¡Venezuela - Un país para querer!

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nOne
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Beitragvon nOne » 08.02.2007, 02:19

Unglaublich, aber ich bin schon fuenf Monate hier, in Venezuela, dem Land meiner Traeume, dem Land zum Lieben – el país para querer… Bald ist die Halbzeit erreicht und ich moechte wirklich nicht daran denken hier weg zu gehen. Weniger, weil es hier soviele Dinge gibt, die ich vermissen werde, Menschen, die ich auf die eine oder andere Art zu lieben gelernt habe, sondern mehr, weil ich merke, dass ich hier noch Zeit brauche, um das zu erreichen, was ich erreichen will – aber fragt mich nicht, was das ist.

Lange habe ich nichts mehr von mir hoeren lassen, einige wissen warum, andere wissen es nicht. Wieso jetzt auf einmal doch wieder ein Bericht von mir kommt… Fragt die Goetter oder sonst irgendjemanden euren Vertrauens – ich glaube es liegt daran, dass eine Menge passiert ist, Dinge die mich zum Nachdenken gebracht haben und mir die Moeglichkeit gegeben haben, mir ein besseres Bild dieses Landes zu machen, dass den wunderschoenen Namen “República Bolivariana de Venezuela” traegt und das ich noch immer so wenig verstehe.

Vielleicht sollte ich diesen Bericht mit der Wahl am 3. Dezember beginnen, die uns Austauschschuelern und auch den Venezolanern vorher Angst eingejagt hat. Schulfrei gab es aus diesem Grund auch schon ab Mittwoch vor den Wahlen und Ausgangsverbot ab Freitag. Zum Ueberaschung von fast allen, ist aber kaum was passiert – abgesehen davon, dass Chavez die Wahlen gewonnen hat und inzwischen schon angeblich eine Millionen Venezolaner das Land verlassen haben. Und man merkt es, diese Stimmung, dass viele Venezolaner ihr Land zwar lieben aber hier keine Zukunft mehr sehen. Oft werde ich gefragt wie ich Venezuela finde, ob ich dieses Land mag und natuerlich antworte ich mit “Ja! Ich mag Venezuela, die Menschen, die Art des Lebens.”, und inzwischen habe ich mich an die Reaktion vieler Venezolaner gewoehnt “Wirklich? Trotz Chavez?”. Aber hey, was kriege ich denn von ihm mit – abgesehen davon, dass er meine Freunde von hier vertreibt? Ich merke, dass es hier keinen Zucker zu kaufen gibt, und manchmal kein Salz oder keine Milch oder sonstige Lebensmittel. Warum? Weil Chavez eine Preisgrenze setzt und die Konzerne die Sachen teurer verkaufen wollen und deshalb nichts mehr produzieren – hat mir meine Tante zumindest so erklaert, die erste Person die mir auf diese Frage eine andere Antwort als “No lo sabemos tampoco.” (“Das wissen wir auch nicht”) gegeben hat. Aber ansonsten ist die Wahl sehr ruhig verlaufen und schon am Mittwoch mussten ich wieder in die Schule und hatte meine alte Freiheit zurueck, was bedeutet, dass ich zu Hause sein muss bevor es dunkel ist, weil ich spaeter nicht mehr alleine von der Metro zu meinem Haus laufen darf. Inzwischen verstehe ich es. Venezuela ist nicht Deutschland und in meiner Klasse gibt es ein Maedchen, dass ueberhaupt nicht rausgehen darf. Meiner Ansicht nach, ist Venezuela nicht so gefaehrlich, wie man sich in Deutschland ein Bild davon macht. Ich lebe seit fuenf Monaten in der Haupstadt, von der man in Deutschland was von “gefaerhlichster Stadt nach Bagdad” liest. Ich moechte an dieser Stelle nicht sagen, ob das stimmt oder nicht stimmt, weil ich das nicht beurteilen kann. Aber was ich weiss ist, dass man einfach aufpassen muss, wo man zu welcher Uhrzeit hingeht und dann kann man sich zwar nicht sicher sein, dass nichts passiert, aber die Wahrscheinlichkeit wieder unbeschadet nach Hause zu kommen ist sehr, ich betone sehr, gross. Andererseits ist es hier auch ein Normalzustand, dass sich alle paar Wochen einige Handynummern von Freunden aendern, weil das Handy geklaut wurde. Was ich damit sagen will. Caracas ist gefaehrlich. Sehr gefaehrlich und es gibt Gegende, wo ich wirklich nicht hingehen moechte und Gegende, wo man selbst wenn es dunkel ist noch rumlaufen kann. Man laeuft hier anders die Strassen entlang, passt mehr auf sich und seine Sachen auf als in Deutschland, wenn man merkt, dass man eine SMS bekommen hat zieht man das Handy nicht ueberall raus. Aber trotz allem kann man hier auch gut leben - anders als in Deutschland. Und man beginnt, ein riesiges Gefuehl der Freiheit zu empfinden, wenn man am Samstag abend um sieben alleine mit einer Freundin das Haus verlassen darf und mit der Metro in ein Centro Commercial zu fahren um dann gegen halb zwoelf mit dem Taxi nach Hause zu kommen.

Natuerlich habe ich hier auch Weihnachten und Silvester erlebt, was zwar schoen aber nicht ueberragend war. An Weihnachten isst man Dinge wie Hallacas oder Pan de Jamón – Dinge die fuer mich ueberhaupt nicht weihnachtlich schmecken und zusammen mit der Hitze und dem Strandwochenende vorher, bei mir ueberhaupt keine Weihnachtsstimmung ausgeloest haben.

Silvester ist hier ein Familienfest und sah deshalb fast genauso aus wie Weihnachten ohne Geschenke. Das Beste an der ganzen Sache waren wahrscheinlich die drei Wochen Ferien, in denen ich zweimal je vier Tage am Strand war und auch Colonia Tovar einen Besuch abgestattet habe. Colonia Tovar ist eine deutsche Kolonie, was man an den Fachwerkhaeusern erkennen kann und an Namen wie “Café Muhstall” – alles andere ist aber eher weniger deutsch. Allerdings habe ich dort wieder einmal ein wenig Kaelte kennen gelernt, besonders in der Nacht in dem Haus eines Onkels ohne Heizung oder Isolierung der Waende.


Am 19. Januar, dem Geburtstag meiner aller liebsten Freundin, ging eine unheimlich schoene und beeindruckende Reise durch Sucre, ein recht armen Staat Venezuelas, los – welche den eigentlichen Grund dieses Berichtes stellt. Ich bin zusammen mit meinem Gastpapa nach Boca de Uchire, ein Dorf im Staate Anzoátegui, welches man sogar auf der ein oder anderen Venezuelakarte finden kann, zu dem Haus meiner Onkel und meiner Tante, mit denen ich zehn Tage durch Sucre fahren wuerde, gefahren.

Dieses Haus, ganz nah am warmsten Meer, dass ich je gesehen habe, ist wunderschoen. Meine Tante hat in diesem Haus vier Hunde, die unheimlich verrueckt aber auch total suess und intelligent sind... Wirklich unglaublich. Sie sind nicht im Haus, sondern in dem durch eine Gitterwand vom Haus getrennten Garten.

Luz, die Hundemama, ist ein Wachhund – und das ist sie wirklich. Wenn ein Auto oder ein Fussgaenger vorbei kommt, rennt sie an das Tor und bellt wie eine Wahnsinnige – die anderen drei Hunde machen das natuerlich nach. Wenn sie denjenigen, der zu Fuss oder im Auto (!) vorbeikommt, kennen, geben sie aber keinen – und zwar gar keinen – Mucks von sich und tuen so, als wuerde es sie gar nicht interessieren. Das ist wirklich unglaublich, diese Hunde hat mich von der ueberragenden Inteligenz der Hunde ueberzeugt.
In diesem Dorf habe ich auch ein wirkliches Traumhaus gefunden... Unheimlich schwer zu beschreiben, weil es einfach so schoen ist. Wenn man reingeht steht man ersteinmal vor einem Brunnen und an der Stelle ist das Haus nach oben offen und von der ersten Etage kann man runter auf den Brunnen und hoch in den Himmel gucken... Es ist unheimlich schoen! Und natuerlich sind ueberall Chinchorros verstreut. Chinchorros sind Haengematten, die sich unheimlich gut zum drin schlafen eignen.


Am Samstag ging es weiter nach Cumaná, der Hauptstadt von Sucre.

Die Fahrt von Puerto la Cruz nach Cumaná fuehrt durch den Parque Nacional Mochima und ist ueberwaeltigend.

Schon auf dieser ersten Fahrt habe ich mir gedacht “Hey, um das zu sehen hat sich die Reise gelohnt.”. Auf dem Weg habe ich auch meinen ersten Fisch gegessen, so wie auf der Reise eigentlich jeden Tag. Fisch in allen Formen und Groessen, mit Kopf, ohne Kopf oder doch lieber Krebs oder Hai? Dazu gab es dann immer Arepas und Toston oder Tajada – was isst man eigentlich in Deutschland zu Fisch? Allerdings habe ich trotz dieser vielen Fischerfahrungen den Anblick fritierter Fischaugen nicht zu lieben gelernt. Von Cumaná aus konnten wir die gegenueberliegend Kueste von Sucre sehen, wo wir am Ende unserer Reise ankommen wuerden.


Am Montag sind wir weiter nach San Juan de las Galdonas gefahren, ein kleines Fischerdoerfchen zu dem nur eine einzige Strasse hinfuehrt – insgesamt gibt es in Sucre nur sehr wenige Strassen. Dort sind wir in einer Posada direkt am Strand untergekommen. Die Umgebung ist unheimlich bergig und gruen, mit sehr vielen Baeumen und anderen Pflanzen und dann aufeinmal blaues Meer mit unglaublich starken Wellen. In dieser Posada gab es am Dienstag morgen dann erstmal keinen Strom, weil es in der Nacht vorher so viel geregnet hat. Auch das Wasser aus dem Wasserhahn war meistens brauner als das im Meer.


Nach zwei Tagen fuhren wir nach Güiria, eine Stadt fast ganz im Osten von Sucre von wo eine Faehre nach Trinidad faehrt. Das war auch eigentlich das einzig tolle dort, abgesehen natuerlich von dem Plaza Bolívar, den es hier in wirklich jedem Dorf, und wenn dieses Dorf nur aus drei Haeusern besteht, gibt.

Deshalb sind wir auch schon nach einer Nacht weiter nach Rio Caribe in eine wunderschoene Posada gefahren, in der es unheimlich leckeren Parchitasaft gab. Auf dem Weg dorthin haben wir beim Playa Medina angehalten.

Stellt euch einen Karibikstrand vor, und ihr wisst wie es dort aussieht. Blaues, klares Wasser mit kleinen Fischchen, viele Palmen, kaum Leute… Auf dem weg von Güiria – und auch schon vorher – hat man an den Strassenraendern vor den Haeusern immer wieder Cacao zum trocknen liegen sehen, die Gegend dort lebt vom Cacao. Ausserdem werden die Esel dort auch richtig als Packesel gebraucht. In Rio Caribe haben wir uns von einem Baum Mangos geklaut bzw. von jemandem aus der Posada geben lassen. Es ist wie ein Paradies, an den Strassenraendern stehen Mangobaeume oder andere Fruchtbaeume und Fruechte gibt es das ganze Jahr ueber… Ich habe in den zehn Tagen fuenf oder sechs Mangos gegessen, also alleine, wie einen Apfel.

Am naechsten Tag haben wir uns auf den Weg nach Araya, oder besser gesagt Punta Arenas gemacht – den Ort den wir in Cumaná von weitem gesehen haben. Diese Fahrt war die, die mich am meisten beeindruckt hat. Los ging es mit viel gruen, Baeumen, Palmen… Und ploetzlich, von jetzt auf sofort fuhr man zwischen mit Kakteen uebersaehten roten Bergen. Wirklich rote Berge. Diese roten Berge wurden mit der Zeit immer gelber und trockener und man hat ganz viele Ziegen rumlaufen sehen.

Auf dem Weg sind wir an ganz vielen Doerfern vorbei gekommen, wo vor den Haeusern Saecke voller Muscheln standen, die irgendwann eingesammelt und zu einer “Fabrik” gebracht werden, wo sie dann gekocht und danach von Frauen und Kindern aufgemacht werden und das Innenzeug rausgeholt wird. Und das ist wirklich krass, weil die Kinder vielleicht mal zehn Jahre alt sind…

Aber die Doerfer in der Gegend leben davon. In Punta Arenas angekommen mussten wir in dieser Menge (Achtung, Ironie) an Sandstrassen unsere Posada suchen, die Posada de Arquimedes, die sich irgendwo im Nirgendwo zwischen Staub, Sand, Kakteen und Muell befindet – aber natuerlich ganz nah am Meer.

Die Sache mit dem Muell ist aber wirklich schlimm hier… Man sieht weit und breit kein Haus, kein Auto, kein Mensch – aber neben den Strassen haufenweise Muell… Die Posada war wirklich schoen und mein Zimmer hatte ein Dach zum aufmachen damit ich die Sterne sehen konnte, und die Kueche war nicht im Haus und hatte auch keine Waende, sondern nur ein Dach.

Nachdem wir den ganzen Samstag an dem wunderschoenen Strand mit klarem Wasser und Fischchen verbracht haben, sind wir am Sonntag nach Araya gefahren, vorbei an einem rosa See – rosa deshalb weil er eine Salzmine ist und die Bakterien die das Salz dort “machen” faerben den See rosa.

In Araya habe ich das klarste Wasser ueberhaupt gesehen, ich stand bis zum Hals im Meer und konnte immer noch meine Fuesse sehen. Unglaublich. Von da aus ging es dann auch schon wieder mit der Faehre nach Cumaná, die eigentlich um ein Uhr fahren sollte, aber da es in Cumaná keine Leute gab die nach Araya wollten, ist die Faehre einfach gar nicht gefahren und die naechste fuhr dann um vier Uhr. Venezuela halt… Von Cumaná ging es am naechsten Tag wieder nach Boca de Uchire und am Mittwoch nach Hause, nach Caracas.

Das war also meine Reise durch Sucre. Und ich weiss, dass ich sehr viel vergessen habe, zum Beispiel das Jesus-Soto-Haus und den Besitzer meines Traumhauses, der eine so tolle Vorstellung von San Juan de las Galdonas hatte.

Ausserdem habe ich die unheimlich liebe SMS von meinem Cousin nicht erwaehnt und so viele andere Dinge. Es ist so schwer, alles in Worte zu fassen und ich merke immer wieder, dass ich so viele wichtige Sachen vergesse, die mein Jahr richtig darstelle wuerden.

Nach diesen eineinhalb Wochen bin ich dann wieder in die Schule gegangen und durfte herausfinden, dass schon wieder drei Lehrer ersetzt wurden und die Zahl der neuen Lehrer in den fuenf Monaten inzwischen schon bei sechs liegt – von insgesamt elf oder zwoelf vorhandenen…

Venezuela ist ein tolles Land und ich freue mich ueber nichts mehr, als das ich hier sein kann.

Liebste Gruesse, cuidense, Kerstin
Zuletzt geändert von nOne am 07.02.2010, 12:41, insgesamt 4-mal geändert.
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Beitragvon Lumpi » 08.02.2007, 14:31

Hehe, deine Berichte sind immer toll zu lesen :wink: auch wenn du eigl nicht mehr schreiben wolltest, danke! :wink: Vorallem auch dass du immer direkt Photos zu allem hochlädst ist echt toll!!! :D Also hab ich jetzt richtig gelesen, die reise nach Sucre hast du mit deinen Eltern unternommen?? Warst du denn schon mal mit Freunden unterwegs? Caracas ist doch auch nur 2 Std vo Strand entfernt, oder? Weißt du ob du rein hypothetisch gesehen, mit Freunden für ein Wochenende da hin fahren dürftest??
:headbang: !VENEZUELA ROCKS! :headbang:

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Beitragvon nOne » 08.02.2007, 21:10

Ich war mit meiner Tante und meinem Onkel in Sucre.

Bis zum Strand ist es ohne Stau glaube ich sogar nur eine Stunde, und mit Freunden hinfahren.... Wenn deine Eltern das erlauben - AFS muss ja nicht alles wissen... Und ansonsten muesste das auch von AFS aus gehen, ist aber stressiger als wenn sies nicht wissen ;)

Heute ist uebrigens ein schoener "Venezuela-kackt-mich-an"-Tag. Ich wollte mein Paket abholen, dass endlich nach drei Monaten mal angekommen ist und fahre also an den Arsch von Caracas. Da warte ich dann zwei Stunden um zwar den Inhalt meines Paketes zu sehen, dass aber erst abholen kann, wenn ich irgendeinen scheiss gezahlt habe. Und dafuer WARTE ICH ZWEI STUNDEN? Und die Typen da machen nix. Die haben ewig viel Zeit und tausend Leute warten. Wuaaaaaaaaaaah, ich bin grad so angepisst.
Aber Venezuela ist trotzdem toll ;)
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Beitragvon Rommie » 10.02.2007, 00:36

@Lumpi: Also ich war mal mit meinen Eltern in La Guaira, das ist die Stadt, in der der internationale Flughafen "von" Caracas steht und die direkt am Meer liegt. Ist sehr schön dort, das wasser ist kristallklar :wink: Allerdings war ich an einem privat Strand. Da wirst auch du ankommen ^^

Also ich denke theoretisch ist das möglich, es kommt halt immer auf deine Familie, deine Freunde und die Stimmung von AFS an ^^" Wenn du früh losfährst, so um 6, dann kommst du ohne Stau gut durch...

@nOne: wow, einfach nur wow! Ich kann das gar nicht in Worte fassen, genauso wenig, wie du. Das ist so ein toller Bericht geworden und die Fotos erst. Mit diesem Bericht habe ich erst gemerkt, dass mir Venezuela schon so ans Herz gewachsen ist, auch wenn ich so vieles noch nicht gesehen habe. Du weisst ja, dass ich noch immer wahnsinnig neidisch bin, was für ein Glückspilz du bist :wink: Margarita, Sucre, Merida, Coro UND Gran Sabana! Ich würde so viel dafür geben, das "echte" Venezuela kennenzulernen, und ich kann einfach nur hoffen, dass dieser Wunsch noch in Erfüllung geht. Aber sollte er sich nicht erfüllen, dann weiss ich jetzt mit felsenfester Überzeugung, dass ich wieder komme. Bald! Und ich werde ganz Venezuela bis in die hintersten Ecken erkunden. "El pais para querer!" :D

Danke, dass du uns mit diesen wundervollen Erfahrungen beglückt hast :)
Te kiero muchisimo!!!! Y mucha suerte con tu paquete. :wink:
Gran Sabana!!!!!!!! Nos veremos! Un tiempo maravilloso :D
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Beitragvon nOne » 10.02.2007, 03:29

Du sprichst mir aber auch aus dem Herzen, Annita... Venezuela ist ein wundervolles Land, wenn man von dem ganzen Politikgedoens absieht.
Ich war eben bei meiner Tante unten und habe mich mit ihr ueber die Gran Sabana Reise unterhalten und sie hat sich den "Plan" durchgelesen und dauernd nur gesagt "¡Qué hermoso!" und solche Dinge... Und mein Gastpapa hat eben gesagt, dass das der schoenste Ort der Welt ist... Und wow, ich glaub das ist wirklich der Knueller... - ich verspreche hiermit hoch und heilig, dass ich ueber die Gran Sabana Reise auch einen Bericht schreiben werde, passiere was passiere....
Aber Annita, was ich damit sagen will - ich glaube die Gran Sabana Reise ist so... beeindruckend, maravilloso, hermoso, dass Sucre fast ein Dreckloch dagegen ist (ist es natuerlich NICHT). Verstehst du was ich meine? Wir werden das "wahre" Venezuela kennen lernen , aber das wird noch dauern und vielleicht schaffen wir es nicht dieses Jahr, weil Caracas dafuer einfach nicht der richtige Ort ist - aber es ist auch ein Teil von Venezuela. Aber wo ein Wille ist, ist auch ein Weg. Wenn wir in die Gran Sabana fahren, werden wir so viel im Auto sitzen, dass wir eine Menge von diesem Land sehen werden.
Und ich liebe es, dieses Land... Es ist... keinesfalls perfekt. Aber... Mein Land. Es ist das Land, wo ich mir ausgesucht habe zu leben. In der Schule wurde ich gefragt, wo ich denn lieber lebe, in Deutschland oder in Venezuela. Was soll ich darauf antworten? Ich mag mein Leben in Deutschland, aber ich habe es mir niemals ausgesucht... Die Leute und alles drum herum natuerlich schon irgendwie. Aber ich habe mir dieses Land nie ausgesucht. Aber Venezuela war und ist mein Traum und deshalb liebe ich dieses Land, deshalb bin ich so froh, hier zu sein, weil es die Erfuellung meines Traumes ist - in einer so wunderbaren Art und Weise. Und weil es das Ergebnis ist, von etwas das ich - ich ganz alleine (natuerlich nicht alleine) - geschafft habe. Ich habe es geschafft hier anzukommen, hier zu leben, mir ein Leben aufzubauen und das Leben der Leute hier zu beeinflussen und das ist... ein fuer mich unglaubliches Gefuehl.
Mein Leben hier ist keinesfalls perfekt - bis dahin fehlt noch eine Menge, eine grosse Menge. Aber hey... Es ist OK. Und ich komme wieder. Yo volveré...
Wenn mich hier irgendwer versteht.... Derjenige kann ja versuchen das was ich sagen wollte verstaendlicher zu schreiben... Aber ich kann es nicht besser :)
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Beitragvon Rommie » 11.02.2007, 00:21

Hach, das hast du schön gesagt :D Ich bin mir sicher, dass wir ne super, mega tolle Zeit haben in der Gran Sabana... Aber ich würde sogern auch meine eigene Reise planen. Bzw. mit Freunden oder auch der Familie, damit ich die Ziele entscheiden kann ^^

Und was das Leben hier betrifft. Vielleicht unterscheiden wir uns in diesem Punkt in der Ansicht. Ich könnte hier niemals für immer leben. Ich hab mal darüber nachgedacht, weil auch mir die Frage schon oft gestellt wurde. Und ich bleibe dabei, dass es einfach so ein tolles Land ist, mit liebenswerten Menschen und alldem. Aber die Umstände (Politik, Unsicherheit, Kriminalität) führen dazu, dass ich mir hier ein Leben auf ewig nicht vorstellen könnte. Dennoch, diese erfahrungen sind ein Teil von mir, und deshalb auch das Land ^^
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Beitragvon Lorenz neg » 13.02.2007, 11:08

Ich kenne jemanden aus Caracas :mrgreen: !
Der war austauschschüler in Deutschland und hat bnei uns das jahr verbracht..
Kannst ihn ja von mir grüßen :jumper:

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Beitragvon nOne » 13.02.2007, 18:18

Na, wenn du mir jetzt noch sagst, wen du kennst und wer du bist, dann werde ich mein moeglichstes versuchen ;)
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Beitragvon Rommie » 09.03.2007, 02:41

Hoffe dich störts nicht, wenn ich das jetzt mal hier reinschreibe, ABER ICH FREU MICH SO AUF MERIDAAAAAAAAAAAAA :D Jajaja, danach mach ich dich mal neidisch mit einem Bericht ;) Ausserdem brauch ich den Abstand von meiner Fam echt, ich krieg die Krise :roll: Erster Saatz als ich nach Hause kam: Libia hat angerufen, du solltest doch mit ihr reden. Ich glaube sie hat mich nur nicht angeschrien, weil wir Besuch hatten :(
naja, halt dich auf dem Laufenden, mi cielo ^^
Chaito, hasta mañana.

Ah, was mir noch einfällt, ich muss morgen ja mit dem Koffer für die Reise zum Treffen gehen :-? Naja, besonders viel Bewegungsfreiheit hab ich dann wohl nicht *lool*
Aber vielleicht kann ich den ja im AFS-Büro platzieren 8)
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Re: ¡Venezuela - Un país para querer!

Beitragvon Surfergirl » 08.09.2008, 20:57

Hey nOne kennste mich noch??
Ich glaube wir haben damals vor unserem Austausch uns über vzla unterhalten hihi
Mir ist jetzt erst wieder... wui nach 2 Jahren... eingefallen, dass es diese seite gibt lol
weil würde gern nach dem abi nächstes jahr wieder weg fürn jahr.... diesmal dann nach Nicaragua oder Honduras... oder was weiss ich... hauptsache zurück in mein geliebtes Südamerika =)

Hab gerad mal deinen Bericht hier gelesen und wow... du beschreibst alles so passend!!! Jede einzelne Erfahrung kann ich unterstreichen und sagen: JA genau das ist Venezuela, genau das ist das Land was ich so sehr liebe und was ich nun schon über ein Jahr entbehren musste...
Ich vermisse es so krass...
Warst du schon mal wieder dort? ich fahr aufjedenfall nach dem abi und vor dem sozialen jahr nochmal für ein paar wochen runter.
Hab gerad irgendwie doll lust mit jemandem in Erinnerungen zu schwelgen ;) dabei? :p
VENEZUELA - Tu amor me ha ensenado a luchar por mis suenos!!!
Te extrano....

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Nicaragua ich komme!!!

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Re: ¡Venezuela - Un país para querer!

Beitragvon nOne » 25.11.2008, 17:30

Hey. Ich habe gar nicht gesehen, dass du mir vor mehr als zwei Monaten geschrieben hast... Und das auch noch am zweiten Jahrestag meines Abflugs nach Venezuela.... Tja ja... So ist das ;)

Ich hoff du hattest eine schoene Zeit da, und bei Gelegenheit schreib einfach mal eine PN oder so - die les ich schneller als hier was ;)
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Re: ¡Venezuela - Un país para querer!

Beitragvon nOne » 25.11.2008, 17:31

Gerade habe ich mal wieder durchs Forum gestöbert und dabei habe ich einen Beitrag von mir gefunden, der meiner Meinung nach eigentlich hier her gehört und gleichzeitig einen schönen Abschluss dieses Threads bildet...

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“Ich habe das Gefühl, dass alle aufgeregt sind – außer mir. Ich weiß nicht, ob es mir wirklich bewusst ist, was es bedeutet so lange weg zu sein. Aber ich bin ruhig, ganz ruhig.“

So hat er angefangen, mein Traum, auf den ich so lange wartete, auf den ich so lange hin fieberte. Vorausgegangen ist ein Jahr des manchmal fast unerträglichen Wartens auf Briefe, neue Informationen. Eine Zeit des Nachdenkens und Zweifelns, der Freude und des grenzenlosen Vorstellens. Wie wird es sein, dieses Leben? Die Familie? Freunde? Schule? Diese wunderschöne Unwissenheit endete in dem Moment, als ich aus dem Flugzeug stieg. Das erste Mal stand ich mit beiden Beinen in Venezuela – un país para querer – ein Land zum Lieben.

„Ein Regenbogen ohne Regen.“


Es war ein unglaublicher Moment, als ich meine Gastfamilie das erste Mal sah und sie mich so herzlich begrüßten und mit nach Hause nahmen. Die ganze erste Woche war geprägt durch neue Eindrücke und Dinge, die ich lernte. Ich machte Ausflüge mit meinen Geschwistern, lernte neue Leute kennen. Das Einleben in dieser neuen Umgebung war unheimlich einfach für mich – hatte ich doch immer irgendetwas zu tun.

„Wenn man hier in dieses Gebiet rein fährt ist da eine Schranke, komisch. Die Fenster kann man hier nur auf und zu schieben und die sind total dünn, aber wir sind ja auch in der neunten Etage.“


Ich wusste am Anfang selten wie mir geschah. Morgens stand ich auf ohne zu wissen was ich an diesem Tag machen würde und dann ging ich irgendwann mit meinem Bruder weg ohne zu wissen wohin. Es ist nicht so, dass mir nie was gesagt wurde – ich habe es manchmal auch nicht verstanden. Aber es waren wunderschöne erste Tage, die ich obwohl sie schon so lange her sind immer noch in traumhafter Erinnerung habe.

„Dann wollten wir „jetzt“ ins Kino gehen. Ich mache mich also fertig und kriege gesagt „Nicht jetzt, nachher“. Ok…“

Die Herzlichkeit der Menschen überrannte mich. Aus Deutschland gekommen und mit so einer Freude von jedem einzelnen Menschen begrüßt, mit der Beteuerung, dass man sich bald wieder sieht und irgendwas schönes macht. Natürlich habe ich es geglaubt, obwohl man ja weiß wie die Latinos so sind – es wurde mir unzählige Male gesagt. Aber die anderen kennen ja nicht diejenigen, die ich kennen lerne, und ich merke doch wohl, ob jemand das sagt was er denkt oder einfach nur eine Flause bringt – dachte ich. Natürlich war es nicht so.

„Diese Woche kommt mir so viel länger vor, als sie wirklich ist.“

Diese erste Zeit war also geprägt durch meinen Bruder – ich habe jeden Tag irgendetwas mit ihm unternommen. Und dadurch, dass ich mich schon nach kurzer Zeit so fühlte, als wäre ich schon ewig dort gewesen, fühlte es sich auch an als würde ich meinen Bruder schon ewig kennen. Er wurde zu einer Art Säule meines Lebens in Venezuela der einfach meinen ganzen Tag bestimmte.

„Caracas ist so riesig. Ich habe wirklich Angst da mal alleine raus zu müssen.“

Die ersten zehn Tage waren nun fast vorbei. Ich hatte das Haus kein einziges Mal alleine verlassen. Vor der Tür stand Caracas, groß und gefährlich. Es gab viele Momente in denen ich meinem kleinen Dorf irgendwo in Venezuela hinterher trauerte – so wollte ich doch niemals in dieser Hauptstadt leben. Und somit war es für mich schon so, als würde mein Leben zusammen brechen, als mein Bruder sich in den Flieger setzte um für ein Jahr nach Russland zu fliegen. Ich stand auf einmal vor dem Nichts und der wichtigste Mensch den ich in Venezuela hatte war plötzlich weg.

„Es ist soviel schwerer jemanden gehen zu sehen als selber zu gehen.“

In dem Moment habe ich gemerkt, wie einfach es ist weg zu gehen und wie schwer es ist, jemanden gehen zu lassen. Wenn man weg geht freut man sich, man hat all die neuen Dinge vor sich, man ist aufgeregt und kommt ja bald wieder. Wenn man jemanden gehen lässt, sieht man nur die Lücke die zurück bleibt.

„Kerstin, bitte pass auf in Venezuela. Jetzt hast du niemanden mehr der dir sagt was gut und was schlecht für dich ist. Ich hoffe, dass du die richtigen Entscheidungen triffst – hier in Venezuela und in deinem Leben. Danke für alles. Es bedeutet mir viel, was du gesagt hast.”

Von einer Sekunde auf die andere war der erste Teil meines Jahres also irgendwie vorbei. Meine Familie kümmerte sich auch in der zweiten Woche ganz lieb und mich und ich hatte auch dann eigentlich jeden Tag was zu tun. Aber ich spürte diese Lücke, die er hinterlassen hat, das taten wir wohl alle – selbst unser Hund wartete immer vor der Tür darauf, dass er zurückkommt.

“Heute war ich in der Schule. Ich kann mir gar nicht vorstellen da ein Jahr lang hinzugehen.“

Nach zwei Wochen ging ich das erste Mal in die Schule. Eine kleine Schule direkt hinter meinem Haus. Die Leute – auf den ersten Blick ganz nett. Der zweite Blick war nicht mehr ganz so positiv. Ich weiß noch, wie ich am Anfang dacht, dass ich in dieser Klasse Freunde finden könnte – mir sollte aber früh genug klar werden, dass ich mich da irgendwie täuschte. Ich bin mir sicher, dass ich viele Fehler gemacht habe, dass ich mich mehr hätte anstrengen müssen. Aber hinterher ist man immer klüger… Meine Schule wird also nur dieses eine Mal Erwähnung finden. Ich ging zwar jeden Tag dort, kaufte mir was zu essen und saß im Unterricht aber irgendwann gab ich die Hoffnung auf, dass ich etwas Schönes darin finden könnte.

„Mir wurden die Haare geschnitten und die Fingernägel lackiert.“

Es gab viele Dinge die wichtig für die Venezolaner sind. Vieles davon bezieht sich auf Äußerlichkeiten. Damit will ich nicht sagen, dass alle Venezolaner oberflächlich sind sonder nur, dass das Aussehen halt auch wichtig ist. So kam es, dass meine Mama immer unheimlich glücklich war, wenn ich mal zum Friseur ging oder lackierte Fingernägel hatte, wenn ich Ohrringe anzog oder sonst irgendwas für mein Aussehen tat. Dazu muss ich sagen, dass ich ihr leider nicht allzu viele Gelegenheiten bat, sich darüber zu freuen.

„Ich verstehe nicht, wieso der mich nicht nach Hause bringen durfte.“

Genauso wie es Dinge gab, die wichtig für meine Familie waren gab es natürlich auch Dinge, die wichtig für mich waren. Zum Beispiel unter Leuten zu sein, abends mal wegzugehen – wieso ein Freund den meine Eltern kannten mich danach nicht nach Hause bringen durfte sondern meine Schwester mich abholen kommen musste verstehe ich bis heute nicht. Aber es gibt viele Dinge die ich nicht verstehe die ich aber irgendwann zu akzeptieren lernen musste. Dazu gehörten zum einen, dass ich jeden Tag zu Hause sein musste bevor es dunkel wurde und so manche Dinge nicht machen durfte, obwohl ich den Grund dagegen nicht verstand.

„Irgendwas fehlt mir hier. Ich weiß nicht was. Vielleicht ein bisschen Freiheit. Mal alleine irgendwohin gehen oder so. Ich war seit mehr als zwei Woche nicht alleine irgendwo…“


Zwei Wochen sind also vergangen in denen ich mich teilweise wirklich wie ein kleines Kind fühlte. Zwei Wochen in Venezuela – eine kleine Ewigkeit. Langsam wurde ich aber selbstständiger. Ich ging alleine raus, traf mich mit anderen Austauschschülern oder mit Freunden von meinem Bruder. Ich lernte diese Stadt kennen, die mir aber weiterhin viel zu groß war.

„Ich habe die ganze Zeit das Gefühl, irgendwas zu verpassen.“


Mit der Zeit wurde der Regen um den Regenbogen aber etwas stärker. Nach der wunderschönen ersten Woche kamen immer mehr Zweifel über irgendetwas dazu. Und wie Montesquieu schon gesagt hat, wir wollen nicht nur glücklich sein sondern glücklicher als die anderen, und das ist deshalb so schwer, weil wir die anderen für glücklicher halten als sie sind. Unzählige Male habe ich mir die Fragen gestellt „Was wäre wenn…?“. Und es hat ziemlich lange gedauert, bis ich die Dinge einfach akzeptiert habe wie sie waren und angefangen habe, mich an dem zu freuen was ich habe. Weil mir einfach klar wurde, dass es woanders nicht besser wäre sondern einfach nur anders. Das meine Probleme nicht einfach weg wären sondern nur anders.

„Ich kann mir nicht vorstellen, dass ich hier jemals richtige Freunde finde und überhaupt ein Jahr hier zu bleiben – wie soll das nur weiter gehen? Ich kann doch nicht immer hinter allen herlaufen, wenn ich was machen will.“

Mein Leben ging also in den nächsten zwei Monaten relativ unspektakulär weiter. Ich machte immer mal irgendwas, mit Austauschschülern oder meiner Familie, Freunden von meinem Bruder. Ich dachte sehr viel nach, über den Sinn des ganzen – der für mich ja schon immer darin lag Freunde zu finden, die ich später vermisse und die mich auch vermissen. Zu diesem Zeitpunkt kannte ich schon einige Leute und machte auch hier oder da mal irgendwas mit Venezolanern. Das war auch etwa der Zeitpunkt zu dem ich das wirkliche Ich der Menschen kennen lernte und lernte das Gesagte und das Gemeinte auseinander zu halten – oder besser gesagt, ich lernte, dass das Beide nicht immer übereinstimmte – auseinander halten kann ich es eigentlich immer noch nicht.

„Es wirkt anders, das was wir wollten wenn wir es haben. Fragen nach dem warum – vorher nur an uns gestellt – fragen wir nun selber. Der Traum nun Realität, aber anders als erträumt.“

Es gab viele Momente in denen ich so traurig war, weil ich das Gefühl hatte mein Jahr zu vergeuden. Dazu kam in dieser Zeit noch, dass am 3. Dezember Wahlen in Venezuela waren und ich deshalb ab Oktober eigentlich mit dem Gedanken lebte, dass Anfang Dezember alles vorbei sein konnte und ich zurück musste. Es war ein schreckliches Gefühl, dass das Jahr schon vorbei sein konnte, bevor es richtig angefangen hatte.
Ich mag Politik nicht und sie interessiert mich eigentlich auch nicht allzu sehr. Aber wenn man in Venezuela ist kommt man einfach nicht drum herum sich irgendwie damit auseinander zu setzen. Die Politik beeinflusst einfach das Leben. Zum einen dadurch, dass man öfter kein Zucker, kein Salz, keine Milch oder sonst irgendwelche Sachen kaufen kann und zum anderen durch die Angst der Menschen, die hier leben und keine Zukunft mehr sehen.

„Nächste Woche sind Wahlen. Ich bin echt gespannt was passiert oder besser was nicht passiert. Ich brauche hier noch Zeit – um glücklich zu werden und Freunde zu finden.“


Ich hatte wirklich Angst zu der Zeit. Ich weiß nicht, was ich gemacht hätte, wenn ich zu dem Zeitpunkt zurück nach Deutschland gemusst hätte. Es ist nicht so, dass ich in Venezuela bleiben wollte, weil alles so toll war, sondern vielmehr weil ich noch irgendwas aus meinem Leben dort machen wollte. Ich konnte doch nicht meinen Traum so enden lassen, wie es zu dem Zeitpunkt war. Letztendlich ist eigentlich nichts passiert und ich bin in Venezuela geblieben. Die ganze Angst zurück zu müssen war also eigentlich überflüssig gewesen – aber sie war nun einmal da und hat eine lange Zeit meines Jahres beeinflusst. Auf einer Seite durch den Gedanken „Bald kann alles vorbei sein, du musst noch irgendwas aus dieser Zeit rausholen, streng dich an.“ und andererseits „Bald ist eh alles vorbei, was solls…“.

„Mehr als drei Monate bin ich jetzt schon hier in Venezuela, dem Land meiner Träume um mir meinen Traum zu erfüllen. Und – hey – ich habe es geschafft, wenn ich in sieben Monaten wieder zurück komme habe ich mir das erste Mal einen richtig großen Traum erfüllt. Und was habe ich davon? Erfüllte Träume sind verschwundene Träume… Oh nein, ich bereue es nicht, hier zu sein – keinesfalls. Ich habe schon viel erlebt, eine Menge gesehen, unglaubliche Menschen kennen gelernt, Menschen die mir helfen, wie mir vorher noch nie jemand geholfen hat. Menschen die ich bewundere, für das was sie tun, was sie sagen.
Ich habe hier viel Zeit um nachzudenken – wahrscheinlich ist es nicht mehr Zeit als in Deutschland, aber es fühlt sich so an weil meine Tage hier gezählt sind. Die Zeit rast. Wie gut erinnere ich mich noch an meine letzten Tage in Deutschland, an all die Abschiede, der letzte Tag in der Schule, der letzte Abend mit Freunden – und wie viele Dinge fallen mir ein, die ich gerne gesagt hätte, die ich gerne gemacht hätte. Habe ich gesagt, wie sehr ich dich lieb habe, was du mir bedeutest und wie dankbar ich dir bin, einfach dass ich mich von dir verabschieden konnte, weil das bedeutet, dass du irgendwie da warst? Jetzt ist es zu spät. Man könnte fast meinen, dass es inzwischen schon ein Dauerzustand bei mir ist, dass ich darüber nachdenke was ich einem Menschen gerne noch gesagt hätte, bevor wir uns verabschiedeten – genau wie jetzt auch. Und ich weiß, dass es jetzt vielleicht zu spät ist, dass ich durch mein Handeln, meine Worte, etwas kaputt gemacht habe, was noch gar nicht existierte. Durch das was ich in den letzten Wochen erlebt habe, habe ich wahrscheinlich eine Menge gelernt, aber ich lege mir auch viele Steine in den Weg, verkompliziere Dinge durch meine quere Denkweise unnötig und mache auch sonst viele Dinge falsch. Aber ich lerne auch wie wichtig kleine Dinge sind, die so schnell vergessen gehen, zu viel Überwindung kosten oder als unwichtig angesehen werden. Langsam aber sicher beginne ich zu verstehen, wie wichtig so ein kleiner Anruf “Hey, wie geht’s dir?” ist – einfach als Zeichen “Ich denke an dich.” -, wie wichtig der Wille ist, sich mit mir zu treffen, auch wenn es letztendlich nicht klappt, wie wichtig eine kleine Umarmung ist – oder sagen wir, wie wichtig sie für mich sind… Einfach weil es das ist, was mich hier am “Leben hält”. Und gerade dadurch merke ich auch, wie schrecklich Ignoranz ist, Gleichgültigkeit von Menschen dir mir eigentlich wichtig sind. Auch dann, wenn ich weiß, dass es nicht so gemeint ist, dass einfach die Zeit nicht da war.
Ich habe das Gefühl nicht das zu erzählen, was ich erzählen müsste. Ich berichte über mein Leben hier in Venezuela und ich lüge nicht, nein – aber irgendwie ist es auch nicht die Wahrheit, ich lasse zu viele wichtige Dinge aus und unwichtige Kleinigkeiten erwähne ich.“


Im Groben kann man wohl sagen, dass ich glücklich war, wenn ich mit Menschen zusammen war und traurig, wenn ich alleine war und nachdachte. Ich glaube, dass ich unbewusst ziemlich viel erwartet hatte, weil ich eigentlich schon Jahre vor diesem Austauschjahr nur daraufhin gelebt habe.

„Was habe ich erwartet? Irgendwas anderes. Irgendwas Besonderes. Es ist schwierig hier zu leben. Drei Monate sind bisher vergangen, aber was ist hier so anders als in Deutschland?“


Das schwierige an diesem Jahr war nicht die Sprache und auch nicht das Eingewöhnen. Ich habe in einer tollen Familie gelebt und habe mich ganz bald heimisch gefühlt. Ich weiß noch, wie ich einmal verreist war und dann auf der nach Hause fahrt gedacht habe „Gleich bin ich wieder zu Hause.“ – und so habe ich wirklich gefühlt. Das schwierige waren viel eher die Gefühle und Freundschaften. Die Menschen die mir wichtig waren und in denen ich mich getäuscht habe. Ich habe so viele Menschen kennen gelernt von denen ich dachte, dass sie wichtig sind oder wichtig werden und die dann auf einmal wieder verschwunden waren. Irgendwann wurde es dann immer schwerer für mich, daran zu glauben, dass irgendwann wirklich noch jemand kommt, den ich wirklich als Freund bezeichnen kann.

„Freunde sind nicht wirklich Freunde. Die Beschäftigung ist der Langeweile gewichen. Ich frage mich ernsthaft, was ich hier falsch gemacht habe und wie ich es hätte besser machen können.“


Eigentlich hatte ich zu diesem Zeitpunkt schon Freunde kennen gelernt und einen Menschen, der mir so eine schöne Zeit bereitet hat. Aber irgendwie war immer noch die andere Seite da, die Enttäuschungen die von woanders her kamen…

„Tag für Tag verstehe ich die Leute weniger...“
„Wieso bin ich nicht glücklich?“
„Ich bin froh hier zu sein, obwohl vieles besser sein könnte.“


Ganz wichtig ist wohl, dass ich niemals weg wollte, dass ich immer froh gewesen bin in Venezuela zu sein und dankbar dafür war.
Mit der Zeit sind mehr Menschen aufgetaucht, die wichtig wurden in diesem Jahr. Menschen die eigentlich schon lange da waren aber irgendwann ihre richtige Rolle bekommen haben. Und ich habe einen Menschen kennen gelernt, von dem ich dachte, dass er etwas ganz besonderes ist. Ich glaube zu sagen, dass ich mich darin irgendwie getäuscht habe ist schon fast überflüssig. Ich habe wunderschöne Momente mit ihm verbracht. Und es hätte alles schön sein können.

„Ich bin im Paradies. Dieses Land ist so wunderschön und ich habe nur noch so wenig Zeit. Ich möchte ein Teil dieses Landes sein. Er hat mir gesagt, dass Venezuela jetzt auch mein Land sei. Aber ich glaube, dass ich noch viel lernen muss.“

Eigentlich bin ich jetzt schon fast am Ende des Jahres angekommen. Das letzte halbe Jahr war einfach durch Konfusionen im Bezug auf die Wichtigkeit der einzelnen Leute geprägt.

„Ich bin traurig wenn ich glücklich sein sollte. Ich weine wenn ich lachen müsste. Warum mache ich immer alles komplizierter als es eigentlich ist?“

„Und dann sind wir raus gegangen. Um sieben Uhr abends. Ich hatte noch nie ein solches Gefühl der Freiheit.“ – und das passierte genau einmal, dass ich abends in der Dunkelheit mit einer Freundin bis zum zwölf im Kino sein durfte.

„Ich glaube, dass ich einen Freund gefunden habe, einen richtigen Freund.“

Wenn man diesen Satz jetzt im Bezug auf die Person sieht, die gemeint war, sieht man wie verdreht meine Wahrnehmung war. Und wie lange ich brauchte um zu merken, wer und was wichtig ist. Den letzten Monat verbrachte ich mit meiner Familie, meinen Freunden. Wir haben nichts Besonderes gemacht. Schokoladentorte gegessen oder einfach nur im Schwimmbad gesessen und uns unterhalten oder das Beisammensein genossen. Es war so schön.


Wenn ich jetzt darüber nachdenke, was ich über mein Jahr geschrieben habe, hört sich das alles ziemlich deprimiert an. In meinem Brief an meine Gastfamilie den ich vor meinem Abflug geschrieben habe, habe ich folgendes geschrieben:
„Ich nannte es „meinen größten Traum“ und das ist es wirklich. Ich kann meine Gefühle nicht beschreiben wenn ich darüber nachdenke. Ich erwarte sehr viel – und zur gleichen Zeit gar nichts. Ich kann mir nicht vorstellen wie es ist in einem anderen Land so weit weg zu leben, mit einer anderen Kultur, anderen Menschen und einer anderen Sprache. Aber ich möchte wissen wie es ist. Ich werde in diesem Jahr Erfahrungen machen und es ist egal ob sie „gut“ oder „schlecht“ sind. Ich glaube, dass jede Erfahrung mir helfen wird „erwachsen“ zu werden. Ich werde mein bestes geben, dieses Jahr zu dem besten eures und meines Lebens zu machen.“
Und dann merke ich, dass ich alles erreicht habe, was ich erreichen wollte. Ich habe so viel gelernt über die Menschen. Ich habe eine wunderbare Familie, die ich so sehr vermisse. Freunde die ich wirklich Freunde nennen kann und die für mich da sind, obwohl ich so lange gebraucht habe zu merken, dass ich Freunde habe.
Dieses Jahr war nicht einfach. Geprägt durch Politik und die Hoffnungslosigkeit vieler Menschen. Es ist so schwierig all das in Worte zu fassen.
Aber ich bin froh, all das erleben zu dürfen. Ich liebe Venezuela und von Tag zu Tag liebe ich es mehr und von Tag zu Tag bin ich dankbarer dafür, dass ich solche Menschen und solch ein Land kennen lernen durfte.
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Laaus*

Re: ¡Venezuela - Un país para querer!

Beitragvon Laaus* » 15.01.2009, 02:24

hey none!! du beschreibts genau das wie es mir gerade geht in deinem letzten beitrag und besonders mit dieser soche mit dem noch etwas errieche weiter vorne..ohh ich habe so ein shclechtes gewissen weil meine berichte nie so professionell klingen bzw ich da so viel umganssprache etc drin habe........liegt vll daran dass ich immer nur den berich an meine freunde und so wieter kopiere......

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Re: ¡Venezuela - Un país para querer!

Beitragvon cocoalibri » 10.05.2009, 17:32

Heey .. um das Thema jetzt nochmal aufzugreifen ..

also erstmal: Ich finde deine Berichte unheimlich schön beschrieben (: Venezuela kommt in meinen Top 3 vor, deshalb les ich mal so viel wie möglich darüber :b

Liebe Grüße <3

@Laaus*: Hab mir deine Berichte auch schon durchgelesen .. :) Von wegen unprofessionell. -.-'
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Re: ¡Venezuela - Un país para querer!

Beitragvon nOne » 07.02.2010, 23:47

2010. Die Zeit vergeht. Inzwischen kann man schon von Jahren reden, die vergangen ist, seit ich ein Austauschjahr gemacht habe. Und noch mehr Zeit, seit ich mich dafür entschieden habe, seit ich mich vorbereitet habe oder vorbereitet wurde, seit ich losgeflogen bin.
06/07. Das waren die magischen Zahlen. Wie sehr habe ich darauf hingelebt. Wie gut kann ich mich noch an den Jahreswechsel erinnern, als endlich „2006“ im Datum stand und ich wusste „Bald ist es soweit.“ und ich sagen konnte „Dieses Jahr geht es los.“. Ich gehörte zum aktuellen Jahrgang.
Aktuell. Wie lange ist es her. Ob drei oder vier Jahre, macht das noch einen Unterschied?
Schon im Jahr habe ich mich häufig nach dem letztlichen Sinn des Ganzen gefragt. Was hat es mir gebracht? Verwirrung, Fernweh, Einsamkeit, Unverständnis? Dazugehörigkeit, Liebe, Freundschaft, Erfahrungen? Was wiegt mehr?
Ich habe ein neues Zuhause gefunden, eine neue Familie, neue Freunde.
Austauschjahr. Ein großes Wort, ein großes Konzept. Riesige Erwartungen. Bis dann irgendwann das Ziel weg war, ausgelöscht, realisiert. Hoffnungen unerfüllbar. Ein gelebter Traum der Tag für Tag weh tut, das Herz zerbricht und am Sein zerrt. Obwohl es genau das war, was man sich ersehnt hatte. Die neuen Erfahrungen, die neue Kultur, die neuen Erlebnisse, neue Freunde im fernen, unbekannten Land. Welches so heimisch geworden ist, so sehr man selbst, wie es die eigentliche Heimat nie war, oder dessen man sich nicht bewusst gewesen ist und es jetzt nicht mehr werden kann. Die Sehnsucht wird stärker, Tag für Tag. Erinnerungen wiegen so viel mehr als die Realität, verschleiern die unschönen Momente, lassen die Realität in einem schlechteren Licht dastehen als sie eigentlich ist. Unfähigkeit zwischen vergangener Dinge und Erinnerungen zu unterscheiden. Unfähigkeit, das schlechte, traurige zu sehen, da es nun einmal ein perfekter Traum war.
Ein Traum, der geträumt und mit seiner Realisierung zerstört wurde. Trotz seiner wunderbaren Realisierung, die mir noch heute Kraft gibt, Lebenswille, neue Träume, neue Erfahrungen und ein ganz anderes Verständnis für die Welt, andere Menschen und das Leben.
So ist es doch Vergangenheit und ich sollte lernen, es als diese zu akzeptieren.
Noch immer, drei Jahre später, lebt ein Teil von mir, ein Teil meines Herzens, meines Denkens, meines ganzen Seins, fern von mir. In einem anderen Land, bei einer anderen Familie, anderen Freunden. Ein ganz anderes Leben. Es zerreißt mich. Tag für Tag.
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