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Frankreich: Organisationen für Frankreich
Frankreich im Forum

Die Idee:

Ins Ausland wollte ich schon lange! Ich hatte als Kind mit meinen Eltern fuer 2 Jahre in Amerika gewohnt und vielleicht wurde damals meine Abenteuerlust schon geweckt, ich weiss nicht... In der 8. Klasse habe ich angefangen, mich ueber einen Schueleraustausch zu informieren, ich habe erstmals Kataloge gelesen, im Internet rumgeguckt und angefangen, mich auf mein Jahr im Ausland zu freuen. Ich wollte eigentlich in der 10. Klasse gehen, aber meine Eltern waren der Meinung, ich waere noch zu jung, im Nachhinein betrachtet hatten sie damit sogar recht, vieles haette ich wohl anders aufgenommen... Ueber meine Laenderwahl war ich mir gar nicht sicher, ganz am Anfang wollte ich nach Amerika, weil wir dort natuerlich noch Freunde haben, aber ich war schon von Franzoesisch fasziniert, bevor ich es ueberhaupt in der Schule hatte... Ich liebe diese Sprache, ich habe immer gerne fuer Franzoesisch gelernt und von daher war Amerika auch ziemlich schnell wieder aus meinen Gedanken verschwunden...

Die Länderwahl:

Nachdem ich mir sicher war, dass ich in ein französischsprachiges Land will, kamen mir zuerst Frankreich und Kanada in den Sinn, ganz klar! Was mich aber am Allermeisten fasziniert hatte, war Guadeloupe, da waere ich sooo gerne hingegangen, aber ich haben nur DFSR als Organisation gefunden, die es anbietet und ich hatte viel schlechtes darueber gehoert... Ich waere dann zwar in dem Land, wo ich immer hinwollte, aber wenn es dann Probleme mit der Organisation gibt, waere es das wohl auch nicht wert... Also wurde nichts aus Guadeloupe....
Kanada haette ich Frankreich vorgezogen, allein schon wegen der wunderbaren Natur und der Entfernung zu Europa... Ich hatte viele Kataloge von Organisationen bestellt, schwankte immer noch zwischen Frankeich und Kanada... Dann habe ich in einem der Kataloge die Nummer von einem Maedchen gefunden, die ein Jahr in Frankreich war. Ich habe sie angerufen und wir kamen auf meinen Wunsch, nach Kanada zu gehen... Sie meinte, dass das kanadische Franzoesisch danach nicht gut ist fuer die Schule, sie riet mir ab... So kam ich zu Frankreich! Im Nachhinein habe ich es oft bereut, nicht weiter weg gegangen zu sein, aber ich bin doch sehr zufrieden mit meiner belle France :)

Die Organisationswahl:

Meine Eltern waren der Meinung, wenn ich wirklich fuer ein Jahr ins Ausland will, sollte ich das auch selbst organisieren... Also hatte ich alle Organisationen, von denen ich Kataloge bekommen hatte, verglichen, nach Preis und Leistung, nach Dingen, die mir wichtig sind.... Letztendlich bin ich dann bei EF gelandet und ich habe es noch keine Sekunde bereut, ich finde, EF ist, obwohl es eine kommerzielle Organisation ist; sehr gut, meine Betreuerin kuemmert sich lieb um mich und ich habe die beste Gastfamilie, die ich mir wuenschen kann!!

Die Vorbereitung:

Im August 2002 hatte ich dann meine Kurzbewerbung abgeschickt, bald darauf waren die vollstaendigen Bewerbungsunterlagen da, es waren 3 Wochen voller Stress mit Fotos schiessen, Unterlagen ausfuellen, zu meinen Lehrern rennen und natuerlich war mein Fernweh in dieser Zeit auf hoechstem Niveau!!! Das Vorstellungsgespraech einige Zeit spaeter war nicht schwer, bei kommerziellen Organisationen wuerde mich das auch wundern!! ;) Und danach, das grosse Warten... Ich glaube, die Zeit von November – April war am Schlimmsten, es verging keine Sekunde, in der ich nicht an meinen Austausch gedacht habe, meine Freunde waren genervt bis zum Geht-nicht-mehr und ich im totalen Frankreichfieber! Ich habe viele Buecher ueber Frankreich gelesen, die Politik, die Kultur, die Menschen, die Regionen, wurde zur Klassenbesten in Franzoesisch, zum Lieblingsschueler und auch sonst zum Streber, um moeglichst gute Noten am Ende des Jahres zu haben... ich lebte eigentlich nur in staendiger Vorfreude, ich konnte es nicht mehr erwarten! Im Februar kamen dann die Fluginformationen, in 211 Tagen sollte es losgehen. Ich habe einen grossen Kalender gebastelt, auf dem ich jeden Tag ein Kreuz machen konnte und es war die Monate bis zum Abflug das Erste, was ich nach dem Aufstehen gemacht habe!!!

Meine erste Gastfamilienadresse:

Ende Mai hatte eine Frau von EF angerufen, um mir zu sagen, dass sie eine Gastfamilie in der Naehe von Lyon fuer mich gefunden haben. Ich war Feuer und Flamme, das war genau die Region, in die ich wollte!! Die Familie hoerte sich auch super lieb an und ich war so gluecklich!! Eine Woche spaeter hat mir EF mitgeteilt, dass die Familie „kalte Fuesse“ bekommen hat und jetzt doch niemanden mehr aufnehmen moechte... Also kein Lyon, keine Gastfamilie, alles fing wieder von vorne an, nur dass ich ziemlich traurig war und eigentlich gar keine Lust mehr hatte, nach Frankreich zu gehen......

Meine Gastfamilie:

Meine richtige Gastfamilie habe ich dann Anfang Juli bekommen!! Sie haben mir noch vor EF einen ganz lieben Brief geschrieben und ich war mir sicher, dass diese Familie nicht auch wieder abspringen wuerde. Ich habe hier Maman und Papa, 3 Geschwister, Olivier, 24, Bénédicte, 21, und Raphaël, meinen kleinen suessen 11-jaehrigen Bruder.. Sie leben in Agen, das ist eine suesse Kleinstadt mit 40.000 Einwohnern, ziemlich genau zwischen Brdeaux und Toulouse, also in Suedfrankreich. Bis zu meiner Abreise haben wir unzaehlige e-mails geschrieben und auch ein paar Mal telefoniert, ich mochte sie schon, bevor ich ueberhaupt ankam! Sie hatten vor mir schon andere ATS aus Brasilien, Amerika und Thailand, Béné war selber ein Jahr in Thailand...

Die letzte Zeit in Deutschland / Die Abreise:

In den Sommerferien war ich 2 Mal mit Freunden im Urlaub, sozusagen um die letzte Zeit noch richtig zu geniessen, nur dass ich das nicht wirklich konnte, weil ich mich viel zu sehr auf Frankreich gefreut hatte.... Meine letzte Zeit in Deutschland war ziemlich hektisch, weil ich alles bis zum Ende aufgeschoben hatte.... Ich kam mit meinen Eltern aus dem Urlaub wieder und hatte dann noch 10 Tage, um alles zu erledigen... Stress pur!! Als ich endlich alle Gastgeschenke fertig hatte, mein Koffer gepackt war und ich realisiert habe, dass es bald losgeht, war mein letzter Tag auch schon da. Alle guten Freunde von mir waren nach der Schule bei mir, wir haben uns unterhalten und ich konnte einfach nicht realisieren, dass das unsere letzten gemeinsamen Stunden sein sollen..... Sie haben mir viele liebe Geschenke gemacht, damit ich sie nicht vergesse und wir haben so sehr geweint, es macht mich selbst jetzt noch traurig, wenn ich daran zurueck denke..... Als sie ins Auto und auf ihre Fahrraeder gestiegen sind und ich weinend auf der Treppe vor unserem Haus stand, fuehlte ich mich so hundeelend, ich kann es gar nicht beschreiben....
Mein Vater hatte mir an meinem letzten Abend mein Lieblingsessen gekocht, ich habe von meinen Eltern auch noch ein paar kleine Geschenke bekommen und dann musste ich mich von meiner Oma verabschieden.. das war so schwer, weil ich wusste, dass es vielleicht das letzte Mal ist, dass ich sie lebend sehe.......
In der Nacht haben meine Freunde alle nochmal angerufen, sie konnten nicht fassen, dass ich wirklich gehe und ich selbst wusste auch ueberhaupt nicht, was ich denken sollte..... Irgendwie habe ich es geschafft, mich in den Schlaf zu weinen, ich habe 2 Stunden ein bisschen gedoest und dann ging es auf zum Flughafen. Meinen Hund noch ein letztes Mal in dem Arm nehmen, das letzte Mal den Geruch meines Zimmers einatmen und dann die Haustuer schliessen.... Am Flughafen habe ich gar nicht so viel geweint, ich war viel zu aufgeregt.... Ich wusste, ich wuerde meine Eltern in 10 Monaten wieder sehen und von daher ging das ganz gut.. Erst als ich durch die Schleuse durch war und mich nochmal umgedreht habe, meine Eltern weinend zwischen all den anderen weinenden Eltern standen, habe ich geweint, bis ich vor Kopfschmerzen nicht mehr konnte....

In Frankreich:

Meine erste Zeit hier war so aufregend, andauernd sind neue Sachen passiert, jeden Tag neue Eindruecke und Emotionen, ich wuerde zu gar keinem Ende kommen, wenn ich das alles beschreibe. Am Anfang hatte ich ziemliche Probleme mit der Geschwindigkeit und dem Akzent hier unten, der ist doch ziemlich anders, als das, was man in der Schule lernt.... An meinem ersten Abend sass ich total uebermuedet und absolut aufgeregt am Tisch, ich habe nur Wortfetzen von dem verstanden, was sie gesagt haben und konnte gar nicht realisieren, dass ich jetzt fuer ein Jahr hier lebe!!! Meine Gastfamilie hat sich so lieb um mich gekuemmert, sie haben mich von Anfang an spueren lassen, dass ich zur Familie gehoere, mit allen Rechten und Pflichten, ohne Extrawuerste, aber mit genauso viel Liebe wie ihre eigenen Kinder.
Ich hatte eine Woche Zeit, bevor die Schule anfing, ich war in Agen unterwegs, war natuerlich in einem Café und war einfach nur faszieniert von den suessen engen franzoesischen Gassen, die es hier zu hunderten gibt!!

Das lycée:

Mein Lycée ist fuer franzoesische Verhaeltnisse normal gross, fuer mich jedoch, mit meinem 600 Schueler Gymnasium in Dland, einfach nur gigantisch und unpersoenlich... Wir haben 2300 Schueler, aber das lycée geht ja nur von Klasse 10-12, es ist also einfach nur Wahnsinn, so viele Gleichaltrige auf einem Haufen zu sehen :)
In der Première (= 11. Klasse) kann man seine Orientierung waehlen, Literatur, (1L) Naturwissenschaften ( 1S ) , oder Oekonomie und Soziales (1 ES) . ich bin im Literaturzweig und koennte ich nochmal waehlen, ich wuerde mich fuer 1ES entscheiden... Das Niveau in den Naturwissnschaften in 1L ist absolut primitiv und alle, die die 11. Klasse in Deutschland nicht wiederholen wollen, sollten zusaetzliche Mathestunden waehlen, Mathe in der Oberstufe in Dland entspricht Mathe der 1S....
An meinem ersten Schultag war ich ziemlich aufgeregt, ich habe nichts verstanden, was um mich rum gesagt wurde und war absolut verloren.... Ich habe dann einfach Leute aus meiner Klasse angeredet, sonst waere mein erster Tag wohl ohne Mittagessen verlaufen und die Raeume haette ich auch nicht gefunden...
Mit dem langen Schultag hatte ich am Anfang wirklich zu kaempfen, jeden Tag bis 5 in der Schule zu sitzen, eine Stunde ist 55 Minuten lang und dann noch alles auf Franzoesisch, ich war jeden Abend so muede und bin nur noch wie tot ins Bett gefallen... Die Mittagspausen sind ziemlich lang, man hat meist 1-2 Stunden zum Essen (hmm lecker!!) und danach beginnt dann die 2. Tageshaelfte. Mittwoch Nachmittag ist schulfrei, in den meisten lycées werden irgendwelche Aktivitaeten angeboten, Musik, Sport, etc. und so hat man einen Tag in der Woche, an dem nach „midi“ normalerweise kein Unterricht mehr ist!! Schule nehmen die Franzosen um einiges ernster als die Deutschen, schwaenzen wird so gut wie unmoeglich gemacht, dadurch dass jede Stunde ein „Surveillant“ in den Unterricht kommt und alle fehlenden Schueler aufgeschrieben werden... Selbst wenn man zu spaet ist, hat man eine Menge Stress, man muss sich in der „Vie Scolaire“ einen Zettel ausfuellen lassen, dass man zu spaet ist, muss den Grund angeben und am Ende von jedem Trimester bekommen die Eltern die Noten nach Hause geschickt, da sind alle Verspaetungen mit aufgelistet, alle Fehlstunden und andere boese Sachen, die man so gemacht hat... :)
Auch mit dem Frontalunterricht hatte ich am Anfang stark zu kaempfen, nur mitschreiben, was gesagt wird, fuer mich hiess das, von Klassenkameraden abschreiben und das ist auf die Dauer wirklich anstrengend!!! Aber ich habe eine wirklich sehr liebe Klasse, die mir viel hilft, mir Dinge erklaert, die ich nicht verstanden habe und denen ich verzweifelt versuche, ein paar deutsche Woerter beizubringen... :) Alles in Allem habe ich mich wirklich gut eingelebt in meiner Schule, ich finde sie nach 4 Monaten nur immer noch viel zu gross, es gibt beispielsweise etwa 20 10. Klassen, incroyable!!

Die Franzosen an sich:

Ich finde, die Franzosen (ich kann ja nun nur ueber Suedfrankreich sprechen) sind um einiges natuerlicher als die Deutschen, man begruesst sich mit „deux bises“ , rechts und links, das kommt aber auf die Region an, jemand hatte mir das mal erklaert, ich habe es wieder vergessen...... Der Fahrstil ist ab und zu ein bisschen chaotisch, als Fussgaenger sollte man nicht wie bei uns einfach den Zebrastreifen ueberqueren, da waere ich am Anfang mal fast angefahren worden, einfach weil sich keiner von den Autofahrern kuemmert, ob man als „piéton“ die Strasse ueberqueren will... Ansonsten gelten Ampeln nur dann, wenn sie gruen sind, rote Ampeln kann man schon mal ignorieren... :) Die Jugendlichen gehen um einiges weniger weg als die Deutschen, Schule ist wie gesagt sehr sehr wichtig und wenn man nicht gerade aeltere Gastgeschwister hat, koennte das Ausgehen wirklich zum Problem werden... Da man noch dazu meistens auf dem Land plaziert wird (esfa mal ausgenommen) , braucht man auch immer jemanden, der einen faehrt, und immer will man seine Gasteltern ja auch nicht belaestigen.....

Mein franzoesisches Leben:

Mitlerweile habe ich mich hier sehr sehr gut eingelebt, ich habe Freunde in der Schule, ich bin vom Heimweh weitestgehend verschont geblieben, in meiner Familie fuehle ich mich absolut wohl, es ist wie meine 2. Familie, ich kann mir gar nicht vorstellen, in 5 Monaten hier wieder weg zu muessen!! Der andere Rhythmus ist mitlerweile auch kein Problem mehr, mein Magen knurrt nicht mehr um 6 Uhr und verlangt nach Essen und wahrscheinlich wird mir der Schultag in Deutschland naechstes Jahr verdammt kurz vorkommen :) Es gibt so viele Dinge, die hier schon passiert sind und ich weiss wirklich nicht, wo ich anfangen soll zu erzaehlen... Ich weiss, dass ich mein Jahr hier auf keinen Fall bereuhe, ich habe mich in den 4 Monaten schon sehr veraendert, mal sehen, was meine Freunde in Dland dazu sagen werden :)