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Warum Neuseeland?

Warum ich mich für ein Auslandsjahr in Neuseeland entschieden habe, wurde ich so oft gefragt und habe viel über diese Frage nachgedacht, da ich am Anfang nie eine gute Antwort wusste. Vor einigen Jahren ging die Tochter einer Bekannten für ein Jahr in die USA und als sie zurückkam und ich sah wie sehr sie sich zum positiven verändert hatte und wie begeistert sie von ihrem Auslandsjahr erzählte, beschloss ich dass ich das auch wollte. Zu dem Zeitpunkt war ich in der 7.Klasse. Ich erzählte meinen Eltern von meinem Plan und sie unterstützen die Idee, aber ich denke sie haben es nicht wirklich ernst genommen. Als ein Jahr später die Prospekte der Organisationen ins Haus flatterten, bekamen sie dann nämlich doch einen kleinen Schreck und fragten mich, ob ich mir sicher war dass ich das wollte und ob denn ein halbes Jahr nicht reichen würde. Aber ich war fest überzeugt, dass ein Jahr viel mehr bringen würde als "nur" 6 Monate. Somit war auch das geklärt und es ging an die Länderwahl: Ich wollte nicht in die USA(Dafür hatte ich mehrere Gründe, die ich hier jetzt nicht erläutern werde), es sollte aber ein englischsprachiges Land sein. Da wir früher immer Aupair - Mädchen in unserer Familie hatten und die letzte aus Neuseeland war und meiner Familie und mir immer wunderschöne Fotos von dem Land gezeigt hat und toll Geschichten von der freundlichen Kiwi-Art erzählt hat, war ich schon immer neugierig auf "ihre Heimat" und somit fiel die Entscheidung wohin es gehen sollte auch ziemlich schnell. Meine Eltern meinten jedoch, dass sie mich nur so weit weg lassen wollten, wenn ich in die Stadt gehen würde, in der die Familie unseres alten Aupairs wohnt: Christchurch Da ich damit absolut kein Problem hatte, da ich sowieso in eine größere Stadt als meine Heimatstadt wollte, waren alle Punkte geklärt und ich habe angefangen mich zu bewerben.

My first 7 month in Aotearoa/New Zealand

7 Monate meines Auslandsjahres hier in Neuseeland sind nun schon vorbei... Zeit für einen Zwischenbericht wie ich finde um zu erzählen, wie schnell die Zeit verging! Unglaublich! Manchmal kommt es mir vor als wäre ich gestern in Frankfurt erst los geflogen und trotzdem ist so viel passiert in den letzten Monaten.
Ich erinnere mich genau an den 26.Januar 2008 ... der meiner Meinung nach schlimmste Tag meines Lebens - der Tag an dem ich Abschied nehmen musste. Am Abend vorher hatte ich eine kleine Abschiedsparty mit meinen besten Freunden...die letzte Nacht in Deutschland habe ich bei meinem Freund verbracht und habe ziemlich schlecht geschlafen. Als ich morgens um 8 (für meine Verhältnisse ziemlich früh) aufgewacht bin, habe ich meinen Freund aufgeweckt um das erste Mal an diesem Tag in Tränen auszubrechen. Es sollte nicht das letzte Mal bleiben. Er hat mich nach Hause gebracht und ich habe angefangen meinen Koffer zu packen. Ich konnte nur das nötigste mitnehmen, da mir nur 20 kg erlaubt waren von der Fluggesellschaft...als ich das erste Mal gewogen habe hatte ich 31 kg. Also musste ich 11 kg meiner Dinge wieder auspacken. Am Ende war mein riesiger Koffer (der selbst nur 3.9 kg wiegt) halb leer, aber immerhin nur 20 kg (laut meiner Waage), und ich hatte mich schweren Herzens von so vielen Dingen verabschiedet für fast 11 Monate.
Am späten Nachmittag kam mein Freund wieder und bald darauf auch meine Oma und mein Opa und meine Mama hatte ein superleckeres Abendessen für uns alle gekocht. Ein letztes Mal mit den Menschen, die mich am besten kennen, an einem Tisch sitzen für lange Zeit - es war ein komisches Gefühl. Um 20.30 Uhr hieß es Abschied nehmen von meinen Großeltern und mit meinen Eltern, meinen Brüdern und meinem Freund ins Auto nach Frankfurt steigen. Dort habe ich meine 7 Mitstreiter meiner Organisation Ayusa getroffen, alle mit demselben Ziel am anderen Ende der Welt: Aotearoa. Neuseeland. Das Land der weißen Wolke.
Mein Koffer war dann doch 21.1 kg, aber war zum Glück kein Problem - Der Abschied von meinem Freund und meiner Familie war dann doch das größere Problem, aber letztendlich hatte ich auch das unter vielen Tränen geschafft. Als ich endlich durch die Absperrung war wich meine Traurigkeit über den Abschied der Vorfreude auf mein großes Abendteuer in der Ferne ...

Marielle auf den Port Hills von Christchurch mit Blick auf Lyttleton Harbour

Als um 23.15 Uhr das Flugzeug endlich abgehoben war und es kurz darauf noch ein Abendessen gab (für mich das zweite an diesem Tag...), habe ich mich wirklich gut gefühlt. Ich habe mein Abschiedsbuch herausgeholt...die letzten Monate hatte ich es herumgegeben...meine Freunde und meine Familie hatten hinein geschrieben und ich hatte es doch wirklich geschafft kein einziges Mal reinzuschauen! Nun endlich war der Moment gekommen...schon auf der ersten Seite musste ich weinen...meine beste Freundin hatte doch tatsächlich 10 Seiten mit Geschichten über uns und Bildern der letzten 5 ½ Jahre gefüllt. Und so ging es weiter: Wunderschöne Texte, lustige Bilder. Ich musste soviel unter Tränen lachen während des Lesens. Ich hatte erwartet, dass es eine tolle Erinnerung wird, dieses Buch...aber so toll? Nie! Als ich durch war bin ich über der Frage, wie ich so tolle Menschen zurück lassen konnte, bin ich eingeschlafen und erst in Singapur wieder aufgewacht. Dort kam uns schwüle Luft entgegen und jeder war froh, als wir nach 1 ½ Stunden wieder zurück ins Flugzeug konnten. Die nächsten Stunden bis Sydney wurden mit Essen, Filmen, Musik, reden, das Abschiedsbuch ein zweites Mal lesen, den Zettel über meine Gastfamilie zum tausendsten Mal lesen und schlafen verbracht. Da wir in Sydney ungefähr 2 Stunden zu spät ankamen hatte unser Anschlussflugzeug nach Auckland schon eine Stunde auf uns gewartet...wir sind also zu 8. durch den Flughafen von Sydney gerannt und als wir dann endlich bei der Handgepäckkontrolle ankamen hat es natürlich ausgerechnet bei mir gepiepst. Sie wussten nicht was es war und haben dann meine Kamera total auseinander gebaut mit der Aussage: "I have NEVER seen such a small camera!" Ganz toll...ich hatte so Angst, aber letztendlich haben sie es dann akzeptiert und mich durchgelassen und unser Flugzeug ist mit 1 ½ Stunden Verspätung nach Auckland gestartet. Dort sind wir ohne Probleme durch die Zollkontrolle gekommen, aber dann - oh Schreck - war keiner unserer Koffer da und niemand konnte uns sagen WO sie waren. Nach 2 Stunden wurde uns dann gesagt, dass sei in Sydney vergessen würden und wohl in den nächsten Tagen geschickt werden würden. Da wir alle so müde waren hat es uns nicht viel ausgemacht und wir haben endlich den Flughafen verlassen und wurden dort von der besorgten Leiterin der Partnerorganisation ARK International begrüßt. Wir hatten erst einmal 3 Tage in Auckland Vorbereitungscamp bevor wir zu unseren Gastfamilien weitergefahren/flogen sind. Diese drei Tage waren sehr sehr viel Spaß und informativ und man hat schon erste Kontakte knüpfen können mit den Brasilianern und Italienern, die ebenfalls mit ARK nach Neuseeland gekommen waren. Wir haben verschiedenste neuseeländische Lebensarten kennen gelernt und auch typisches Essen der Kiwis probieren müssen. Mir persönlich hat weder Vegimite noch Pie geschmeckt und ich esse bisher immer noch nicht, obwohl mir mein Gastbruder immer wieder davon vorschwärmt *lach*.
Am 31.Januar mussten wir uns dann alle voneinander verabschieden und ich ganz besonders, da ich als einzige auf die Südinsel flog. Alle anderen hatten sich für eine Stadt/Schule auf der Nordinsel entschieden. Also bin ich ein letztes Mal in ein Flugzeug gestiegen (hier war mein Koffer plötzlich 23.3 kg schwer...) und bin auf dem fast 2 stündigen Flug fast vor Aufregung umgekommen. In Christchurch verließ ich das Flugzeug und hatte erwartet erstmal meinen Koffer zu holen und DANN meine Gastfamilie zu treffen, aber nein...in Neuseeland holt man nicht zuerst seinen Koffer. Ich habe den totalen Schreck bekommen als plötzlich eine ziemlich kleine und jung aussehende Frau auf mich zukam und mich in den Arm nahm und meinte: "Hi Marielle, I am so glad you are here! I am Pat!". Das war also meine Gastmutter. Ich hatte nie zuvor Fotos meiner Gastfamilie gesehen, nur einige kurze (und nicht sehr warmherzige) Emails bekommen und wusste so gut wie nichts über sie. Bevor ich irgendetwas sagen konnte meinte sie: "That is Alex! And here is Ryoko, she arrived yesterday!". Mein 10jähriger Gastbruder grinste mich schüchtern an und hat sich danach gleich hinter seiner Mama versteckt und meine japanische Gastschwester hat nicht mehr als ein Hi über die Lippen gebracht, wie sich später herausstellte, einfach weil sie kein Englisch konnte. Im nächsten Moment umarmte mich eine andere Frau. Ich war total verwirrt wer das denn nun war...es war die Homestay Betreuerin meiner Schule, die mir einen großen Umschlag mit sämtlichen Infos über die Schule und Christchurch, meine neue Heimatsstadt, in die Hand drückte. Dann verschwand sie auch wieder und ich konnte endlich meinen Koffer holen. Während der Autofahrt zu meinem neuen zu Hause wurde nicht viel geredet und wenn jemand etwas gesagt hat, habe ich nicht viel verstanden, weil der Akzent mich so verwirrt hat. Als wir ankamen gab mir meine Hostmum eine kleine Hausführung um mir am Ende mein Zimmer zu zeigen, das ich vom ersten Moment an geliebt habe! Ein riesiges Doppelbett, ein wunderschöner (von meinem Gastvater selbstgebauter) Schreibtisch, ein Fernseher und den besten Ausblick des ganzen Hauses: in die Nachbar Gärten und unsere Einfahrt. Ich liebe es immer zuerst zu wissen, wenn jemand uns besuchen kommt *lach*.
Da ich mich im Wohnzimmer ziemlich fehl am Platz gefühlt habe, da meine Gastmutter Besuch von einer Freundin bekommen hatte, habe ich mich in mein Zimmer verkrochen und meinen Koffer ausgepackt. Als das erledigt war ging ich wieder runter um meine Gastmutter einige Dinge zu fragen, wo ich verschiedene Dinge verstauen kann (z.B. meinen Koffer). Und dann plötzlich steht ein Mann hinter mir. Nicht gerade dünn, verschwitzt, lockige Haare und ein riesiges Lächeln auf dem Gesicht. Er meint zu mir: "You must be Marielle! Hey i am Dave" (Mir war plötzlich klar, dass das mein Hostdad David sein musste, der grade von der Arbeit nach Hause gekommen war). Mehr als ein yes habe ich nicht herausbekommen und er meinte: "It is so good to see you after all the letters" Meinte er meine 4 Emails? Anscheinend. Wie sich später herausstellte sind meine Gasteltern beide ziemlich hoffnungslos am Computer, was die wenigen und kurzen Emails bevor ich kam erklärte. Am Wochenende lernte ich dann noch meinen zweiten Gastbruder Harry (5 Jahre) kennen und damit war die Patchwork Familie Lodge&Vile vollständig: Meine Gastmutter Pat (51 Jahre), arbeitet in der Bank of New Zealand und ihr Sohn Alex (10 Jahre). Mein Gastvater Dave (41 Jahre), Bauarbeiter (und unser persönlicher Koch) und sein Sohn Harry (5 Jahre), der jedes zweite Wochenende bei uns verbringt. Ryoko(16) aus Osaka in Japan und ich, Marielle, zu dem Zeitpunkt 15 Jahre aus Aschaffenburg in Deutschland!
Die erste Woche in der neuen Heimat war ziemlich unspektakulär, weil noch Sommerferien waren und ich nicht viel machen konnte, da ich weder jemanden kannte, noch mich in der 350.000 Einwohnerstadt alleine zurechtgefunden habe. Ich bin halt doch ein kleines Dorfkind und ich habe das Haus erst alleine verlassen, nachdem ich mir eine Karte gekauft hatte. Aber dann begann endlich die Schule.

Marielles kleiner Bruder (aus Deutschland) neben einem "Pinguin-crossing-warnschild" in Omaru

Erst einmal war es ziemlich komisch meine Schuluniform das erste Mal anzuziehen und ich habe es einfach nur gehasst und hätte nie gedacht, dass es jetzt über 5 Monate später, zur Normalität geworden wäre und ich froh bin, dass ich nicht jeden Morgen nachdenken muss, was ich anziehen soll. Zusammen mit Ryoko habe ich mich auf den Weg zur Avonside Girls High School gemacht - ja eine Mädchenschule! Und ja ich habe es mir selbst so ausgesucht...ich dachte es wäre eine interessante neue Erfahrung, was sich auch als wahr herausstellte. Da wir nur 10 Minuten Fußweg zur Schule haben, war nicht viel Zeit um nachzudenken und Angst zu haben, was sehr gut so war. In der Schule wurden alle Mädchen des 12.Jahrgangs in der Turnhalle versammelt und für ihre "Form Class" aufgerufen. Dann ging es mit der Klasse in den Klassenraum, aber dummerweise wurde ich nicht aufgerufen. Voller Angst habe ich die Schulleiterin gefragt, was ich tun soll, aber die Angst war ganz unbegründet. Sie war sehr nett zu mir und hat schon nach 10 Minuten rausgefunden was passiert war: Ich war erst für eine andere Form Class eingetragen und sie hatten vergessen mich auf der neuen Liste einzutragen. Also wurde ich zu meiner Klasse und meinem Form Teacher Mr Weston gebracht und habe mich einfach nur erleichtert auf einen freien Stuhl fallen lassen. Der Rest des Tages verlief eigentlich ziemlich unspektakulär. Jeder bekam seinen Stundenplan für das neue Schuljahr und es wurden eben die allgemeinen Informationen bekannt gegeben, wie es auch in Deutschland am Anfang eines neuen Jahres passiert. Ich war auf jeden Fall froh als ich wieder nach Hause konnte, weil ich mich wahnsinnig unwohl fühlte, weil sich alle kannten und über ihre Ferienerlebnisse redeten. Nur mit mir redete keiner. In den nächsten Wochen sollte es dann aber doch um einiges besser werden. Mit meiner Gastfamilie und vor allem meiner japanischen Gastschwester verstand ich mich jeden Tag besser und ich lernte meine neue Heimatstadt Christchurch lieben. Da ich aus einer Kleinstadt in Deutschland (64.000 Einwohner) komme und Christchurch mit seinen 350.000 Einwohnern doch etwas größer ist und weil hier die meisten Straßen auch ziemlich gleich aussehen und im Schachbrett - Muster angeordnet sind, habe ich mich öfters mal verirrt, aber ich bin immer wieder sicher zu Hauße angekommen. Ich wurde zum ziemlichen Starbucks - fan, da es das in meiner Heimatstadt gar nicht gibt und hier an jeder Ecke und außerdem genoss ich es wahnsinnig in nur 15 Minuten mit dem Bus am Strand sein zu können. 15 Minuten sind nichts gegen die 7-9 Stunden Autofahrt in Deutschland. Nur mit dem Freunde finden ging es nicht so wirklich vorwärts. Ich hatte es in zwei verschiedenen Lunchgroups ausprobiert in der Schule, aber die einen waren, meines Erachtens nach, ziemliche Schlampen, da sie die ganze Zeit nur über ihre Männergeschichten geredet haben, was mich herzlich wenig interessiert hat und die anderen waren dafür die totalen Outsider, die mich auch vollkommen ignoriert haben. Nach diesen beiden Pleiten war ich ziemlich niedergeschlagen und war von da an mit den anderen Deutschen, denen es ebenfalls ziemlich schwer viel sich mit den Kiwis anzufreunden, in der Lunchtime und wir machten auch ziemlich viel zusammen nach der Schule. Und doch war ich nicht wirklich zufrieden damit, weil ich mir einfach mehr erwartet hatte von meinem Auslandsjahr. Ich hatte die Einstellung: Deutsche Freunde habe ich in Deutschland, ich bin hier um mich mit Neuseeländerinnen anzufreunden und Englisch zu lernen. Also unternahm ich gegen Ende des ersten Terms (Ende März) einen, wie ich mir selbst sagte, letzten Versuch und habe ein Mädchen, das mir ziemlich nett erschien und mit der ich manchmal redete, gefragt ob ich denn mal mit ihr mitkommen könnte. Ich habe ihr ehrlich gesagt, dass ich bisher nicht so wirklich tolle Leute gefunden habe, aber dass ich auch nicht weiter mit den anderen Deutschen herumsitzen will und ich muss sagen: Das war das Beste was ich tun konnte! Gleich in der nächsten Lunchtime ging ich mit ihr mit zu ihren Freunden und mit denen passte es so viel besser. Ich sitze bis heute mit ihnen und fühle mich dort so viel wohler als bei den anderen Lunchgroups in denen ich war. Ich kann zwar immer noch nicht bei allen Themen mitreden, aber es wird immer besser, umso besser ich die Leute kennen lerne.
Das nächste Highlight meines Auslandsjahres waren meine ersten Ferien zwischen Term 1 und Term 2 im April. Ich fuhr zusammen mit meiner Gastschwester oder mit den anderen deutschen zu einigen Touristen-Attraktionen, weil man das ja auch mal gesehen haben muss und verbrachte viel Zeit an meinem so lieb gewonnen Strand und genoss den wunderschönen neuseeländischen Herbst. Der Höhepunkt meiner Ferien war mein 16.Geburtstag. Morgens um 8 stand ich auf und als ich die Lounge betrat sang mir meine Gastfamilie und meine Gastgroßeltern, die für das Wochenende von der Nordinsel gekommen waren, Happy Birthday. Mein Gastvater hat ein leckeres Frühstück gekocht und noch bevor ich es essen konnte, bekam ich einen Anruf von meiner Familie aus Deutschland. Das Gespräch hat mich ein kleines bisschen traurig gemacht, weil ich nicht zu Hause war, aber aufgrund der Zeitverschiebung hatten sie nicht lange Zeit mit mir zu reden und ich musste ja auch mein Frühstück genießen. Nach dem Frühstück habe ich meine Geschenke geöffnet und war so gerührt über all die Dinge, die ich bekam. Als letztes öffnete ich das Packet von meinem Freund, den ich genau 3 Monate davor in Deutschland lassen musste und so sehr vermisste, und als ich sah was er mir geschickt hatte, musste ich vor Freude weinen. Er hat an meine Schokoladensucht gedacht und mir 3.8 kg deutsche Milka-Schokolade geschickt. Ich war so glücklich, dass ich gleich mal eine Tafel gegessen habe (Ich habe übrigens nur 1 Monat gebraucht um die ganze Schokolade zu essen...).

Marielle mit ihrem kleinen Gastbruder Harry und ihrer japanischen Gastschwester Ryoko
Am Nachmittag ging es dann erst an den Strand (ich wollte wenigstens einmal in meinem Leben an meinem Geburtstag am Meer sein) und dann in die nächste Mall, um mein Geburtstagsgeschenk meiner Gasteltern zu bekommen: Ein zweites Ohrloch im linken Ohr. Ich wollte mir schon seit Jahren ein zweites Ohrloch stechen lassen und hatte das meiner Gastmutter mal verraten und sie dachte, dass es doch eine tolle Erinnerung an den 16.Geburtstag in Neuseeland wäre. Es tat auch gar nicht weh und ich habe noch einen Neuseeland - Farn als Ohrstecker dazubekommen und werde jetzt nie meine zweite Heimat Neuseeland vergessen können.
Nur eine Woche nach meinem Geburtstag, an meinem letzten Ferientag, kam meine Familie aus Deutschland hier in Christchurch an. Sie kamen für die Hochzeit unseres alten Aupairs (sie heiratete einen Holländer, den sie während ihres Europa - Aufenthaltes kennen gelernt hatte), um mich zu besuchen und einen 3 Wochen langen Urlaub durch das Land zu machen. Ich sah dem ganzen mit eher gemischten Gefühlen entgegen, weil ich mir nicht vorstellen konnte, einen Teil meines deutschen Lebens, hier in meinem neuseeländischen Leben zu haben, aber natürlich freute ich mich. Anna, mein altes Aupair, fuhr mit mir zum Flughafen und dort warteten wir über eine Stunde bis sie endlich kamen. Nach etwas mehr als 3 Monaten sah ich meinen kleinen Bruder als erstes wieder. Er war so groß geworden...größer als ich - deprimierend, wenn einem der kleine Bruder über den Kopf wächst. Außerdem war seine Stimme so tief *lach* Ich erkannte ihn kaum wieder. Kurz nach ihm kamen auch mein anderer (noch kleinerer) Bruder und meine Eltern. Die Umarmung von meinem Papa am Flughafen werde ich nie vergessen...so fest gedrückt hatte er mich wohl noch nie in meinem Leben. In dem Moment habe ich das erste Mal gemerkt, dass er mich wohl wirklich vermisst hatte in den letzten Monaten.
An sich war es mit meiner Familie vom ersten Moment an, als wäre ich nie weg gewesen. Wir redeten und redeten, obwohl sie so müde waren, aber ich hatte ihnen soviel zu sagen und an jeder Ecke an der wir auf der Fahrt zu ihrem Homestay vorbeikamen musste ich ihnen etwas aus meinem neuen Leben zeigen. Es war wirklich toll. Dann waren wir zusammen im Supermarkt und ich habe ihnen all die Leckerein, die ich so lieben gelernt habe, gezeigt und sie überredet alles zu kaufen - wirklich gewehrt haben sie sich aufgrund ihrer Müdigkeit nicht. Und dann haben sie mich in mein neues zu Hause zurückgefahren. Leider war meine Gastfamilie gerade ausgeflogen, aber so konnte ich ihnen in Ruhe das Haus zeigen und sie waren, glaube ich, auch ganz froh, als sie wieder zurück konnten und in ihr Bett gehen konnten.
Die nächste Woche war ziemlich aufregend. Wir waren zusammen für eine Nacht in Dunedin, einen Tag in Hanmer Springs (Hot Pools) und für zwei Nächte an der West Coast und in Nelson. Einen Abend hat meine Familie außerdem meine Gasteltern und meine japanische Gastschwester in ein deutsches Restaurant hier eingeladen, an einem anderen Abend war meine Familie bei uns zum Abendessen und trotz all meiner Bedenken haben sich meine "beiden" Familien super verstanden, obwohl sie so vollkommen unterschiedlich sind. Am Ende unseres Trips zu der West Coast der Südinsel musste ich mich dann wieder von meiner Familie verabschieden. Sie fuhren von Picton aus mit der Fähre auf die Nordinsel um dort noch 10 Tage zu verbringen und ich fuhr mit dem Zug zurück nach Christchurch. Der Abschied war um einiges leichter als im Januar und auf der Rückfahrt im Zug habe ich genau 5 Tränen vergossen *lach*.
Ich war schon am nächsten Tag wieder in meinem normalen Leben drin: Schule war angesagt. Alles ging so weiter wie bisher und ich habe nicht, die von vielen Leuten vorausgesagte, Heimwehattacke bekommen, wegen dem Besuch meiner Familie.

Blick auf die Bucht von Akaora in/auf der Canterbury Peninsula

Am folgenden Montag wachte ich aber mit schrecklichen Bauchschmerzen auf. Ging trotzdem in die Schule, bis ich um 11 Uhr einen Anruf von meiner Mutter bekam, dass mein Vater beim Joggen wohl von einem Auto überfahren wurde, da er auf die falsche Straßenseite geguckt hat. Sie wären gerade im Krankenhaus und er würde operiert werden. Ich konnte überhaupt nichts sagen und war einfach nur geschockt als sie mir sagte: "Die Ärzte wissen nicht ob er es schafft. Vielleicht willst du herkommen?" Ich wusste nicht was ich tun sollte, aber die Mädels aus meiner Lunchgroup haben mir total lieb geholfen, mich zum Office gebracht, den Sekretärin alles erklärt und dann hat die Schule auch alles für mich organisiert, dass ich nach Rotorua auf der Nordinsel fliegen konnte. 3 Stunden später saß ich im Flugzeug nach Rotorua - zusammen mit der Homestay Betreuerin meiner Schule. Aber als ich in Rotorua ankam, konnte mir meine Mama nur noch sagen, dass mein Papa vor zwei Stunden gestorben ist. Ich denke wir standen alle wahnsinnig unter Schock und wollten es nicht verstehen, wieso ausgerechnet unserem Papa so etwas passieren musste.
Die nächsten beiden Nächte haben wir bei einem deutschen Arzt des Krankenhauses verbracht, der keine Widerworte meiner Mutter akzeptiert hat und uns seine Hilfe aufgezwungen hat, was wunderbar von ihm war! Am Dienstagmorgen kamen meine Gastmutter, der Vater unseres alten Aupairs und ihr kleiner Bruder (der inzwischen ein guter Freund von mir geworden war) auch nach Rotorua, um bei uns zu sein. Es war wirklich toll von ihnen und wir hatten einen tollen Tag mit ihnen. Soweit er halt toll sein konnte.
In meinem Kopf kreisten so viele Gedanken in diesen Tagen und eine der größten Fragen für mich war wohl: Was tun? Zurück nach Deutschland mit meiner Mama und meinen Brüdern? Zurück nach Deutschland für die Beerdigung und dann wieder zurück nach Neuseeland kommen? Hier bleiben und mein Auslandsjahr durchziehen? Nach vielen Gesprächen mit meiner Mama, meinen Brüdern, und all den anderen Leuten die da waren, entschied ich mich hier zu bleiben. Jetzt mit 3 Monaten Abstand muss ich sagen, dass es die wahrscheinlich eine der besten Entscheidungen meines Lebens war - für mich genau die Richtige. Meine Mutter unterstütze meine Entscheidung vollkommen und ich denke auch mein Papa hätte nicht gewollt, dass ich meinen Traum für ihn aufgebe. Ich bin froh, dass ich ihm hier alles zeigen konnte und ich weiß, dass es ihm hier wahnsinnig gefallen hat - er sagte zu mir, er würde noch mal wiederkommen wollen - und er ist wohl in einem der glücklichsten Momente seines Lebens bei seinem liebsten Hobby gestorben.
Als ich zusammen mit meiner Gastmutter zurück nach Christchurch kam, holte uns mein Gastvater ab und umarmte mich gefühlte 5 Stunden *grins*. Es ging dann schnell nach Hause und kaum waren wir angekommen, standen alle Mädels meiner Lunchgroup vor der Türe und hatten Karten, Blumen und Schokolade für mich dabei. Außerdem kamen zwei meiner Lehrerinnen vorbei und eine andere Deutsche als Vertretung des "International Councils" der Schule um mir eine riesige Karte zu bringen. Auf dieser Karte hatten über 200 Leute unterschrieben und kleine Texte für mich geschrieben. Ich wusste gar nicht, dass ich so viele Leute kenne und vor allem war ich einfach überwältigt davon, wie viel Mühe sich alle damit gegeben hatten, mir liebe Worte zu schreiben.
Den Rest der Woche blieb ich noch zu Hause und jeden Tag kam irgendjemand vorbei, weil niemand mich alleine lassen wollte. Alle waren so sehr für mich da und es war wirklich toll. Aber ich war froh als die Normalität wieder einkehrte, ich wieder in die Schule ging, wieder jeden Abend abspülen müsste, wie eh und je, und mein kleiner Gastbruder mich wieder anfing zu nerven.

Die nächsten Wochen waren nicht einfach, aber durch meine Gastfamilie und meine Freunde war es wirklich alles viel einfacher als ich gedacht hätte. Einige Wochen später kam die DVD von der Beerdigung an, welche extra für mich gefilmt worden war. Zusammen mit meinen Gasteltern, meiner besten, deutschen Freundin Britta und den Eltern meines alten Aupairs (die ja Deutsch verstehen) sah ich nun also die Trauerfeier in der Kirche und auch die Beerdigung auf dem Friedhof. Es war ziemlich emotional, aber genauso wie mein Papa es sich gewünscht hätte. Soweit eine Trauerfeier das sein kann, war es toll, auch wenn es wehtat all die 300 Menschen in der Kirche zu sehen, denen es merklich schrecklich ging und die es alle immer noch nicht verstehen wollten und konnten.

Strand in Whakatane

Die nächste Zeit verbrachte ich mit Schule, Freunde treffen und frieren. Der neuseeländische Winter hatte angefangen und es war wirklich kalt. Die Häuser hier sind nicht wirklich warm, da sie nur einfach gebaut sind, aufgrund der Erdbebengefahr. Es war immer richtig kalt im Haus und meine Gastfamilie hatte nur einen kleinen Heater für das Wohnzimmer. Also saßen wir immer alle zusammen im Wohnzimmer und haben gezittert und Fernseh geguckt, was man hier sowieso den ganzen Tag tut. Ende Juli waren dann auch endlich die nächsten Ferien. Zusammen mit Ryoko (meine japanischen Gastschwester und beste Freundin) flog ich zurück nach Rotorua, um eine Woche bei unseren Gastgroßeltern zu verbringen. Sie haben uns so lieb empfangen und haben sich solche Mühe gegeben es zur schönsten Woche unseres Lebens zu machen. Sie machten Tagesausflüge mit uns, fuhren mit mir zurück zu der Stelle, an der der Unfall passiert war, damit ich ein Kreuz (welches mein Gastvater für mich gemacht hatte) für meinen Papa aufstellen konnte, meine Gastoma kochte leckeres Essen für uns und einmal luden sie uns in ein chinesisches Restaurant ein. Wir hatten solchen Spaß in der Woche mit ihnen und wir beide wünschten uns es würde nie vorbeigehen. Aber leider mussten wir nach einer Woche wieder Abschied nehmen und zurück nach Christchurch fliegen. Dort haben wir dann unsere zweite Ferienwoche mit Kino gehen, Freunde treffen, Sport, usw. verbracht. Alles in allem waren es tolle Ferien...und dann war auch schon der August gekommen.
Inzwischen war es richtig kalt geworden und unsere Gasteltern hatten sich entschlossen eine "Heatpump" zu kaufen. Das war eine super Entscheidung wofür ich ihnen sehr dankbar bin. Seitdem ist es hier eindeutig wärmer, im Vergleich zu Deutschland im Winter immer noch sehr kalt, dafür dass es IM Haus ist...aber es ist schon auszuhalten.
Die Schule ging also wieder los und plötzlich wurde es stressig. Bisher war die Schule ziemlich einfach gewesen, aber plötzlich wurde viel mehr Lernarbeit verlangt und viele Tests standen ins Haus. Im Vergleich zu meiner deutschen Schule, war es immer noch nichts, aber immerhin wurde es etwas anspruchsvoller.

Nun ist es Ende August. Mit meinem Freund, den ich vor 7 Monaten in Deutschland zurückgelassne habe, ist es leider vorbei. Eine Entscheidung von uns beiden gemeinsam. Es ist schade, dass es nicht gehalten hat...aber dann war er wohl nicht der Mann meines Lebens. Wir haben immer noch guten Kontakt und wer weiß was passiert wenn ich zurück in good old Germany bin. Zurzeit sehe ich die Zeit nur so an mir vorbeirasen. Mir bleiben noch knapp 100 Tage hier am anderen Ende der Welt bis es im Dezember heißt: "Auf Wiedersehen New Zealand, Hello again Germany!" Ich habe noch wahnsinnig viele Pläne für die verbleibenden 3 ½ Monate, unter anderem eine Nordinseltour für die nächsten Ferien, Surfen lernen und hoffentlich noch viele wunderschöne Stunden mit meiner Gastfamilie und meinen neu gewonnenen Freunden.
Auch wenn mein Jahr bisher absolut nicht so verlaufen ist, wie ich es mir vorgestellt hätte, bin ich sehr froh hierher gekommen zu sein und dieses Abendteuer gewagt zu haben, nie aufgegeben zu haben und noch einige Wochen vor mir zu haben. Ich werde jeden Tag so gut es geht genießen, auch wenn ich mich jetzt schon freue, wenn es zurück nach Deutschland geht. Ich habe mein deutsches Leben und meine deutsche Heimat sehr zu schätzen gelernt - aber hierher werde ich wohl mein Leben lang auch immer wieder zurückkommen. Wie mein bester Freund hier so schön gesagt hat: "From today on you are officially a half-kiwi. That is why you always have to come back! "