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Hallo!

Ich bin die Suli und bin mittlerweile 18 Jahre alt und gehe in die 13. Klasse. Ich habe die 11. Klasse an einer High School in New Mexiko, USA verbracht. Dementsprechend begannen meine Vorbereitungen bereits vor über 3 Jahren. Trotzdem habe ich mich jetzt noch dazu entschlossen meine Erfahrungen mit euch zu teilen

Die Idee

Ich war schon immer relativ unabhängig und bin schon als Kind gerne gereist, sehr früh auch schon alleine. Das erste Mal habe ich im Alter von 9 oder 10 Jahren den Wunsch gehegt, ein Jahr im Ausland zu verbringen. Anlass dafür war meine älteste Schwester, die 2000 aus ihrem Auslandsjahr in den USA zurückkehrte und viel und begeistert erzählte. Nun gut, wie das als Kind so ist, Wünsche hat man, Wünsche vergehen. So löste sich dann auch dieser Traum schnell in Luft auf und wurde erst ein paar Jahre später wieder aktuell, genauer gesagt im Juni 2005. Ich hatte vorher schon vermehrt darüber nachgedacht einen solchen Schritt zu gehen, war allerdings immer von Zweifeln geplagt und hab die Idee jedes mal wieder verworfen... 1. waren meine Noten ja viel zu schlecht und 2. grauste es mir vor dem Gedanken ein Jahr lang von meinen Freunden getrennt zu sein. Dies änderte sich jedoch an einem Wochenende im Juni, an dem meine Schwester zu Besuch war und das Thema ansprach. Irgendwie kam die Begeisterung dann doch wieder auf und nach stundenlangen Erzählungen meiner Schwester und tausenden von Fotos die wir uns anschauten, stand mein Wunsch für mich fest. Meine Eltern von meinem Vorhaben zu überzeugen dauerte schließlich nicht lange. Meine Schwester hatte ja schon ganze Arbeit geleistet und so sollte auch für mich dieser Wunsch in Erfüllung gehen. Das Finanzielle konnten wir aufgrund einer Erbschaft glücklicherweise auch regeln. Letztendlich mussten wir aufgrund eines Teilstipendiums statt 6300 „nur noch“ 5000 zahlen, aber auch das ist ein Haufen Geld.
Von den USA war ich zu diesem Zeitpunkt noch nicht sehr begeistert, eigentlich wäre ich viel lieber nach Australien oder Neuseeland gegangen. Dies wäre jedoch noch teurer gewesen, ganz abgesehen von der Tatsache dass die Auswahlkriterien für diese Länder um einiges strenger sind.

Die Vorbereitungen

Nachdem mein Plan also fest stand, begann ich im Internet nach geeigneten Organisationen zu suchen. Eine der ersten auf die ich stieß war die, mit der meine Schwester gegangen war – Youth for Understanding, kurz YFU. Meine Schwester hatte gute Erfahrungen gemacht und so bewarb auch ich mich dort. Zusätzlich bewarb ich mich bei einer weiteren Organisation, bei der ich ebenfalls angenommen wurde. Da YFU mich jedoch mehr überzeugte, stand mit meiner Zusage für mich fest, ich würde mit YFU ein Jahr in die USA gehen. Mit den ersten Bewerbungsunterlagen fing eine aufregende Zeit für mich an. Zunächst folgten Vorstellungsgespräche, später dann allerlei Organisatorisches. Die seitenlangen Platzierungsunterlagen, die der Organisation helfen sollten eine geeignete Familie für mich zu finden, füllte ich mit der Hilfe meiner Schwester aus, die das ganze schließlich schon ein mal durchgemacht hatte und außerdem logischerweise um einiges besser Englisch sprach als ich.
Je näher mein Auslandsjahr dann rückte, umso mehr gab es zu tun. Zig Arztbesuche und Impfungen, Visum beantragen und abholen und und und.... All das wäre mir wahrscheinlich tierisch auf den Keks gegangen, hätte ich nicht gewusst wofür ich das alles mache.
Meine schulischen Leistungen konnte ich glücklicherweise schon im ersten Halbjahr der 10. Klasse soweit verbessern, das bereits dann fest stand, ich müsste die 11. Klasse nach meinem Auslandsaufenthalt nicht wiederholen. Ich konnte mich nun also komplett meiner Vorfreude widmen.
Die wurde bereits im März völlig unerwartet um einiges gesteigert. Normalerweise erfährt man frühestens im Mai wohin es gehen soll und wer die zukünftige Gastfamilie ist. Mit mir meinte es das Schicksal wohl gut. Jedenfalls erhielt ich bereits im März einen Anruf der Organisation, mit der Frage, ob für mich ein „Double-Placement“ infrage kommen würde. Meine Gastfamilie sollte in New Mexiko wohnen und es sollte außerdem ein finnischer Austauschschüler in die Familie kommen. Für mich überhaupt kein Problem, im Gegenteil, ich freute mich sehr darauf, wieder sowas wie einen Bruder zu haben, da meine Geschwister alle bereits ausgezogen waren. Ich sagte also zu.
Kurz darauf warf ich einen Blick auf eine amerikanische Landkarte und mich traf der Schock. Worauf hatte ich mich da eingelassen!!! Betrachtet man New Mexiko auf der Karte, so ist da hauptsächlich NICHTS zu sehen. Ich wusste ja noch nicht in welche Ortschaft ich kommen sollte, rechnete also vorerst mit dem Schlimmsten. Ich komme vom Dorf und wollte es unbedingt vermeiden auch in Amerika auf dem Dorf zu wohnen, wenn nicht gar auf einer abgelegenen Farm mitten im Nichts. Mit einem Blick auf die Karte schien dies schier unmöglich...
Einige Tage später dann erfuhr ich schließlich ich sollte in Las Cruces wohnen – der zweitgrößten Stadt New Mexikos. Nach Recherchen im Internet wurde mir schnell bewusst, dass meine Befürchtungen umsonst waren. Las Cruces hat ca. 100 000 Einwohner, 3 High Schools und sogar eine Uni!
Nachdem ich dann Kontakt zu meiner zukünftigen Gastfamilie aufgenommen hatte, die sehr nett wirkte, und mir außerdem von zahlreichen ehemaligen Austauschschülern der Familie hatte bestätigen lassen, sie sei die beste Familie die man sich wünschen könnte, hatte ich ein unglaublich gutes Gefühl und die Vorfreude war so groß, dass ich lieber gestern als morgen im Flieger nach Amerika gesessen hätte.

Das Abenteuer

YFU macht Gruppenflüge, was bedeutet, dass niemand alleine die Reise ins Unbekannte antreten muss. Zu meinem Glück wurde mir gleich der erste Flugtermin zugeteilt und so konnte es am 3. August 2006 losgehen.
Der Abschied von Freunden und Familie fiel mir schwer – einige meine Freunde haben in der Zeit in der ich weg war Abi gemacht und sind weggegangen.... ich wusste, hinterher würde nichts mehr so sein wie vorher. Dörfliche Einöde, Liebeskummer und nicht zuletzt meine Abenteuerlust motivierten mich jedoch sosehr, dass ich mein Glück nicht fassen konnte, als ich dann endlich, das erste Mal in meinem Leben, im Flieger saß und mich in das größte Abenteuer meines Lebens stürzte.
Nach einer scheinbar ewig dauernden Reise, die durch eine unerwartete Übernachtung in Washington DC noch länger wurde, kam ich am 4. August schließlich erschöpft aber erwartungsvoll in El Paso, Texas an, von wo aus es weiter nach Las Cruces gehen sollte.
Am Flughafen hatte ich ein großes Empfangskomitee und strahlenden Sonnenschein erwartet, wie man sich das eben vorstellt in der Wüste. Stattdessen erwartete mich jedoch niemand – abgesehen von einem nicht zu stoppenden Regen, der die ganze Stadt unter Wasser setzte. Das war dann auch der Grund für die Verspätung meiner Gastmutter. Die ersten Befürchtungen, die mit diesem „schlechten“ Anfang meines Auslandsjahres einhergingen, legten sich also schnell wieder. Das war auch gut so, denn das Jahr was vor mir lag sollte nicht nur das beste sondern auch das schönste, aufregendste und tollste Jahr meines Lebens werden.

Die Gastfamilie

Wo soll ich nur anfangen?!?! Meine Gastfamilie war der Hammer!!
Sie bestand aus meinen Gasteltern Alexandra (kurz Alex) und Jay, beide irgendwas um die 60, dem finnischen Austauschschüler Mikko, 17, den beiden Hunden Josie und Jojo, sowie 2 verrückten Katzen. Später sollten wir ein weiteres Familienmitglied erhalten, aber dazu komme ich später.
Alex und Jay waren tolle Eltern. Natürlich mussten wir erstmal war miteinander werden, was, wie ich zugeben muss, einige Zeit gedauert hat. Wir verstanden uns zwar gut und hatten viel Spaß zusammen, manchmal kriselte es jedoch ganz schön. Ich gebe zu, das lag hauptsächlich an mir; ich hatte nie gelernt mit Konflikten umzugehen und war eine ganz schöne Zicke. Dass die ganze Familie, auch Mikko, der das meiste abbekommen hat, es trotzdem mit mir aushielt und mich trotzdem richtig lieb gewann, dafür bin ich heute noch dankbar.
Alex und Jay gaben uns beiden von Anfang an das Gefühl, ihre eigenen Kinder zu sein. Sie verwöhnten uns so sie nur konnten. Wir konnten immer über alles mit ihnen reden, kurz gesagt, sie waren einfach klasse!! Es lag in ihrem Interesse uns das schönste Jahr unseres Lebens zu ermöglichen und dafür warfen sie sich richtig ins Zeug! Wir machten viel gemeinsam und sie zeigten und einiges. Unter anderem machten wir Trips nach Tucson, Arizona, wir fuhren hoch in die Berge zum Schi fahren und in den Weihnachtsferien traten wir einen aufregenden Trip Richtung Kalifornien an, auf dem wir den Grand Canyon, Las Vegas, L.A., Hollywood und Phoenix sahen.
Wie gesagt, mit Mikko kriselte es öfters mal. Aber genau so sehr wie wir uns manchmal verabscheuten, liebten wir uns auch. Wie das eben bei richtigen Geschwistern ist.

Freunde

Meine wohl größte Angst bezüglich meines Auslandsjahres war es, keine Freunde zu finden. Diese Angst wurde mir jedoch schnell genommen. In meiner zweiten Woche in den USA, in der ich übrigens noch Ferien hatte, lernte ich Jamie kennen. Sie war sehr gut mit dem letzten Austauschschüler meiner Familie befreundet gewesen, der auch aus Deutschland kam. Als sie hörte, es sollte wieder eine Deutsche in die Familie kommen, wollte sie mich unbedingt kennenlernen. Schon beim ersten Treffen stellten wir fest, dass wir komplett auf einer Wellenlänge lagen und es sollte nicht lange dauern, da wurden wir die besten Freundinnen.
Im Laufe des Jahres hatte Jamie einige schwere Zeiten zu durchleben und zog letztendlich aufgrund familiärer Probleme im Januar bei uns ein. Von da an teilten wir uns ein Zimmer und verbrachten unsere gesamte Freizeit zusammen. Wir waren unzertrennlich. Die Krisenzeiten hatten uns noch mehr zusammengeschweißt und irgendwann waren wir der Ansicht, wir seien „Soulmates“. Wir stellten die Theorie auf, wir seien als Zwillinge geboren und dann getrennt worden. Haha.
Jamie und ich haben wirklich alles gemeinsam gemacht. Wir waren beide sehr verrückt und je amerikanischer ich wurde, desto ähnlicher waren wir uns.
Kurz gesagt – in dem Jahr fand ich die beste Freundin, die ich in meinem Leben je gehabt habe. Auch heute noch sind wir in Kontakt und ich werde nächstes Jahr ihre Trauzeugin sein.
Auch Mikko entpuppte sich als richtiger Freund. Auch wenn wir uns oft angezickt haben, so hatten wir uns doch irgendwo richtig gern und redeten viel über private Dinge. Auch mit ihm konnte ich über alles reden. Da wir viele gemeinsame Interessen hatten, hatten wir auch immer den gleichen Freundeskreis, was aber keinem von uns wirklich viel ausmachte. Meistens haben wir ja gerne Zeit miteinander verbracht.
Ich hatte natürlich auch andere Freunde. Meine Freundeskreise wechselten im Laufe des Jahres ein wenig, was auch mit der sich ändernden Situation in der Schule zusammenhing. Als ich anfing Tennis zu spielen, verbrachte ich logischerweise mehr Zeit mit den anderen Tennisspielern. Ich hatte trotzdem immer viele Freunde und war nie viel alleine. Das war wohl auch ein Grund dafür, warum ich nie wirklich Heimweh hatte.

Schule

High School ist toll!!
Das wollte ich nur schon mal so in den Raum werfen. Der Ruf, den amerikanische High Schools in Deutschland haben, bestätigte sich weitgehend. Schule macht Spaß, die Kurse sind einfach, man macht viel Sport und es gibt sogar die berüchtigten muskelbepackten Footballspieler und die dummen und zickigen Cheerleader.
Meine Kurse setzten sich aus Pflichtkursen und irgendwelchen spaßigen anderen Kursen zusammen, die ich mir aussuchte. Wie gesagt, es war alles relativ einfach. Statt Klausuren schreibt man ein mal wöchentlich Tests (Multiple Choice), die Aufgaben schafft man locker im Unterricht, sodass man so gut wie nie Hausaufgaben hat und eine mündliche Note existiert nicht. In einigen Kursen haben wir oft lange zusammengesessen und einfach Karten gespielt weil wir nichts zu tun hatten. All das ist sehr hilfreich für das Knüpfen von Kontakten und hat man seine erste Schüchternheit erstmal überwunden, ist es sehr leicht Leute kennenzulernen. An meinem zweiten Schultag schon merkte ich, dass die Amerikaner sehr offene und aufgeschlossene Leute sind. Die Schüler fanden es aufregend eine Deutsche als Mitschülerin zu haben und stellten nicht nur tausende von Fragen, sondern boten sich auch bereitwillig an, mir bei Dingen zu helfen, zum Beispiel mich in der Schule zurecht zu finden.
Das war anfangs gar nicht leicht. Onate High School hatte damals um die 2000 Schüler. Meine Schule in Deutschland, die immerhin 9 Klassenstufen umfasst, hat nur 1000 Schüler, während dort das doppelte auf die Hälfte der Stufen gepackt waren... Ich fands jedenfalls klasse, jeden Tag von tausenden gleichaltrigen umgeben zu sein!

Sport

Im Februar begann die offizielle Tennis-Saison. Die inoffiziellen Trainingseinheiten jedoch schon in November. Da ich in Deutschland viele Jahre Tennisunterricht gehabt hatte und ich unbedingt in einem Sportteam spielen wollte um auch diese Erfahrung nicht zu missen, war für mich klar, ich würde dem Team beitreten. Da ich bereits in meinen ersten Schultagen einige der Spieler kennengelernt hatte und auch Mikko sich dem Team anschloss, war ich sofort integriert und genoss es, jeden Tag nach der Schule zwei Stunden Sport zu machen. Man hat irgendwie das Gefühl seine Zeit sinnvoll zu nutzen und da man ja eh keine Hausaufgaben machen muss, hat man dort Zeit für sowas.
Als die Saison offiziell anfing und wir offiziell als Team galten, mit Uniformen, wöchentlichen Turnieren etc., machte mir das Tennis Spielen richtig viel Spaß. Ich genoss es richtig, teil eines Ganzen zu sein. Die Turniere, die oft auswärts waren, und die damit verbundenen teilweise längeren Busfahrten gaben die Chance, viel Zeit mit den anderen Spielern zu verbringen und Freundschaften zu knüpfen. So lernte ich Hendrik kennen, einen Austauschschüler aus Hamburg!! Mit ihm verstand ich mich richtig gut und wir wurden Freunde. Auch zu ihm hab ich jetzt noch Kontakt, in zwei Wochen fahr ich ihn besuchen
Der Spaß am Tennis spielen wurde mir schnell genommen, da es zu vielen Zankereien und Auseinandersetzungen innerhalb des Teams kam. Letztendlich hatten wir gar keinen Teamgeist mehr und haben dem entsprechend auch schlecht gespielt... Trotzdem würde ich jedem empfehlen, in Amerika einem Sportteam bei zu treten, es ist eine ganz neue Erfahrung. Schlechte Erfahrungen macht man schließlich im Leben und es gibt überall Leute die einem nichts gönnen. Ich hab mir irgendwann den Spaß davon nicht nehmen lassen, es gab ja schließlich auch nette Leute im Team.

Freizeit

Meine Freizeit habe ich das erste halbe Jahr hauptsächlich mit Familie und Freunden verbracht. Wie gesagt, wir haben viele Trips gemacht. Außerdem hat die Familie Rituale, zum Beispiel gemeinsames Essen. Ich habe es sehr genossen, Zeit mit der Familie zu verbringen. Wir hatten unheimlich viel Spaß zusammen und ein richtig tolles Familienleben, was mir ehrlich gesagt neu war, da ich zu meinen richtigen Eltern damals ein eher distanziertes Verhältnis hatte, und gemeinsame Unternehmungen selten waren.
Im Herbst war Footballsaison und obwohl ich Football weder besonders mochte noch verstand, war es eine meiner Lieblingsbeschäftigungen, sowohl zu den High School als auch zu den College Spielen zu gehen, Freunde zu treffen, das Team anzufeuern und einfach die ausgelassene Stimmung zu genießen.
Wie euch sicher aufgefallen ist, differenziere ich das erste Halbjahr des Aufenthalts vom zweiten. Das liegt ganz einfach daran, dass ich mich erst im Winter so richtig eingelebt habe und begann, mich richtig wohl zu fühlen. Wie gesagt, die Frühlingsmonate habe ich hauptsächlich mit Tennis spielen verbracht. Abgesehen davon habe ich jede freie Minute mit Jamie verbracht. Viele fragen sich sicher, was man als Jugendlicher in Amerika so macht, wo man doch nicht auf Partys geht!
Dazu kann ich sagen, es gibt dort mehr Partys als man sich vorstellen kann. Ich hab mich hauptsächlich von Partys und vor allem vom Alkohol fern halten, da ich meinen Aufenthalt auf keinen Fall gefährden wollte. Das heißt allerdings nicht, dass mir dort langweilig war!! Eigentlich gibt es auch so viel was man machen kann. Pool- bzw. BBQ-Partys bei Bekannten und Freunden, Kino, Shopping, campen, schwimmen gehen etc. Und auch wenn wir mal nichts zu tun hatten – mit Jamie und mir wurde es nie langweilig. Wir haben mit unseren Freunden oft einfache Sachen gemacht und dabei den größten Spaß gehabt. Einfach spät abends im Walt Mart rumlaufen und in der Spielzeugabteilung mit Spielsachen spielen, nachts irgendwo auf dem Parkplatz rumtanzen, bei Starbucks sitzen und verrückte Fotos machen, von all solchen Dingen war mein Alltag in den USA geprägt. Das führte dann auch dazu, dass ich anfing mich so
richtig wohl zu fühlen. Ich lernte die Amerikaner und ihre Mentalität und Lebenseinstellung mehr zu schätzen, als ich jemals gedacht hätte. Die Amis nehmen alles so leicht, es ist irgendwie alles kein Problem. Und was man machen will, macht man halt.

Der Abschied

Letztendlich stand ich also am 18. Juni 2007 wieder am Flughafen in El Paso und musste nicht nur eine wunderschöne Stadt, sondern auch eine Familie, die ich dazu gewonnen hatte, die beste Freundin der Welt, meine allerliebsten Hunde, meinen neuen Bruder und meinen Freund in Amerika zurücklassen. Ich muss sagen, es hat mir wirklich das Herz gebrochen.
Nach Deutschland zurückzugehen und das Leben aufzugeben, was ich mir dort aufgebaut hatte, war das Schwierigste was ich in meinem Leben je machen musste. Hätte ich die Wahl gehabt, ich wäre in den USA geblieben. Ich hatte mir dort ein Leben aufgebaut, ich fühlte mich dort wohl, ich war glücklich, ich war in Las Cruces zuhause!!
Ich denke nicht, dass das Ende eine Austauschjahres für jeden Austauschschüler so schwer ist wie es für mich war. Ich will auch um Himmels willen niemanden abschrecken. Ich denke anderen Menschen fällt es einfach leichter zu differenzieren zwischen einem begrenzten Aufenthalt und einem richtigen Leben an einem anderen Ort.
Auch wenn es mir schwer fiel, bin ich irgendwann wieder in Deutschland angekommen. Auch habe ich mich von meinem amerikanischen Freund getrennt. Trotzdem ist ein Teil von mir immer noch in Las Cruces. Ich war diesen Sommer in den Ferien wieder dort und habe mich entschieden, mich dort an der Uni zu bewerben. Entweder es klappt, oder ich muss den USA für weitere Jahre goodbye sagen. Fest steht für mich jedoch dass ich zurückgehen werde. Ich werde auswandern. Die USA sind für mich einfach zu meiner zweiten Heimat geworden. Auch wenn – oder gerade weil - es manchmal nicht leicht ist, mit dem Gedanken zu leben, dass mein Auslandsjahr die glücklichste und unbeschwerteste Zeit meines Lebens war, bereue ich es nicht, diesen Schritt gegangen zu sein. Er hat mich sehr bereichert – ich habe nicht nur viele liebe Menschen und eine Heimat dazu gewonnen, ich bin außerdem an meinen Erfahrungen gereift und habe viel über das Leben gelernt.