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Bibi verbrachte ihr Austauschjahr 03/04 in Eastermar/Friesland in den Niederlanden.

Als ich am 03. August 2003 am Bahnhof in meinem Heimatort stand und mich von meiner Familie und Freunden verabschiedet habe, wusste ich nicht wirklich was mich in den kommenden 11 Monaten erwarten würde.

Ich stieg also in den Zug, der mich in die Niederlande bringen würde. Nach einer etwas anstrengenden Zugreise wurde ich in Heerenveen von meiner YFU-Betreuerin in Empfang genommen. Bei ihr habe ich die erste Woche verbracht, da meine Gastfamilie zu dem Zeitpunkt noch im Urlaub war. Nur meine älteste Gastschwester Anke war zu Hause, musste jedoch jeden Tag arbeiten.

Ich habe also erst einmal mit meiner Area Rep das 1500 Einwohner zählende Dorf erkundet, meine Gastschwester besucht und Fahrradtouren gemacht.

Als ich dann nach einer Orientierungswoche im Süden der Niederlande endlich echt zu meiner Gastfamilie ziehen konnte war ich noch aufgeregter als bei der Abreise! Ob ich da wohl in die Familie passen würde? Ob ich die verstehen konnte? Ich wollte ja schließlich möglichst bald möglichst gut Niederländisch sprechen!

Das alles stellte sich als kein einziges Problem heraus. Mit meiner Gastfamilie verstand ich mich super, auch wenn ich anfangs noch etwas schüchtern war. Das legte sich aber zum Glück mit der Zeit, weil ich mich einfach pudelwohl gefühlt habe!

Ich besuchte eine Schule im 15 km entfernten Buitenpost, wo ich jeden Morgen mit dem Fahrrad hinfuhr. Zuerst fand ich das eine äußerst grauenvolle und unzumutbare Tour, aber auch daran gewöhnt man sich mit der Zeit.

Ich war mit meiner Gastschwester Elbrich in einer Klasse, sodass wir meistens zusammen fahren konnten.

Die Holländer sind ein sehr offenes Volk und sie gehen ganz unbefangen auf Fremde zu, das fand ich toll! So habe ich in der Schule relativ schnell Anschluss gefunden. Trotzdem war es eher selten, dass ich mich nachmittags mit Freunden treffen konnte, da alle soweit voneinander entfernt wohnten. Die Freundschaften konnte man also nur am Wochenende und in der Schule ausleben.

Mit meiner Gastfamilie habe ich immer wieder kleine Ausflüge durch die Niederlande gemacht, was ja wegen der geringen Größe des Landes kein großes Problem ist. So sind wir zusammen an die Nordsee gefahren, nach Den Haag (wo meine Gastschwester und ich den Premierminister gesehen haben!!!) und mit meinem Gastvater und meiner Schwester Hilde habe ich eine Wattwanderung nach Ameland unternommen!

Die Sprache habe ich übrigens ziemlich schnell ganz gut drauf gehabt. Auch wenn das Verstehen am Anfang immer noch einfcaher war, als das selber Formulieren! Nach 1 bis 2 Monaten konnte ich mich schon gut unterhalten. Außerdem hatte ich das Glück in der Provinz Friesland zu wohnen. Die Friesen sind ein ziemlich eigenes Völkchen, die neben dem Niederländischen noch ihre eigene Sprache (Friesisch) haben, ihre eigene Flagge und ihre eigene Nationalhymne(!). Da auch in meiner Gastfamilie Friesisch gesprochen wird, bin ich sozusagen zweisprachig aufgewachsen.

Ein besonderes Erlebnis war Sinterklaas (Nikolaus). Da die Niederlande im 15. Jahrhundert zum spanischen Königreich gehörten, kommt der Nikolaus auch heute noch mit dem Schiff aus Spanien.

Schon 2 Wochen vor dem 6. Dezember kommt er zusammen mit seinen Helfern, den Zwarte Pieten (Schwarzen Petern) angereist, was in den Niederlanden in allen Städten und Dörfern für die Kinder nachgespielt wird.

Am 5. Dezember is pakjesavond, der Tag an dem die Geschenke ausgepackt werden. Geschenke gibt es zu Nikolaus wie bei uns zu Weihnachten, mit der Besonderheit, dass man zu jedem Geschenk ein Gedicht schreibt und eine surprise macht. D.H dass das Geschenk so verpackt wird, dass man nicht den Inhalt erschliessen kann.

Weihnachten dagegen wurde wesentlich kleiner gefeiert. Schon Anfang Dezember wurde der Baum gekauft und aufgestellt. So etwas wie Adventskranz oder Advebtskalender ist den Niederländern nicht bekannt, in meiner Gastfamilie habe ich den Kalender jedoch eingeführt.

Am Heilig Abend bin ich mit meiner Familie in den Gottesdienst gegangen und habe davor meine Geschenke ausgepackt – in der Werbepause von irgendsoeinem Film, der grade im fernseher lief... Das war schon komisch, aber ich habe nix vermisst. Das ganz spezielle „Weihnachtsgefühl“ habe ich ja an Nikolaus schon gehabt.

Silvester war eigentlich nicht viel anders als in Deutschland. Um 00:00 Uhr wurden Raketen abgeschossen und mit Sekt angestoßen. Außerdem gab es noch appelflappen und nieuwjaarsrolletjes, holländische Silvesterspezialitäten.

Ich habe den Jahresewchsel einfach im Kreise meiner Gastfamilie und Freunden gefeiert. Später wollte ich eigentlich noch mit Anke und Elbrich, meiner ältesten und jüngsten Gastschwester, zu einer Silvesterparty fahren. Letztendlich war ich aber so müde, dass ich doch zu Hause geblieben bin.

Überhaupt ist das Ausgangsleben in Holland um einiges anders. In Discos darf man in der Regel schon ab 16, in manche sogar ab 14. Man verbringt den ersten teil des abneds oft zu Hause oder mit Freunden und bricht dann esrt gegen Mitternacht zur Disco auf. Dass auch 15 jährige bis 3 Uhr nachts wegbleiben ist nicht grade ungewöhnlich, soweit ihre Eltern iwssen, dass sie einen sicheren Transport nach Hause haben.

Ende April war dann mein Geburtstag. Zusammen mit Elbrich habe ich eine kleine Feier geplant, zu der ich ein paar Freundinnen eingeladen habe. Das war aber erst einen Tag später. An meinem eigentlichen Geburtstag kamen meine Gastgroßeltern zu Kaffe und Kuchen, mein Gastonkel kam abends noch vorbei und auch unsere Nachbarn kamen kurz rüber.
In Holland ist es Sitte auch den Familienangehörigen zum Geburtstag zu gratulieren. Als meinen Gasteltern zu meinem Geburtstag gratuliert wurde, habe ich gemerkt, dass ich auch von Außenstehenden zur Familie gezählt wurde. Das war echt ein tolles Gefühl! Überhaupt war das einer der schönsten Tage!

In der Schule war LSD, eine Abkürzung für laatste schooldag(Letzter Schultag), also soetwas ähnliches wie Abistreich. Ich hatte also an meinem Geburtstag weder Unterricht noch Hausaufgaben und konnte den Tag voll und ganz genießen. Außerdem war es der letzte Schultag vor den Maiferien!

Am 30. April ist koninginnedag(Königinnentag). Dies ist der Geburtstag der Königin Juliana. Sie war die Mutter von der jetzigen Königin Beatrix, ist allerdings im Dezember letzten Jahres gestorben. Trotzdem hat man beschlossen Koninginnedag weiterhin zu feiern.
An dem Tag fuhr ich mit der ganzen Familie nach Groningen, wo meine Gastschwester Anke wohnt. Denn in diesem Jahr sollte die Königin nach Groningen kommen! Leider haben wir sie verpasst, aber es war den ganzen Tag über ein einziges großes Fest in der Stadt bis spät in die Nacht hinein. Zusammen mit Elbrich und Hilde (Hilde ist die mittlere meiner Gastschwestern) habe ich bei Anke übernachtet und ich bin mit Elbrich durch Groningen geogen. Nachmittags erst zum Einkaufen und abends zum Feiern.

Und dann rückte die Abfahrt immer Näher. Ich konnt mir immer weniger vorstellen wieder in deutschland bei meiner echten Familie zu wohnen. Meine Gastfamilie ist in diesem Jahr zu meiner zweiten Familie geworden und die Niederlande und insbesondere das Dörfchen Eastermar zu meiner zweiten Heimat.

Im ganzen letzten Jahr habe ich meine Familie und Freunde in Deutschland nur aus der Entfernung betrachtet und ich hatte das Gefühl: „Jetzt bin ich ein Jahr ohne all das klargekommen, warum soll ich jetzt das, was ich mir hier aufgebaut habe schon wieder verlassen?“

Der letzte Tag war schrecklich. Ich hatte mich schon drei Tage vorher von Anke verabschieden müssen, da sie zurück nach Groningen gefahren ist. Schon da habe ich geheult, aber als ich dann entgültig ins Auto steigen musste, dass mich zum Bus bringen sollte habe ich den Tränen einfach freien Lauf gelassen. Elbrich und ich hatten als Abschiedsgeschenk noch eine Kette mit Kleeblattanhänger von unseren Eltern bekommen mit den Worten: „Du hast ein Jahr lang zu unserem Kleeblatt gehört. Jetzt gehst du nach Hause zu eurem Kleeblatt dort. Aber du wirst immer zu unserem Kleeblatt gehören!“
Nachdem ich also zusammen mit Elbrich eine Weile geheult habe, musste ich wirklich ins Auto steigen und meine Gasteltern haben mich nach Utrecht zum Bus gebracht.
In Utrecht sind wir erst noch bei Hilde vorbei gefahren, die mich dann mit zum Bus gebracht hat. Elbrich konnte leider nicht mitkommen und Anke war ja soweiso in Groningen.

Als ich dann aber nach 5 Tagen YES (Young European Seminar) in Berlin in Hannover ankam und meine Familie wiedersah, die ich ein Jahr zuvor zurückgelassen hatte, freute ich mich doch riesig! Als überrschung standen meine 3 besten Freundinnen mit einem Bettlaken mit der Aufschrift „HERZLICH WILLKOMMEN!“ vor unserer Haustür. Das war wirklich ein gelungener Abschluss und gleichzeitig Anfang.