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Entscheidung

Die Entscheidung, nach Kanada zu gehen, habe ich im Prinzip bereits in der 9. Klasse gefällt. Nach kurzer Information durchs Internet hab ich mich bei den Organisationen YFU, AFS und Rotary erkundigt, wie und wann ich mich bewerben könnte. Wenn man mich jetzt fragt, wie ich überhaupt aufs ATJ und Kanada gekommen bin - ich weiss es nicht mehr. Es war ein Gefühl, ein Gedanke, ein Traum oder Wunsch der einfach plötzlich da war, aber der so stark war, dass ich ihn einfach in die Realität umsetzen musste. Meine Eltern unterstützen mich von Anfang an, zumindest indem sie mich nicht weiter daran hinderten Ich wollte alles alleine machen, hab mich also auch alleine für YFU als Wunschorganisation entschieden (rückblickend würde ich das als einen total Glücksgriff bezeichnen) und mich um die Bewerbung gekümmert, sobald die 10. Klasse angefangen hatte.

JULI 2000

Ich hatte zwischenzeitlich auch meine beste Freundin Stefanie für die gleichen Organisationen begeistern können, so daß wir uns gemeinsam über diese doch etwas merkwürdigen Bewerbungsunterlagen lustig machten.
Sie bestanden aus wirklich interessantem Informationsmaterial, Ausfüllbögen für die ganzen persönlichen Angaben, den familiären Hintergrund und so etwas, und jeweils der Aufgabe, einen Text zu schreiben. Hier fing der Spaß eigentlich an. YFU wollte wissen, was mich denn bisher denn so beeinflußt hätte und AFS fragte ähnliches, zum Beispiel, was ich denn bisher so erreicht hätte (Hallo???? Ich bin 15 und lebe in einer deutschen Kleinstadt.... wie interessant war mein Leben wohl bisher??).
Da die Unterlagen Anfang Juli bei mir ankamen, und ich zu dieser Zeit gerade in die Sommerferien fahren wollte, habe ich mich nicht direkt darum gekümmert. Und so wurde es...

...AUGUST...

und als ich dann aus den Ferien zurückkam, hatte ich bereits beinah die Rücksendetermine überschritten! In absoluter Eile stellte ich alles zusammen (das Lehrergutachten, das jeweils verlangt wurde, war ein Extraproblem: Meine Klassenlehrerin ist sowieso etwas verplant, daher dauerte das auch entsprechend) und schickte es jeweils kurz vor bereits verlängertem Bewerbungsschluß ein. Ich hatte totalen Streß mit den Paßfotos, weil ich durch den vorhergegangenen Urlaub totalen Sonnenbrand hatte und ständig so rot und glänzend aussah, daß jeder dachte, ich befände mich kurz vor einem Hitzschlag... Und das auf einer Bewerbung?! (Ich gebe zu, daß das eigentlich belanglos ist, aber in der Situation war das irgendwie total wichtig für mich...)
PPP bzw. Experiment hatte ich währenddessen bereits verworfen, da in den Unterlagen stand, daß sie Anfang 2001 Bescheid geben würden, wer definitiv genommen seien würde (nach einem Gespräch natürlich), während AFS und YFU sich schon noch während 2000 entscheiden wollten. Da ich natürlich nicht AFS und YFU absagen wollte, falls ich dort angenommen werden würde, bloß weil ich auf eine Annahme beim PPP hoffte, meldete ich mich da gar nicht erst an. Außerdem war meine "Abneigung" gegen die USA inzwischen gewachsen und ich arbeitete jetzt nur noch mit YFU und AFS auf Kanada hin. Inzwischen hatte meine beste Freundin dieselbe Entscheidung getroffen, und bewarb sich bei YFU und AFS auf die USA. Eine weitere Freundin hatte sich bei anderen Organisationen beworben, wo alles völlig anders ablief als bei mir. (Sie fuhr übrigens mit LSI nach Roseville, Michigan)

SEPTEMBER

bekam ich dann von YFU (einen Monat nach Einsendung meiner Bewerbung) die Einladung zu einem Auswahlgespräch am 24.09., meine beste Freundin wurde zu einem Gespräch am gleichen Ort, nur drei Wochen vor meinem Termin, eingeladen. Ich begleitete sie und kannte daher schon die Umgebung, so daß ich an "meinem" Termin ohne größeren Streß dorthin fuhr. Ich bin absichtlich alleine dorthin gefahren, ich hatte einfach das Gefühl, daß es einer dieser Schritte war, die man alleine machen muß, und nicht mit seinen Eltern im Warteraum. Allerdings denke ich, daß dieser Gedanke auch dadurch beeinflußt wurde, daß ich das Ganze schon "mitdurchlaufen" hatte, da meine Freundin mir alles haargenau erzählt hatte.
Als ich dann an diesem Sonntag um kurz vor 11 im Hotel Euro Plaza in Köln ankam, waren meine Knie aber schon irgendwie etwas zittrig. Ich wußte, daß dies die letzte Hürde vor meinem Austauschjahr mit YFU war, und ich wollte inzwischen unbedingt mit dieser Organisation fahren. Außerdem hatte AFS sich einfach nicht gemeldet, obwohl meine Freundin bereits zu einem sehr merkwürdig klingendem Auswahlwochenende eingeladen worden war: Dort sollten angeblich Talent- und Psychologiespielchen ablaufen... Ich ärgerte mich nur noch über das verschwendete Geld, daß man bei AFS als Bewerbungsgebühr zahlen muß, und hatte diese Organisation bereits gedanklich gestrichen. Als ich dann mit den weiteren vier Bewerbern in den Vorraum des Gesprächszimmers kam, habe ich natürlich erstmal versucht, mir ein Bild von ihnen zu machen. Drei Jungs und ein weiteres Mädchen, alle mit verschiedenen Zielen: Kanada, Neuseeland, Australien, Schweden, Südafrika. (Ich hatte Kanada und Schweden angegeben, einer der Jungs (total nett) hatte Schweden, Neuseeland und Kanada gewählt, und die anderen habe ich mir leider nicht gemerkt) Da eines meiner deutlichsten Merkmale ist, das ich ständig rede, hatte ich schnell mit diesem besagten Jungen die "Gruppenführung" übernommen, wenn ich das mal so ausdrücken darf. Das andere Mädchen und einer der beiden Jungs kannten sich von der Schule her und sprachen leise im Hintergrund miteinander, während der dritte Junge völlig in sich zurück gezogen war. Der "erste" Junge (ich weiß wirklich nicht mehr, wie er genau heißt, peinlich, peinlich!) fragte mich erstmal, wie ich heiße und wie alt ich bin und wohin ich will, und noch bevor ich zurückfragen konnte, kam ein freundlicher Mann (Ulrich Zahlten, wie sich herausstellte) und bereitete uns auf die kommende Situation vor. Dazu wäre zu sagen, daß ich wirklich pünktlich war (mal ausnahmsweise nicht zu spät *g*), und mir deshalb selbst die Chance genommen hatte, die andern noch kennenzulernen, bevor wir in den Gesprächsraum mußten. Dort wurden wir plaziert, unsere fünf Stühle waren in einem Halbkreis aufgestellt, direkt vor einer Tischreihe, hinter der fünf Auswahlleiter saßen. In der Mitte Ulrich Zahlten, der alles leitete, neben ihm drei Frauen und ein weiterer Mann, wobei eine der Frauen auffallend jung war, die anderen Beiden schätze ich auf Mitte/Ende 20.
Ich saß von mir aus gesehen auf dem zweiten Stuhl von rechts, rechts neben mir der Junge, der das Mädchen von der Schule kannte, links neben mir der "Nette", daneben das Mädchen und ganz links der "Ruhige".
Die Auswahlleiter verglichen erst die Fotos unserer Bewerbungsunterlagen mit unseren Gesichtern, was bei allen schnell ging, nur bei mir meinten sie, ich solle doch mal richtig lächeln: Auf dem Foto war ich knallrot, strohblond und hatte ein dickes Grinsen drauf, während meine Haare inzwischen wieder länger und dunkler waren, meine Gesichtsfarbe war wieder kalkweiß wie gewöhnlich und mein Gesicht zeigte eher meine Anspannung als das Lächeln auf dem Foto. Und als ich also aufgefordert wurde, breit zu lächeln, damit sie mich erkennen konnten, habe ich sie also angestrahlt, woraufhin alle fünf Leiter zurücklächelten, und mit einem Schlag war ich ganz ruhig, das hat mir irgendwie geholfen. Das Gespräch drehte sich hauptsächlich um Problemfälle, und wir sollten in der Gruppe darüber reden und darauf achten, daß alle zu Wort kamen und so. Das stand auch in den Unterlagen, die ich mit der Einladung bekommen hatte. Also erzählte Herr Zahlten uns kurz etwas, dann sprang sofort der "Nette" ins kalte Wasser, äußerte seine Meinung, danach antwortete ich darauf, woraufhin dann der Junge rechts neben mir etwas dazu sagte, dann das Mädchen und schließlich der "Ruhige".
Diese Reihenfolge bildete sich ganz unbewußt, aber so fielen wir uns nie ins Wort und hörten immer zu, solange, bis einer nichts mehr zu sagen wußte und der nächste einsprang. Der "Ruhige" wurde aber bald zum Problemfall, er sagte nichts (wobei ich aber auch nichts mehr zu sagen gehabt hätte, nachdem wir anderen Vier bereits darüber gesprochen hatten), und wenn wir versuchten, ihn anzusprechen und dadurch zum Reden zu bringen, wurde er nur noch nervöser. Er tat mir leid, aber das Ganze war nach noch nicht mal einer Stunde ja auch schon vorbei.
Nur einmal dachte ich, das war’s, die nehmen dich nie, nämlich nachdem ich sagte, daß ich denken würde, daß man nichts phantastisches von diesem Jahr erwarten dürfte und auch keinen Anspruch darauf hätte, sonder es nehme müßte, wie es kommt und sich entsprechend verhalten. Das war meine Ansicht über den Fall einer ATS, die nicht fahren wollte, da sich eventuell Schwierigkeiten wegen ihrer Plazierung ergeben könnten. Da fiel mir Herr Zahlten ins Wort, und sagte, daß er das anders sehen würde. Ich mußte erstmal tief Luft holen, bis ich mich traute, etwas zu erwidern, und das einzige, was ich dachte, war: Hey, stand in den Unterlagen nicht, daß die Leiter keine feste Meinung haben?? Aber zwei Minuten später lächelten mich auch alle wieder an, bis auf den einen Mann, der aß die ganze Zeit Gummibärchen...
Schließlich verabschiedeten sie sich von uns, ich sprang auf und war als Erste an der Tür, als Herr Zahlten sagte: Carolin, einen Moment, bitte. Ich drehte mich um und dachte: Das war’s, jetzt sagen sie, du brauchst auf keine Antwort zu warten, du bist abgelehnt! (Die letzten Sätze waren, daß der Bescheid in etwa 4 Wochen kommen würde und eine Ermahnung von Herrn Zahlten, daß er von einer so aufgeschlossenen Gruppe wie der unsrigen mehr erwartete hätte, denn keiner von uns hatte ein osteuropäisches Land gewählt, und das fand er unerhört...)
Also ging ich wieder zwei Schritte auf die Tische zu, während die Anderen den Raum verließen, und Herr Zahlten blickte von seinen Unterlagen auf und sagte: "Carolin, schreibst du eigentlich auch privat?" Ich war so überrascht, daß ich ihn nur fragend ansah, und daraufhin sagte er: "Deine Bewerbung hat uns sehr beeindruckt, du solltest das wirklich weiterführen" (In etwa dies sagte er, aber ich gebe zu, dass ich nicht in der Lage war, mir seine genauen Worte zu merken) Ich war wie vor den Kopf gestoßen, das war alles andere, als das, was ich erwartet hatte, und was heißt "privat schreiben"? Klar, ich hatte mal mit 12 oder 13 versucht, ein paar Ideen in Geschichten umzuwandeln, und Deutsch ist mein bestes Fach, aber was hat das mit meinem Auswahlgespräch zu tun??
Ich dankte ihm irgendwie dafür, da ich das als Kompliment ansah, und verließ dann endlich das Zimmer. Draußen atmeten wir dann alle erstmal auf, alle streckten sich, und die Beiden, die sich von der Schule kannten, verschwanden direkt, wir anderen drei gingen noch in Köln rum und aßen Eis, um das Überleben dieser Stunde zu feiern...

OKTOBER

AFS meldete sich, es täte ihnen furchtbar leid, sie hätten mich irgendwie verschusselt, ich solle direkt am nächsten Wochenende zur Auswahl kommen, aber wir lehnten danken ab und meine Mutter forderte mit einem sehr freundlich Brief die Bearbeitungsgebühr zurück, da ich ja eindeutig nicht bearbeitet worden sei.... Wir haben das Geld zurückbekommen
Meine Freundin hatte inzwischen, fünf Wochen nach ihrem Gespräch, einen Brief gekriegt, wo etwas drin stand von wegen "dies ist keine Warteliste im eigentlichen Sinne, du bist weiterhin in der Auswahl, falls jemand zurücktritt, dann bist du sofort....". Sie war ein wenig geknickt, aber wir dachten, das wäre vielleicht sogar relativ üblich und ich rechnete mit dem Gleichen.
Und dann: Freitag, der 13. In der Post war ein Brief von YFU, ich hatte Ferien und fand ihn deshalb als erste. Ich rannte in die Küche, macht ihn auf und mir sprang nur der erste Satz ins Auge: "Liebe Carolin, zu unserer großen Freude hat unser Auswahlausschuß Dich für unser Programm mit KANADA ausgewählt."
Ich las ihn direkt noch mal, ich konnte es einfach nicht glauben: Ich war doch erst vor 19 Tagen bei dem Gespräch gewesen!! Und schließlich stand ich nur noch vor Freude schreiend im Wohnzimmer, ich hab wirklich nur noch rumgeschrien: Ich bin dabei! Ich hab’s! Jaaaaaaaaaaaaaaa!!!
Schnell brachte ich die Neuigkeit per Telefon unter meine Eltern und Freunde, ich war ja einfach nur noch so total überwältigt: Es war wahr! Ich fahre im August 2001 nach Kanada!

DEZEMBER

Am 11. Dezember erhielt ich die Plazierungsunterlagen, und ab sofort war ich Carolin, TN-Nr. 2001-0056. Die Unterlagen verschwanden aber erstmal in Umzugskisten: Ich zog etwa 2 km weiter nach Süden...
Dann war Weihnachten, und am 27. Dezember fiel mir auf, daß ja HEUTE die Bestätigung der Zahlungsbedingungen und die Einverständniserklärung bei YFU seien sollte. Uuuuups... Naja, das schickte ich dann mit einem Verweis auf meine neue Adresse sofort ab, und stürzte mich voller Energie in die Unterlagen...

JANUAR

Die Plazierungsunterlagen und die medizinischen Unterlagen sollten bis zum 11. Januar zurückgesendet werden. Etwa eine Woche lang brauchte ich nur, um alles zu strukturieren, was ich noch erledigen mußte und alle Informationen über meine Krankheitsgeschichten aus meinen Eltern herauszukriegen. Dann war natürlich mein Hausarzt in Urlaub, dann ging der Computer meines Bruders kaputt, auf dem mein soeben erst vollendeter Gastfamilienbrief abgespeichert war, den ich dann noch mal schreiben durfte, dann fehlten mir mal wieder Paßfotos, dann die Fotos für die Collage über meinen Alltag und mich selbst...
Als dann schließlich alles fertig war, ich alles bei der Post kopierte und anschließend abschicken wollte, fiel mir dann auf, daß noch die Unterschriften meiner Eltern fehlten, und mein Vater war auf Dienstreise...
Ich weiß nicht mehr genau, wann ich alles endgültig abgeschickt habe, ich glaube, eine Woche nach Einsendeschluß... Aber egal, weg ist weg! Die werden das mir, der internationalen YFU Nummer 01 149 003 0056, schon verzeihen...
Am 30. Januar erhielt ich dann die Teilnahmebestätigung, und kurz darauf, Anfang

FEBRUAR

dann auch die nächsten Informationen, über Betreuung, die Gastfamilien, den Kontakt nach Hause und die Vorbereitungstagung und das Handbuch "World Traveler", das wirklich total interessant ist. Ein komischer Gedanke, daß ich dieses Heftchen jetzt, hier zu Hause, in der Hand halte, und in einem halben Jahr sitze ich irgendwo in Ontario und halte eben dies wieder in der Hand... Ich glaube, ich werde melancholisch!

VBT 24.05.2001 - 30.05.2001

Am Donnerstag morgen um 8:06 Uhr fuhr mein Zug von Bad Honnef aus los und ich saß ziemlich aufgeregt auf meinem Platz und überlegte die ganze Zeit, wie diese Vorbereitungstagung wohl werden würde!
Während dieser Woche mußte ich erfahren, dass man die Inhalte der VBT nicht erzählen kann. YFU legt sehr großen Wert darauf, dass alles selbstständig erarbeitet wird und als ich, nun schon eine halbe Woche wieder zu Hause, versuchte, meinen Freunden und meiner Familie zu erzählen, WARUM diese Tagung so genial war, stieß ich nur auf Unverständnis.
Wie sollte es auch anders sein? Und deshalb werde ich auch hier nicht versuchen, die VBT zu erklären, sondern sage nur etwas zum Ablauf und zu den Leuten, die ich dort kennengelernt habe. Also, ersteinmal war es wirklich sehr anstrengend. Wir hatten nicht wirklich viel Freizeit: Frühstück um 8:00 (für den Küchendienst hieß es, immer eine halbe Stunde vor Essenszeit in der Küche zu erscheinen), AG-Beginn um etwa 9:00, Mittagessen um 12:00, AG-Beginn um etwa 13:00 (in der Mittagspause wurde auch geputzt), Kaffee und Kuchen gab es während den AG´s (nocheinmal DANKE dafür an das jeweilige Küchenteam) und Abendessen um etwa 19:00. Abends waren meistens auch noch AG´s, und Hausruhe war um 22:00, Zimmerruhe um 23:00.
Zu den AG´s: Wir erarbeiteten Themen wie Kultur (Geschichte, Werte, Kommunikation,...) und Prägung, außerdem gab es natürlich noch die heißersehnten "Länder-spezifischen Tipps" und sowieso jede Menge kleiner Geschichten der ehemaligen ATS. Es wurde sehr viel diskutiert und das wollten die AG-Leiter auch, und ich habe noch nie so gerne diskutiert. Jeder kennt die unproduktiven Streitgespräche mit Lehrern oder in der gesamten Klasse, aber dies war anders, es war interessant und man freute sich schon immer richtig auf die nächste AG.
Zu den Leuten: Es war eine absolut tolle Gruppe. Wir hatten so viel Spaß und ich war wirklich irgendwie richtig traurig, als wir nach Hause fahren mußten, denn nie zuvor hatte einer von uns so viele Gleichgesinnte getroffen. Die sogenannten "Teamer" (d.h. die ehemaligen ATS, die die Tagung nahezu unmerkbar leiteten) waren alle unglaublich nett und man kam sich wirklich vor wie eine große Gemeinschaft.
Da haben wir es wieder! Ich versuche, das Gefühl zu beschreiben, das sich während diesen sechs Tagen entwickelt hatte, und alles was dabei herauskommt, ist eine kitschige Gefühlsduselei! Aber egal. Ich kann wirklich nur sagen, dass diese VBT mir sehr viele neue Gedanken vermittelt hat, und jeden einzelnen von diesen Gedanken habe ich nicht vorgesagt bekommen, sondern er hat sich während einer der vielen Diskussionen mit den anderen ATS entwickelt, und das ist wirklich beeindruckend gewesen. Ich glaube jetzt, dass ich wirklich nach Canada gehen und dort leben und alles mit offenen Augen betrachten kann, zwar nicht unvoreingenommen, denn das geht wirklich nicht, aber immerhin mit dem Bewußtsein, dass alles, was ich sehe, nicht unbedingt so ist, wie ich es wahrnehme und dass ich besser über jedes Urteil noch mindestens zweimal nachdenke, bevor ich es zu einer Meinung werden lasse.
So, habe ich jetzt nicht toll unverständlich vor mich hinphilosophiert? DAS lernt man auf einer VBT!!!

Juni 2001

So, inzwischen ist es Juni und außer der VBT ist nicht wirklich viel passiert. In den Unterlagen stand ja, dass die ersten Gastfamilien bereits März gefunden werden, weshalb ich jetzt bereits seit März jeden Tag hoffnungsvoll zum Briefkasten laufe und jeden Tag werden meine (im Prinzip unbegründeten) Hoffnungen enttäuscht...
Aber ich gebe nicht auf! Seit ich auf der VBT die weiteren 9 ATS kennengelernt habe, die dieses Jahr mit YFU nach Canada gehen, bin ich irgendwie ruhiger (im Sinne von entspannter) geworden. Denn die haben auch noch keine Gastfamilien und die Teamerin der VBT, die selbst in Canada gewesen war, hatte ihre Gastfamilie erst kurz vorm Abflug gekriegt... Da hab ich ja noch Zeit!
Ich brenne nur natürlich darauf, endlich konkrete Vorstellungen meines Lebens im nächsten Jahr zu haben, und meine beste Freundin hat inzwischen ihre Gastfamilie bekommen (Coalinga, California) und ist total happy... *beneid*
Außerdem habe ich vor kurzem die Unterlagen zur Beantragung eines Visums bekommen, die kann ich aber leider erst ausfüllen, wenn ich eine Gastfamilie habe.... Ich werde noch verrückt von der Warterei! Und wenn ich dann eine Familie habe, geht der Stress los...
So, jetzt kann ich euch natürlich das erzählen, was sich nach dem Ende dieses Berichtes abgespielt hat: Ich hab keine Gastfamilie bekommen.
YFU hat allen Kanadafahrern sogar angeboten, vom Programm zurück zu treten - natürlich haben wir alle abgelehnt. Aber es war schon hart - jeden Tag die Hoffnung auf eine Plazierung, und nichts und wieder nichts......
Schliesslich kriegte ich meine Flugdaten, und es wurde immer ernster, alle Leute um mich herum konnten nicht verstehen wie ich trotzdem noch mit YFU gehen wollte, aber ich hatte vollstes Vertrauen - sowohl in YFU als auch in die Zukunft an sich.
Am Abend vor meinem Abflug kriegte ich einen Anruf von YFU... "Wir haben deine Gastfamilie". Um es kurz zu machen: Die Familie sollte eine temporary family für die Ankunftszeit sein, damit ich ein Bett hatte bis ich endgültig plaziert würde. Also wartete ich, bis es etwa 5 Uhr Ortszeit in Kanada war (also etwa 11 Uhr in Deutschland), und rief die Familie an, bei der ich in weniger als 24 Stunden sein würde. Ein merkwürdiges Gefühl....... ich war furchtbar aufgeregt, und es wurde dann auch nicht besser als die Familie sagte "Wie, du bist unsere ATS? Wir haben noch gar keine ausgewählt, da wir ja eh erst in frühstens zwei Wochen eine aufnehmen können. Also, wir sehn dich dann in zwei Wochen!".......... SCHOCK pur.
Da es Freitag Abend war, war natürlich niemand im YFU Büro, und YFU Deutschland schien ja auch wirklich zu glauben dass ich zu dieser Familie kommen würde. YFU Canada konnte ich nicht erreichen...... also bin ich online gegangen und hab mich mit den anderen ATS ausgetauscht. Durch Zufall hab ich dann rausgefunden, dass eine ATS, deren Ankunftsfamilie die Familie von Diane Hahn, der national director von YFU, war, gehört hatte dass sie und noch eine Deutsche bei Diane wohnen würden. Also hatte ich einen "Verdacht" wo ich die nächste Nacht schlafen würde..........
Ich denke es ist nachvollziehbar, wie aufgeregt und verwirrt ich war, als ich um etwa 2 Uhr morgens schlafen gegangen bin, ohne zu wissen was mich am nächsten Tag auf der anderen Seite vom Frankfurter Flughafen erwartete...........................