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Janna verbrachte das Schuljahr 02/03 mit esfa in Lyon, Frankreich. Im folgenden schildert sie ihre Erlebnisse und Gefühle.

Reise und Ankunft (Kön/Bonn - München - Lyon)

Am 31. August stand ich also wirklich am Flughafen mit meiner Familie und es hiess Abschied nehmen für sieben einhalb Monate. Mir war das alles noch gar nicht so bewusst, aber ich hatte trotzdem einen dicken Kloss im Hals als ich meine Mutter, meinen Vater und meinen Bruder umarmte. Meiner Schwester sagte ich am Abend zuvor schon Tschüss, sie konnte nicht mit zum Flughafen.

Als ich in den Flieger nach München, wo ich viele andere Austauschschüler von ESFA treffen sollte, stieg, konnte ich die Tränen doch nicht zurück halten. Sollte ich echt ganz alleine ein neues Leben mit einer fremden Familie, die ich nur aus Emails kenne, anfangen? Wollte ich das überhaupt? Ich wollte nach Frankreich, aber dass es so schwer würde, konnte ich ja nicht wissen. Und dann war da ja auch noch mein Freund.

In München angekommen, ging es mir sofort besser, als ich eine Gruppe mit fast nur Mädels und einem Jungen auffand, die genau so nervös und bewegt waren wie ich. Einige hatten noch Tränen in den Augen. Sie waren alle im Gespräch und ich dachte schon, die kennen sich alle und ich bin ein Aussenseiter. Ich fragte also, ob sie sich kennen. Kurze Antwort : Nö, und ich fing auch an, mit zu quatschen. Dann tauchte ein Problem auf : 2 von uns konnten nicht mit fliegen, da der Flieger nach Lyon überbucht war. In der Gruppe beratschlagten wir uns. Neben mir stand ein grosses Mädchen, die aus Berlin kam. Magdalene, kurz Lene, sagte mir, dass sie das auf jeden Fall machen würde und ich hatte auch voll Lust auf ein Abenteuer, sprich, ein Flug mit umsteigen in Paris, also meldeten wir uns. Gut war, dass wir beide direkt in der Stadt und nur ein paar Strassen von einander entfernt wohnten, also war Ilona Bremer, die Organisatorin von allem, die selbst auch am Flughafen war, einverstanden. Sie regelte auch alles mit den Gastfamilien, dass sie sich nicht sogten, und sie bezahlte das Taxi, dass wir dann vom Flughafen aus "nach Hause" nehmen sollten.
Also wurden Lene und ich mit Fluggutscheinen von Lufthansa ausgestattet.
Die Aufenthalte in München und Paris waren recht lang aber irgentwann spät abends kamen wir dann doch an und nachdem wir dann irgentwo unser Gepäck gefunden hatten, ging es auf zu unseren neuen Familien und vorallem zu unseren neuen Zimmern mit Betten, denn wir waren zwar aufgeregt aber doch ziemlich geschafft und müde.
Das Taxi hielt erst für mich. Ich verabschiedete mich von Lene, und wir wünschten uns viel Glück. Ich stieg die Stufen zu einem ziemlich hohen Haus hoch und bevor ich die Klingel suchen konnte, sprang mir schon ein kleiner, weisser Büschel entgegen. Mein "Gasthund" Looping und Chantal hinter ihm, meine Gastmutter. Ich wusste erst nicht, dass sie es ist, ich hatte sie ja noch nie gesehen. Aber sie stellte sich vor und wir stiegen in den Aufzug. In die vorletzte Etage. In der Wohnung stellte ich erst meinen riesen Koffer ab und dann tranken Chantal, Elodie, meine Gastschwester, und ich noch einen Eistee um halb 12 Uhr nachts.
Und dann ins Bett. Ich konnte allerdings noch garnicht schlafen, also packte ich aus. Ich war weder traurig noch fröhlich. Ich wollte am Ende nur noch schlafen.

Die erste Woche

Am nächsten Tag hatte ich einen dicken Kloss im Hals. Chantal zeigte mir Lyon und ich glaube, ich verliebte mich auf den ersten Blick in diese Stadt.
Trotzdem ging es mir immer schlechter. Das schlimmste war, nicht zu wissen, was auf einen zukommt und wo man genau ist und mit wem man es zutun hat. Denn gut kennt man seine Gastfamilie ja noch nicht. Und Was auch ganz schlimm war, waren die Momente, in denen ich nicht wusste, was ich machen konnte. Ich brauchte dringend Ablenkung und einen Alltag.
Am 2. Sebtember war das erste ESFA-Treffen . Das war wirklich gut, denn schon nach einem Tag vermisste ich das Deutschsprechen, denn ich merkte, wie schlecht mein Französisch war. Es war natürlich nicht wirklich schlecht, aber immer wenn ich etwas sagen wollte, waren plötzlich alle Vokabeln, die ich in 4 Jahren Französisch gelernt hatte, wie weggeblasen.
Beim Treffen lernte ich noch zwei andere, ein Mädchen und einen Jungen, kennen, die aus Köln kommen. Mit dem einen freundete ich mich auch schnell an. Und Lene war natürlich auch da. Was ich total gut fand, war, dass Frau Bremer immer noch da war und uns auf Deutsch über einige Sache aufklärte zum Thema Gastfamilie, Schule, Sicherheit und vorallem Probleme. Sie ging für eine Zeit in einen kleinen Raum neben dem Saal, wo wir alle um einen Tisch sassen. Jeder einzelne sollte einmal zu ihr gehen, und sagen, ob es Probleme gäbe, etc. Ich hatte keine, dass es mir schlecht ging hatte ich dort total vergessen. Ausserdem war ja klar, dass das vergeht.
Die erste Woche verging langsam. Die Schule began, was ich total gut fand. Ich fand auch sofort Anschluss, aber ich verstand nichts. Ausser in Deutsch und in Englisch. Aber die Lehrer redeten so schnell, und die Schüler auch. Mittags fuhr ich nach Hause und dort heiterte Elodie mich immer auf, dass das bald vorbei ging, dass ich nicht viel verstehe.
Am Wochenende traf ich mich mit Ivan, dem Jungen aus Köln und 2 Mädchen von ESFA. Wir waren total bestürzt, dass die Zeit nicht verging und redeten über unsere Familien. Nach diesem Wochenende wachte ich ich eines morgens auf und stellte fest, dass schon ein Monat vergangen ist.
Während diesem Monat lernte ich in meiner Klasse Kelly kennen, die schnell zu einer richtig guten Freundin wurde. Was mich auch sehr aufbaute, war, dass ich nicht die einzige in der Klasse war, die nicht alles oder manchmal sogar nichts verstand. Da war nämlich auch Naoto, der Austauschschüler aus Japan, der kein Wort Französisch und nur wenig Englisch verstand. Nach diesem Monat hatte sich allerdings meinen Wortschatz und im Allgemeinen meine Sprache verblüffend verbessert. Das hatte ich nichtgedacht, dass es so schnell ging.

Erlebnisse/Erfahrungen

Während diesem ersten Monat fuhr ich auch ein Wochenende in die Auvergne zu den Grosseltern von Elodie. Dort gefiel es mir auf Anhieb richtig gut, auch wenn einige Sachen fremd waren. Zum Beispiel statt einer Tür war zwischen Klo/Badezimmer und Flur ein Vorhang. Und allein schon die Lage von dem Haus, mitten auf dem Land, ziemlich isoliert. Aber echt schön und zum wohlfühlen. Im Oktober kam mein Freund mich für eine Woche besuchen, bis zum Anfang meiner ersten Ferien für eine Woche. Dafür haben wir den Gutschein benutzt, den ich bekommen habe, als ich über Paris geflogen bin. Jeden Tag haben wir etwas zusammen gemacht, es tat echt gut, ihn wieder zusehen. Während er da war, war auch das zweite ESFA-Treffen. Dorthin nahm ich ihn mit. Ich hatte eigentlich immer jemanden zum reden von ESFA, aber ich merkte schon, dass ich mich in zwischen so gut eingelebt hatte, dass ich das Deutschsprechen mit den anderen Austauschschülern nicht mehr brauchte. Nur mit Ivan traf ich mich noch regelmässig und mit Lene auch ab und an. Der Abschied von meinem Freund war unangenehm aber als nach einer Woche Ferien die Schule wieder anfing, ging es wieder Berg auf und ich gewöhnte mich wieder daran, dass er weit weg ist.
Ende November fuhr ich mit meiner Klasse "Arts Plastiques" per TGV nach Paris, um Museumsbesuche zu machen. Dieser Tag war echt genial. Das war das erste Mal, dass ich in Paris war.
Weihnachten blieb ich in Frankreich. Wir fuhren zu den Urgrosseltern in die Provence nach Bandol. Dort feierten wir typisch-französisch mit vielen Familienmitgliedern und mit lang-ausgedehnten Malzeiten und auch reichlich Geschenken an Heiligabend. Ich übernachtete mit Elodie und Chantal in einem kleinen Hotel am Meer. Dort verbrachte ich mein erstes Weihnachtsfest unter Palmen und mit 14 Grad am Heiligabend-Nachmittag.
An einem Wochenende im Januar gingen wir Skifahren bei den Grosseltern. Das war echt super, und mal wieder ein Tapetenwechsel.
Zu meinem Geburtstag machten meine beiden Mädels, sprich Chantal und Elodie, eine überraschungsparte mit Lene, Kelly und Naoto. Und am nächsten Tag in der Schule organisierte ein Klassenkamerad eine kleine Fete für mich während einer Pause. Das Ist für mich die Spontanität der Lyoneser.
Nach meinem Geburtstag fuhr dann ich allerdings nach Hause. Vorallem auch, um meinen Freund zu sehen. Dieses Wochenende, dass ich zu Hause verbrachte, war richtig schön, ich habe zwei Freundinnen und einen Freund überrascht und total gut nachgefeiert. Aber trotzdem würde ich es nicht weiterempflehlen, nach Hause zu fahren, da es mir danach wieder schlechter ging und ich wieder anfing, die Wochen zu zählen, bis ich endlich endgültig nach Hause fahren kann. Nicht, weil es mir in Frankreich nicht gefällt, nur weil zu Hause mein Freund ist und es überhaupt der schönste Platz der Welt ist.
Aber diese Einstellung änderte sich bald.
In den nächsten Ferien fuhren wir wieder Ski und später ging es auf nach Nizza zum "Carnaval"-feiern. Dort wohnten wir bei der besten Freundin von Chantal und ihrer Familie. Bevor wir Nach dem Wochenende wieder nach Lyon zurückfuhren, fuhren wir für einen Nachmittag "mal eben" nach Saint Tropez.
Es war echt wunderschön, was ich alles erblebte.

Freunde und Schule

Bis auf Lene und Ivan, der übrigens im Dezember schon wieder nach Hause gefahren ist, und Elodie, die genau so alt ist wie ich, hab ich alle meine Freunde hier in der Schule kennengelernt. Man ist mit seinen Kameraden halt den ganzen Tag zusammen. Dieses Ganztagssystem ist übrigens total gut für einen Austausch. Man ist den ganzen Tag, bis auf Mittwochs, mit seinen Freunden zusammen und hat, vorallem gut für die erste Zeit, viel Ablenkung.
Meine Lehrer sind eigentlich alle sehr nett. Sie nehmen Rücksicht auf mich und ich kann sie jederzeit fragen, wenn ich etwas nicht verstanden habe. Meine Deutschlehrerin hat sich auch immer für mich eingesetzt.
Die Leute in meiner Klasse sind alle völlig korrekt. Sie kann ich auch immer fragen und sie fragen mich auch, wenn es um eine Hausaufgabe in Deutsch oder Englisch geht.
Wie gesagt, mit Kelly bin ich am besten befreundet. Es ist nur schade, dass sie mehr oder weniger auf dem Land wohnt, so sehe ich sie wirklich nur in der Schule. Einmal war ich bei ihr für ein Projekt für die Schule.
Nach den Ferien in Nizza habe ich angefangen, mich mit einem Jungen aus meiner Deutschklasse zutreffen. Schade, das wir erst so spät auf einander aufmerksam geworden sind. Grimaud und ich verstehen uns sehr sehr gut und unternehmen jeden Tag irgentetwas miteinander.

Gastfamilie

Mit meiner Gastfamilie bin ich mehr als zufrieden. Die Atmosphäre hier ist sehr locker und beim Abendessen kommen wir 3 zusammen und erzählen uns von unserem Tag, von unseren Sorgen, etc. Ich habe mich schnell an sie gewöhnt und andersrum, glaube ich, war es genauso. Sie sind geduldig, wenn ich mal ein Wort nicht finde und reden langsam, wenn es sein muss. Inzwischen rede ich aber fast genauso schnell wie sie, da gibt es, wenn überhaupt, nur noch Probleme mit Wörtern und Ausdrücken.
Ich habe ziemlich viel unternommen mit ihnen, zum Beispiel mehrere Wochenenden in der Auvergne, einen Tag in Genf auf einer Automesse, Skifahren, Nizza, etc.
Was will man mehr ? Ich habe hier mein eigenes, kleines Zimmer, das eigentlich Chantal gehört. Sie schläft dafür im Wohnzimmer. Das macht ihr nichts aus, aber ich glaube, es wird schön für sie, wenn sie bald ein Zimmer ganz für sich hat.
Ich wohne hier nur vier Metrostationen vom Stadtzentrum entfernt und komme überall ganz schnell hin. Das ist auch total genial.

ESFA

Über meine Organisation muss ich auch noch ein paar Wörter verlieren : Am Anfang, als es mir noch so schlecht ging wegen Heimweh, etc., hatte ich keinen Augenblick das Gefühl, alleine zu sein. Ich wusste ja, dass Maïté, die Representantin von ESFA, da sein würde um mir zu helfen. Durch die ESFA-Treffen merkte man auch, dass sie einfach da sind und sich um einen kümmern. Zwei mal hat Maïté bei mir angerufen und mich gefragt, wie es mir geht. Sie hat mir auch sofort geholfen, als ich ihr geschrieben hab, dass ich den DELF machen möchte, aber nicht weiss, wohin ich mich wenden muss. Das ist ein international-anerkanntes Französisch-Examen. Die beiden ersten hatte ich schon letztes Jahr in der Schule gemacht, die beiden darauf folgenden hier.
Ich merkte auch sofort, dass bei ESFA alles recht privat ist, da ich immer, wenn ich bei ESFA in Deutschland wegen meiner Anmeldung etc. angerufen habe, Ilona Bremer am Telefon hatte.

Rückkehr

Nun, bald heisst es für mich Abschied nehmen. In drei Wochen.
Ich muss sagen, dass ich sehr traurig bin und dass es mir sehr schwer fallen wird, wieder nach Hause zufahren. Ich habe hier wirklich so viele tolle Sachen erlebt und mich völlig in das Land, die Leute und die Sprache verliebt. Ich erinnere mich an einen Satz, den Frau Bremer uns am Anfang gesagt hatte : "Bei vielen ist die Reaktion auf das Land krass: Entweder sie lieben es sofort oder die können es von Anfang an nicht ausstehen." Bei mir ist es eindeutig die erste Reaktion. Und bei allen anderen von ESFA, mit denen ich darüber gesprochen habe, war es genauso. Ich weiss jetzt schon, dass ich hierhin zurück kehren werde, wahrscheinlich zum studieren. Und natürlich in den Ferien, um alle besuchen zukommen.