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Wie alles begann…

Wann genau ich mir ueberlegt habe fuer ein Jahr ins Ausland zu gehen, weiss ich nicht mehr. Aber es war vor ungefaehr 4 Jahren. Damals hatte ich aber noch keine Ahnung in welches Land und in den naechsten Jahren habe ich ueber viele verschiedene nachgedacht.
Als wir dann vor zwei Jahren Austauschschueler aus Norwegen aufgenommen hatten, war meine Entscheidung klar: Ich wollte nach Norwegen. Nun hatte ich noch zwei Jahre Zeit um mich um das Geld, eine Organisation und alles andere zu kuemmern. Ich sparte jeden Cent, da meine Eltern nicht gunug Geld hatten um mir das Jahr zu bezahlen, und fand schliesslich auch eine passende Austauschorganisation. Norwegen wurde immer mehr zu meinem Traumland und als ich mich dann bei YFU bewarb, gab ich es als einzigsten Laenderwunsch an.

Natur

Das Auswahlgespräch

Im August 2003 war es dann endlich so weit. Ich hatte eine Einladung zum Auswahlgespraech. Und ich hatte absolut keine Ahnung, was ich davon erwarten sollte. Total aufgeregt sass ich also im Wartesaal, ueber eine Stunde zu frueh. Meine Angst verschwand dann aber bald, als auch die anderen Bewerber kamen. Wir hatten viel Zeit uns kennen zu lernen und als wir dann endlich reingerufen wurden ging es mir gar nicht mehr so schlecht.
Uns wurden dann Situationen geschildert und wir sollten unsere Meinung dazu sagen oder darueber diskutieren. Als ich danach nach hause fuhr hatte ich kein gutes Gefuehl. „Warum sollten sie ausgerechnet mich nehmen? Die anderen haben viel mehr und Besseres gesagt als ich.“
Genau 6 Tage spaeter lag ein Brief von YFU auf meinem Schreibtisch, als ich nach Hause kam. Ich habe mich erst nicht getraut ihn zu oeffnen, aber es war nun mal der einzige Weg raus zu finden, ob sich mein Traum erfuellen sollte. Und er sollte es! Das Gefuehl, wenn man diesen Brief in der Hand haelt, kann man nicht beschreiben. In diesem Moment geht einem alles durch den Kopf.

Vorbereitungstagung (VBT) im Mai 2004

Inzwischen ist viel Zeit vergangen und ich habe den Vertrag unterzeichnet, mich mit Ehemaligen getroffen und viele Infos ueber das Leben als Austauschschueler und das Leben in Norwegen erhalten. Ausserdem habe ich einen Sprachkurs angefangen.
Nun kam die Einladung zur VBT. Ich hatte schon viele davon schwaermen hoeren, aber ich konnte mir darunter nichts vorstellen und vor allem nichts, was sogar „als das Beste vom Austauschjahr bezeichnet wurde“. Uebers Internet hatte ich einige Leute gefunden, die auch dort hin fahren sollten und so waren es in Bad Oldesloe am Bahnhof zuerst 12, und spaeter ueber 12 Leute, die alle nur ein Ziel hatten: VBT in Nienwohld!
In Nienwohld waren wir dann insgesamt 40 Austauschschueler und 11 Teamer. Alle waren oder wollten fuer ein Jahr ins europaeische Ausland.
Ich will und kann euch nicht die Einzelheiten dieser Woche beschreiben. Aber es war definitiv eine der besten Wochen meines Lebens. Es war einfach so ein tolles Gefuehl sich mit Leuten zu unterhalten, die genau das gleiche Ziel hatten, die gleichen Gedanken oder Probleme. In dieser Woche habe ich Freunde gefunden, auf die ich heute nicht mehr verzichten moechte und ich hatte das Gefuehl in nur 7 tagen ein anderer Mensch geworden zu sein. Als die Woche zu Ende war, waere ich am liebsten sofort ins Flugzeug gestiegen. Nach Hause wollte ich nicht. Es dauerte ein paar Tage oder auch Wochen, bis ich in mein normales Leben zurueck gekehrt war. Jetzt hatte ich nur noch knapp 2 Monate.

Der Countdown

Die letzte Zeit verging wie im Flug. Abschiedsparty, Veranschiedungen, packen, planen, Gastgeschenke kaufen,... Aber vor allem Fragen ueber Fragen. „Was ist, wenn du keine Freunde findest? Oder du mit deiner Familie nicht klar kommst? Was ist, wenn dein Traum ploetzlich zum Alptraum wird?“ Antworten habe ich nicht gefunden.
Es war der 5.August 2004, mein Abflugstag. Ich stand in Frankfurt am Flughafen, mit verheulten Augen und einem schrecklichen Gefuehl im Magen. Schon zwei Stunden spaeter stand ich zusammen mit 14 anderen deutschen Austauschschuelern am Osloer Flughafen und hoerte mir die Willkommensrede eines YFU Mitarbeiters an.
Die naechsten zwei Tage hatten wir eine kurze Einfuehrung in Sprache und Kultur und lernten so auch die anderen Austauschschueler, die von ueberall aus der Welt kamen, kennen. Zusammen mit drei anderen stieg ich dann am 7.8. ins Flugzeug nach Stavanger, meiner zukuenftigen Heimat, und eine Stunde spaeter sass ich schon mit meiner neuen Familie im Auto auf dem Weg in mein neues Zuhause. Ich konnte nicht viel sagen. Ich war einfach so ueberwaeltigt und aufgeregt, und ich weiss nicht, was noch alles.

Biancas Gastfamilie

Der erste Monat

Die erste Woche waren hier in Norwegen noch Ferien. Deshalb unternahm ich jeden Tag etwas mit meiner Familie und lernte so schnell, mich in der Stadt zurecht zu finden. Dadurch, dass ich zwei Gastschwestern in meinem Alter habe, lernte ich gleich viele Leute kennen. Durch meinen Sprachkurs habe ich nach zwei Wochen nur noch Norwegisch gesprochen und die anderen auch nicht mehr Englisch mit mir.
Dann war es so weit, der erste Schultag nahte und ich war wieder mal aufgeregt. Ich hatte nur zwei Stunden am ersten Tag, so dass ich nicht viel vom Schulleben mitbekam. Die erste Woche in der Schule war fuer mich aber bis jetzt die schlimmste Zeit hier. Man lernt zwar so viele Leute kennen, dass man am Ende des Tages nicht mal die Haelfte der Namen behalten hat, aber man hat eben noch keinen, mit dem man die Pausen verbringen kann. In dieser Zeit hiess es dann durchhalten und sich immer wieder ins Gedaechtnis zu rufen, warum man hier ist.
Der Unterricht war und ist sehr leicht, alle Faecher sind Doppelstunden und man hat keine kleinen Pausen zwischen den Stunden, dafuer aber einmal 15 und einmal 30 Minuten Pause.

Ich war nun schon mehr als zwei Wochen in der Schule. Verstehen tue ich das Meiste und ich kann mich sogar schon beteiligen. Freunde habe ich noch nicht, dafuer weiss ich aber mit wem ich die Pause verbringen kann und ich habe auch mehrere Leute, mit denen ich mich schon richtig unterhalten kann und aus denen sicher noch Freunde werden.
Heimweh hatte ich einmal am Wochenende. Aber das war nicht richtig schlimm. Man sollte in der ersten Zeit einfach versuchen viel zu unternehmen, um sich abzulenken. Nach dem ersten Monat wird es besser.
Vielleicht noch kurz etwas zu den kulturellen Unterschieden. Der Tagesablauf ist viel entspannter, es ist bloss alles etwas spaeter, jeder hat hier ein Lunchpaket („matpakke“) mit in der Schule, Norweger trinken viel Milch und essen viel Brot (was hier auch besser schmeckt), Milch gibt es in ueber sieben Ausfuehrungen ( 0,1%, 0,7%,...Fett), es ist super teuer (eine Kugel Eis 3€), und wie man das von den Norwegern kennt, sind sie viel draussen.

Stavanger bei Nacht

Der Alltag beginnt

Nach nun fast drei Monaten ist hier der Alltag eingekehrt. Ich bin ein noramles Familienmitglied geworden und habe auch dementsprechende Aufgaben. In der Schule habe ich gute Noten und kann dem Unterricht ohne Probleme folgen. Freunde habe ich inzwischen auch gefunden. Ich kann euch nur raten, immer wieder auf die Leute zu zugehen, denn nur so kommt man an die Norweger ran. In meiner Freizeit singe ich hier in einem Chor und tanze, wodurch ich auch noch viele Leute kennen gelernt habe. An Wochenende oder auch in der Woche treffe ich mich mit Freunden oder anderen Austauschschuelern. Ich habe hier ungewohnt viel Freizeit und hatte damit in der ersten Zeit wirklich Probleme. Inzwischen habe ich gelernt, damit umzugehen. Ein wichtiger Teil meines Lebens sind andere Austauschschueler geworden. Mit YFU haben wir hier einmal im Monat ein Landesgruppentreffen, wo wir zusammen Pizza essen oder uebers Wochenende wegfahren. Ich treffe mich aber auch so mal mit denen oder letztens z.B. hatten wir ein Treffen zusammen mit AFS.

Heimweh ist fuer mich immer noch kein Problem, ich telefoniere einmal die Woche mit meinen Eltern und habe regelmaessigen e-mail Kontakt zu meinen Freunden. Allerdings vermeide ich es mit meinen Freunden am Telefon zu sprechen, da mich das zu sehr aus meinem Leben hier in Norwegen rausreisst. Ich kann mir ein Leben ohne meine Freunde und meine Familie hier gar nicht mehr vorstellen und wenn ich manchmal an den Tag meiner Abreise denke, weiss ich nicht, wie ich das schaffen soll.