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USA: Organisationen für USA
USA im Forum

Vorstellung und Motivation:

Also, ich heiße Lara, bin inzwischen 18 Jahre alt, habe einen jüngeren Bruder (12) und war als Austauschschülerin von August 2002 bis Juli 2003 in St.Peters (Missouri). Mit diesem Jahr ist mein größter Traum in Erfüllung gegangen!
Ich denke, dass man, um ein ganzes Jahr in einem anderen Land verbringen zu können, eine bestimmte Persönlichkeit mit sich bringen muss - man sollte sich nicht aus Gründen wie "das macht sich bei Bewerbungen sicher besser" oder "endlich bekomme ich mal eine Auszeit von meiner Familie" für einen solchen Aufenthalt entscheiden, sondern viel mehr, weil man Fernweh hat und ein anderes Land und seine Kultur kennen lernen möchte! Bei mir war dies mit Sicherheit der Fall und auch die o.g. Gründe waren ein netter Nebeneffekt.
Man sollte allerdings nicht davon ausgehen, dass die eigenen Erwartungen komplett erfüllt oder sogar übertroffen werden - dies hängt hauptsächlich von euch selbst und natürlich auch von eurer Gastfamilie, der Schule und der Organisation ab. Meine Erwartungen sind weit übertroffen worden!

Die Organisation:

Ich bin mit FEE-Sprachreisen in die USA geflogen und wurde dort, wie es bei vielen deutschen Organisationen ist, nach Ankunft in den USA an eine amerikanische Partnerorganisation namens ERDT/Share übergeben, die sich während des Jahres sehr gut um mich gekümmert hat, Treffen mit anderen Austauschschülern und auch komplette Trips nach New York, Chicago, Colorado, California, ... organisiert hat und auch mindestens einmal monatlich persönlich mit mir und meiner Gastfamilie in Kontakt getreten ist.

Während des Jahres habe ich also viele neue Freunde aus den unterschiedlichsten Ländern der Welt, wie Finnland, Thailand, Chile, Mexiko, .... und natürlich auch aus Deutschland, gefunden, mit denen ich noch immer in Kontakt stehe. Mir persönlich sind diese Kontakte sehr wichtig, u.a. weil so die Möglichkeit besteht, selber in eines dieser Länder zu reisen - in den kommenden Osterferien werde ich z.B. nach Finnland fliegen, wo mir meine neue beste Freundin Hanna Snowboarden und vielleicht auch Skifahren beibringen wird.

Eltern und Finanzen:

Da meine Mutter alleinerziehend ist und auch keine Unterstützung von meinem Erzeuger bekommt, schien ein Jahr in den USA beinahe unmöglich. Aus diversen familiären Gründen hatte ich, trotz meiner guten Noten, keine Chance auf ein Stipendium und daher habe ich mir frühzeitig einen Job gesucht, habe alte Spielsachen auf Flohmärkten verkauft, Babygesittet, Zeitungen ausgetragen,..... und da das leider lange noch nicht reichte, haben mir meine Großeltern, meine Mutter und auch gute Freunde der Familie dabei geholfen, meinen Traum zu verwirklichen!!!

Der Ort:

St. Peters ist eine Art Vorort von St. Louis und hat ca.115000 Einwohner.
St. Louis ist vielleicht einigen von euch bekannt, da Brad Pitt, Nelly, Chingy,... von hier stammen und es, mit ca.6Mio Einwohnern die größte Stadt im Mittleren Westen in den USA ist. Die meisten amerikanischen Vororte haben im Gegensatz zu den größeren Städten keine öffentlichen Verkehrsverbindungen, was bedeutet, dass ihr auf eure Gastfamilie und Freunde angewiesen seit. Den Führerschein könnt ihr seit dem 11.September 2001 leider nur noch in sehr wenigen US-Staaten machen, in Missouri leider auch nicht mehr - weitere Auskünfte darüber gibt euch aber mit Sicherheit der ADAC.

Ansonsten ist meiner Meinung nach der Ort nicht ausschlaggebend für den Verlauf eures Jahres - das gestaltet ihr hauptsächlich selber. Eine Freundin von mir ist aus der Großstadt München in ein kleines Dorf von 402 Einwohnern gekommen und hat eine Schule mit nur 100 Schülern von Kindergarten bis zur 12. Klasse besucht - zu Anfang war das natürlich ein Schock, aber am Ende wollte auch sie Amerika nicht mehr verlassen. Der Vorteil einer Kleinstadt ist es, dass es nicht anonym ist und ihr in viel mehr Aktivitäten einbezogen werdet. Allerdings denke ich auch, dass dies vielleicht nicht dem Bild des typischen amerikanischen Lebens entspricht , aber wie auch bei anderen Dingen im Leben, sollte man hier nicht verallgemeinern - das Leben auf dem Land hat genauso seine Vorteile wie das Leben in einer größeren Stadt wie St. Peters.

Die Gastfamilie:

Am 3.August war es dann endlich so weit - mein erstes Zusammentreffen mit der Gastfamilie: Meine Nervosität während des Fluges wurde immer schlimmer, je näher der Zeitpunkt rückte und als es dann endlich so weit war, musste ich feststellen, dass ich mir völlig um sonst Sorgen gemacht hatte! Meine Gastfamilie bestand aus meinen Gasteltern, Debby und Tony (beide Anfang 40) und ihren beiden Hunden, Riley und Polly, die eher Pferden ähnelten als ihrer eigenen Rasse J (ich muss dazu sagen, dass ich Hunde über alles liebe und daher nicht, wie viele andere, Angst vor ihnen hatte). Ich war bereits die 6. Austauschschülerin in ihrem Haus und daher hatten die beiden natürlich schon eine gewisse Erfahrung. Viele meiner Freunde hatten vor meiner Abreise Bedenken, da Debby und Tony keine eigenen Kinder hatten und warum sie nur Austauschschülerinnen in ihre Familie aufnehmen würden - wie sich herausstellte, konnten die beiden leider keine eigenen Kinder bekommen und haben, da Debby diejenige war, die sich mehr Zeit für uns genommen hat, immer Mädchen ausgewählt, deren Hobbies und Interessen mit ihren übereinstimmen.
Der Rest der Familie war unwahrscheinlich groß - Großeltern, Tanten, Onkel, Cousinen, Cousins,..... und alle kamen zu bestimmten Feiertagen und Parties zusammen. Zu Anfang viel es mir etwas schwer mir alle Namen zu behalten, doch spätestens nach einem Monat hatte ich den Dreh raus! Amerikanische Familien sind nach meiner Erfahrung viel aufgeschlossener und freundlicher als Deutsche - ich denke, ich hätte es nicht besser treffen können!!!

Schule:

Das amerikanische Schulsystem unterscheidet sich in vielen Aspekten von unserem Deutschen. Meine Schule besuchten knapp 2500 Schüler im Alter von 14 bis 18 Jahren. Ich hatte die Wahl zwischen über 100 verschieden Kursen und habe mich letztendlich für den folgenden Stundenplan entschieden:

1.Semester:

1)Western Civilisation (Europäische Geschichte)
2)American Literature (Amerikanische Literatur)
3)Foods & Nutition 1 (Nahrungsmittel, Kochzubehör und Kochen)
4)Volleyball/Tennis/Badminton
5)US Government (Politik)
6)Resident Architecture (Architektur)
7)Spanish 1 (Spanisch)

2.Semester:

1)Western Civilisation
2)American Literature
3)World Geography (Welt-Geografie)
4)Foods & Nutrition 2 (Weiterführungskurs vom 1.Semester)
5)Ceramics (Arbeiten mit Lehm, Figuren erstellen,....)
6)Resident Architecture
7)Spanish

Nach der Schule bin ich außerdem mehreren Clubs und Sportteams beigetreten:
Dem Spanish Club (bei dem ich zum Presidenten gewählt wurde), FCCLA (Family Community Carreer Leaders of America) und dem Senior Club, bei dem die Planung von Veranstaltungen wie Bällen (Homecoming, Cornation, Prom), Graduation, .... im Vordergrund stand und Teams wie Cross Country, Track, Volleyball,.....
Natürlich gab es auch Sportarten wie Football, Baseball, Softball, Tanzen, Cheerleading, Boxen, Wrestling, Volleyball, Tennis, Fußball,.... - das Angebot schien unendlich groß zu sein!!

Freunde:

Freunde zu finden war auch gar nicht so schwer wie ich zuerst dachte - wenn ihr aufgeschlossen und freundlich seit und auch ab und zu ein wenig lächelt, kann eigentlich gar nichts schief gehen Außerdem ist es einfacher Freunde zu finden, wenn man verschiedenen außerschulischen Aktivitäten beitritt oder die Gastfamilie z.B. regelmäßig in die Kirche geht und sich in der Gemeinde sehr stark betätigt (was bei mir nicht der Fall war).

Freizeit:

Wie bereits erwähnt, bin ich verschieden Clubs und Sportteams während des Jahres beigetreten. Glücklicherweise habe ich sehr schnell Freunde gefunden - da diese leider auch oft arbeiten mussten, haben wir hauptsächlich an den Wochenenden etwas zusammen unternommen, sind in einer der vielen Malls shoppen gegangen, ins Kino oder haben uns in einem der vielen Fastfood-restaurants mit anderen getroffen. Da meine Gastfamilie auch einen eigenen Pool hatte haben wir uns auch oft bei uns getroffen oder bei meinen Freunden zuhause, sind Schlittschuhfahren, Golfen, Football, Baseball oder Volleyball spielen gegangen.

Ausflüge:

Meine Gastfamilie hat während des Jahres sehr viel mit mir unternommen, was natürlich nicht selbstverständlich war; sie haben mir berühmte Sehenswürdigkeiten, wie "The Gateway Arch" in St. Louis, den "Botanical Garden", das "Butterfly House", verschiedene Freizeitparks ("Six Flags",etc) und Museen (Science Museum, St.Louis Art Museum), gezeigt und sind mit mir zu Footballspielen der St. Louis Rams, Baseballspielen der St. Louis Cardinals und Eishockeyspielen der St. Louis Blues gefahren. Am Ende des Jahres bin ich mit meiner Gastmutter nach California geflogen, um genau zu sein, nach LA, wo wir bei einem Gastcousin übernachtet haben und mit einem Mietwagen St. Francisco, St. Diego, Pasadena, La Jolla,.... und auch Las Vegas in Nevada und den Hoover Dam unsicher gemacht haben! Dort haben wir uns außerdem auch ein Spiel der LA Lakers angesehen.
Außerdem hat meine amerikanische Partnerorganisation verschiedene, natürlich entgeldliche, Ausflüge organisiert - mit ihnen bin ich nach Hannibal, dem Geburtsort von Mark Twain, der direkt am Mississippi liegt, gefahren und bin mit ca. 80 anderen Austauschschülern aus der ganzen Welt für eine Woche nach New York geflogen, habe dort in einem absolut hervorragenden Hotel übernachtet, bin zur Broadway Show "Aida" gegangen und habe auch ansonsten wahrscheinlich alles Wichtige an berühmten Sehenswürdigkeiten, Museen und Parks gesehen - damit ist ein anderer großer Traum von mir in Erfüllung gegangen - es war einfach genial!

Graduation:

Nach knapp 10 Monaten Schule war es leider schon soweit: Graduation. Für amerikanische Jugendliche bedeutet das, dass sie endlich auf's College gehen können und die High School beendet haben, doch mir wurde klar, dass mein größter Traum und wahrscheinlich auch das bisher beste Jahr meines Lebens sich dem Ende neigte - ich müsste meine neue Familie und Freunde schon bald wieder verlassen!
Graduation war ein einfach tolles Ereignis, das ich unter keinen Umständen hätte verpassen wollen - es war wie im Fernsehen mit Mütze und Gewand, 528 Schülern, die nur darauf warteten ihren Namen zu hören und den Weg über die Bühne zu schreiten.

Tipps:

- stellt nicht zu hohe Erwartungen an euren Aufenthalt, sonst ist die Chance enttäuscht zu werden höher
- seht nicht alles als selbstverständlich an und helft eurer Gastfamilie auch ab und zu im Haushalt, sei es Handtücher zusammenzulegen, zu bügeln oder einfach mal das Geschirr zu spülen
- falls eure Familie regelmäßig in die Kirche geht, ihr jedoch nicht religiös seit, stellt euch nicht so an, es wird euch nicht umbringen - ihr seit doch dort um die Kultur kennen zu lernen und es ist tatsächlich so, dass die meisten Amerikaner sehr religiös sind
- seit ehrlich und offen zu euer Gastfamilie - wenn euch etwas nicht passt, setzt euch zusammen und sprecht über Probleme, selbst wenn dazu etwas Mut gehört
- wenn das jedoch nicht helfen sollte, schreckt nicht davor zurück, eure Organisation zu kontaktieren - ihr habt immer die Chance, die Familie zu wechseln
- tretet Clubs und Sportteams in eurer Schule bei - ihr werdet sehen, dass es euch einiges erleichtert
- an eurem ersten Schultag: redet kurz vor Unterrrichtsbeginn mit eueren Lehrern und sagt ihnen, dass ihr Austauschschüler (=foreign exchange student) seit - so können diese sich darauf einstellen und halten euch nicht für dumm oder faul, wenn ihr euch nicht so oft meldet
- reagiert nicht allzu sauer, wenn ihr mit Fragen wie "Ist Hitler noch immer euer President?" oder "Habt Ihr Autos, Badezimmer,.... in Deutschland" bombadiert werdet - das zeigt nur, dass sie das nie gelernt haben, sich jedoch dafür interessieren, also erklärt es ihnen
- macht viele Fotos während des Jahres - ihr werdet so etwas nie wieder erleben
- seit vorsichtig wofür ihr euer Geld ausgebt - es passiert nicht allzu selten, dass ihr am Flughafen beim Rückflug einen Teil wegen Übergewichts auspacken müsst (ich musste sogar zusätzlich 4 Pakete schicken)
- achtet auf euer Gewicht - im Durchschnitt nehmen Austauschschülerinnen in den USA knapp 10kg zu - eine Freundin von mir war am Ende des Jahres 20kg schwerer und wurde noch im gleichen Sommer von ihren Eltern in ein Diätcamp geschickt
- Mädchen, falls ihr zufällig die Möglichkeit habt ein Ballkleid mit in die USA zu nehmen, macht es - die meisten Kleider dort sind sehr teuer
- fragt vor eurer Abreise in die USA nach, ob ihr eurer zukünftigen Gastfamilie etwas typisch deutsches mitbringen sollt oder ob sie an irgendetwas besonders interessiert sind: deutsche Schokolade oder Haribos sind z.B. sehr beliebt
- falls kleine Kinder im Haushalt leben, werden diese es möglicherweise schwer haben, sich an euch zu gewöhnen, was ja auch verständlich ist - also seit ein wenig geduldig, das legt sich mit der Zeit
- falls ihr die ersten Austauschschüler in eurer Gastfamilie seit, kann es sein, dass sie womöglich noch etwas streng sind, also schafft euch Vertrauen und beweist, dass ihr zuverlässig seit
- es gibt nicht viele Regeln, die ihr zu beachten habt und die sind normalerweise bei allen Organisationen gleich: nicht rauchen, nicht trinken, keine anderen Drogen und kein Sex - für gewöhnlich werdet ihr bei dem geringsten Verstoß sofort ins nächste Flugzeug zurück nach Deutschland gesetzt - wenn ihr allerdings schon 18 seit, besteht die Möglichkeit mit der Gastfamilie eine Regelung zu finden wann und wo Ihr rauchen dürft, aber ich denke, dass es auch kein allzu großer Verlust ist, mit dem Rauchen aufzuhören!