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Ich war 96/97 mit GIVE in den USA. Das erste halbe Jahr bis Februar verbrachte ich in Franklin, Wisconsin den Rest dann in Milwaukee.

Entscheidung für ein Auslandsjahr

Wie ich auf die Idee kam ein Jahr im Ausland zu verbringen, weiß ich heute gar nicht mehr. Irgendwann interessierte ich mich dafür. Schaute mir Annoncen in Zeitungen an und dann bestellte ich mir ein paar Prospekte. So richtig ernst wurde es erst, als meine Mutter die Bewerbungskarte fürs PPP mitbrachte. Die füllte ich schnell aus und sandte sie an GIVE. Mir blieb ja nichts anderes übrig, da GIVE für meinen Wahlkreis zuständig war. Am Ende blieb ich ja bei GIVE, was auch keine schlechte Wahl war.

Bewerbung fürs PPP

Wie gesagt füllte ich die Bewerbungskarte aus und bekam dann nach kurzer Zeit (Mitte September) die Bewerbungsunterlagen. Die füllte ich ebenfalls aus und wartete dann auf den Termin für das Auswahlgespräch. Der kam auch bald und Ende Oktober war es dann soweit ich begab mich nach Berlin. Das ganze Auswahlgespräch war sehr locker und es lief alles entspannt an. Es gab eine Gruppendiskussion und einen Test. Nach drei Stunden war auch schon alles vorbei und nun musste man auf den Bescheid warten.

Nachricht vom GIVE

Mitte Dezember kam dann die heiß ersehnte Nachricht von GIVE. Leider kam ich nicht in die nächste Runde beim PPP. GIVE bot mir aber ein Teilstipendium an. Da überlegten wir nicht lange und nahmen das Angebot an. Damit stand es dann auch fest, dass ich ein Jahr ins Ausland gehen würde.

Der Papierkram

Nachdem wir den Vertrag unterschrieben zurückgeschickt hatten, kam auch bald darauf ein dicker Brief mit den Unterlagen für die Partnerorganisation und den GIVE-Bögen an. Die mussten alle ausgefüllt werden, was in immense Schreibarbeit ausartete, da die meisten Unterlagen in bis zu fünffacher Ausführung ausgefüllt werden mussten. Ein Arzttermin musste auch schnell besorgt werden, da die Rücksendefrist auch recht knapp bemessen war. Alles war ein bisschen stressig, aber auch recht aufregend. Das Abenteuer kam also näher.

Infobriefe, Vorbereitungstreffen, Adresse der Gastfamilie, Flugtermin

In den nächsten Monaten kamen dann in losen Abständen Infobriefe, die über alles Wissenswerte informierten. Über das Schulsystem, Kleidergrößen und Tipps zu Vorbereitung usw. Die Zeit plätscherte dann so vor sich hin, bis Mitte Mai, dann auf einmal die Adresse der Gastfamilie im Briefkasten lag. Tags darauf kam dann auch noch ein Brief von der Gastfamilie selber. Es sollte also nach Franklin in Wisconsin gehen. Die Gastfamilie machte auch einen guten Eindruck. Also schrieb ich flugs zurück und es entstand ein kleiner Briefwechsel. Danach kam auch noch ein Brief von meinem zukünftigen Area Rep. Um alles komplett zu machen, fand dann auch Anfang Juni der Vorbereitungsnachmittag statt. Dort bekam man alles Wichtige in komprimierter Form vorgestellt und man hatte einiges zu verarbeiten. Von da an war es nur noch eine kurze Zeit bis zum Abflug. Im Juli kamen dann die Visaunterlagen. Mit denen machte ich mich auch gleich auf den Weg zum amerikanischen Konsulat, wo man persönlich die Unterlagen abgeben konnte und am Nachmittag wieder abholen konnte. Bald kam dann auch der Flugtermin. Am 7. August sollte es also losgehen.

Der Abflug

Am 7.8. hieß es früh aufstehen. Um 8 Uhr war der Einchecktermin in Berlin-Tegel. Nachdem ich mich von meiner Mutter und meinem Opa verabschiedet hatte, ging es dann kurz nach 9 in die Luft. Nach kurzer Zeit landteten wir auch schon wieder in München, dort suchte ich nach Mitarbeitern von GIVE fand aber keine, da ein Brief in dem eine Änderung verkündet wurde, mich nicht mehr rechtzeitig erreichte. Nachdem ich ein bisschen gesucht hatte, aber niemanden fand, ging ich halt selbst zum Flugsteig. Ich erhielt einen Sitz in der Buisness Class und traf nach dem Abflug auch endlich einen GIVE-Mitarbeiter. Dann flogen wir also 10 Stunden nach Amerika. In Chicago angekommen, mussten alle durch die Immigration und den Zoll und dann ging es für mich alleine auch gleich weiter nach Milwaukee. Dort warteten dann auch schon meine Gastmutter und beide Gastbrüder.

Empfang

Nach einer kurzen Begrüßung wollten wir das Gepäck abholen. Das hatte es aber aufgrund der kurzen Umstiegszeit in Chicago nicht mehr ins gleiche Flugzeug geschafft wie ich. Also gemeldet, es wurde später nach Hause geliefert. Dann ging es endlich nach Hause. Nach kurzer Fahrt erreichten wir Franklin, einen Vorort von Milwaukee. Schnell fuhren wir noch an meiner Schule vorbei und dann waren wir endlich zu Hause. Nach dem Abendbrot und Präsentierung der Gastgeschenke fiel ich geschafft ins Bett.

1. Gastfamilie

Meine erste Gastfamilie wohnte in Franklin, außerhalb von Milwaukee, Wisconsin. Sie bestand aus den Gasteltern Jackie und Tom und meinen Gastgeschwistern TJ (damals 16 Jahre alt) und Joey (damals 9 Jahre alt). Sie bewohnten ein Haus mit Garten und Swimmingpool. Mein Gastvater arbeitete als Metallarbeiter und meine Gastmutter später als Verkäuferin. Bei ihnen gefiel es mir auch ganz gut, wobei sich aber im Verlaufe des Jahres Probleme einstellten.

Wechsel - warum?

Den Wechsel meiner Gastfamilie habe ich mir nicht leicht gemacht, da ich einerseits die Schule hervorragend fand und gute Bekannte hatte, andererseits aber auch nicht mehr bei meiner Gastfamilie bleiben wollte. Die Problem hatten sich so entwickelt, bis die Fronten dann verhärtet waren. Im Nachhinein muss ich aber selber feststellen, dass auch ich an der Situation nicht ganz unschuldig war. Um die gesamte Situation besser erklären zu können, muss man auch die Begleitumstände kennen. Meine Gastmutter war kurz nach meiner Ankunft arbeitslos geworden, was merklich auf ihre Gemütslage schlug. Im Verlaufe meines Aufenthalts wurde dann auch deutlich, dass mein älterer Gastbruder Drogen (Joints) zu sich nahm und deswegen von den Eltern und der Schule Probleme kam, was der Stimmung in der Familie abträglich war. Bedingt durch den Drogenkonsum wurde mir auch Geld gestohlen, was ich aber nie nachweisen konnte. Dazu kamen dann Meinungsverschiedenheiten über die Pflichtenerfüllung. Ich meinte ich würde genug tun und meine Gastmutter meinte das Gegenteil. Leider haben wir es aber verpasst uns einmal darüber zu unterhalten. Jetzt sehe ich das ein, dass ich mich dem Problem hätte stellen sollen. So aber entschied ich dann im Dezember meine Gastfamilie zu wechseln.

2. Gastfamilie

Anfang Februar konnte ich dann meine Familie wechseln und wohnte von da an in Milwaukee. Die Familie bestand aus den Eltern Julie und Peter und den drei Kindern, Heather, Pete und Stephen. Sie bewohnten ebenfalls ein Haus, welches aber ein bisschen kleiner war. Pete arbeitete als Elektriker und Julie als Angestellte. Bei ihnen gefiel es mir sehr gut und möchte mich auch nochmal für die schöne Zeit zusammen bedanken.

Meine Fächer

Bevor die Schule begann, traf ich mich mit meinem Counselor, um den Stundenplan zu besprechen. Ich wählte also College Prep English, Pre Calculus, Study Hall, Physics, US History III und Computer Programming V (Mehr dazu unter Fächer). Am gleichen Tag fand auch die Freshman Orientation statt, an der ich gleich, obwohl ein Senior, teilnahm. Ich ließ mir auch gleich zeigen, wie man den Locker aufbekam. Und dann war er da, der erste Schultag. Alles war sehr aufregend und neu, aber auch alles halb so wild. Die Schüler waren sehr interessiert und fragten mich aus. Ansonsten lief der Tag, wie an einer deutschen Schule ab. Es wurden Bücher ausgeteilt und ein Überblick über den Stoff gemacht.

Sportteams

Nach kurzer Dauer wurde in den morgentlichen Announcements die Gründung eines Volleyballteams bekanntgegeben. Da meldete ich mich auch gleich an und so hatte ich schon die erste Beschäftigung am Nachmittag. Im Winter meldete ich mich fürs Basketballteam. Da ich aber nicht so gut war, nahm ich den Job als Manager des Basketballteams an und das machte auch riesig Spaß.

Graduation

Einen Tag vor meiner Heimreise stand noch die Graduation Ceremony auf dem Plan. Ich erhielt zwar kein Diploma, dafür aber eine Bescheingung, dass ich am Unterricht teilgenommen habe. Nachdem am Vormittag schon mal alles geprobt wurde, wurde es am frühen Abend dann Ernst. In Zweierreihen ging es ersteinmal über die Bühne, um dann im Auditorium Platz zu nehmen. Es folgten Ansprachen vom Direktor und Klassensprecher. Danach wurden einige Auszeichnungen vergeben, so erhielten unter anderem drei Schüler für perfect attendance (in den vier Jahren an der High School nicht eine Stunde gefehlt - Sachen gibt's) eine Scheck in Höhe von $500 dafür. Neben dieser Auszeichnung gab's dann noch die Ehrung der Klassenbesten, die anscheinend in jedem Fach in den vier Jahren ein A hatten. Dann gab's noch ein bisschen Musik, bis es endlich so weit war und wir alle wieder hinter die Bühne verschwanden. Nun wurde jeder einzeln aufgerufen und nahm sein Diploma in die Hand. Das lustige daran war, dass man nur eine Mappe erhielt und sich das eigentliche Diploma, später in der Turnhalle abholen musste. So wollte man vermeiden, dass jemand der durch die am gleichen Tag stattgefundenen Exams gefallen wäre, mit leeren Händen wieder von der Bühne gegangen wäre. Für mich jedenfalls eine vernünftige Lösung. Nachdem dann alle ihre Mappe bekommen hatten, folgte nach den Entlassungsworten des Direx, der obligatorische Wurf der Caps in den Saal. Nun war für die Amerikaner die Schulzeit vorbei und ich durfte mir vor Augen führen, dass mich in Deutschland noch zwei weitere Jahre in der Schule erwarteten.