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I did it my way! Ein Austauschjahr in Neuseeland

von Conny Kaufmann

Ein Jahr im Ausland verbringen zu können, ist eine einmalige Chance, aber auch gleichzeitig eine Mutprobe der besonderen Art. Man bekommt die Möglichkeit, ein fremdes Land und eine fremde Kultur näher kennen zu lernen, vielleicht sogar eine neue Sprache zu erlernen. Die einzige Bedingung dafür ist, alles was man kennt und liebt hinter sich zu lassen. Aber alleine die Erfahrungen, die man sammelt, und Freundschaften die man schließt, sind es wert.

Im November 2002 entschied ich mich dafür, für ein Jahr nach Neuseeland zu gehen. Von diesem Land war ich schon immer fasziniert gewesen, weshalb ich gar keinen anderen Gastlandwunsch hatte. Da die meisten Organisationen schon Bewerbungsschluß hatten, rief ich vorher an und fragte, ob überhaupt noch Plätze da wären, bevor ich die Kurzbewerbung faxte. Into lud mich zwei Tage später zum Interview ein und bot mir einen Platz an. Ich konnte mein Glück kaum fassen und sagte zu, da die Chance auf so ein Austauschjahr wie ein Stipendium ist - man muss einfach zusagen, besonders, wenn die Anzahl der Plätze auf 12 begrenzt ist.

Während der Vorbereitungszeit gab es immer wieder Neuigkeiten von der Organisation, wie Newsletter und ein Vorbereitungsseminar. Um Ostern herum bekam ich auf einmal eine Email mit dem Betreff : "Hello from Auckland/New Zealand" und einfach so, hatte ich eine Gastfamilie. Wir schrieben uns von da an fast täglich. Irgendwann bekam ich auch die offiziellen Informationen, wie den Placement Letter, der bestätigte, dass diese Familie mich wirklich aufnahm, einen Brief der Partnerorganisation NZIIU und einen von meiner neuen Schule, dem Waitakere College.

Mitte Juli 2003, am Ende des Schuljahres ging es dann Richtung Neuseeland los. Zusammen mit drei weiteren Austauschschülerinnen stand ich mit meiner Familie am Frankfurter Flughafen und musste Abschied nehmen, was mir beim besten Willen nicht gerade leicht gefallen ist. Es ist schwer, alles hinter sich zu lassen, was man kennt, aber darauf muss man sich eben einstellen, wenn man weg will.
Zwei Tage später landeten wir in Auckland, der Stadt, die meine zweite Heimat werden sollte. Alles war so neu und fremd. Ich war keine Woche vorher erst 16 geworden und auf einmal auf mich alleine gestellt. Aber eventuelle Zweifel wurden von Neugierde abgelöst und mein Austauschjahr konnte beginnen.

Mit dem Neuseeländischen Englisch hatte ich nie Probleme. Der Akzent, den die Kiwis haben, ist sehr britisch und leicht zu verstehen. Während meines Jahres lernte ich sogar ein paar Wörter Maori, dasi ist die Sprache der Eingeborenen dort. Die meisten Schilder sind auf Englisch und/oder Maori, oder aber, durch die hohe Anzahl asiatischer Einwanderer koreanisch.

Der Vorteil an Neuseeland ist, dass die Menschen dort sehr offen auf einen zugehen und man sehr schnell Leute kennenlernt. Das war für mich besonders in der ersten Zeit ziemlich wichtig.

Da Neuseeland auf der Südhalbkugel liegt, war Winter, als ich dort ankam, was man von den Temperaturen her jedoch nicht merkte. Das Schuljahr fängt jeweils im Januar an, also kam ich ins zweite Halbjahr. Meine Schule, das Waitakere College, ließ mich in die Jahrgangsstufe 12 gehen, und obwohl ich anfangs Zweifel hatte, hatte ich kaum Probleme, mit den anderen mitzuhalten. Was nur gewöhnungsbedürftig war, war die Schuluniform. Sie sah nicht schlecht aus, bestand aus blauer Hose oder Rock, Polohemd oder Bluse und einem Pullover, aber ich brauchte halt doch ein wenig Zeit um mich daran zu gewöhnen, dass alle gleich aussehen.
Am Waitakere College wurde ich nie als Austauschschülerin, sondern immer als normale Schülerin angesehen. Vielleicht lag es auch daran, dass ich den Kiwi-Akzent sehr früh aufgriff und man mich nicht anhand meines Akzentes identifizieren konnte. Fast alle hielten mich für eine wasch-echte Neuseeländerin. Ich musste alle Tests und Examen mitschreiben, das einzige Privileg was ich hatte, war hin und wieder Wörter im Oxford nachschlagen zu dürfen.
Mit den Lehrern verstand ich mich sehr gut, alle halfen mir so gut sie konnten. Mit zwei meiner Lehrer habe ich immer noch Kontakt.
In Neuseeland gibt es Schulfächer, die es in Deutschland nicht gibt. Trotzdem hielt ich mich im ersten Halbjahr an die Fächervorgabe aus Deutschland, der einzige Exot unter meinen Fächern war Photography.

Von meiner Partnerorganisation aus wurde im Oktober eine Südinsel-Tour für Austauschschüler veranstaltet. Da die meisten, so auch ich, auf der Nordinsel des Landes wohnten, fuhren fast alle mit. Wir sahen die völlig unterschiedlichen Landschaftstypen Neuseelands, vom Regenwald, über Wüste, bis hin zu Alpen ist dort alles vertreten. Im Südpazifik schwammen wir mit wilden Delphinen, was ein einmaliges Erlebnis war.

Wieder in Auckland, beschloß ich, meinen Führerschein zu machen. Ich brachte mir selber die Theorie bei (dort gibt es keine Fahrschulen wie wir sie kennen) und meldete mich zur Theorieprüfung, der Learners Licence an. Ich bestand. Danach hieß es die sechs Monate, die man zwischen Theorie und Praxis warten muss, sinnvoll zu nutzen. Bald hatte ich meine erste Fahrstunde, im Linksverkehr. Ich gewöhnte mich schnell an das Fahren auf der "anderen" Straßenseite. Anfang Mai bestand ich dann meine praktische Prüfung und durfte mit 16 offiziell Autofahren - sogar in Deutschland.

Liz, eine Freundin die ich an der Schule gefunden hatte, lud mich Ende November ein, ein Wochenende mit ihr und ihren Eltern wegzufahren. Aber nicht einfach irgendwo hin, wir fuhren in die Hauptstadt Wellington, zur Weltpremiere des dritten Herr der Ringe Films! Wir standen in der ersten Reihe am roten Teppich und sahen alles hautnah, machten Fotos und bekamen Autogramme. Es war ein einmaliger Tag, den Liz und ich sicher nie vergessen werden.

Über Weihnachten hatte ich drei Monate Sommerferien. Weihnachten im Sommer war schon ein komisches Gefühl, da überhaupt keine Feststimmung aufkam, aber auch das war halt ein Teil meiner Erfahrungen, die ich machen würde. Die Ferien über unternahm ich viele Tagesausflüge in und um Auckland, um zumindest ein bisschen was zu sehen. Meine Gastfamilie war zwar ok, aber viel gemeinsam unternommen haben wir nicht. Das fand ich schade, aber dafür unternahmen meine Freunde und ich um so mehr zusammen.

Ende Januar ging die Schule wieder los. Da ich aus der 12 versetzt worden war, war ich jetzt ein senior und zusammen mit meinen Freunden in der Abschlußklasse. Ich wurde Peer Supporter, Klassenpate für die neuen Neuntklässler (High Schools, bzw. Colleges sind für die Klassen 9-13), half in der Bücherei und machte mich für SADD, Student against driving drunk, stark. Wir bekamen auch andere Uniformen, jetzt mussten wir Mädchen Rock und Bluse tragen, und alle mussten eine Krawatte haben. Da ich diese Jahr in der Drama-Klasse war, spielten wir alle in der Schul-Musical-Komödie "How the West was warped" mit. Innerhalb von acht Wochen stand die Show und die Aufführungen waren ein voller Erfolg. Wir spielten sogar vor dem Bürgermeister und anderen führenden Persönlichkeiten, sogar mein Fahrlehrer war auf mein Schwärmen hin gekommen und hörte fortan nicht mehr auf, über die Genialität unserer Show zu sprechen.

Ende Mai hieß es dann leider viel zu früh wieder Abschied zu nehmen. Da ich dort kein Schuljahr beenden konnte, stand von anfang an fest, dass ich keinen Abschluß machen konnte, weswegen ich jedoch nicht enttäuscht war. Das High School Diplom wäre in Deutschland eh nicht anerkannt worden.

Auckland war zu meiner zweiten Heimat geworden und meine Freunde fast zu einer Familie. Ich bekam Briefe und Karten, letzte Fotos wurden gemacht und alle unterschrieben in einem kleinen Büchlein, das ich rumgehen ließ.
Obwohl ich mich darauf freute, wieder nach Hause zu kommen, wollte ich Neuseeland gleichzeitig nicht verlassen.
In diesem einem Jahr hatte ich so viel gesehen, so viel erlebt! Weitere Highlights waren für mich ein Robbie Williams Konzert, ein Camp für Austauschschüler in Rotorua und die Besichtigung des Hobbingen-Sets aus Herr der Ringe zusammen mit meiner leiblichen Familie, die für die letzten zwei Wochen meines Austausches in Neuseeland war und mit mir rumfuhr. Obwohl ich sie vermisst hatte und mich darauf gefreut hatte sie wiederzusehen, war es doch schon ein komisches Gefühl, meine Eltern auf einmal in Auckland, bzw. in Neuseeland generell zu haben. Natürlich lernten sich meine beiden Familien dadurch persönlich kennen, luden sich gegenseitig zum Abendessen ein und meine Gasteltern schwärmten immer wieder, wie toll ich doch als Gastschülerin gewesen sei.
Am meinem letzten Abend lud ich meine Freunde zum Essen ein, dabei war auch mein Fahrlehrer, der mich ein letztes Mal im Linksverkehr fahren ließ, um meinen Eltern zu zeigen, was ich gelernt hatte. Der Abschied fiel mir wirklich schwer. Diese Leute, die bei mir am Tisch saßen, waren über das Jahr zu echten Freunden geworden, die ich mochte und vermissen würde. Als am nächsten Tag mein Flugzeug in Richtung Deutschland abhob kam es mir unwirklich vor, dass das Jahr schon vorbei war. Es kam mir viel zu kurz vor. Gleichzeitig jedoch freute ich mich, nach Hause zu kommen.

Wieder zuhause hängen bei mir im Zimmer jetzt eine Neuseeland-Flagge und viele Fotos. Irgendwann möchte ich wieder zurück, nach Auckland, nach Neuseeland zu meinen Freunden. In diesem einem Jahr habe ich viel mehr noch erlebt, als ich es hier schreiben könnte und bin froh, gegangen zu sein. Jeder der die Chance geboten bekommt, sollte diese Herausforderung annehmen. Als Gastschüler bekommt man einen viel besseren Einblick in Land und Kultur, als man es als Tourist je könnte und die Erfahrungen werden einen ein ganzes Leben lang prägen.

Mein Jahr in Auckland und die geile Zeit in dem Land der Kiwis werde ich nie vergessen, Neuseeland wird immer ein Stück weit in mir, meine zweite Heimat sein und ich bin stolz darauf, von meinen Freunden dort zum "Honorary Kiwi" ernannt worden zu sein.