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Ein kleiner Einblick hinsichtlich meinem Ort, der Schule, meiner Gastfamilie und Freunde, Fiestas, Feiertage und Reisen

"Es ist einfach alles so total anders hier, ich bin immer wieder am staunen, das ich wirklich hier bin!!!! Wenn ich mit dem Bus zur Schule fahre kann ich mich nicht satt sehen: links und rechts alles grün, Palmen, exotische Bäume und Blumen... Matias Romero (30 000 Einwohner) ist auch eine richtig mexikanische Kleinstadt, nur flache Häuser und schön staubige, breite StraßenJ Gestern ist mir übrigens aufgefallen, das es tatsächlich Personen gibt, die mit Cowboyhut (leider nicht SombreroJ) auf Pferd oder Esel in die Stadt reiten. Auf dem Mercado (Markt) war ich auch schon, bunt, laut, lustig, aber die Fleischstände, an denen ganze Schweine rumhängen... brrrJ Ach so, und überhaupt, was das Essen betrifft... hmmm genial! Tamales, Tostadas, Empanadas, Kokosmilch, und erst die Früchte!! Einziger Nachteil: alles wird immer und überall mit Chilli gegessen!!(...)" (Aus der ersten Mail nach meiner Ankunft)

Matias Romero, Oaxaca!?

Ich wohnte also für ein Jahr am Ende der Welt, die nächsten größeren Städte mit modernen Einrichtungen (wie Einkaufszentren und MacDonalds) lagen in vier bis fünf Stunden Entfernung! Das hatte aber auch den Vorteil, das in meiner Region noch viele Traditionen lebendig sind. Viele Leute sprechen noch Zapoteco, eine Indianersprache, gerade auf dem Markt oder von älteren Menschen hört man es viel. Ich hatte aber auch einige Schulfreunde, die mir Bruchstücke beibringen konnten.
Zu Festen wie Hochzeiten ziehen Frauen und Männer die regionale Tracht an ("Tehuana", denn ich lebte im "Istmo de Tehuantepec"). Auch so auf den Straßen sieht man die älteren Frauen mit der Alltagsvariante der Tracht, gerade auch auf dem Markt, wo sie ihre Waren verkaufen. Außerdem finden über das Jahr verteilt viele "Calendas" statt, die traditionellen Feste, zu denen jeder mit Tracht kommt. Es wird zu traditioneller Musik getanzt, meist findet davor noch ein Umzug durch die Straßen zu Ehren einer Jungfrau oder eines Heiligen statt. Da auch Jugendliche gern auf solche Fiestas gehen, war ich oft dabei, mir wurde die Tracht ausgeliehen und alle freuten sich, wenn ich versuchte die Tänze zu lernen.

Schule

"Ich werde die Schule hier wirklich vermissen! Ich bin in der genialsten und liebsten Klasse überhaupt gelandet, die bringen so verrückte Aktionen. Gestern haben wir z.B. dem Mathe Lehrer Geschenke mitgebracht, Klopapier, Wassermelone und lauter so Quark Weil er echt total nett ist, aber viel zu gutmütig und deshalb regelmäßig dreiviertel der Klasse die Examen nicht bestehen, war das so eine Art BestechungsversuchJ Auch ansonsten geht es hier immer lustig zu, es werden Witze gemacht, es wird gelacht, durcheinandergerufen und mitten im Unterricht fangen sie an zu tanzen. Und die meisten Lehrer sind total locker drauf, werden mit Küsschen begrüßt und auch mal umarmt. Dafür nehm ich auch die vielen Regeln in Kauf, wie Händchenhalten verboten, die Bluse muss immer in den Rock, es gibt nur eine offizielle Pause, ein Polizist bewacht den Schuleingang und alle zwei Wochen wird "zur Ehren des Vaterlandes" die Fahne gegrüßt und die Nationalhymne gesungen (...)" (Mail vom 20.1.06)

Gastfamilie und Freunde

"(...) Alltag ist auch, am Wochenende an den Fluss, auf eine Ranch oder zu einem Balneario (eine Art Freibad) zu fahren, mit 20 Leute und zwei Kisten Bier auf der Ladefläche eines Pickups, diese Geländewagen, die hier alle habe. Manchmal nehmen wir Zelte mit und übernachten. Ich liebe die Natur hier, ich bin letztendlich wirklich froh, so "auf dem Land" gelandet zu sein, mit Bergen und Flüssen rundherum, es ist einfach wunderschön. (...)" (Tagebucheintrag vom 10.3.06)
Mit meiner Gastfamilie klappte es von Anfang an leider nicht so gut, es gab viele Missverständnisse aber ich spürte auch einfach, das ich nicht wirklich willkommen war. Vor allem mit meiner Gastschwester gab es viele Probleme, sie war oft eifersüchtig, machte mich vor anderen schlecht und nahm mein Geld. Erst nach einem halben Jahr verbesserte sich unsere Beziehung und von da an unternahmen wir sehr viel zusammen.
Dafür lief es mit den Freunden umso besser!!! Es ist einfach unglaublich leicht, in Mexiko Freunde zu finden. Alle sind offen, interessiert und hilfsbereit. Einerseits liegt das natürlich erst mal an der Tatsache, dass ich Europäerin bin, dazu noch blond und blaue Augen, das reichte anfangs dafür, dass ich von aller Welt angesprochen wurde. Daraus entwickelten sich im Laufe der Zeit wirklich tiefe Freundschaften. Und das nicht ausschließlich mit denen, die von Anfang an am lautesten auf mich einredetenJ, sondern auch mit denen, die mich eher nicht ansprachen in der Annahme, dass ich als "Extranjera" sowieso nur mit den "Coolen" rumhängen würde. Die können ja nicht wissen, das man wirklich nur froh über jeden einzelnen ist, der einen anspricht.

Fiestas

Für Partys brauchen Mexikaner ganz essentiell nur zwei Dinge: Chelas (Bier, meist Corona) oder auch Tequila mit Refresco (Fanta-ähnliches Zeug zum mischen) und Musik. Getanzt wird unglaublich viel, insbesondere zu Reaggeton, Salsa und Banda. Besondere Feste sind Hochzeiten und XV Anos (Der 15. Geburtstag eines Mädchens). Diese werden in einem riesigen Saal gefeiert, mit Musikband (meist Salsa) und Catering Service und jeder Menge Freunden und Verwandten, die man davor noch nie gesehen hat. XV Anos kamen mir doch immer etwas schräg vor: die Saal-Dekoration meist in rosa-lila Tönen gehalten, dazu rosa Torten, kleine rosa Püppchen als Tisch-Schmuck, alles passend zum (rosa!) Ballkleidgewand des Geburtstagskindes (die dann wirkt wie ein weiteres Törtchen unter vielen)

Feiertage

"Am Dia de los Muertos (Tag der Toten, 2.11.), werden in Mexiko in allen Häusern Altäre zum Gedenken der Toten dieser Familie aufgestellt (...) und man geht auf den Friedhof. Ist übrigens echt lustig wie es bei denen auf dem Friedhof zu geht! Party mit Pauken und Trompeten, im wahrsten Sinne des Wortes: es wird gegessen und gefeiert und Musik gemacht (Von wegen Totenruhe!J) (...) Auch in der Schule hatten wir ein Event: einen Wettbewerb im Altarbauen, wo alle mit viel Begeisterung teilnahmen (es winkten 300 Euro!) und schon tagelang vorher Palmblätter flochten, Obstketten auffädelten, Blumen schnitten, Kerzen verzierten etc (...) und wir haben natürlich gewonnen!!!! Ihr glaubt nicht wie die abgingen!! (...)" (Rundmail vom 4.11.05)
Und noch zwei weitere sind mir sehr eindrücklich in Erinnerung geblieben:
Am "Dia de la Independecia" (Unabhängigkeitstag, 15.9.), gab es Feuerwerk, Straßenfeste und ich hatte meinen ersten Auftritt als Folklore – Tänzerin
Der Valentinstag (14.2.) ist dort nicht nur Tag der Liebe, sondern auch Tag der Freundschaft und ich bekam viele kleine Geschenke. In der Schule hatten wir ein gemeinsames Essen und Disko und man konnte sich sogar verheiraten!

Reisen

Sowohl meine Gastfamilie als auch meine AFS Betreuerin ließen mir in dieser Hinsicht viele Freiheiten, die ich natürlich ausnützte. Mit Freunden ging es beispielsweise nach Queretaro, Puebla, Coatzacoalcos und Mexiko-Stadt, mit meiner Gastfamilie fuhr ich nach Chiapas und Veracruz und bei einer zweiwöchigen AFS-Reise lernte ich den Süden Mexikos, insbesondere die Maya Stätten in Chiapas und auf der Halbinsel Yucatan kennen, sowie Cancun.
Im März fuhr ich gleich für eine Woche zum Karneval in Veracruz: das sind vor allem zweimal tägliche Umzüge an der Uferpromenade entlang, mit hunderten von Teilnehmern in unheimlich kreativen und natürlich farbenprächtigen Kostümen, die sich tanzend! zu Salsa und Reggaeton die Straßen entlang bewegen. Und alle Zuschauer mischen sich unter die Tanzenden, ein einziges großes Straßenfest. Und nachts geht es in Diskos und Bars weiter.
Ein weiterer Höhepunkt war eine Reise mit Freunden in den Osterferien nach Puerto Escondido (Pazifikküste von Oaxaca): Sonne, Strand und Party, und das im total relaxtem Ambiente von Surfern und Hippies. Wir wohnten in einem sehr einfachen Youth Hostel und verbrachten die Tage am Strand, mit Sandburgen bauen, Banana fahren, Schildkröten und Delfine gucken, in den Wellen "plantschen": das waren die Höchsten, die ich je erlebt habe, kein Wunder, dass Surfer aus aller Welt wie magisch angezogen werden!

Das Ende

"Der Abschied ist so nahe!!!!! Ich kann Nachts nicht mehr richtig schlafen, es gibt Tage an denen kann ich kaum essen, der Abschied schnürt mir den Magen zu, ich könnte verzweifeln! Es kann einfach nicht sein!!! In letzter Zeit unternehmen wir noch mehr als sonst zusammen, viele Partys, und es ist immer so lustig! Wie könnte ich da traurig sein oder weinen, wenn wir immer noch alle zusammen sind und Witze machen, da kommt mir ein möglicher Abschied einfach unmöglich vor. Aber manchmal, wenn wir alle halb dicht sind und Lieder singen wie "..y no voy a decir adios, mientras no me olvides, no me voy!.." ("Ich werde mich nicht verabschieden, denn solange du mich nicht vergisst, geh ich nicht weg"), wird es auf einmal so schrecklich realistisch! Wie einsam werde ich sein, wenn ich all das auf einen Schlag verliere. (...)" (Tagebucheintrag vom 21.6.06)

Lisa, Austauschschülerin mit AFS in Matias Romero, Oaxaca, Mexico, 2005-2006

P.S. Mehr zu meinen Austauschjahr, viele Berichte und Fotos, gibt es auf meiner Homepage www.austauschjahrmexiko.de.vu