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Emily verbrachte das Schuljahr 00/01 mit Kultur-Life in Kanada. Ihren Bericht, den sie uns zur Verfügung gestellt hat, wurde im Mai 2001 geschrieben.

Ein Jahr in Québec: "C'est le fun, ça!"

Ein Jahr im Ausland zu verbringen, ist cool. Zum Abschied wird man von seinen Freunden mit Geschenken überhäuft ( - als ob sie alle nur darauf gewartet hätten, dass man wegfährt…) und man wird von seiner Mutter ganz neu mit Kleidung eingedeckt ("So kann ich dich doch nicht ziehen lassen! Was sollen die denn von mir denken?!"). Unter Anderem bekomme ich von ihr ein ganz neues Paar Schuhe – praktisch und gemütlich müssen die sein, denn sie haben einen weiten Weg vor sich… Seitdem sind fast zehn Monate vergangen. Mittlerweile sind die Schuhe durch Hamburg, Frankfurt, Toronto, Québec, Montréal, Ottawa, Philadelphia, Washington und New York gelaufen und ihre Besitzerin ist um viele Erfahrungen reicher.
Aber nun mal alles der Reihe nach. Im Schuljahr 99/00 bewerbe ich mich bei Kultur-Life um einen Jahresaufenthalt im französischen Teil Kanadas. In einem Marathon aus Fragebögen, Briefen und Gesundheitszeugnissen werde ich angenommen und nachdem meine Eltern das Geld überwiesen haben, gibt es kein Zurück mehr: Ich werde das nächste Schuljahr in einem fremden Land verbringen, bei einer fremden Familie, auf einer fremden Schule und das ganze auch noch in einer fremden Sprache. Ausgerechnet ich, die Jüngste in der Familie, die bisher immer aus den Erfahrungen ihrer älteren Schwestern lernen konnte und noch nie ganz alleine etwas völlig Neues gewagt hat. – Eine wahre Horrorvorstellung!
Dennoch steige ich am 25.08.2000 voll Vorfreude ins Flugzeug und lasse meine Freunde, meine Familie und meine Vergangenheit – kurz: ein Stück meiner Identität – hinter mir. In Toronto erwartet mich ein Wochenend-Seminar der kanadischen Partnerorganisation NACEL mit vielen anderen Austauschschülern aus der ganzen Welt. Im Laufe der diversen Aktivitäten (Stadtrundfahrt, Besuch der Niagara-Fälle, etc.) wird mir zum ersten Mal bewusst, was das Wort "Kulturaustausch" wirklich bedeutet: Ich versuche, die Namen der japanischen Teilnehmer auszusprechen, lerne ein paar Brocken Spanisch, erhalte eine Einladung nach Belacruz und probiere mexikanische Süßigkeiten (eine beißende Gewürzmischung, die für den durchschnittlichen Mitteleuropäer nur in Verbindung mit ca. 10 Litern Wasser genießbar ist). Trotz einiger Sprachprobleme versteht sich die ganze "multi-kulti"-Truppe prima und ich muss sagen, es ist ein tolles Gefühl, mit 100 Jugendlichen aus allen Nationen im Hard Rock Café zu "Macarena" und "YMCA" zu tanzen!
Nach diesem Wahnsinns-Wochenende beginnt der eigentliche Ernst des High-School-Jahres: Wir bekommen von NACEL wichtige Tipps zum Umgang mit der Gastfamilie und werden anschließend in alle Himmelsrichtungen verstreut. An diesem Tag sehe ich zum ersten Mal die Leute, mit denen ich die nächsten zehn Monate verbringen soll.

Die Gastfamilie (oder: Wie ich zum "Stargate"-Fan wurde…)

Meine Gastfamilie besteht aus Gaëtan, Anne-Marie und ihrer 22-jährigen Tochter Marie-Claude und wohnt in dem kleinen Ort St-Nicolas, ca. 10 min von Québec-City entfernt. Alles, was ich von ihnen weiß, steht auf einem DIN-A4 Zettel von der Organisation. Außerdem haben wir einmal miteinander telefoniert und uns zwei E-mails geschickt, da ich ihre Adresse erst zwei Wochen vor meiner Abreise bekam. Trotzdem verstehen wir uns vom ersten Tag an blendend und ich werde als vollwertiges Familienmitglied akzeptiert. Ich kann daher keines der Vorurteile gegenüber diesen "kurz entschlossenen" Familien bestätigen. Im Gegenteil: Ich bin überzeugt davon, dass ich in ganz Québec keine bessere Familie hätte finden können. Mal ehrlich, wer träumt nicht von einem Vater, der einen ohne zu murren um zwei Uhr morgens von irgendwelchen Partys abholt? Oder von Eltern, die extra ein gebrauchtes Keyboard kaufen, damit ihr Gastschüler nicht das Klavierspielen verlernt? Im Gegenzug für diese Großzügigkeit nutzt mein Gastvater jede Gelegenheit, um sich über mich lustig zu machen, denn er will herausfinden, ob die Deutschen wirklich so humorlos sind, wie es das Klischee behauptet. Zum Glück habe ich nach 16 Jahren des Zusammenlebens mit meinen Schwestern einiges an Nahkampferfahrung gesammelt, und so passe ich mich sehr schnell der neuen Situation an. Die Gewöhnung an alle anderen Besonderheiten des Lebens in der Gastfamilie verläuft für mich relativ problemlos, trotz einiger Unterschiede zwischen europäischer und amerikanischer Denkweise ("Türen sind zum Schließen da." – "Nein, Türen sind zum Öffnen da!"). Es gibt jedoch einen Aspekt, mit dem ich absolut nicht klar komme: die Fernseh-Gewohnheiten meines Gastvaters: Jeden Freitag, Samstag und Sonntag schauen wir uns jeweils die neuesten Folgen von "Stargate SG1" an. Nun, wenn es ein Filmgenre gibt, das ich wirklich hasse, dann ist es Science-Fiction. Aber – aufopferungsbereit wie ich bin – lasse ich jedes Wochenende diese Qual über mich ergehen und gewöhne mich langsam aber sicher daran. Ergebnis nach zehn Monaten Austauschschülerdaseins: Mittlerweile bin ich schon immer gespannt auf die nächste Folge und jedes Mal total genervt, wenn es einer meiner Freunde wagen sollte, mittendrin anzurufen. – Seltsam, was für einen Gehirnwäsche-Effekt so ein Auslandsaufenthalt mit sich bringt… Ich bin jedenfalls schon mal gespannt auf den Gesichtsausdruck meiner Mutter, wenn sie sich mit mir diesen "Science-Fiction-Quatsch" ansehen muss…

Schule in Québec (oder: Wie ich das deutsche Schulsystem schätzen lernte…)

Vor meiner Abreise informierte ich mich bei ehemaligen Austauschschülern über Schule in Nordamerika. Diese Berichte waren fast durchweg positiv: Die Schulen seien viel besser ausgerüstet, es gäbe eine Fülle an AGs und Sportmöglichkeiten, der Spaßfaktor sei viel wichtiger usw. Trotzdem gerät mein erster Schultag zur absoluten Katastrophe: Im Schulbus komme ich mir vor wie Forrest Gump (keiner will neben mir sitzen) und in der Schule beschleicht mich ein Gefühl der Einsamkeit, als ich feststelle, dass es doch nicht so einfach ist, mit irgendeinem der 2000 Schüler um mich herum Kontakt zu knüpfen. Am Nachmittag komme ich als traumatisiertes Häufchen Elend nach Hause und heule mich erst einmal bei meiner Gastschwester aus. Diese versichert mir, dass es bestimmt bald besser wird und – oh Wunder! – sie hat recht! Am zweiten Tag lerne ich Diane kennen, die sich auf einen 3-monatigen Austausch mit Deutschland vorbereitet und mich somit neugierig über die deutsche Kultur ausfragt. Der Rest ist Formsache: Sie stellt mich ihrer Clique vor, am folgenden Wochenende gehen wir ins Kino und seitdem habe ich einen festen Freundeskreis, mit dem ich mich an Wochenenden treffe, um zu feiern oder zum Bowling zu gehen (von 12 bis 2 Uhr morgens, wobei das eigentliche Kegeln eher zur Nebensache wird…). Gemeinsam meistern wir auch den kanadischen Schulalltag, der wirklich ein interessantes Erlebnis ist. Um die Auflagen meines deutschen Gymnasiums und die meiner High School zu erfüllen, belege ich folgende Kurse: Französisch, Englisch, Mathe, Bio, Geschichte (von Québec), Wirtschaft, Moral (Philosophie), Sport und – das Beste ganz zum Schluss: "Art dramatique" (Theater). Im schulischen Bereich gibt es natürlich anfängliche Schwierigkeiten. So ist z.B. das hier gesprochene "Québécois" ein solch starker Akzent, dass man meinen könnte, es handele sich um eine ganz andere Sprache als das Schul-Französisch, das wir am Gymnasium lernen. Angeblich haben sogar die Franzosen Probleme, es zu verstehen! Kleine Kostprobe gefällig? Mein Englischlehrer redet ständig vom "pahtzipp paossee dsü verb aitzr" (für Französischkundige heisst das: "le participe passé du verbe être"). Ein weiteres Beispiel ist das Wort "facque". Dies ist eine Verkürzung von "ça fait que" und heißt auf Deutsch "also" oder "daraus folgt". In der Québécois-Aussprache erinnert dieser Ausdruck stark an ein bestimmtes englisches Schimpfwort, daher bin ich während der ersten Wochen etwas verwundert darüber, wie oft v.a. die Lehrer das berühmte "F-Wort" von sich geben… Und das nachdem man mir eingeschärft hatte, in Amerika bloß nicht zu fluchen! Nun ja, auch wenn die Sprache unmöglich zu verstehen ist, so ist doch der Schwierigkeitsgrad der Schule wesentlich geringer, als ich es vom Gymnasium gewohnt bin. Wir fangen z.B. in der ersten Englischstunde an mit: "I am, you are, he/she/it is, etc." (- Wohlgemerkt, wir sind hier in der Abschlussklasse, d.h. ein höheres Niveau gibt es an der Schule nicht! So langsam begreife ich, wie Québec es geschafft hat, über 400 Jahre lang frankophon zu bleiben…). In Französisch lerne ich, dass man zwischen Subjekt und Verb kein Komma setzen darf und in Geschichte muss man sich nur merken, dass die Engländer die Bösen sind und die Franzosen die Guten. Die Arbeiten und Tests sind größtenteils zum Ankreuzen und ziemlich einfach, sodass es den meisten meiner Schulkameraden an selbstständigem Denken fehlt (Zitat: "Ich konnte die Hausaufgaben nicht machen, weil uns der Lehrer nicht gesagt hat, auf welcher Seite im Buch die Antworten stehen!"). Auch wenn die Jugendlichen im Allgemeinen wenig Ahnung haben, was sich außerhalb ihres Landes abspielt, stellen sie mir doch oft neugierige Fragen über mein Herkunftsland. Hier einige Beispiele:

- "Bringen die euch in der Schule bei, dass Hitler ein guter Mensch war?"
- "Wie bitte?!"

oder:

- "Wusstest du, dass Hitler Jude war?"
- "Hä??!"

Gelegentlich gehen diese Fragen sogar über mein Wissen hinaus:

- "Sag mal, wer hat eigentlich Deutschland entdeckt?"
- "??!"

Anscheinend ist dieses Bildungsniveau auf dem ganzen amerikanischen Kontinent vertreten, denn mein Gespräch mit Sergio, dem mexikanischen Austauschschüler, verläuft ungefähr so:

- "Ah, Germany… (Er schaut mich ca. 30 Sekunden lang nachdenklich an und fragt dann vorsichtig) In Europe??"
- "Nee, in Asien, weißt du!" (Zum Glück konnte ich mir diese Antwort gerade noch verkneifen!)

Trotz des schwachen Bildungsniveaus hat die Schule hier auch ihre Vorzüge. So ist beispielsweise das Verhältnis zwischen Lehrern und Schülern viel persönlicher und weniger formell als in Deutschland (alle Lehrer werden geduzt und mit dem Vornamen angeredet!) und die Schule bietet viele Aktivitäten an: eine große Halloween-Party, zu der sich alle verkleiden müssen; einen "Après-midi des Arts", bei dem alle Klassen in einem großen Kreativ-Wettbewerb (u.a. Body-Painting!) gegeneinander antreten; eine Klassenreise nach New York; einen schulinternen Weihnachtskarten-Lieferservice (Gleiches gilt für den Valentinstag, an dem die Karten mit Rosen und Gesang geliefert werden!) und im Januar einen Wintersporttag, an dem die ganze Schule auf der Skipiste anzutreffen ist, denn Schnee gibt es hier "en masse". Und damit wären wir schon bei einem anderen Thema:

Land und Leute (oder: Warum ich keinen Schnee mehr sehen kann…)

Als ich mich entschied, ein Jahr in Kanada zu verbringen, beschränkte sich mein Fachwissen auf Folgendes: "Kanada ist ein Land nördlich der USA." (Immerhin war ich damit laut Statistik 80% der amerikanischen Jugendlichen voraus). Außerdem wusste ich noch, dass Kanada das Geburtsland von Céline Dion ist. Nun wurde mir schnell klar, dass dieses bei Weitem nicht ausreichen würde, um einem Kulturschock vorzubeugen, und so informierte ich mich in zahlreichen Büchern, Zeitschriften und im Internet über dieses mysteriöse Land. Im Laufe meiner Recherchen erfuhr ich, dass Kanada seit dem Zerfall der Sowjetunion das größte Land der Welt ist. Zur Veranschaulichung ein kleines Beispiel: Deutschland würde ungefähr viermal in die Provinz Québec hineinpassen. – Und es gibt noch 12 weitere Provinzen…! Kein Wunder, dass die Menschen hier alle Entfernungen in Zeiteinheiten angeben! Das Spektrum reicht von "drei Minuten zu Fuß" (McDonald‘s an der Ecke) bis zu "fünf Tage mit dem Auto" (Vancouver). Auf dieser riesigen Fläche leben jedoch nur ca. 30 Millionen Einwohner; in der Provinz Québec sind es ganze 7 Millionen (zum Vergleich: Deutschland mit mehr als 80 Millionen!). Die Vorteile einer solchen Situation werden einem schnell klar, wenn man sich die Verkehrsmeldungen im Radio anhört: "Achtung! Großer Stau auf der St-Lorenz-Brücke! Für die Überquerung sollten Sie mindestens 5-8 Minuten einplanen…" – Von solchen "Staus" können wir Europäer wohl nur träumen…
Darüber hinaus erfuhr ich, dass ich kurz davor war, in das schneereichste Gebiet der Erde zu fahren. Sogar am Nordpol schneit es weniger als am St-Lorenz! Wie es sich herausstellt, hatte mein Reiseführer nicht zu viel versprochen: In diesem Winter hatten wir insgesamt 3,77m Schnee (- ja, übereinander!). Zum Glück sind die Québécois solche Schneemassen gewohnt und können professionell damit umgehen. Trotzdem fällt im Dezember zweimal wegen Schneesturms die Schule aus, was sowohl Schüler als auch Lehrer in aufgeregte Kleinkinder verwandelt. In diesem Winter erlebe ich auch zum ersten Mal in meinem Leben weiße Weihnachten. Diese Feier mit allen Verwandten meiner Gastfamilie ist eine der schönsten Erinnerungen, die ich mit nach Deutschland nehmen werde. Aber, so schön der Schnee auch sein mag; irgendwann ist ein Punkt erreicht, an dem man alles dafür geben würde, um wieder einen Grashalm zu sehen. Während mein gesamtes Umfeld von Ende November bis Mitte April von einem dicken weißen Teppich überdeckt ist, wird mir langsam klar, warum die Inuit im Norden des Landes 15 verschiedene Ausdrücke für das Wort "Schnee" haben. Außerdem gibt es natürlich die dazu passenden Temperaturen, die für uns Mitteleuropäer fast unvorstellbar sind. Zitat aus einem Telefongespräch mit meiner Mutter:

- "Du, hier in Deutschland ist es in letzter Zeit bitter kalt. Gestern Nacht war es –5°C."
- "Hm. Also wir haben hier seit einer Woche Tagestemperaturen unter –20°C und als ich heute Morgen auf den Bus gewartet hab', war es –30°C mit eisigem Wind."
- "Mensch, Kind! Das ist ja schrecklich! Bind' Dir ja immer einen Schal um, wenn du rausgehst!"
- "Ja ja, Mama. Keine Angst, ich komm‘ schon nicht um…"

Die Menschen hier sind die eisigen Winter mittlerweile so gewohnt, dass ihnen die Kälte nichts mehr auszumachen scheint. Ich sehe jedenfalls mit Erstaunen meinen Mitschülerinnen zu, die bei –10°C im Minirock durch den Schnee stapfen. – Also, tut mir leid, aber irgendwo hat die Anpassung an andere Kulturen für mich auch ihre Grenzen!
Die Gewöhnung an die anderen Besonderheiten der "québécois" Kultur fällt mir auch nicht gerade leicht. Der erste Kulturschock vollzieht sich beim Einschalten des Radios: "Hilfe! Was ist denn das?!". Eigentlich hätte ich es mir denken können: Um den frankophonen Charakter der Provinz zu erhalten, müssen die Radiosender hier mindestens 60% französische Musik spielen. Als pflichtbewusste Austauschschülerin interessiere ich mich natürlich schon seit einiger Zeit für diese Musikrichtung und habe herausgefunden, dass es einige sehr schöne französische Lieder gibt, aber aus irgendeinem Grund werden diese hier kaum gespielt. Also stelle ich im Laufe 10 langer Monate u.a. fest, dass die französische Version von "Wann wird's mal wieder richtig Sommer?" noch schlechter ist als die deutsche. – Bisher hatte ich das für unmöglich gehalten. Na ja, man lernt nie aus…
In der Tat habe ich während meines Aufenthalts in Québec viel gelernt. Im Rückblick erscheint mir meine Zeit in Kanada als ein einziges Gefühlschaos zwischen "Hurra, ich entdecke die Welt!" und "Mamaaaa, ich will nach Hause!!". In diesen Umständen lerne ich plötzlich Sachen schätzen, die ich vorher für selbstverständlich gehalten hatte: meine Familie, meine Freunde, warme Socken, etc. etc… Ich glaube außerdem, mich selbst besser kennen gelernt zu haben: Ich weiß jetzt genauer, was ich kann und was für mich im Leben wichtig ist. Meine Pläne für die nähere Zukunft sind zunächst einmal Italienisch und/oder Spanisch zu lernen und v.a. reisen, denn dieses Auslandsjahr hat in mir das Interesse und die Lust geweckt, andere Länder, Menschen und Kulturen kennen zu lernen und diese besser zu verstehen.
Zum Schluss noch ein paar lobende Worte über meine Austauschorganisation: Sowohl in Deutschland als auch in Kanada hat Kultur-Life bzw. Nacel International alle meine Erwartungen erfüllt. Meine Repräsentantin in Québec war wie eine Mutter für alle ihre Schützlinge da und hat oft Treffen oder Partys für die Austauschschüler und deren Familien organisiert. Von der Organisation selbst bekam ich fast jeden Monat einen ausführlichen Fragebogen, in dem sie sich meines Wohlergehens versicherte. – Zum Schluss wusste ich gar nicht mehr, was ich schreiben sollte, weil alles so gut lief!
Jetzt, da das Ende meines Auslandsjahres langsam naht, empfinde ich v.a. Stolz und Dankbarkeit. Ich bin stolz darauf, dass ich heute französische Witze reißen und wie die "Québécois" fluchen kann; dass ich es geschafft habe, in einer völlig fremden Umgebung neue Freunde und sogar eine zweite Familie zu finden; dass ich etwas getan habe, das nur Wenige in meinem Alter wagen und dass ich trotz einiger harter Rückschläge und Heimwehattacken durchgehalten habe und heute gestärkt aus diesen Erfahrungen hervorgehe. Außerdem bin ich dankbar für alle, die mir diesen Aufenthalt ermöglicht oder erleichtert haben, allen voran meinen Eltern und meinen Freunden, die mir in ihren Briefen und E-mails gezeigt haben, dass sie immer für mich da sind (auch wenn die Antwort mitunter lange auf sich warten ließ. – Sorry!).

So, bevor ich zu sehr ins Philosophieren gerate oder einen Heulanfall bekomme, weil mir nur noch wenige Wochen in Québec bleiben, möchte ich noch alle, die gerade über Pro und Contra eines Auslandsaufenthalts nachdenken, ermutigen: Traut euch! Das Erlebnis lohnt sich auf jeden Fall! Ich bin überzeugt davon, dass ich eine wahnsinnige Chance verpasst hätte, wenn ich mich gegen dieses Schuljahr in Kanada entschieden hätte. Wenn euch die bereits genannten Gründe nicht reichen, dann schreibt mich doch einfach an (e-maily@gmx.net) und ich werde mein Bestes geben, um euch zu überzeugen. Oder vielleicht geht es euch wie mir und eine nette Person schreibt euch vorne ins geschenkte Tagebuch:

"Do not follow the path.
Go where there is no path
And begin the trail."