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Susi verbrachte das Schuljahr 2002/2003 in Maumelle, Arkansas, USA. Der erste Teil dieses Berichts von Susi stammt vom 20.01.2003.

Nun sind schon fast sechs Monate vergangen, seit Marion und ich, vom Frankfurter Flughafen in Richtung Amerika verabschiedet wurden. Wir haben unser Austauschjahr schon fast hinter uns gebracht. Wie schnell doch die Zeit vergeht. Seit dem wir Deutschland verlassen haben, ist viel passiert:

Familie

Zusammen mit meiner Gastfamilie, die aus James, Teresa und Brittany Holland und deren zwei Hunden Flurry und Allie besteht, wohne ich in Maumelle. Maumelle hat etwa 10.000 Einwohner und befindet sich etwa acht Meilen nördlich von Little Rock, der Haupstadt Arkansas'.

Schule

Meine Schule ist die Oak Grove Junior & Senior High School in North Little Rock. Oak Grove ist, im Gegensatz zu den anderen Schulen in der Umgebung, eine sehr kleine Schule mit etwa 900 Schülern. Verglichen mit einer deutschen Schule, sind amerikanische Schulen strenger, das wurde mir besonders am ersten Tag bewusst, als mir zwei Bücher mit Schulregeln gegeben wurden. Man muss bestimmte Kleidung tragen nicht zu knapp und nicht zu kurz, keine Mützen ...ausserdem wurde beschrieben, wie man sich in der Cafeteria verhalten muss und wie im Unterricht und, und, und... Die Schule beginnt um 8:30 und endet um 15:45. Es gibt A und B-Days ( diese Tage wechseln sich immer ab, auf einen A-Day folgt ein B-Day) an denen jeweils vier verschiedene Fächer in vier Perioden pro Tag unterrichtet werden. Mein Stundenplan sieht folgendermaßen aus:

A-Day

1st Period : Pre-Calculus
2nd Period: English III
3rd Period: Sociology
4th Period: Athletics/ Basketball

B-Day

5th Period: Study Hall
6th Period: Physics
7th Period: American History
8th Period: Athletics/Basketball

Ein anderer Unterschied zu deutschen Schulen ist, dass nicht der Lehrer den Schülern kommt, sondern die Schüler zum Lehrer gehen. Feste Klassengemeinschaften gibt es hier nicht. Ich mag die Schule und ich denke, ich habe mich schon recht gut eingelebt. Anfangs wurde ich etwas wie jemand von einem anderen Stern behandelt und mir wurden viele Fragen gestellt. Da aber neben mir noch drei andere Austauschschüler (eine Deutsche, ein Ukrainer und ein Kolumbianer) die Schule besuchen hat sich das etwas verteilt. Es ist anders als in Deutschland, aber ich bin ja hier, um etwas anderes zu erleben. Ich freue mich jeden Tag auf’s neue auf das Basketballtraining. Aber auch die anderen Fächer machen mir sehr viel Spaß. Ausserdem bin ich in der Fussballmannschaft der Schule, wir trainieren immer nach der Schule von vier bis sechs. Auch, wenn der Sport eine Menge Zeit beansprucht, es ist immer eine grosse Freude mit den Teammitgliedern zusammen zu sein und dafuer lohnt sich der Stress. Der ganze Stress ist aber spätestens dann vergessen, wenn man von anderen Schuelern bei Spielen angefeuert wird, denn der Schulspirit hier ist etwas ganz besonders. Etwas vorauf ich mich besonders freue ist Graduation, der amerikanische Schulabschluss, was Ende Mai stattfinden wird.

Freizeit

Da ich bis drei Uhr in der Schule bin, bleibt mir während der Woche nicht sehr viel Freizeit. Nach der Schule mache ich erst alle meine Hausaufgaben, wenn ich denn welche bekomme, dann gehe ich meistens duschen, esse zu Abend und gucke ein wenig Fernsehen und dann ist der Tag schon vorrüber. Am Wochende unternehmen wir in der Regel etwas oder spannen aus.So habe ich schon einen großen Wasserpark mit riesigen Rutschen und Wellenbad und, und, und besucht und mit einer Freundin aus der Schule war ich in einem kleinen Freizeitpark mit Achterbahnen, usw. nicht weit von hier. Am Layborday, einem Feiertag, sind wir zu einer Grotte gefahren, um sie zu besichtigen. Außerdem kann man in Little Rock ins Kino oder in den großen Malls mit Freunden sehr gut einkaufen gehen. Wir haben auch schon Abende am Wochenende an einem See verbracht und Hamburger gegrillt. Oder meine Gastfamilie und ich gehen einfach zu Freunden oder die Freunde kommen zu uns und wir verbringen den Abend mit Gesellschaftsspielen Fernsehen.Oder ich unternehme etwas mit Freunden. An einem Wochenende, etwa alle zwei Monate, treffen sich alle Austauschschüler von meiner Austauschorganisation, die in der gegend von Little Rock plaziert sind und wir tauschen unsere Erfahrungen aus grillen oder kochen zusammen und unternehmen verschiedene Dinge. Das Truhthahnessen an Thanksgiving und das damit verbundene Treffen mit der Austauschfamilie meines Bruders aus Texas, war besonders aufregend fuer mich. Vor Weihnachten bin ich mit meiner Familie in ein neues Haus gezogen und da ich noch nie umgezogen bin, war das ein besonderes Erlebnis fuer mich. Mein erstes amerikanisches Weihnachten ist im grossen und ganzen aehnlich zu dem, was ich aus Deutschland kenne. Der einzige Unterschied war, dass wir die Geschenke erst am Morgen des 25. geoeffnet haben und dass die Amis mit Weihnachtsbeleuchtungen etwas wilder waren als in Deutschland. Nach Weihnachten bin ich mit meiner Gastfamilie zum Skifahren nach Winterpark/ Colorado. Es machte echt Spass Ski zu fahren, was mich nur etwas gestoert hat war, dass wir zwei Tage gebraucht haben, um nach Colorado zu kommen, dann sind wir drei Tage dort geblieben und wieder zwei Tage zurueckgefahren. Ich habe nun alle moeglichen verschiedenen Landschaften gesehen da wir durch Oklahoma, Kansas, Colorado, New Mexiko und Texas gefahren sind.

Kirche

Die Amerikaner sind in der Regel sehr, sehr gläubig und besuchen mindestens jeden Sonntag die Kirche. Ich besuche Mittwochs abends und Sonntag morgens und abends die Kirche, da meine Familie sehr gläubig ist. Mittwochs abends und Sonntags morgens (sundayschool) vor der Kirche sind Stunden in denen Jugendliche gemeinsam über die Bibel reden. Sonntags nach der Sundayschool kommt der eigentliche Gottesdienst. Wenn die Gemeinde singt erinnert mich das sehr an Karaoke, denn vorne in der Kirche befindet sich ein riesiger Bildschirm, an dem die Liedtexte angezeigt werden. Sonntags abends ist eigentlich auch noch mal Gottesdienst, da nehme ich aber nie teil, sondern passe auf kleine Kinder auf, die nicht mit ihren Eltern in der Kirche sind, das ist etwas spannender als ein Gottesdienst.

Heimweh

Natürlich vermisse ich meine Familie und Freunde in Deutschland, aber bisher kann ich stolz behaupten, dass mich das Heimweh noch nicht befallen hat. Die Trennung ist ja nur für eine bestimmte Zeit, wenn ich hier weg gehe, wird es bestimmt nicht leicht, da ich ja nicht weiss, ob ich wieder komme und ob ich meine neuen Freunde jemals wieder sehe. Ich bin meinen Eltern echt so dankbar, dass sie das Austauschjahr für mich ermöglicht haben, was ich hier alles erlebe, kann mir keiner nehmen.

Hier nun der zweite und letzte Teil von Susis Erlebnissen.

Prom

Anfang April fand dann der Prom meiner Schule statt. Schon am frühen Samstag morgen gingen die Vorbereitungen für den Abend los. Morgens schon einen Friseurtermin, damit die Haare auch ja schön vornehm und elegant aussahen. Darauf folgten Make-Up, Maniküre und an nichts durfte es mangeln. Gegen fünf Uhr wurde dann mein Date für den Abend abgeholt. Luis aus Kolumbien, war auch Austauschschüler an meiner Schule und dann wurden erst einmal Fotos von uns beiden gemacht. Später sind wir in eines der vornehmsten Restaurants Little Rocks gegangen und haben uns dort mit vielen Freunden, die hauptsächlich auch Fußballer waren, getroffen. Nachdem wir gut und teuer gegessen hatten, ging es dann los zum großen Saal mitten in Downtown Little Rock, wo unsere Schule einen Saal für die Veranstaltung gemietet hatte. Vor Beginn des Proms fand der Seniorwalk statt, bei dem alle Seniors und ihre Dates auf einem roten Teppich an allen anderen vorbei maschieren mussten. Kurz darauf wurde der Prom mit dem Lied "A moment like this" eingeleitet und der Spaß begann. Gegen Zwölf Uhr war dann im Saal tote Hose und die meisten hatten sich schon auf den Weg zu irgendwelchen Hotelparties gemacht, dort wurde dann bis in die frühen Morgenstunden gefeiert. Alles in allem war der Prom schon ein schönes und lustiges Erlebnis, dennoch war er für mich nicht unbedingt nötig, denn ich persönlich fühle mich in Turnschuhen und Trainingsanzug wohler als in Dress und Stöckelschuhen.

Graduation

Ende Mai war Graduation und auch ich sollte die Ehre haben bei der Zeremonie teilnehmen zu dürfen, auch wenn ich kein Diploma bekommen sollte. Graduation fand an einem Samstag morgen statt und schon Wochen im voraus redete man in der Schule nur von diesem Ereignis und von Tag zu Tag wuchs die Spannung. Am Mittwoch vor Graduation kam dann für viele der Seniors der Oak Grove High eine Schocknachricht, denn bei einer unter uns Katherine, auch eine gute Freundin von mir, wurde Leukämie diagnostiziert und gleich am selben Tag mit der Chemo begonnen und bis dort hin war noch nicht sicher, wie es ausgehen und ob sie an der Zeremonie teilnehmen hätte können. Am Freitag gaben die Ärzte ihr okay und Katherine dürfte mit uns laufen. Dennoch musste sie einen Mundschutz tragen. Aus Solidarität beschloss dann auch dir ganze Abschlussklasse einen Mundschutz zu tragen und so wusste auch Katherine, dass wir alle sie egal was auch passiert unterstützen. Aber nun zur Zeremonie. Sie fand in einer großen Allzweckarena statt. Also machte ich mich schon am frühen Samstag morgen mit Meagan im grünen Cap & Gown auf den Weg zur Arena. Dort wurden wir von unserer Englischlehrerin begrüßt, die total hektisch durch die Gegend rannte und nachsah, ob auch ja alle da waren. Pünktlich um elf Uhr dreißig marschierten wir mit Musik nacheinander in die Arena und dort wurde uns nach einigen Reden endlich unser wohlverdientes Diploma ausgeteilt. Nach einer weiteren Rede dürften wir uns dann von unseren Plätzen erheben und unsere Caps werfen und endlich waren wir dann keine Schüler mehr. Viele weinten und auch für mich hieß es nicht nur Abschied von meiner Schule zu nehmen, sondern auch von vielen Freunden mit denen ich mich die letzten Monate herumgeschlagen hatte. Es hieß Abschied nehmen von all denen, die ich kennen und mögen gelernt hatte...mit denen ich lustige und auch unlustige Zeiten hatte....Nach der Zeremonie bin ich mit meiner Gastfamilie und all den Verwandten und Bekannten, die mich Graduieren sehen wollte essen gegangen und danach zu einer Graduation Pool Partie bei einer meiner Fußballfreunde gegangen und am Abend dieses Tages wurde mir klar, dass meine Tage gezählt waren und mir keine zwei Wochen mehr blieben...

Die letzten zehn Tage...

Gleich am Sonntag nach Graduation, nachdem wir aus der Kirche kamen, machten sich meine Gasteltern und ich noch auf den Weg nach Branson/MO, damit ich dort noch einmal in Outletmalls shoppen gehen konnte. Wir blieben dort bis Mittwoch und als wir wieder zurück in Arkansas waren hatte ich keine Woche mehr, um alles was sich so in zehn Monaten angestaut hatte in zwei Köfferchen zu packen...
Diese Aufgabe raubte mir eine Menge Zeit und dazu kamen dann noch etliche Verabredungen mit Freunden, die noch ein letztes Mal mit mir auf Achse gehen wollten. Ich glaube ich bekam nur ganz wenig Schlaf, aber auch wenn ich oft dachte, dass mir die Augen gleich zu fallen, war es das Zusammensein mit meinen Freunden auf jeden Fall wert. Die Vorfreude auf zu Hause wuchs mit der Zeit mehr und mehr und überschattete auch bald die Trauer, die ich mit dem Weggang verband. Am Dienstag morgen, dem 10. Juni, ganz früh ging es dann los und ich sollte alles, was ich in den letzten zehn Monaten lieb gewonnen hatte zurücklassen. Bye Amerika und danke für alles...

Wieder zu Hause...

Mittwoch morgens irgendwann ganz früh bin ich dann endlich in Frankfurt gelandet und hatte endlich wieder meine Familie, meine Zwillingsschwester und meine Handballmannschaft, die mich am Flughafen natürlich mit offenen Armen empfingen. Ich versuchte mich den ganzen Tag irgendwie wach zuhalten und hatte das Gefühl Bäume auszureißen, doch irgendwann um fünf Uhr abends fiel ich in einen Tiefschlaf aus dem ich erst am nächsten Morgen aufwachen sollte. Die anfänglichen Sprachprobleme legten sich nach eins, zwei Tagen und ich war wieder vollständig zu Hause und besuchte bald darauf zum ersten mal meine neue Schule und wählte meine Leistungskurse für das Abitur und hatte dann doch eine Menge zu tun. Der ganze Stress hielt mich vom Fernweh fern...nach Amerika muss ich auch erst mal so schnell nicht wieder...Es ist schön an einem Sonntag morgen ausschlafen zu können und nicht in die Kirche zu gehen... und mal wieder Handball zu spielen...mal wieder ein oder zwei Bierchen legal zu trinken und sagen zu können was man möchte...Amerika war eine tolle Zeit, die ich auf keinen Fall missen möchte, dennoch ist es zu Hause irgendwie doch immer noch am Schönsten.