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Ich kann mich noch genau an meine letzten Wochen in Deutschland erinnern. Überhaupt an alles, was schon in Deutschland Teil meines Austausches war. Als ich meine erste Email aus Thailand bekommen habe, sind mir vor Freude die Tränen gekommen und ich habe sofort, nachdem ich nach meiner Mutter geschrieen habe, meine beste Freundin angerufen, die gar nicht so begeistert schien. Die Mails die ich aus Thailand bekam waren ein bisschen durcheinander und ich wusste nicht, wer mir schriebt, aber ich war glücklich, dass überhaupt jemand etwas von mir weiß. Meine Gastfamilie schien sehr beschäftigt, so dass ich fast ohne vorherige Kommunikation nach Thailand geflogen bin.

Als ich mich in Paderborn von meiner Familie und meiner Freundin verabschiedet habe, war ich mir noch nicht wirklich darüber im Klaren, auf was ich mich einlasse. Meine Freude galt erst mal dem Flug, welches der erste in meinem Leben werden sollte. In Frankfurt habe ich dann die anderen drei Austauschschüler getroffen. Malte wohnt wie ich in Bangkok, die anderen weit im Süden und Norden.

Als wir nach 11 Stunden Flug in Bangkok angekommen sind, musste Anni einer Frau erklären, dass sie sie nicht begleiten muss, da sie mit ihrer Familie erst ein paar Tage in Bangkok verbringt. Unsere Worte für Anni waren: “Ok, das 1. Mal Englisch reden…”. Das heißt haben gar nicht an Thai gedacht, da wir alle nur ca. 5 Wörter konnten. Nach einer Stunde sind wir dann auch bei unseren Familien angekommen. Es wurden Fotos gemacht und alles war ein wenig durcheinander. Als ich dann mit der Familie meiner Counselorin im Auto saß, wurde mir das erste mal eine Art von den zig verschiedenen “kanom wan” (= Thai Desserts, die immer sehr süß sind. Da ich nicht so gerne süß esse, mag ich viele nicht.) angeboten, was ich gleich nicht mochte. Das fängt ja gut an dachte ich mir. Aber ich war viel zu sehr damit beschäftigt mir die Stadt anzugucken. Immer wenn ich Auto fahre gucke ich aus dem Fenster um auch ja nichts von der wunderschönen Landschaft Thailands zu verpassen. Ich will jetzt gar nicht so ausführlich schreiben. Meine ersten Tage waren ziemlich durcheinander, weil ich mit vielen verschiedenen Leuten zu tun hatte, von denen ich nicht wusste wer sie sind. Ich kann mir nicht sehr gut Leute merken (wenn ich sie nur kurz sehe sehen sie für mich hier alle gleich aus) und keine Namen, vor allem keine Thai-Namen.

Wir sind dann am Samstag meine Schuluniform kaufen gegangen, welche aus einem hellblauen Hemd einem schwarzen Rock, schwarzen Schuhen und weißen Söckchen besteht.

Am Montag musste ich dann das erste Mal in die Schule. Ich wurde einfach neben irgendwelche Leute in der Morgenzeremonie gestellt, wo alle auf dem Schulhof stehen und die Nationalhymne singen, und da ich nicht wusste, was ich machen soll, hab ich die anderen einfach nachgemacht. Als ich in meine Klasse gekommen bin haben alle durcheinander geschrieen. Wenn ich durch die Schule gehe wird mir immer was zugerufen “Hello Linda” und so was. Ich dachte das hört mal auf, aber das ist nicht so, ich habe mich jetzt dran gewöhnt. Ich bin der einzige Austauschschüler an meiner Schule und deswegen eine ‘Attraktion’.

Ich habe dann bald meinen eigenen Stundenplan bekommen, damit ich mehr Fächer habe, wie Englisch und Französisch, die ich verstehe oder Musik und Kunst, wo ich nicht so viel verstehen muss. Da ich trotzdem noch viele Fächer wie Chemie, Physik und Bio hatte, die ich nicht verstehe, habe ich jetzt im neuen Therm noch mehr Sport und so, damit ich nicht nur so da sitze. Das ist sehr gut, da ich so viele Leute kennenlerne. Nicht nur aus meiner Stufe sondern auch aus der höheren und von den jüngeren. Die Lehrer sind hier alle super freundlich und immer hilfsbereit.

Ich bin sehr glücklich mit meiner Gastfamilie. Ich habe eine 19 Jahre alte Schwester, die zur Uni geht. Meine Eltern und meine Schwester kommen erst Abends nach Hause, das heißt zwischen 18 und 20 Uhr. Da erst um 16 Uhr Schulschluss ist und dann jeder nach Hause geht, habe ich keine Möglichkeit was mit meinen Freunden zu machen. Meine Schule hat auch leider kein Sportteam und es gibt auch keinen Sportclub hier in meiner Nähe. Das ist etwas, was mir hier nicht so gut gefällt, da Sport und meine Freunde in Deutschland sehr wichtig für mich sind.

Wenn ich nach der Schule nach Hause gehe, hab ich nicht so viel zu tun. Ich lese dann ein Buch, schriebe eMails oder gehe in das Büro meiner Mutter, wo es 3 Mal in der Woche mehr oder weniger regelmäßig Aerobic gibt. Ich gehe ca. 2-3 Mal im Monat mit zu meinem Rotary Club. Dort habe ich auch schon öfters etwas erzählt, was ich so mache.

Mit der Sprache klappt es jetzt auch mehr oder weniger gut. Nach den Ferien im Oktober habe ich angefangen mit meinen Freunden und den ganzen anderen Thais thai zu reden. Ich kann kleine Gespräche führen und verstehe die Leute auch meistens, wenn sie langsam und deutlich reden. Ich lerne immer wieder neue Wörter dazu. Aber trotzdem, wenn die Thais untereinander reden, verstehe ich nur einzelne Wörter und kann meistens keinen Zusammenhang finden. Wenn ich aber was zu klären hab oder ich mehr sagen will, suche ich mir einen, der Englisch kann, was nicht wirklich schwer zu finden ist, und dann rede ich englisch - aber die alltäglichen Dinge sage in Thai.

Wenn meine Mutter Abends nach Hause kommt, kochen wir oft zusammen oder wir warten und fahren dann alle zusammen in eines der zahlreichen kleinen Restaurants in den Strassen.

Es heißt deswegen “Thailand, the kitchen of the world”, weil es so viel verschiedene Früchte hier gibt. Die meisten habe ich noch nie gesehen, aber sie sind alle super lecker und billig, wie alles hier in Thailand. Man kann hier in Thailand nie hungrig werden, da es an jeder Straßenecke einen kleinen Stand gibt, an dem man etwas zu Essen kaufen kann. Das heißt nicht wie in Deutschland im Supermarkt rohes Gemüse oder so, man bekommt es fertig zubereitet. Ob es Reis oder Nudeln sind, ganz egal. Viele Familien stellen sich an die Strasse und verkaufen ihr Essen. Das ist ganz normal. Zuerst mag man denken, dass es dreckig ist und man krank wird, aber wenn man die ersten Wochen vorsichtig war, ist das kein Problem und man denkt gar nicht mehr darüber nach.

Ich habe schon sehr viel von Thailand gesehen, da es an den Wochenenden immer Leute gibt, die mich irgendwo mit hin nehmen. Viele haben ein anderes Haus außerhalb von Bangkok, wo die Großeltern wohnen. Viele junge Leute sind nach Bangkok gezogen, um zu arbeiten, aber die Großeltern sind in den kleinen Orten geblieben. So bin ich schon mit meiner Thaifreundin, ihrer Familie und mit meiner Familie in ein solches Haus gefahren.

In Bangkok gibt es fast keine Grünflächen, nur Häuser und Straßen. Manchmal, wenn man an der Straße steht und längere Zeit auf den Bus oder jemanden wartet, ist das nicht grad so toll, weil es so laut ist und nach Abgasen riecht, aber wenn man aus Bangkok raus kommt, sieht man Felder (meistens Reis), Bananenbäume, Palmen, Berge und viele andere schöne Landschaften. Ich war sogar schon im Süden Thailands. Das war unsere erste Tour von Rotary. Wir waren mit den 31 YEs mit dem Bus unterwegs. Die Strände, das Wasser und alles Drumherum waren einfach traumhaft. Es war echt cool, mit so vielen verschiedenen Leuten aus der ganzen Welt auf Tour zu gehen! Wir haben uns untereinander sehr gut kennengelernt und auch nach dem Trip oft in Bangkok getroffen.

In Thailand gibt es auch viel Armut . Auf den zahlreichen Fußgängerbrücken oder am Straßenrand sitzen Kinder oder alte Leute und betteln. Es gibt überall Häuser, wo in Europa keiner nur dran denken würde drin zu leben. Sie haben kein fließendes Wasser, sind dreckig und sehr zerfallen. Man sieht auch Leute, die in den Mülltonnen rumwühlen und nach Essen suchen.

Viele Restaurants oder “Strassenstände” schmeißen die Essensreste einfach an die Straßenecke, die dann die vielen Straßenhunde essen, oder in den Fluss. So etwas wie Mülltrennung gibt es hier glaub ich gar nicht.

Alles was jetzt vielleicht negativ scheint, ist gerade das interessante an Thailand. Als Tourist mag man sich vielleicht fragen, wie man so leben kann, oder man kommt nur in die schönen Gegenden und sieht es erst gar nicht. Wenn man jedoch für längere Zeit hier mit den Thais zusammen lebt, bekommt man einen guten Einblick in das Leben. Man fragt sich, wieso wir in Europa so viel “Luxus” brauchen.

Ich denke es ist sehr wichtig, einmal diese Erfahrungen zu machen, in einem Land zu leben, welches nicht auf dem gleichen Stand ist wie Deutschland und alles so verschieden scheint. Der Austausch mit Thailand oder auch mit anderen asiatischen Ländern sollte mehr gefördert werden.

Linda 10.Oktober 2003