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„Bis bald – hasta luego“, - mit diesen Worten begann und beendete ich mein Austauschjahr. „Ein Jahr Mexiko“- das hörte sich nach einem großen, langen Abenteuer an, was es auch werden sollte. Als ich am 25.08.03 im Norden Mexikos in Monterrey ankam, hatte ich keinerlei Ahnung was mich in diesem Jahr erwarten würde, was vielleicht auch ganz gut so war. Ich sollte ein Jahr in einer Familie mit zwei Eltern und drei Geschwistern wohnen, was sich ja eigentlich schon mal ganz gut anhörte. So kam ich dann nach einem sehr traurigen Abschied von meiner Familie in Mexiko an, wo ich erst mal vor lauter Aufregung nichts verstand und auch kaum was essen konnte. Jedoch legte sich das schnell wieder. Ich ging in die Schule und lernte ne Menge Leute kennen, sodass sich meine Sprachkenntnisse sehr schnell verbesserten. Zu Hause dagegen hatte ich fast jeden Tag den selben Tagesablauf, was mich langweilte, da ich fast nur vor der Glotze hing. Mit meiner 14 jährigen Schwester verstand ich mich zu dem Zeitpunkt leider noch nicht so gut, einer der Brüder war in den USA und der andere war fast nie da. So versuchte ich mich so oft es ging mit meinen neuen Freunden zu treffen und sehr schnell wurden sie zu sehr guten Freunden, wo ich dann fast jedes Wochenende geschlafen habe. Jedoch war der Anfang schon schwer. Ich habe meine Familie und Deutschland sehr vermisst, da die Unterschiede zwischen der deutschen und mexikanischen Kultur einfach zu verschieden sind. Im Oktober machte ich meine erste Reise nach San Luis Potosí und lernte ein ganz anderes Mexiko kennen. Kurz darauf fuhr ich zum ersten mal in die USA.

An die Zeit danach erinner ich mich sehr gerne, weil ich anfing ohne Probleme Spanisch zu verstehen und mich somit meiner Schwester zu näherte. Wir hatten eine Menge Spass und ich lernte sie näher kennen. Die Nächte verbrachten wir erzählend, sodass wir morgens aus den Betten nicht rauskamen.

Über Weihnachten fuhren wir nach Houston, Texas und besuchten dort einen Onkel. Auch mein anderer Bruder kam von seinem Austausch wieder und so verbrachten wir Weihnachten alle zusammen. Es gab ein riesen Familienfest mit viel Tanz und ganz vielen Tamales, die in Mexiko für Weihnachten typisch sind.

Kurz darauf feierte ich meinen 17. Geburtstag, der von meinen Eltern aber kaum beachtet wurde, sodass ich mit meinen Freunden zum Billard spielen ging. Meine Schwester ist in dem Zwischenraum übrigens zu meiner besten Freundin geworden, sodass ich mich mittlerweile wie zu Hause fühlte. Ich hatte mich an meine neue Umgebung gewöhnt und mich an die Spielregeln angepasst – die Gerüche, Geräusche, das Essen, ganz einfach die mexikanische Kultur. Das wurde mir auf einmal klar. Von dem Moment fing ich an die Zeit richtig zu genießen und die Zeit flog nur so vorbei. Ich merkte, dass in mir ein kleiner Wechsel geschah. Ich wurde viel offener, selbstsicherer und lernte mich wie eine richtige Mexikanerin zu verhalten. Vor allem lernte ich, dass ich Mexiko ein ganz anderes Ambiente herrschte und die Mentalität eine ganz andere ist. Man wurde von allen dirket super offen und freundlich begrüßt und jeder wurde direkt herzlich willkommen geheissen. Dieser Unterschied wurde mir nach meiner Rückkehr nach Deutschland sehr deutlich.

An Ostern fuhr meine ganze Familie mit mir nach Mazatlan, wo wir nen ganz schönen Badeurlaub machten.

Meine Schwester kannte ich mittlerweile als richtige Schwester an und sie tat es genauso. Die Abende verbrachten wir draußen in der Strasse, wo wir immer Freunde trafen, quatschten, lachten und vor allem miten auf der Straße tanzten. Das beeindruckte mich glaube ich am meisten, dass einfach keine Ängste da waren, dass man sich vor jemandem bloss stellen könnte. Die Zeit ging noch schneller vorbei. Sie rann nur so. Ich unternahm sehr viele Sachen mit meinen Freunden und mit meiner Schwester und mitte Mai begannen für mich dann schon die Ferien. Anfang Juni reiste ich für eine Woche mit meinen Freunden nach Cancun, an die Karibik, wo wir eine unglaublich tolle Woche verbrachten und ich noch mal eine Menge über die mexikanische Kultur, speziell der Maya, lernte.

Kurz darauf war noch die Kulturreise von YFU nach Oaxaca angesagt. Dort lernte ich das Mexiko kennen was ich mir immer vorgestellt hatte (alles viel ärmer etc.).

Als ich dann nach hause kam blieben mir nur noch zwei Wochen bis zur endgültigen Abreise nach Deutschland. Ich glaube die zwei Wochen waren so ziemlich die stressigsten Wochen in dem ganzen Jahr, weil noch so viele Sachen erledigt werden mussten. Koffer kaufen, Abschiedsgeschenke und Mitbringsel aussuchen, Freunde verabschieden, Abschiedsfeier...

Und dann war auch ganz schnell der letzte Abend da. Die letzten Tage war ich so nervös, dass ich nichts essen konnte, denn eigentlich war ich noch gar nicht bereit jetzt schon wieder nach Deutschland zurückzukehren. Am letzten Abend konnten wir nicht schlafen, waren sprachlos und am heulen..... Am Flughafen war es dann noch schlimmer, weil man ja wusste, dass dies nun der endgültige Abschied war. In Deutschland war es ja wenigstens nur ein Abschied auf Zeit, aber wer weiss wann ich nach Mexiko Zurückkehren kann? (ich habe es auf jeden Fall vor, so schnell wie möglich)

Als ich in Deutschland ankam hatte sich nichts verändert. Alles war beim alten und es kam mir so vor als hätte ich nur mal eben wo anders geschlafen, was mich ein wenig erschreckte.

Über meine Einlebungszeit kann ich leider noch nichts sagen, da ich dafür erst viel zu kurz zu Hause bin. Aber ich kann ganz bestimmt sagen, dass dies eines der besten Jahre meines Lebens war. Ich vermisse jetzt schon meine Schwester, meine Freunde, meine Familie oder einfach nur auf die Strasse zu gehen. Es ist schwer, aber das werd ich schon meistern. Ich habe so verdammt viele Dinge gelernt. Vor allem lernte ich, dass es in einem Austauschjahr auch darum geht Ängste zu überwinden, Grenzen zu überschreiten und neue Ziele zu setzen. In so einem Jahr kann man nicht ohne Probleme leben, aber wenn man ein bisschen aus sich hinausgeht kann man sie lösen.

Wenn ich die Chance hätte, ich würde sofort noch mal los. Es ist nicht immer einfach, aber es ist zu schaffen – und es lohnt sich!!!