gut, dass das Südamerika ist und nicht Deutschland. In Deutschland hätte das vermutlich ein Haufen Papierkram hinter sich her gezogen.
Diese Reise hatte den Nachteil, das mein Touristenvisum ausgelaufen ist. Ich war dann letztendlich 10 Tage ohne Visum. Ich bin mit meiner Betreuerin dann 10 Tage später nochmal zur Migration gefahren und hatte keine 5 Minuten später wieder ein Touristenvisum in meinem Reisepass- sogar auf den 7.8. rückdatiert! Einer der vielen Gründe warum ich Paraguay bzw Südamerika im allgemeinen so liebe. Alles keine große Sache, man muss nur nett fragen. Streß gibts es hier nicht.

Wenn es nicht anders geht...
...es gibt manchmal Situationen im Auslandsjahr in denen es keine andere Möglichkeit gibt als Wechseln. Leider ist mir das auch passiert. Ich habe immer wieder versucht es zu vermeiden. Ich habe versucht mich dieser Familie anzupassen. Ich habe versucht mich damit abzufinden, dass nur Gastbrüder hatte. Ich habe versucht...aber es ging nicht und schon gar nicht nach dem ich wirkliche Probleme bekommen habe. Ich habe also meine Betreuerin vor dem Spanischunterricht abgefangen und ihr die Situation geschildert. Sie hat dann mit dem Hauptbüro in Asuncion geredet und dieses hat sich wiederum mit mir in Verbindung gesetzt. Also habe ich ihnen noch mal meine Situation geschildert. Leider mit weniger Erfolg. Ich habe dann völlig aufgelöst meine Eltern in Deutschland angerufen und diese haben sich mit AFS Deutschland in Verbindung gesetzt und ihnen meine Situation geschildert. Nach diesem Telefonat meiner Eltern stand fest: Ich muss wechseln und zwar sofort. Anscheinend hat AFS De alle Hebel in Bewegung gesetzt, denn am nächsten Tag bekam ich eine SMS von meiner Betreuerin "pack your things. You will move to your new family".

Neuanfang
In meiner neuen Familie würde ich total lieb empfangen. Ich kam in das Haus, meine Gasttante führte mich gleich zum Esstisch und bereitete mir eine heiße Schokolade zu. Wenig später kam dann auch der Rest der Familie. Mein Gastonkel, mein Gastpapa, meine Gastmama, meine Gastcousine und meine Gastschwester. Ich wurde von allen in den Arm genommen und es kümmern sich alle wirklich rührend um mich.
Meine Gastschwester ist wie eine Schwester für mich und inzwischen auch meine beste Freundin. Ich erzähle ihr fast alles und wir sind auch viel unterwegs. Wir sitzen auch viel zusammen und unterhalten uns. Ich sehs schon kommen, wenn das Paket von meinen Eltern aus Deutschland kommt, sitzen wir auf meinem Bett und löffeln dann zusammen Nutella. Meine Schwester war letztes Jahr mit AFS in Deutschland und vermisst Nutella :D Hat seine Vor-aber auch seine Nachteile, dass sie Deutsch spricht.
Meine Gastmama eröffnet ein Bekleidungsgeschäft und auch da helfe ich, so gut es eben geht. Mein Gastpapa ist immer ganz stolz, wenn er mich Leuten verstellt. Er nimmt mich dann immer in den Arm und sagt "meine Tochter Tamara". Ich liebe meine Familie einfach und nach einem sehr holprigen Start, bei dem ich fast wieder Heimgeflogen wäre, eine reine Wohltat.

Realisierung
Nun ist mein erster Monat schon fast um. Ich habe bis zu meinem Flug nicht dran glauben wollen, dass ich wirklich ein Auslandsjahr mache.
So wirklich angefangen zu realisieren habe ich, als ich die Armut gesehen, die Leute plötzlich eine andere Sprache gesprochen haben und wirklich ALLES anders war.
Ich bin meinen deutschen Eltern einfach unglaublich dankbar für diese Chance und will einfach, dass die Zeit hier langsamer läuft.
Klar, es gibt Moment in denen bin ich einfach fertig. Manchmal körperlich, weil so viele Eindrücke einfach müde machen (ich könnte mich um 6 Uhr abends schon ins Bett legen, aber da ist meine Gastfamilie dagegen :D). Manchmal bin ich auch seelisch fertig. Dann habe ich einfach Heimweh und wünschte mir wieder Heim gehen zu können. Das passiert meistens, wenn ich die Armut sehe. Ich weiß einfach nicht wie ich damit umgehen soll oder wenn ich krank bin. Leider verträgt mein Magen die Essensumstellung nicht so ganz (von wenig Fleisch und kaum Fett zu viel Fleisch und viel Fett) aber es wird von Tag zu Tag besser. Meine Gastmama schaut inzwischen, dass ich so viel wie möglich Hühnchen zu essen bekomme, weil ich das am besten vertrage.
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Re: RoHayHu Paraguay- ein Jahr, eine Erfahrung, ein Bericht

Beitragvon M.a.i » 25.08.2010, 13:53

Klingt nach nem spannenden Monat!
Und schön, dass es dir in der neuen Familie so gut geht:)
Hoffentlich geht das so weiter!

Achja, und nochmal Kompliment an deinen Schreibstil! Ich finde es total toll, wie gut du das Leben und deine Eindrücke dort beschreibst. Das gibt mir vielleicht schon mal einen guten Vorgeschmack :D Ich werd auf jeden Fall öfters heir rein gucken!

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Re: RoHayHu Paraguay- ein Jahr, eine Erfahrung, ein Bericht

Beitragvon tammyaway » 07.09.2010, 00:39

Dia del Folklore in Paraguay
In Paraguay gibt es einen Dia del Folklore. Dieser ist am 22. August. Aber weil man es hier nicht so mit Pünktlichkeit hat, wurde der in Ayolas erst am 23. gefeiert. Der 22. war nämlich ein Sonntag. Und wo ist das der brave Paraguayo? Richtig! In der Kirche. Und wo ist die brave klein-Tammy? Ja die geht mit in die Kirche, obwohl sie nichts versteht, keinen Plan hat was die da machen und sich schrecklich langweilt. Aber weil man hier besser nicht den Eltern widerspricht, bin ich sonntags brav um 6 aufgestanden und um 7 in der Kirche gewesen. Die Kirche fängt hier um 7 Uhr morgends an. Ist das nicht eine wunderbare Zeit? Beschwert sich in Deutschland noch mal jemand, wenn ihr um 9 in die Kirche müsst.
Naja egal, zurück zum eigentlichen Thema: dem Dia del Folklore. Was genau das ist hab ich nicht wirklich rausbekommen. Das ist, glaube ich, ein Tag an dem man der Folklore gedenkt und sie wieder aufleben lässt. Warum auch nicht. In Deutschland gibt’s ja auch das Oktoberfest ;) Hier verbinden echt ALLE mit Deutschland Bier und dass die Leute, in Trachten rumlaufen.
An meiner Schule wird dieser Tag nicht gefeiert. Schade eigentlich. Ich bin am 23. August also brav in meinen Spanischunterricht gegangen und weil an der Schule meiner Gastcousine, in der ich auch Spanisch habe, dieser Tag gefeiert wird, hatte ich keinen Spanischunterricht sondern habe mir Kultur angeschaut. Die Veranstaltung war auf Guarani (die 2. Amtsprache von Paraguay) gehalten. Deswegen habe ich nichts, aber auch gar nichts verstanden. Mit „Ché vare’a“ (ich hab Hunger), „RoHayHu“ (ich liebe dich), „jaha“ (auf geht’s) und „Japiro“ (das sag ich jetzt nicht) komm ich hier nicht so besonders weit. Es wurden mehrere Variationen den „Danza Paraguaya“ vorgeführt und Theaterstücke- auf Guarani versteht sich natürlich. Dazu habe ich Tereré getrunken. Hach ich liebe das Zeug. Sieht total widerlich aus, schmeckt im ersten Moment einfach nur bitter und eklig aber man gewöhnt sich dran und dann liebt man es. Tereré ist das Nationalgetränk in Paraguay. So was wie Mate, wird aber kalt getrunken.
"Viajamos a Asuncion
Das Wochenende darauf, also vom 24.-26.8. bin ich mit meinen Gasteltern nach Asuncion gefahren. In Asuncion wohnt meine andere Gastschwester Paola und wollte mich unbedingt kennen lernen. Eigentlich gibt’s zu diesem Wochenende nichts besonderes zu erzählen. Ich habe viel von Asuncion gesehn. Allerdings bin ich mit dieser Stadt total überfordert. Leben würde ich hier nicht wollen. Aber ich möchte einen Teil meiner Ferien hier verbringen. Schöner Widerspruch in sich :D. Asuncion ist laut, dreckig, groß, für mich als Europäerin auch noch total gefährlich und die Armut ist groß. Du stehst irgendwo mit deinem Auto und plötzlich kommen aus dem Nichts Leute und fangen an dein Auto zu waschen. Und diese Leute hören erst auf, wenn du sie bezahlst. Es ist einfach, diese Leute versuchen sich mit halbwegs ehrlicher Arbeit am Leben zu erhalten, weil sie wissen, dass sie mit betteln gar nichts bekommen. Ich find das total krass. Paola wollte mir dann auch das Nachtleben von Asuncion zeigen. Die Sache hatte nur einen Hacken: Ich bin noch keine 18 und auch in Paraguay kommt man nirgends rein, wenn man noch keine 18 ist. Also wurde daraus nichts.
Am Ende von diesem Wochenende meinte sie dann „ich liebe dich! Ich werde dich vermissen!“ Ist das nicht süß? Vorallem weil sie es auf Deutsch gesagt hat
Schulfreie Tage
Montagmorgen bin ich dann ganz normal aufgestanden, um in die Schule zu gehen. Meine Gastmama meinte dann beim Frühstück, dass ich Daheim bleiben kann, weil es gewittert. Und weil das Wetter Montag und Mittwoch schlecht war, bin ich an beiden Tagen daheim geblieben.
Es ist nämlich so, dass an meiner Schule sich niemand die Mühe macht zu kommen, wenn es gewittert. Nicht einmal die Lehrer.
Aber wenn es hier gewittert, dann richtig. Dagegen ist ein Gewitter in Deutschland nichts. Bei uns fiel auch zwischendurch deswegen immer wieder der Strom aus. Und es war kalt! Dieses Jahr dauert der Winter anscheinend echt lange. Ihr könnt euch gar nicht vorstellen, wie kalt Temperaturen um die 8°C sein können. Der Winter hier ist aber sowieso total verrückt. In der einen Woche hat es um die 20°C, in der nächsten wieder nur 10°C.
Paket aus Deutschland und der Versuch Spätzle zu machen
Letzte Woche kam dann ein Paket aus Deutschland von meinen Eltern. Ihr wisst gar nicht wie man sich über Nutella, Milka, Gummibärchen und Tee freuen kann. Gibt es hier alles nicht. Natürlich, Schokolade gibt es. Aber die schmeckt nicht. Tee gibt es auch…naja sofern man Mate als Tee bezeichnen kann. Gummibärchen hab ich noch nicht entdeckt, aber sie scheinen es zu kennen. Glaub ich zumindest. Und Nutella kennt hier echt keiner. Hier isst man Dulce de Leche, das ist Zucker pur. Schmeckt zwar ganz gut aber es kommt einfach nicht an Nutella ran. In ganz Paraguay gibt es EINEN EINZIGEN Laden, wo man Nutella kaufen kann. Und wo ist der? Natürlich, in Asuncion. Aber dort ist Nutella total teuer. Jetzt stehen bei uns zwei Gläser Nutella im Kühlschrank und alle lieben Nutella, auch wenn ihnen schleierhaft ist warum man Schokolade aufs Brot schmiert.
In dem Paket war auch eine Spätzlereibe, auch darüber habe ich mit tierisch gefreut und gleich mal Spätzle gemacht. Ohne Küchenwaage muss mal halt alles Pi-mal-Daumen machen, aber das geht noch. Aber meine Gastfamilie besitzt auch keine Rührmaschine. Das war vielleicht eine Sauerei. Meine Hände waren voller Teig und der Teig hat geklebt. Aber es hat sich gelohnt. Ich fand es göttlich mal wieder Spätzle zu essen und meiner Gastfamilie hat es auch geschmeckt. Generell freut sich meine Gastfamilie immer, wenn ich was koche. Obstsalat fanden sie auch sehr gut. Aber ob ich zu Weihnachten Plätzchen mache, ohne Küchenmaschine, überleg ich mir noch mal.
Busfahrt und AFS Camp
Ich bin Bus gefahren! Und das durch wirklich halb Paraguay.
Das klingt jetzt vielleicht nicht so spannend, weil immerhin fahr ich in Deutschland jeden Morgen mit dem Bus zur Schule aber hier ist es für mich wirklich etwas Besonderes.
Ich bin Freitagmorgen um halb 6 aufgestanden, damit ich um 6 vor meiner Schule stehen konnte.
In Paraguay gibt es keine Bushaltestellen. Also es gibt sie schon, aber wen interessiert das schon? Der Bus hat hier seine Route und die fährt er. Wenn du einsteigen willst, musst du dich einfach nur an den Straßenrand stellen und den Daumen raus halten. Dann hält der Bus automatisch.
Da es keine Fahrpläne gibt, stand ich also schon um 6 an meiner Schule. Laut meinem Gastonkel sollte der Bus um halb 7 kommen. Woher er diese Information hatte ist mir schleierhaft.
Der Bus kam dann letztendlich um viertel vor 7.
Ich bin dann in den Bus eingestiegen und dann ging es Richtung Asuncion. Von Ayolas nach Asuncion braucht man mit dem Auto 4 Stunden. Mit dem Bus habe ich so um die 6 Stunden gebraucht. Und das war noch schnell, weil in den Bus nicht so viele eingestiegen sind. Aber wenn jemand eingestiegen ist, dann wurde ich erst mal angeschaut. Muss für die Paraguayos echt lustig sein, dass eine „Blonde“ im Bus sitzt.
Zwischendurch sind immer mal wieder Leute eingestiegen, die Chipas und Empanadas verkauft haben.
Ich hab für die ganze Fahrt umgerechnet 5.60€ bezahlt. YES! In Deutschland wäre ich für 400 km locker auf(AFS hat mir im übrigen den Bus bezahlt. Ich hab das Geld für die Hinfahrt lediglich vorgestreckt und für die Rückfahrt haben sie mir das Ticket gleich gekauft).
Reisen mit dem Bus ist in Paraguay super billig. Allerdings muss man dafür auch an Komfort zurück stecken. Die Busse sind bei weitem alles andre als bequem, Klimaanlagen oder Heizungen gibt es auch nicht. Gut, aber für den Preis will ich mich nicht beschweren.
Als ich dann am Asuncion Busbahnhof angekommen bin, hab ich mich erst mal auf die Suche nach dem AFS-Taxifahrer gemacht. Ich hab immer noch das Gefühl, dass alle Latinos irgendwie gleich aussehen.
Nun ja, da ich aber nicht wie eine Latina aussehe hat er mich aber relativ schnell erkannt.
Wir haben dann noch auf Simone(Deutschland) und die Leute aus der Cuidad del Este gewartet und sind dann im Taxi ins AFS-Büro gefahren. War eine sehr lustige Taxifahrt- halt so richtig paraguayanisch!Zu 4 auf dem Rücksitz und 2 Leute auf dem Beifahrersitz. Fehlte nur noch der Terere.
Im AFS-Büro angekommen mussten wir unsere Reisepässe und so einen Schrieb von der Polizei, dass wir bei den und den Leuten wohnen. Dann wurden Fotos von uns gemacht und Fingerabdrücke genommen. Alles fürs Visum. Ich bekomm jetzt diese Woche meinen Reisepass wieder zugeschickt, mit dem endgültigem Visum drin!
Als alle damit fertig waren, gings ab ins Camp.
Der Reisebus, den AFS da angemietet hatte, war ja mal richtig toll! Total modern und total bequem!
Im Hotel in San Bernadino angekommen wurden die Zimmer verteilt. Ich war mit einer aus den USA und einer Belgierin im Zimmer. Die Zimmer, sag ich euch, die Zimmer! ie waren geheizt! Ich war ja ganz erstaunt, dass man heizen kann.
Viel gibts zum Camp eigentlich nicht zu sagen. Es war total lustig, das Essen war gut, die Zimmer fein, die Leute nett und wir haben das ganze halt typisch Paraguay gemacht:
Tätigkeit( Essen, Programm)-Pause.
Am letzten Abend gab es dann noch eine Talentshow. Sehr lustig. Talente gab es nicht zu sehen. Es wurde lediglich der Köing und die Königin des Camps gekrönt und hinter haben wir dann noch getanzt (auf Reageeton versteht sich natürlich ;) )
Inzwischen hab ich mich ganz gut eingelebt und hab sogar angefangen ins Fitnessstudio zu gehen. Ist das nicht löblich? Ich kann zwar das zunehmen vermutlich nicht vermeiden, weil das Essen hier einfach göttlich ist, aber ich will es im Griff behalten. Ich muss ja schließlich auch noch die nächsten 10 Monate in meine Schuluniform, die auf meine jetzige Figur angepasst ist, passen.
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Re: RoHayHu Paraguay- ein Jahr, eine Erfahrung, ein Bericht

Beitragvon tammyaway » 17.09.2010, 02:57

Ein normaler Tag für mich sieht folgendermaßen aus:
Irgendwann zwischen 8 und 9:30 : Ich stehe auf.
Dadurch, dass ich das Schulprofil gewechselt habe (war ursprünglich in Informatik kam damit aber nicht ganz so klar) habe ich jetzt nachmittags Unterricht. Außer Mittwoch und Donnerstag, da habe ich zusätzlich auch noch vormittags Unterricht.
11.30-12 Uhr: Es gibt Mittagessen.
Das Essen hier ist wirklich sehr anders als in Deutschland. In Deutschland habe ich mich viel von Obst und Gemüse und wenig Fleisch ernährt. Hier ist es genau andersrum. Viel Fleisch, wenig Obst und Gemüse und alles schön in viel Fett gebraten. Schmeckt eigentlich auch ganz gut, aber am Anfang hatte ich echte Probleme mit der Essensumstellung, weil mein Magen einfach nicht diese Mengen an Fett und Fleisch gewöhnt ist. Mir ist auch aufgefallen, dass die Paraguayos zwei Sachen zum verfeinern des Essens benutzen: Entweder Unmengen an Zucker oder Unmengen an Salz.
12:45 Uhr : Ich mache mich fertig und gehe in die Schule.
Hier muss ich eine Schuluniform tragen. Was heißt Faltenrock, Poloshirt, Kniestrümpfe und schwarze Lederschuhe. Für mich war es am Anfang sehr ungewohnt, diese zu tragen und an den kalten Tagen, zieh ich auch meine Sportuniform, einen blauen Trainingsanzug, an.
Aber inzwischen liebe ich meine Schuluniform. Gut auf die Kniestrümpfe und die Schuhe könnte ich verzichten. Aber ich bin ja nicht die Einzige, die so rumläuft.
13-18 Uhr : Schule.
Mein Hauptfach ist Landschaftsgestaltung. In Landschaftsgestaltung kümmern wir uns das Schulgelände, dass es sauber und gepflegt ist, bemalen im Ort Wände etc. Allerdings frag ich mich was man hinterher mit einem Abi in Landschaftsgestaltung anfängt.
Neben Landschaftsgestaltung habe ich noch Fächer wie Guaraní, Chemie, Englisch, Bio und Mathe.
Den Unterricht kann man allerdings nicht mit dem deutschen Vergleichen. Zum einen weil, er deutlich anders gestaltet ist als in Deutschland und ich auch vom Stoff her voraus bin. In Englisch behandeln wir im 2° curso (vergleichbar mit der 11. Klasse in Deutschland) der Kleidung und in Chemie lernen wir gerade die Nomenklatur der Alkane.
Neulich hat mich meine Chemielehrerin gefragt, ob ich mitkomme und verstehe was sie erklärt. Da ich das alles schon in Deutschland gelernt habe, habe ich natürlich mit „ja“ beantwortet. Daraufhin meinte meine Chemielehrerin zur Klasse „Seht ihr. So schwer kann es gar nicht sein, wenn selbst Tamara es versteht und Spanisch ist nicht ihre Muttersprache“
Gut, ich habe dann mal nicht erwähnt, dass ich das alles schon in Deutschland gelernt habe und dass ich auf einem Biotechnologischen Gymnasium bin.
18 Uhr: Die Schule ist vorbei.
Nach der Schule habe ich zwei Möglichkeiten. Das hängt natürlich vom Wochentag ab.
Montag, Mittwoch und Freitag gehe ich nach der Schule nach Hause, esse zu Abend und ruhe mich aus. Schule auf Spanisch ist gar nicht so einfach.
Ich habe mir jetzt ein Hobby gesucht. Diese Wahl ist auf Fußball gefallen. Nun ja zugegeben, Sport war noch nie so ganz mein Ding, aber irgendwas muss man ja machen, um sich Fit zu halten und Freund zu finden. Da es in meinem keinen Musikverein gibt und mir andere Sportarten nicht ganz so zugesagt haben, bin ich letztendlich bei Fußball gelandet.
Diensttag und Donnerstag habe ich direkt nach der Schule Fußballtraining. Was für mich heißt, schnell nach Hause flitzen, in mein Sportzeug hüpfen und dann ab zum Sportplatz.
Das Training beginnt um 18 Uhr. Das paraguayanische 18 Uhr. Also irgendwann zwischen 18 und 19 Uhr. Finde ich sehr gut, so muss ich mich nicht ganz so schlimm abhetzen.
Ich trainiere 3x die Woche mit meinen Fußballmädels. Diensttag, Donnerstag und Samstag. Natürlich, ich bin nicht wirklich gut, es ist anstrengend, mir tut hinterher immer alles weh. Aber es macht einfach nur Spaß und ich habe dadurch Anschluß gefunden.
Ich habe inzwischen auch einen Spitznamen. Es ist im Spiel einfacher mich „rubia“ (bedeutet so viel wie „Blonde“) zu rufen, als Tamara. Wobei es mich ja gewundert hat, dass es überhaupt knapp 6 Wochen gedauert hat, bis mich überhaupt jemand „rubia“ gerufen hat. Für die Paraguayos bin ich ja „blond“.
21 Uhr: Ich bin endgültig zu Hause.
Jetzt gibt es noch Abendessen und dann geht’s auch schon ab ins Bett. Die Paraguayos, oder die Latinos im Allgemeinen, essen sehr spät zu Abend.

Ich hoffe ihr habt einen kleinen Einblick bekommen wie mein Tag hier aussieht.
Inzwischen bin ich richtig angekommen. Ich lebe jetzt hier.

So jetzt kommen wir mal zu einen etwas ernsteren Thema, was ich aber ansprechen möchte. Der Straßenverkehr hier ist echt gefähr. Niemand trängt einen Helm auf dem Motorroller, im Auto schnallt sich auch keiner an und Geschwindigkeitsbegrenzungen interessieren hier auch niemanden. Wie gefährlich das ist, ist mir neulich erst wieder bewusst geworden. Selbst in meinem kleinen Ort.
Neulich hatte ein Mädchen aus meiner Schule einen Motorrollerunfall. Sie lebt noch, wird aber vermutlich für den Rest ihres Lebens gezeichnet sein.
Darauf hin haben unsere Lehrer eine Versammlung einberufen und einen Vortrag über die Gefahr im Straßenverkehr gehalten. Es wurde auch immer darauf hingewiesen, wie wichtig es ist einen Helm, beim Motorroller fahren, zu tragen und sich im Auto anzuschnallen. Uns wurden Videos von Verkehrsunfällen gezeigt, die das Rote Kreuz Paraguay gemacht hat. Da ist es mir schon eiskalt den Rücken runter gelaufen. Vorallem diese Bilder waren nicht zensiert. Viel Blut, viele tote Menschen und kaputte Fahrzeuge.
Ich finde es gut, dass so etwas gemacht wurde. Nur leider hat es nicht viel gebracht. Meine Mitschüler sind nach dem Vortrag fröhlich auf ihrem Roller, ohne Helm, nach Hause gefahren. So als wäre nichts gewesen. Lediglich eine Freundin von mir hat das zum nachdenken gebracht. Aber vielleicht liegt dies auch daran, dass sie neulich selbst erst einen Unfall mit dem Motorroller hatte und immer noch deswegen in Behandlung ist weil sie anscheinend viel Blut verloren hat.
In Paraguay sterben jährlich mehr Menschen an Verkehrsunfällen als an armutbedingten Gründen- und die Armut ist hier wirklich sehr groß.
2002 war nur an 19% der Verkehrsunfälle ein Motorrad beteiligt. Dieses Jahr sind es inzwischen 60%. Statistisch gesehen sterben 3 Menschen am Tag in Asuncion bei einem Verkehrsunfall. Das sind jährlich ca 1100 Menschen, was bei einem kleinen Land wie Paraguay, mit nur etwas mehr als 6000 Einwohnern, richtig viel ist.
Hinzukommt dass durch den vielen Verkehr, gerade in den Großstädten, jede Hilfe zu spät kommt.
Das macht mich sehr traurig und mir wieder bewusst, wie gut ich es doch in Deutschland habe. Und dass es nicht übertrieben ist, dass bei uns auf Geschwindigkeitsbeschränkung, Gurt- und Helmpflicht geachtet wird.

Ich hoffe mein Eintrag klingt jetzt nicht zu negativ aber das ist nun mal Paraguay.
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Beitragvon tammyaway » 11.10.2010, 16:59

So schon wieder sind Wochen vergangen seit dem letzten Webtagebucheintrag.
Die Zeit vergeht, für meinen Geschmack, einfach viel zu schnell. Was ist also passiert?

Dia de la Juventud
Aber erst mal der Reihe nach:
Die Paraguayos sind Menschen, die sehr gerne und viel feiern. Sei es nun der 15. Geburtstag eines Mädchens, der 3. Geburtstag eines Kleinkindes, die Jugend, das Wetter etc.
Genau deswegen gibt es auch jeden Monat mindestens einen Feiertag. Im September waren es gleich drei. Am 21. September war hier Frühlingsanfang und „Día de la Juventud“. In anderen lateinamerikanischen Ländern gibt es nur den „Día del niñõs“ - hier gibt es beide Tage.
„Día de la Juventud“ kann man mit „Tag der Jugend“ übersetzen.
Allerdings hat es an diesem Tag, mal wieder, sehr stark geregnet. Ich hatte mich eigentlich darauf gefreut in die Schule zugehen, weil es halt ein besonderer Tag war und in meiner Schule dieser Tag gefeiert werden sollte.
Als ich morgens dann um 6 aufstehen wollte, schaute ich aus dem Fenster und leider waren die Straßen mal wieder voller Wasser. Ich war total traurig.
So gegen 9 hörte es dann aber glücklicherweise auf und ich bekam auch sofort eine SMS, dass wir um 10 in der Schule sein sollen. Mein Tag war also doch noch gerettet.
Ich wäre hier ohne mein Handy echt aufgeschmissen. Hier wird alles per SMS geklärt und ohne Handy bekommt man nichts mit.
Um 10 traf ich mich also mit meinen Freundinnen in der Schule. Unterricht fand keiner statt. Stattdessen bekomm jeder beim Sekretariat eine Tüte, die mit Knabbereien, einem Getränk und einem Kugelschreiber gefüllt war. Diese Tüten haben meine Freundinnen und ich sofort zusammen geteilt.
Dann haben die Lehrer kleiner Pappteller, auf denen jeweils ein Hotdog und eine Empanada (gefüllte Teigtasche) war, und Getränke verteilt.
Und wie es sich eine paraguayanische Fiesta gehört, stand auf dem Schulhof ein sehr großer Lautsprecher. Über diesen wurde –natürlich- die Musik (Reggeaton) voll aufgedreht.
Mehr ist eigentlich nicht passiert an diesem „Schultag“.

Fiesta de Debut
Am 28. September war ich auf einem Debütantinnenball. Ich war irgendwie der Meinung, dass es so was nur in den USA und in Filmen gibt- aber in Paraguay gibt es so was auch!
In Lateinamerika ist es so, dass der 15. Geburtstag eines Mädchens sehr groß gefeiert wird. Dann ist das Mädchen kein Kind mehr. Deswegen gibt es einmal im Jahr, zumindest in Paraguay, einen Ball bei dem alle Mädchen, die im vergangenen Jahr 15 geworden sind, in die Gesellschaft eingeführt werden. Diese Mädchen nennt man Debütantinnen.
So viel zur Erklärung was das ist.
Meine Gastmama kam nachmittags in mein Zimmer und hat mich gefragt ob ich mit will, weil sie Karten kaufen musste. Weil ich sowas ja noch nie erlebt habe und sowas bestimmt nicht mehr erleben werde habe ich also "Ja" gesagt. So weit so gut.
War nur noch die Frage mit dem Kleid zu klären. Auf solchen Bällen gibt es einen Dresscode. Für die Dame Abendkleid (also bodenlang)und für den Herren Anzug, Hemd und Krawatte.
Ich hab natürlich kein Abendkleid dabei, weil ich ja in Deutschland nicht ahnen konnte, dass ich so etwas brauchen könnte.
Also haben wir sämtliche Abendkleider durchprobiert, die meine Gastfamilie da hatte. Das Eine war zu klein, ein Anderes stand mir nicht, noch ein Anderes war zu groß. Gott sei Dank hat meine Gastschwester Paola so ungefähr meine Kleidergröße und so habe ich doch noch ein Kleid gefunden: einen Roten Zweiteiler. Nachdem die Kleiderfrage geklärt war und alle sich fertig gemacht haben konnte es also los gehen.
Das ganze kann man sich wirklich vorstellen wie in Filmen. Es waren insgesamt 10 Debütantinnen.
Jede einzelne Debütantin wurde vorgelesen. Sie kam dann aus einem Raum raus, hat sich in Pose gestellt für ein Foto und dann von ihrem Partner (was in den meisten Fällen der Bruder oder Cousin war) eine rote Rose bekommen. Danach ist sie vor, zu einer Bühne, gelaufen und während sie gelaufen ist wurde etwas über sie erzählt. Auf welche Schule sie geht, wann sie Geburtstag hat, ihre Hobbies etc.
Vorne wurde sie von ihrem Partner in Empfang genommen und dort dann dem Vater übergeben. Als alle Debütantinnen durch waren und vorne standen wurde sich für einen Walzer aufgestellt. Nun ja, Walzer konnte man das ja eigentlich nicht nennen. Mehr als der Pendelschritt war es nicht (und das lag nicht am Platz).
Danach wurde Essen serviert und nach dem Essen saß man noch rum oder es wurden Fotos gemacht. Ich hab mit meinen Gastschwestern Fotos machen lassen, die jetzt, wenn ich das richtig verstanden habe, vielleicht in der Zeitung erscheinen. Ja, so eine Blonde ist es echt feines und macht sich auch richtig gut auf Bildern zwischen den ganzen Latinas. :D Manchmal ist es echt nervig "blond" zu sein, aber ich nehme es mit Humor.
Alles in allem ein wunderschöner Abend. Als ich dann frühmorgens Heim kam, war ich froh nicht aufstehen zu müssen, weil am Tag darauf Nationalfeiertag war.
An dem wurde, wenn ich das richtig verstanden habe, das Ende des Trippleallianzkrieges gefeiert. In meiner Stadt wurde der Tag aber lediglich als arbeits- und schulfreier Tag gesehen und mit einem kurzen Autocorso zelebriert. In Asunción wurde er größer gefeiert. Schade, dass ich nicht in Asunción war an diesem Tag.

Im Moment ist auch die Zeit in der Examen in der Schule geschrieben werde. Weil ich nicht nur eine andere Kultur, sondern auch den Schulalltag kennenlernen will, habe ich mich also dazu entschieden an den Examen teil zu nehmen.
Hier erwartet echt keiner von mir, dass ich überhaupt etwas für die Schule tue. Umso größer dann das Erstaunen, wenn ich sage, dass ich mitschreibe.
Und das ist alles andere als einfach. Ich bin schon echt glücklich, wenn ich verstehe was von mir verlangt wird.
Mein Spanisch wird zwar von Tag zu Tag besser und ich komme auch im Unterricht ganz gut mit, aber in den Examen fehlt es mir dann doch meistens an Grundkenntnissen, für die meisten Fächer. Hier habe ich ja Fächer wie Psychologie, Meteologie und Landschaftswissenschaften. Solche Fächer habe in Deutschland einfach nicht.
Ich träume und denke zum Teil schon in Spanisch. Mittwoch, 29. September
Wenn ich mir überlege wie ich am Anfang gesprochen habe und wie ich jetzt spreche. Da liegen echt Welten dazwischen. Ich rede inzwischen wie ein Wasserfall, egal ob Fehler drin sind oder nicht, und kann auch problemlos Gesprächen folgen. Natürlich, das ein oder andere Wort ist immer mal wieder falsch, aber was solls. Ich werde verbessert und die anderen haben was zum lachen. Ich habe mich mit meiner Gastmama unterhalten, dass "Tag der Jugend“ in der Schule war und ich deswegen keinen Hunger habe, da in der Schule Essen verteilt wurde. Sie fragte dann " Was hast du denn gegessen?"
Ich: "un Chancho" (Ich wollte sagen, dass ich einen Hotdog (=Pancho) gegessen habe. "Chancho" heißt "Schwein")
Sie hat mich dann mit großen Augen angeschaut und meinte " Wie? Du hast ein ganzes Schwein alleine gegessen? Aber hier isst du doch sonst so wenig"
Ich war dann erst mal verwirrt und hab dann versucht zu erklären was das ist. Ja zum Schluß hat sie mir dann erklärt, dass ich ein "Pancho" gegessen habe.
Deutsch wird immer schwerer und von Englisch fangen wir erst gar nicht an. Es mischen sich immer wieder Spanischwörter mit rein, ohne dass ich es merke. Wenn ich auf Englisch angesprochen werde, antworte ich automatisch auf Spanisch.
Neulich habe ich es geschafft mich mit einer Lehrerin über Deutschland und seine Geschichte zu unterhalten. Ich habe kein einziges Wort nachschlagen müssen.

Deutschlandbild
Hier sind alle wirklich sehr interessiert an Deutschland.
Ich habe mal ein kleines Video, mit dem Deutschlandbild, zusammen gestellt.
Deutschlandbild
Wir ihr seht, ist das Deutschlandbild hier gar nicht so schlecht. Die meisten Paraguayos wissen sogar, dass es eine Beleidigung für uns Deutsche ist, wenn man uns als „Nazi“ oder „Hitler-Kind“ bezeichnet.
Das Deutschlandbild der Paraguayos ist allerdings wirklich sehr festgefahren. Und genau deswegen, nehmen sie mich meistens aus dem Deutschlandbild raus. Ich bin nun mal nicht die Deutsche, die „kalt“ ist und viel Bier trinkt. Wenn es aber um das Aussehen eines Deutschen geht, dann bin ich wieder die Vorzeigedeutsche. Manchmal sind Paraguayos echt komisch.
Eine Freundin von mir meinte, dass meine Nationalität zwar Deutsch ist aber im tiefsten Herzen bin ich eine Paraguayana.
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