"Probleme der Gesellschaft"

Der Offtopic-Treff des austauschschueler.de-Forums. Hier hinein gehört alles, was nichts mit einem Austauschjahr zu tun hat.
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Scylla
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Re: "Probleme der Gesellschaft"

Beitragvon Scylla » 24.08.2015, 02:13

Das Problem sind neunzig Prozent der Menschen hier in Verbindung mit Hektik und dem Glauben an Systeme, die niemals für eine so große Masse erfolgreich sein können. Diese Geldgeilheit, Angst vor einer schlechten Wirtschaft und dem Drang, jedem einen reinzuwürgen, wenn man die Möglichkeit dazu hat. Man kann die Herrschaft des Geldes wahrscheinlich erst einmal nicht beenden (ich meine nicht, es abzuschaffen), aber es gibt so vieles, das am Finanzsystem verkehrt läuft (Zinssystem, etc.) und das man so einfach lösen könnte, wären da nicht die oberen Zehntausend, die um ihren Luxus fürchten. :roll:
Ich habe echt nichts übrig für Politik und Wirtschaft (und Religion, aber das sollte man ja eigentlich nicht sagen, weil man sonst ein intolerantes Ar*** ist), da momentan alles am gesunden Menschenverstand vorbei läuft. Ach ja, und Nestle, widerlicher Verein.

Bis vor einigen Monaten habe ich in einem Discounter gearbeitet und, obwohl ich das Geld für eine Wohnung gut brauchen könnte, würde ich niemals wieder dort arbeiten wollen. Die Arbeit selbst war nicht das Problem, aber:
Die Kunden (natürlich nicht alle :P). Alles muss sofort verfügbar sein, und wehe man weiß nicht, wo jeder der zig tausend Artikel steht. Mehr als zehn Sekunden an der Kasse warten ist zu viel verlangt. Und die Einstellung "das muss ja nur bis Weihnachten/Ostern/etc. halten" (!!!) Die kaufen jedes Jahr dasselbe, weil das vom Vorjahr schon kaputt ist, beschweren sich auch darüber, ändern aber nichts.
Die Firma. Hektik vor Freundlichkeit. Dass die Kunden es gut finden, wenn man freundlich ist und sich auch mal einen Moment Zeit nimmt, interessiert in den oberen Etagen auch keinen.
Überall haben Produkte Mängel, damit sie irgendwann geplant kaputt gehen, nur damit mehr gekauft wird, mehr Gewinn gemacht wird. Diese Verschwendung ist einfach traurig. Und dieses ganz Plastik überall!!

Ich hoffe, dass ich später zum großen Teil von Subsistenzwirtschaft leben kann. Zum Glück denkt ein Großteil meiner Freunde auch so, irgendwas werden wir schon auf die Beine stellen. Einhundert Prozent autonom halte ich für etwas gewagt, alleine wegen der Versorgung von Strom und einigen Medikamenten, was ein großer Faktor ist, ich weiß. Aber sonst?

Bei Amazon finde ich manchmal alte, gebrauchte Bücher, die quasi nur den Versandt kosten. Ich habe auch des Öfteren aus Frankreich bestellen müssen, weil es das Buch nicht in Deutschland gibt. Wobei, wenn ich etwas in einer Buchhandlung bestellen muss, ist es ja auch nach ein, zwei Tagen da. Also ist da nicht auch jemand, der unter Hektik versenden muss? :/
Kleidung kaufe ich eher weniger, weil mir das meiste einfach nicht gefällt (ich lebe im falschen Jahrhundert :D ). Ich gebe aber gerne mehr für einen schönen Stoff und gute Qualität aus. Polyester und Co. kaufe ich gar nicht.

Momentan "freue" ich mich einfach über jeden Tag, den ich ohne Fleisch auskomme. Eier esse ich gar nicht und Milchprodukte nur ab und an. Nicht perfekt, aber auch nicht schlecht. Schnelles Duschen anstelle vom Baden, keine exotischen Früchte, usw.

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milky
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Re: "Probleme der Gesellschaft"

Beitragvon milky » 24.08.2015, 13:37

Orava hat geschrieben:
@milky: Hast du schonmal ein ganz detailiertes Haushaltsbuch versucht? Ich schreibe seit etwas mehr als einem Jahr jeden Cent, den ich ausgebe auf. Das ist gar nicht so schwer, wie es klingt, man gewöhnt sich sehr schnell dran (immer Bons mitnehmen und zuhause abtippen). Ich habe das auch nicht in erster Linie angefangen, weil ich dadurch Geld sparen wollte, sondern weil ich wissen wollte, was ich eigentlich so kaufe. Klingt jetzt doof (als würde man im Schlaf einkaufen), aber man kennt das ja. Und es hilft echt auch ein bisschen, schon vorm Regal zu denken "nee, das nehm ich jetzt nicht mit, da werd ich schon ein schlechtes Gewissen haben wenn ich das zuhause eintrage."


Ab September muss ich das machen, weil ich ab da alleine wohnen werde und ich das so mit meinem Vater vereinbart habe. Bin jetzt gerade am austesten, wie ich das am besten mache. Hab mir auf jedenfall schon angewöhnt, die Kassenbelege zu verlangen und aufzubewahren ^^. Ist schon eine Umstellung und relativ mühsam, bis man sich daran gewöhnt ist, jeden Kaffee und alles aufzuschreiben. Leider bin ich ein coffee to go Käufer, das muss auch aufhören ! Aber ja, danke für den Tip. Wie schreibst du es auf ?

Ich bin momentan bei der Strategie, jeden Sonntag die Belege der Woche in eine selber von handgezeichnete "Tabelle" in sonem Moleskin (blanco) Buch zu übertragen. Das braucht jeweils ne 1/2h. Ist aber noch etwas unübersichtlich auch im Anbetracht dessen, das die Einnahmen nirgendwo aufgeführt sind.
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Re: "Probleme der Gesellschaft"

Beitragvon Carööö » 24.08.2015, 17:12

@ milky: Ich hab das mit ner App gemacht, wo man dann immer alle festen Einnahmen einspeichert und die Ausgaben per Hand hinzufügt (das kann man dann auch zwischendurch im Bus oder sonstwo machen, dann muss man sich dafür nicht extra hinsetzen). Das kann man dann bei vielen Apps auch in Excel exportieren.
Dann hat meine Bank so eine Funktion im Online-Banking hinzugefügt, sodass jetzt jede Bewegung automatisch kategorisiert wird und ich nicht mehr auf der Höhe bin, welche (gratis) App dafür gut ist, brauch ich nicht mehr.

Aber ja, seitdem hab ich dann vor allem bei Klamotten mehr auf die Lebensdauer geachtet. Man kann auch Budgets einstellen (pro Woche/Monat/Jahr, je nachdem), sodass man sieht, wenn man im Mai schon fast sein ganzes für Klamotten eingeplantes Geld ausgegeben hat. Dann fragt man sich das nächste mal im Laden, ob es das 10. T-Shirt sein muss oder doch der Blazer, den man dringend für das Praktikum braucht.

Bei mir in der Stadt ist geplant, einen Container für Second-Hand-Kleidung und Textilmüll vor den Primark zu stellen, weil es anscheinend extrem viele Leute gibt, die sich im Primark für ein paar Euro komplett neu einkleiden und ihre noch guten, "alten" Klamotten direkt in den Mülleimern vorm Primark entsorgen. :roll: Wenn ich mir vorstelle, ich hätte meine Klamotten als Teenie einfach weggeschmissen obwohl die noch tragbar waren - meine Eltern hätten mir was erzählt ey^^ Ich versuche jede Jeans noch zu ner Shorts zu verwerten wenn ich sie echt nicht mehr normal tragen kann, und andere schmeißen ihre Sachen in den (Rest!)Müll...
Ich hab mich neulich auf nem Geburtstag mit einer Freundin drüber unterhalten, dass deren Cousine jetzt in der 7. Klasse megaviel bei Primark kauft und eben hauptsächlich selbst geshoppte, neue Sachen trägt, während wir beide in dem Alter noch von unseren Müttern eingekleidet wurden und auch teilweise immer noch die Sachen von den älteren Geschwister-/Nachbarskindern aufgetragen haben, ob wir wollten oder nicht^^ Schon krass, wie sich die Einstellung zu Kleidung in recht kurzer Zeit so geändert hat.
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Re: "Probleme der Gesellschaft"

Beitragvon Orava » 24.08.2015, 21:37

Ja, wie viele neue Klamotten Leute heutzutage zu kaufen scheinen, ist für mich auch absolut verrückt. Hab ich ja auch schon geschrieben.

@Scylla: "Keine exotischen Früchte" finde ich auch einen guten Punkt. Und durchs Wasser sparen spart man natürlich einiges an Geld, gerade heißes Wasser aus dem Hahn kostet einen Haufen Geld! Ansonsten habe ich aber gehört, dass Wasser sparen bei uns in Deutschland eigentlich nichts bringt. Wenn die Kanalisation zu wenig benutzt wird, verdreckt sie und die Stadtwerke müssen sie extra durchspülen. Und in Hannover Wasser zu sparen, bringt den Menschen in Afrika oder Kalifornien auch nichts. Klar, ich verschwende jetzt auch nicht unnötig Wasser, aber daran denke ich ab und zu - ich denke, eine Minute weniger zu duschen als man Lust hätte, um etwas weniger Wasser zu verbrauchen, bringt bei uns tatsächlich nichts, da es hier genug gibt. Also, das ist mein Wissensstand, erzählt mir gern, falls das falsch ist.

@milky: Ich mache das ganz simpel in einer word-Datei, ich benutze eine Datei ein halbes Jahr lang. Ich habe ein eher für mich persönlich intuitives (für andere eventuell nicht) Sortiersystem. Tägliche Ausgaben (also vor allem Essen, dazu Hygieneartikel, Putzmittel, etc.) werden tageweise einfach untereinander aufgelistet. Dann habe ich am Ende der Datei noch ein paar Kategorien für "besondere" Ausgaben. Das hängt damit zusammen, dass es mir wie gesagt nicht nur ums Sparen geht, sondern auch um das Wissen, was ich kaufe. Also habe ich zB eine Extra-Kategorie für Klamotten, weil ich da besonders drauf achten will, wie viel ich kaufe. Auf der anderen Seite habe ich Extra-Kategorien für "nicht-materielle" Sachen, weil ich bei diesen Sachen nicht so das Gefühl habe "zu konsumieren", da sie nicht hergestellt werden (also, doch, manchmal schon, aber, ach, schwer zu erklären). Die sollen also nicht bei den täglichen Ausgaben stehen, weil sie mir nicht so ins "Gewissens-Gewicht" fallen. Hierzu gehören Tickets für öffentliche Verkehrsmittel, Briefmarken, Eintrittsgelder.
Zwei Sachen in den täglichen Ausgaben markiere ich rot - Fleisch und Alkohol.
Das ist meine Methode, vielleicht bin ich da etwas speziell, auf jeden Fall ist es eben auf das angepasst, auf was ich achten will ;)
Ich schreibe sogar meistens jeden Tag auf, meistens habe ich 1-3 Kassenbons pro Tag, und abends sitze ich eh vorm Laptop, hole die aus dem Portemonnaie, und dann dauert das höchstens 2 Minuten.
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Re: "Probleme der Gesellschaft"

Beitragvon patrick37 » 24.08.2015, 21:44

Orava hat geschrieben:Wow, du lebst irgendwie in einer anderen Welt als ich.

In welcher Hinsicht den^^?


@ milky: Ich mache es mit einer Excel Datei, kann dir bei Interesse die Vorlage mal zusenden. (verschiedene Kategorien und Diagramm das es Prozentual darstellt.)

@Scylla: Das ist aber nicht das Problem der Reichen an sich sondern (aus meiner Sicht) ein Problem des Kapitalismus wo jedes Geschäft jedes Jahr mehr verdienen muss. Etwas das nicht ewig aufgehen kann und man deshalb zu drastischen Massnahmen greifen muss um die Aktionäre zufriedenzustellen.

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Re: "Probleme der Gesellschaft"

Beitragvon Dutchess » 24.08.2015, 22:17

---Sorry, ich schweife ziemlich ab, außerdem leide ich persönlich nicht unter den genannten Missständen.---


Das Konsumverhalten von Menschen kann man relativ gut steuern. Gesetze können gesellschaftlich unerwünschte Güter verbieten und Steuern oder Subventionen machen einen Kauf mehr oder weniger attraktiv.

"Die Wirtschaft" (was auch immer das sein soll) agiert einfach in dem ihr gegebenen gesetzlichen und gesellschaftlichen Rahmen, und richtet sich danach aus, wo sie den größten Profit vermutet. Primark hat eben festgestellt, dass Klamotten anderswo teurer sind und durch sehr günstige Preise eine Vielzahl von Konsumenten angelockt werden, deren Einkäufe offenbar genügen, um dem Unternehmen den größten Profit, den es sich vorstellen kann, zu erzielen.

Wenn sich jetzt 80% der Deutschen gegen solche Geschäfte stellen, dürfte der Käufermarkt aus 20% für Primark immernoch groß genug sein. Darum sehe ich nicht wirklich, wie Druck durch Konsumenten dem Ganzen ein Ende bereiten könnte. Dem müssen schon Gesetze folgen, oder deutliche Profiteinbrüche durch die bewusste Meidung eines einzelnen Unternehmens, was durch mediale Aufmerksamkeit erzielt werden kann. Dies ist allerdings häufig nicht von Dauer.

Ich finde es schon einen großen Fortschritt, dass solche Themen in den gängigen Medien und im Schulunterricht behandelt werden, also so ziemlich der Mehrheit der Bevölkerung die Problematik bekannt ist.

Solche Aussagen wie "nur 13% der Bevölkerung sind bereit, 33% höhere Preise für nachhaltig produzierte Waren zu bezahlen" mag ich nicht. Natürlich kann so ein Ergebnis aus einer Umfrage oder einem Experiment entstehen und inhaltlich korrekt sein. Jedoch finde ich es wichtig dass jedem klar ist, dass viele Menschen (meiner Meinung nach ein Großteil) einfach finanziell dazu nicht in der Lage sind. Und wenn man dann noch sowas wie die Bedürfnispyramide mit einbezieht, kurz gesagt, Prioritäten setzt, dann stehen eben solche Punkte meistens nicht an erster Stelle.
Für die Party braucht man ein neues Outfit. Nicht, "darum", sondern weil die anderen das auch machen, weil man dem Typen gefallen will, weil das Motto speziell ist, weil man einen Ruf zu verlieren hat, usw. Für "die Arbeit" muss man sich sowieso komplett neu einkleiden, weil es da ja einen gewissen Dresscode einzuhalten gilt. Und wenn man dann zu- oder abnimmt, etwas verschmutzt oder etwas auch kaputt geht, dann stehen wieder Neuanschaffungen an. Nicht weil das die Natur so als notwendig vorschreibt ("kauf oder stirb!"), sondern weil der Mensch ein soziales Wesen ist und sich daher für den Eindruck, den er hinterlässt, interessiert. Wie groß der Einfluss der Kleidung darauf eingeschätzt wird ist individuell verschieden und hängt sicherlich mit dem Umfeld, vermutlich auch mit der Erziehung zusammen, außerdem natürlich mit der Verfügbarkeit von (günstiger) Kleidung.

Ich beschäftige mich nicht intensiv mit den hier angesprochenen Themen, finde sie eher aus einer beobachtenden Perspektive interessant. Mein Gewissen kann gut damit leben, die Umstände jeweils logisch nachvollziehen zu können, und sich Ansätze zu überlegen, wo eventuell das "Grundproblem" liegen könnte.
Und das liegt nicht im Verhalten der Konsumenten. Aus dem einfachen Grund, dass das Verhalten von Menschen pauschal relativ leicht vorhersehbar ist (nämlich egoistisch und kurzsichtig), und ich darum jede andere Erwartungshaltung für pauschal sinnlos halte.

Ich finde zB weinende Mitarbeiter in X (und wenn das bei mir um die Ecke ist) in einem großen Konzern keinen Grund, meine Kaufaktivitäten dort zu überdenken. Sowas kann in jedem Unternehmen passieren und kann an vielen Gründen liegen - zB an einer für die betroffenen Personen unpassenden Firmenkultur, oder einem ungeeigneten Chef, oder einer fehlerhaften Ressourcenplanung, oder einer nicht ausbalancierten Verteilung von Aufgaben und Anforderungen.
Bei einem kleineren Unternehmen wäre ich da kritischer, weil dort der Chef tatsächlich direkten Einfluss auf einzelne Mitarbeiter ausüben kann.

Auch den Punkt "unfaire Bezahlung" sehe ich etwas differenziert. Unfair, im Sinne von "zu wenig um sich als Mitmensch damit wohlzufühlen" finde ich eine Entlohnung oder generell Arbeitsbedingungen, die den Angestellten ihre Menschenwürde versagen und/oder gegen die Menschenrechte verstoßen. Wer also von einer Vollzeitstelle nicht leben kann (einfaches essen und schlafen, insofern damit keine Gefahr für die Gesundheit verbunden ist), der ist unfair bezahlt. Das trifft also auf dauerhaft in Deutschland lebende und in Vollzeit arbeitende Menschen selten zu, da man im Zweifel mit Hartz IV aufgestockt wird.
Problematisch ist es natürlich dort, wo es keine oder nur eine unzureichende soziale Sicherung gibt, und dadurch jeder Job besser ist als keiner.
Auch halte ich jede Umweltverschmutzung für untragbar, da sie Menschen und den Organismen, auf die wir nunmal angewiesen sind (Pflanzen, Tiere), Schaden zufügt. Darum kann ich dieses schlechte Gewissen ein bisschen nachvollziehen, ich empfinde das immer, wenn ich bei jemandem im Auto mit fahre. Und wenn ich Fleisch esse, dass nicht super gut schmeckt, und ich mir denke, wie kann ich einen Geschmack kritisieren, wenn der einzige Grund für das Leben dieses Tieres darin bestand, mir diesen Geschmack zu bescheren.

Irgendwo hieß es doch letztens mal, konservative/rechte Wähler wären zufriedener mit ihrem Leben. Da jeder den "Sinn" seines Lebens sowie die Art selber bestimmt, gibt es keine allgemeingültige Aussage, was besser ist - "ignorante" Zufriedenheit, oder eine ständige Unzufriedenheit mit der aktuellen Situation wegen (für einen selbst) wichtigen Gründen.

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Re: "Probleme der Gesellschaft"

Beitragvon milky » 24.08.2015, 22:51

Ich glaube, ich bleibe lieber bei den handschriftlichen Listen, und wechsel nicht auf Word und Excel, weil ich 2 verschiedene Computer habe und auch regelmässig von zu Hause zu meiner WG pendle und so ein mini Handbuch einfach praktisch in die Tasche passt. Aber Danke für eure Tipps.

Und nein, ich habe keinen Laptop :D

Nun, Dutchess Beitrag ist sehr differenziert und auch sehr "wirtschaftlich/ökonomisch/logisch" geschrieben. Ich kann aber nirgends deine Meinung teilen.

Für die Party braucht man ein neues Outfit. Nicht, "darum", sondern weil die anderen das auch machen, weil man dem Typen gefallen will, weil das Motto speziell ist, weil man einen Ruf zu verlieren hat, usw. Für "die Arbeit" muss man sich sowieso komplett neu einkleiden, weil es da ja einen gewissen Dresscode einzuhalten gilt. Und wenn man dann zu- oder abnimmt, etwas verschmutzt oder etwas auch kaputt geht, dann stehen wieder Neuanschaffungen an. Nicht weil das die Natur so als notwendig vorschreibt ("kauf oder stirb!"), sondern weil der Mensch ein soziales Wesen ist und sich daher für den Eindruck, den er hinterlässt, interessiert. Wie groß der Einfluss der Kleidung darauf eingeschätzt wird ist individuell verschieden und hängt sicherlich mit dem Umfeld, vermutlich auch mit der Erziehung zusammen, außerdem natürlich mit der Verfügbarkeit von (günstiger) Kleidung.


Man muss doch nicht gleich neu kaufen? Man kann auch ausleihen von Freundinnen oder Schwester oder was weiss ich und Party machen, da habe ich auch meine 2-3 Kleider/Outfits, die ich immer anziehe und das passt dann auch. Solange sie sauber sind/gut riechen/keine Flecken oder Löcher aufweisen schäme ich mich nicht und mein Ruf wird auch nicht geschädigt.
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Re: "Probleme der Gesellschaft"

Beitragvon patrick37 » 25.08.2015, 10:09

Dutchess hat geschrieben:
Irgendwo hieß es doch letztens mal, konservative/rechte Wähler wären zufriedener mit ihrem Leben. Da jeder den "Sinn" seines Lebens sowie die Art selber bestimmt, gibt es keine allgemeingültige Aussage, was besser ist - "ignorante" Zufriedenheit, oder eine ständige Unzufriedenheit mit der aktuellen Situation wegen (für einen selbst) wichtigen Gründen.


Die Rechten sind mit ihrem Leben zufrieden aber das bleibt nur solange so, wie sie auf irgendwen schimpfen können und so ihre echten Probleme verdrängen können. Die Linken haben es sich zur Aufgaben gemacht etwas zu ändern und haben daher einen Sinn in ihrem Leben.

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Re: "Probleme der Gesellschaft"

Beitragvon Orava » 25.08.2015, 12:11

Das ist jetzt aus deiner Sicht so, Patrick. Du bist vielleicht der Meinung, dass ein Rechter seine "echten Probleme" verdrängt, weil du findest, dass seine Armut/seine Arbeitslosigkeit oder sonstwas "echte Probleme" sind, und er sich deiner Meinung nach mit *diesen* Probleme auseinandersetzen müsste. Aber so funktioniert sowas nicht, das ist viel subjektiver. "Linke haben Ziele im Leben" ist auch eine seltsame Aussage. Rechte haben auch Ziele im Leben, nämlich die, die ihren Vorstellungen entsprechen. Abgesehen davon bezweifle ich, dass der Großteil der gewaltbereiten Linken weiter in die Zukunft denkt als "hähä, ich mach mal dieses Auto kaputt, Feuer, bumm, dann renn ich weg und hab was kaputt gemacht." Gewalt und Zerstörung sind immer falsch. Ich glaube eigentlich, dass Leute, die konstruktiv etwas ändern und für alle verbessern möchten, nicht in links/rechts-Schubladen gesteckt werden können und sollten. Sprich wenn du sagst "Ein Linker will was verändern", dann zweifel ich die Aussage fast intuitiv an, nur weil du die Person gerade nur als "Linken" bezeichnet hast. Verstehst du, was ich sagen will?

Die Meinung, dass Philosophen unglücklichere Menschen sind, besteht doch schon seit tausenden von Jahren ;) Also ich glaube auch, dass da was dran ist :-?


Edit: Ich schreib doch nochmal was zu Dutchess' Beitrag. Gerade zu dem Abschnitt, den auch milky zitiert hat. Den finde ich sehr toll geschrieben, in allen Punkten. Ich stimme dir total zu mit der Aussage, dass viele Leute die soundsoviel % mehr einfach nicht bezahlen KÖNNEN. Ich weiß auch von mir selbst, dass Qualität bei Kleidung und gerade Essen eigentlich gar nicht so weit unten stehen auf meiner Prioritäten-Liste. Ich weiß aus Erfahrung, dass wenn ich mal mal mehr Geld habe als für mich normal, sich das fast als erstes darauf auswirkt, wie oft ich in Bioläden gehe :D

Auch die Stelle die milky zitiert hat, finde ich gut. Milky, Dutchess hat ja jetzt so wie ich es verstanden habe auch nicht gesagt, dass sie persönlich es so macht. Ich sehe es auch so wie du, ich muss mir nicht für eine Party neue Klamotten kaufen um meinen Freunden zu gefallen. Solche Freunde, bei denen man das machen müsste, habe und brauche ich garnicht. Aber ich denke schon, dass das jetzt nicht irgendwie aus der Luft gegriffen ist, sondern dass das durchaus Gang und Gäbe ist, so zu denken - und zu kaufen. Auch bei Leuten auf ganz normalen finanziellen Verhältnissen.

Und wenn ich mal so in die Medien schaue, wo ernsthaft Artikel darüber geschrieben werden, dass irgendein Star ein Kleid mehrmals anhatte - dann wundert man sich ja auch nicht darüber... Ich würde ja eher Artikel darüber schreiben, wenn ein Star nie irgendetwas mehrmals anzieht - als Negativbeispiel :roll:
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Re: "Probleme der Gesellschaft"

Beitragvon June » 21.01.2016, 17:16

patrick37 hat geschrieben:
Die Rechten sind mit ihrem Leben zufrieden aber das bleibt nur solange so, wie sie auf irgendwen schimpfen können und so ihre echten Probleme verdrängen können. Die Linken haben es sich zur Aufgaben gemacht etwas zu ändern und haben daher einen Sinn in ihrem Leben.


Ich kann mich da Orava nur anschließen. Mich nervt dieses Schwarz-Weiß-Denken und Gelaber von "Gutmenschen" langsam so ab - sorry für die Ausdrucksweise. Ob die Autonomen mit Krawallen was verändern, wage ich auch mal zu bezweifeln. Und dass es für den Rechtsruck in Europa durchaus viele Faktoren gibt und nicht nur Unzufriedenheit, will doch wohl auch keiner bezweifeln, oder?

Ich fahre jetzt auch für 2 Wochen wieder nach Budapest und weiß schon gar nicht mehr wie ich mich denen gegenüber verhalten soll, weil die Ungarn gerade in der Flüchtlingsfrage so radikal sind. Ich fühl mich da manchmal fast schon schlecht, in Deutschland geboren zu sein, wenn die mit ihrem Anti-Merkel und "zum Glück sind hier die Grenzen dicht" Gerede anfangen... Würdet ihr da was sagen?

Will mirs ja auch nicht mit denen verderben, die sind sonst total höflich und nett. Ich glaube auch nicht, dass sie das persönlich meinen, aber normalerweise lasse ich sowas nicht einfach so stehen :(
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Re: "Probleme der Gesellschaft"

Beitragvon Gast » 21.01.2016, 17:51

June hat geschrieben:Ich fahre jetzt auch für 2 Wochen wieder nach Budapest und weiß schon gar nicht mehr wie ich mich denen gegenüber verhalten soll, weil die Ungarn gerade in der Flüchtlingsfrage so radikal sind. Ich fühl mich da manchmal fast schon schlecht, in Deutschland geboren zu sein, wenn die mit ihrem Anti-Merkel und "zum Glück sind hier die Grenzen dicht" Gerede anfangen... Würdet ihr da was sagen?

Mir gings im Sommer ähnlich als ich drüben war. Mich schlecht hab ich mich nie gefühlt, weil ich aus Deutschland komme, habe mich eher geschämt, dass die Ungaren so denken wie sie denken. Zumindest viele von ihnen.
Aber ich konnte sie nach vielen Gesprächen auch besser verstehen, die Situation in Ungarn ist einfach eine andere. In der Geschichte kam immer Unheil über das Land, als Fremde ins Land gekommen sind, da sind Ungarn einfach "vorgeschädigt". Dazu kommt, dass die Situation mit Sinti und Roma bereits schwierig ist in Ungarn, und Sinti und Roma sind seit Jahrzehnten im Land. Sozialzahlungen sind ausgeblieben, weil die Regierung das Geld für Flüchtlinge benutzt hat. Ganze Straßen waren voll von Flüchtlingen und manche Budapester sind nicht nach Hause gekommen weil die Straßen voll waren. Orban macht extreme anti-Flüchtlings Politik. Am Keleti pu. waren wochenlang Flüchtlinge festgesetzt, extra, damit alle Ungarn sehen wie nutzlos diese Menschen sind und wie schnell sie die wieder los werden müssen.
Nur als ein paar Gedanken. Ich will nicht sagen, dass das alles Rechtfertigungen sind, aber es gibt einen Einblick, warum Ungarn oft so denken. Gesagt hab ich oft nicht viel, weil die meisten Ungarn auch nicht drüber diskutieren wollen, und die "deutsche" Sichtweise auch nicht wirklich nachvollziehen können. Oft war mein Ungarisch nicht gut genug um mich auszudrücken, oftmals hätte eine ausführliche Diskussion auch zu keinem Ergebnis geführt. Dass ich allerdings nicht übereinstimme habe ich aber der öfteren zum Ausdruck gebracht.

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Re: "Probleme der Gesellschaft"

Beitragvon June » 25.01.2016, 16:11

Ja das ist wohl leider so, aber ich denke jedes Land hat da ja seine Vorgeschichte.

Vielleicht habe ich es auch noch extremer empfunden, weil ich den Sommer vorher in Griechenland war und meine Staatsangehörigkeit (für die ich weder etwas kann noch stolz darauf bin) auch schon ähnlichen Diskussionen/Vorwürfen ausgesetzt war. Schweigen oder nur subtil darauf hinzuweisen, dass man anderer Meinung ist, wäre für mich an der Stelle einfach zu wenig - auch wenn ich weiß, dass es meistens nichts bringt...
Ich verstehe einfach nicht, wie man alle Menschen einer Nation über einen Kamm scheren kann. Ich gehe ja umgekehrt auch nicht hin und erzähle jedem Ungarn erstmal, wie dumm und unempathisch er ist, nur weil ich Orban für einen Rechtspopulisten halte?
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Re: "Probleme der Gesellschaft"

Beitragvon scharrer » 10.02.2016, 15:21

ich denke jedes Land hat da ja seine Vorgeschichte.


Das ist wirklich der Kern der Sache. Jedes Land hat einen Blutigen Hintergrund, und jedes Volk lebt auf Boden wo vorher mal andere gelebt haben. Ich finde es daher nicht sinnvoll diese Streitereien über mehrere Generationen weiter zu tragen.


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