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Ein Jahr ins Ausland?

Die Idee kam wie ein Geistesblitz und gefiel mir immer besser, obwohl ich vorher nie daran gedacht hatte, ins Ausland zu gehen. Doch plötzlich packte mich das Fernweh und ich war mir sicher, ein Jahr im Ausland wäre die Chance meines Lebens. Ich habe sie wahrgenommen und bis heute keine einzige Minute meines Aufenthaltes in den USA bereut! Über meine Zeit in den Staaten könnte ich ein ganzes Buch schreiben, hier allerdings möchte ich versuchen meine Erlebnisse, positive wie negative, in Kurzform wiederzugeben und allen zukünftigen Austauschschülern Mut zu machen.

Die Vorbereitung

Wie wohl alle Eltern, waren auch meine von anfänglicher Skepsis befallen. Ihre Tochter wollte für ein Jahr von zu Hause weg? Bei einer fremden Familie leben? Eine amerikanische Schule besuchen? Alleine?
Doch ich war mir meiner Sache sicher und so unterstützten meine Eltern mich in meinem Vorhaben, wo sie nur konnten. Die Suche nach einer Organisation dauerte nicht lange. Schnell war unsere Entscheidung auf "international Experience e.V." (iE) gefallen. Ich kann diese Organisation nur weiterempfehlen, denn alles lief reibungslos und die Vorbereitung vor Abreise, sowie die Betreuung in den USA war ausgezeichnet. Bei den kleinsten Problemchen war ein Ansprechpartner zur Stelle und ich fühlte mich wirklich sicher, da das iE-Team großen Wert darauf legt, jeden Programmteilnehmer, sowie dessen Eltern persönlich zu kennen. Noch heute habe ich Kontakt zu der Organisation und helfe auf den Vorbereitungsseminaren von 3 Tagen, an denen jeder angemeldete Austauschschüler teilnimmt als "Returnee" mit und gebe meine Erfahrung an die aufgeregten zukünftigen Austauschschüler weiter.

Nach einem fast 3 stündigen Bewerbungsgespräch bei mir zu Hause, an dem sowohl meine Eltern und meine Schwester teilnahmen, musste eine Menge von Papierkram erledigt werden. Der Sommer rückte näher und meine Aufregung stieg. Auf meinem Vorbereitungsseminar habe ich die anderen iE Mitarbeiter, etwa 30 Gleichgesinnte sowie iE-Mitarbeiter aus den USA (die extra zum Seminar hergeflogen waren) kennengelernt. Erst dort habe ich realisiert, dass ich tatsächlich ein Jahr im Ausland verbringen würde. Durch Rollenspiele, Vorträge, Spiele und Unterhaltungen mit den "Ehemaligen" lernte ich alles über Schule, Fächer, Gastfamilie, Kirche, Freunde, Heimweh, mögliche Probleme und so weiter und hatte das Gefühl, dass nach diesem Wochenende mein Kopf rauchte, nicht zuletzt weil wir fast ausschließlich Englisch sprachen. Sonntags kamen unsere Eltern und wir empfingen sie Stolz mit unseren iE-T-Shirts vor der Jugendherberge. Die Eltern erhielten wichtige Informationen zu Versicherungen, Visum, Gastfamilienwahl, Flug, Bertreuung... (auf Deutsch) und konnten Fragen stellen. Nach diesem tollen Wochenende hieß es warten, warten, warten auf eine Gastfamilie. Die Vermittlung war nur ein Jahr nach den Anschlägen vom 11. September nicht ganz einfach, doch niemand musste zu Hause bleiben...

Welcome to the USA

Am 7. September hieß es für mich "Goodbye Germany" und knapp 20 Stunden Flug. Ich war unglaublich nervös und aufgeregt, doch viel Zeit zum Verabschieden am Flughafen morgens um 4:00 Uhr blieb kaum, da meine beiden Koffer, in die ich am Vorabend gemeinsam mit miener Cousine meinen ganzen Kleiderschrankinhalt sowie unzählige Gastgeschenke gestopft hatte, sich als viel zu schwer erwiesen. Mein vater hatte sich beim Wiegen der Koffer um 10kg verschätzt und ich musste auspacken...
Von Düsseldorf ging es nach Washington D.C., dann nach Portland und schließlich nach Eugene. Im wunderschönen Küstenstaat Oregon angekommen, verließ ich übermüdet aber dennoch aufgeregt den Flieger. Als ich mit der Rolltreppe hinunter in die "Arrival Hall" fuhr, sah ich meine Gastfamilie unten winken.
Gemeinsam mir einer iE Mitarbeiterin begrüssten sie mich herzlich. Ich war sofort begeistert von meiner Mom Angie und meinem Dad Barry und verstand mich auf Anhieb mit meinen "Schwestern" Rachel (18), Stacee (14) und Brittney (11).
"Zu Hause" angekommen war ich überwältigt von dem riesigen Heim meiner Host Family. Der pure Wahnsinn!
Ich fühlte mich von Anfang an wohl und wie ein Teil der Familie, doch vom Heimweh blieb auch ich nicht verschont. Doch meine Organisation machte mir Mut und so überwand ich den "Culture Shock" nach etwa 10 Tagen.
Meine Gastfamilie gab sich große Mühe, dass ich mich wohfühlte und bemühte sich so langsam wie möglich zu sprechen, was ihnen nicht immer leicht fiel.

Ich habe in 10 Monaten viel erlebt; habe ein 2. zu Hause gefunden. Nach etwa 2 Wochen Schule, fiel es mir immer leichter Englisch zu sprechen und ich habe schnell Anschluss gefunden. Ich mochte meine Fächer an der "Churchill High School" und auch alle meine Lehrer. Schule in Deutschland und in den USA ist total unterschiedlich und man muss es einfach erlebt haben! Ich ging von 8:20 Uhr bis 15:03 Uhr zur Schule (habe die 12. Klasse besucht) und hatte anschließend bis ca. 17:30 Uhr Leichtathletiktraining.
Ich habe in der Schulband mitgespielt, im Chor mitgesungen und super viele nette Leute kennengelernt.
Mein Englisch hat sich perfektioniert ohne das ich viel dafür tun musste und meine Gastfamilie ist mir mehr ans Herz gewachsen, als ich es mir je erträumt hätte. Gemeinsam haben wir Wochenenden am Strand verbracht, sind über Thanksgiving nach Seattle gefahren, wo ich alle meine Gast -tanten, -onkel und -cousins und -cousinen kennenlernte. Im Frühling verbrachten wir eine Woche in Los Angeles und besuchten Disneyland. Sonntags gingen wir gemeinsam in die Kirche und am Wochenende gingen wir ins Kino, Bowling spielen oder shoppen.
Mit meiner Gasteltern zog ich los um ein Kleid für meinen Abschlussball (Prom) zu kaufen, doch konnten wir meinen Dad nicht für unseren Shoppingwahn begeistern. Seine Reaktion auf das 80. Kleid was uns auch nicht richtig gefiel war "Women!".
Während der deutschen Osterferien kam meine Schwester mich für 2 Wochen besuchen und Ende des Jahres zur "Graduation" kamen meine Eltern, ebenfalls für 2 Wochen.

Ende Juni hieß es Abschied nehmen von einer wunderbaren Zeit die ich erlebt habe, von meiner Gastfamilie und von meinen neuen Freunden! Der Abschied fiel schwer, obwohl ich wusste, dass ich in den Herbstferien wiederkommen würde um alle zu besuchen.

Über 1 Jahr später

Ich habe nicht nur 2 Schukartons voller Fotos, 3 zum platzen gefüllte Koffer, meinen Amerikanischen Führerschein, mein "High School Diploma" und tausende von Abschiedsgeschenken mit nach Deutschland gebracht, sondern vor allem eine Erfahrung und ein Erlebnis, was mir keiner jemals nehmen kann.
Ich hatte wahrlich "The Time Of My Life" und habe heute, über ein Jahr nach meiner Rückkehr, nicht nur eine 1 in Englisch sondern immernoch regelmäßigen Kontakt zu meiner "Familie" und meinen Freunden. Ich war seit meiner Rückkehr 4 Mal drüben und möchte meine Gastfamilie und Freunde nicht missen.

Ich bin jetzt viel selbsständiger und selbstbewusster und freue mich schon in 6 Monaten endlich alle wiederzusehen!!!

Allen zukünftigen Austauschschülern möchte ich Mut machen und viel Spaß im Ausland wünschen! Genießt Eure Zeit dort, denn sie geht viel zu schnell um!

Natürlich wird Euer Jahr nur zu einem großen Erfolg wenn ihr offen und anpassungsfähig seid... Dann jedoch wird es "awesome"....