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Letzte Zeit ist der Austausch von Schülern ins Ausland sehr beliebt geworden. Da es viele Schüler noch vorhaben, möchte ich einfach über mein Jahr berichten und hoffentlich eine Hilfestellung für diejenigen zu geben. Die Naturkatastrophen sollen niemanden davon abhalten.

Vor kurzer Zeit waren wir täglich umgeben von schlimmen Nachrichten aus den USA. Die beiden Hurrikans verwüsteten große Teile des Südens. Das trifft mich leider auch persönlich, denn ich war für ein Jahr in diesem schönen Land. Deswegen möchte ich auch über die guten Seiten schreiben, damit sich eventuell noch mehr Schüler trauen, die ein Austauschjahr in den Vereinigten Staaten verbringen wollen. New Orleans ist leider größtenteils zerstört. Ich kannte diese Stadt noch als einen wundervollen, multikulturellen und lebendigen Ort. Ich war eine Woche bei einem Einheimischen. Er musste auch evakuiert werden und seine Eltern mussten für immer aus dem Ort wegziehen. Besonders schlimm war es, als ich dort überhaupt niemanden erreichen konnte, da ja alle Telefonleitungen tot waren.

Dank Zufall habe ich vor 2 Jahren an einer Informationsveranstaltung von EF High School Year teilgenommen und entschloss mich für ein ganzes Schuljahr ins Ausland zu gehen. EF- das ist eine Austauschorganisation, die schon seit über 40 Jahren besteht und weltweit tätig ist. Jedes Jahr bringt EF etwa 4.000 Schüler aus 30 Ländern ins Ausland. Das EF-Team steht den Schülern und ihren Eltern vor, während und sogar nach dem Austauschjahr mit Rat und Tat zur Seite.
Da es schon immer mein Traum war, das Land der unbegrenzten Möglichkeiten zu erkunden, wollte ich in die USA reisen. Natürlich war es sehr schwierig, meine Eltern zu überzeugen, mich für ein Jahr nach Amerika gehen lassen, doch die Mühe hat sich gelohnt. Meine Eltern sind noch heute, genauso wie ich sicher, dass es die richtige Entscheidung war. Am 5. August 2004 war es soweit, Abschied von Familie und Freunden zu nehmen. Nach etwa 24 Stunden Flug - und Wartezeit an Flughäfen kam ich erschöpft im Bundesstaat Mississippi an, wo ich die nächsten 11 Monate verbringen sollte. Dieser Bundesstaat liegt im Süden der USA am Golf von Mexiko. Sogar im Spätsommer ist es hier sehr heiß, die Luftfeuchtigkeit ist sehr hoch, es kommt oft zu Gewittern. Ab Oktober bis zum Frühjahr ist das Wetter sehr angenehm: mild und trocken, also braucht man hier keine Wintersachen. Mit meiner Gastfamilie hatte ich unheimlich Glück gehabt. So habe ich die unglaubliche Gastfreundschaft der Amerikaner kennengelernt. Ich hatte 3 Gastbrüder. Mein Gastvater war ein Pfarrer - das hieß 3 Mal in der Woche zur Kirche zu gehen. Doch ich machte das freiwillig und schließlich gingen die meisten Jugendlichen meines Ortes auch hin. In der Schule wurde ich auch sehr schnell akzeptiert, schließlich sind die Amis sehr neugierig und wollten den ‘neuen Ausländer’ kennen lernen. So findet man schnell Freunde. Die Schule in Amerika ist anders als in Deutschland. Meine Schule hieß Newton Country High School und hatte etwa 900 Schüler. Jede Schule hier hat ein eigenes Maskottchen, unser war ein Cougar, das ist ein Panter. Die Schulfarben waren Blau und Orange. Das waren auch die Farben in denen unsere Schuluniformen sein mussten. So stand ich jeden Tag vor einer schwierigen Entscheidung: welches Hemd anzuziehen-das weiße, blaue oder doch das orange mit dem Schullogo drauf? Anfangs war ich ein Anhänger der Schuluniform und der Theorie der Gleichheit, weil man so auf die Persönlichkeit des Schülers und nicht auf sein Äußeres achtet. Inzwischen denke ich aber, dass die Uniform in der Schule die Individualität des einzelnen Menschen einschränkt.
Die Ehre der Schule in Amerika ist sehr wichtig. An den Wänden hängen die Plakate mit Aufschriften wie:” We’re Nr. 1 “ oder “We’re the best”. Es ist auch eine Ehre für einen Schulsportclub tätig zu sein und aktiv einen Beitrag für die Berühmtheit der Schule leisten zu können. Sportler an der Schule kennt hier jeder. Zu Heimspielen der Footballmannschaft kamen hier etwa anderthalb tausend, bei Topspielen waren sogar bis zu zweieinhalb tausend Zuschauer, ja bei einem Spiel des Schulteams! Was besonders zählt, ist der sogenannte “School Spirit”-man ist stolz auf seine Schule und will in Sportereignissen zeigen, dass die eigene Schule die beste ist. Insgesamt ist Schulsport sehr beliebt. So bin ich auch ins Schul-Fußballteam eingetreten und wurde sogar zum Kapitän gewählt. Zum Abwechslung durfte ich auch Golf spielen und auch im American Football mittrainieren. Hier gibt es auch keine Beitragsgebühren, wie in deutschen Sportvereinen. Alles bezahlt die Schule. Zum ersten mal habe ich in Amerika auch Wasserski ausprobiert oder gejagt. Alles Sachen, die ich zu Hause nicht hätte machen können.
Ein wichtiger Teil des Lebens, besonders für die Bewohner der Südstaaten, ist die Kirche. Anders als in Deutschland, gibt es hier wohl keine eindeutige Trennung von Kirche und Staat.
Zum Beispiel hat jemand vor jedem Footballspiel laut per Lautsprecher gebetet - alle haben daraufhin den Kopf gesenkt und mitgebetet. Danach kam die Nationalhymne. In der Schule sagt der Schuldirektor jeden Morgen das “Pledge of Alliagence”-das Gebet auf die Amerikanische Fahne. Alle müssen aufstehen, rechte Hand ans Herz, auf die Fahne schauen und dabei das Gebet wiederholen. Dieses Ritual ist sehr wichtig. Insgesamt aber kam mir das alles zu nationalistisch vor. Die Amerikaner lieben ihr Land, sie sind auch anders als wir, recht militaristisch eingestellt. Sie glauben ebenfalls, dass sie im Irak für ihre Freiheit kämpfen und durch den Krieg die Nation vom Weltterror retten. Was ich nicht wusste, ist dass die Amerikanischen Soldaten im Irak alle Freiwillige sind. Aber wie schon gesagt, es ist eine Ehre für die Meisten, ihrem Land zu dienen.
Aber nun zurück zur Schule. Meine Zensuren waren sehr gut, lag aber daran, dass der Schulstoff nicht schwierig war. Durch die guten Noten durfte ich in einen speziellen Ehrenklub der Schule eintreten und deshalb für 3 Tage an die Golfküste zu einer Veranstaltung des Clubs fahren. Was mir noch an dem Schulsystem auffällt, ist, dass man versucht Schüler schon im frühen Alter zum Verantwortungsbewusstsein zu erziehen. Hier zählt auch der Individualismus mehr als die Gemeinschaft. Darauf ist, glaube ich, dass ganze US-System ausgerichtet. Hier werden die Besten ihres Schulfaches oder beim Sport geehrt und in den Himmel gelobt, während man in Deutschland versucht, die Schüler in der Gemeinschaft unterzubringen. Es hat natürlich seine Vor-und Nachteile. Von der vermeintlichen Rassendiskriminierung der Südstaaten habe ich nichts mitbekommen. Ich habe die weiße sowie die farbige Bevölkerung als sehr tolerant empfunden.
Dank meiner Austauschorganisation EF hatte ich auch die Möglichkeit durch die USA rumzureisen. Höhepunkt war mein dreitägiger Aufenthalt in New York. Überall Wolkenkratzer, und man verläuft sich so leicht. Ich habe dort einen weiteren Deutschen kennengelernt und so erkundeten wir die Stadt gemeinsam. NY hat unglaublich viele Sehenswürdigkeiten, natürlich besonders emotional war, als wir vor dem Platz standen, wo das World Trade Center zusammenbrach. Während der nächsten Schulferien verbrachte ich 1 Woche in Kalifornien. Unvergesslich sind dort unsere Aufenthalte in San Francisco mit der Besichtigung der Golden Gate Bridge und der Gefängnisinsel Alcatraz. Danach ging es nach Los Angeles weiter, um Hollywood oder auch die berühmten Stränden von LA zu sehen.
Insgesamt traf ich dort wieder etwa 25 andere Austauschschüler aus der ganzen Welt. Auch nach Florida bin ich während des Jahres mit 4 weiteren Austauschschülern gefahren. Zu Thanksgiving, das ist das Erntedankfest, waren wir mit meinen Gasteltern in Houston, Texas. Besonders spannend war dabei unser Besuch bei der NASA.
Wenn ich zurück blicke, was hat mir dieses Jahr gebracht? Und ich kann mit vollem Optimismus sagen: viel .Ich bin selbstbewusster geworden, neue Erfahrungen gesammelt, habe eine andere Kultur kennengelernt, mein Englisch verbessert. Ich bin meinen Eltern und meiner Austauschorganisation EF sehr dankbar, dass sie es mir ermöglicht haben. Ich kann künftigen Austauschschülern oder noch Unentschlossenen diesen Schritt, für 1 Jahr weg von zu Hause zu gehen nur empfehlen. So lernt man, auch ohne Eltern und Verwandten klarzukommen.

ARTJOM PUSCH