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Nun bin ich schon seit fast 2 Jahren wieder zu Hause und versuche, mich an die Zeit vor 2 Jahren zu erinnern...
Mir fallen sehr viel Freunde ein, die ich gewonnen habe, die mir bis heute erhalten geblieben sind. Doch die zweite Hälfte meines Austauschjahres war auch die weitaus problematischste, Abbruch war ein großes Thema, nichts schien mehr, wie es einmal war. Was genau vorgefallen war, darüber möchte ich nicht schreiben, nur so viel, dass mein kleiner Gastbruder psychisch sehr krank wurde und dass die Familie auf eine heftige Probe stellte..und ich eben mitten drin. Ich half meiner Gastmutter, wo ich nur konnte, hörte ihr zu, nahm sie in den Arm und vergaß mich selbst über all dem. Nun ja, aber das tut nun nichts zu meinem Austauschjahr an sich.
Neben der negativen Erfahrungen, die ich sammeln musste, habe ich die Franzosen als wahnsinnig liebe, gastfreundliche, offene Menschen erfahren, denke ich an mein ATJ, erfüllt es mich mit Wärme. Zum Ende des ATJ war ich sehr viel unterwegs mit meinen Freunden, ich ging nun endlich doch viel tanzen, verbrachte Nachmittage in Toulouse und Bordeaux und hatte eine Menge Spaß.

Der Abschied aus Frankreich:

Die letzte Woche in Frankreich war sehr sehr schwer.. Nun konnte man sich sagen "nächste Woche um diese Zeit bist du nicht mehr hier..." Einerseits war ich froh, wieder in mein normales geordnetes Leben zurückkehren zu können, in dem die furchtbaren Probleme alle nicht existent waren, andererseits wusste ich, dass ein Teil von mir hier zurückbleiben würde, ein Teil von mir: so, wie ich in Frankreich war, meine französischen Gewohnheiten, meine Rituale, auch meine Verhaltensweisen. Ja, ich war in Frankreich anders als ich es in Deutschland bin. Nicht furchtbar gravierend, doch für mich bemerkbar.
Die letzte Nacht in Frankreich war furchtbar. Andrea, meine kanadische Freundin und treue Wegbegleiterin durch die Höhen und Tiefen des ATJ, schlief bei mir, wir hörten uns die CD unseres Chorkonzertes an, weinten, packten, trauerten, freuten uns, waren durcheinander.. Es waren so komische Stunden! Wir wussten, all dies, was uns in dem letzten Jahr verband, würde mit dem morgigen Tag nicht mehr da sein, wir würden uns so schnell nicht wiedersehen (und wir haben es bis heute noch nicht geschafft...). Frühs 7:19 fuhr mein Zug Richtung Paris, so viele meiner Freunde waren gekommen, um mich zu verabschieden, obwohl sie um 8:00 in der Schule ihr Französisch-Abitur schreiben mussten. Ich war überwältigt von so viel Zuneigung... Ich weinte bis Bordeaux im Zug, konnte nicht realisieren, was gerade vor sich ging, sah aus dem Fenster, sah die Hügel, die französische Landschaft, die nun nicht mehr meine Heimat sein sollte. Der Tagebucheintrag, der auf dieser Zugfahrt entstand, bringt mich heute noch zum Weinen...

nach viel Stress und einer unfreiwilligen Nacht in Frankfurt kam ich zu Hause an...

Die erste Zeit in Deutschland:

Ja, es war komisch und sogleich so normal. Gleich am ersten Abend wurde ich zu meiner Willkommensparty meiner Freunde eingeladen. Alles war so lieb, sie warteten am Gartentor einer Freundin auf mich, alle erwartungsvoll mich anblickend, Tränen in den Augen, weil ich wieder da war. Auch das fand ich sehr überwältigend- wie so vieles in den letzten Tagen. Der Abend verlief so, als wäre ich nie weg gewesen, wir lachten, redeten und außer meinem, wie sie sagten, französischen Akzent war alles wie vor 10 Monaten.
Ich war überrascht davon, freute mich aber auch. Doch auch ich sollte merken, dass Rück-eingewöhnung nicht eine Sache von ein paar Stunden ist. Ich weinte viele Nächte, schwelgte in Erinnerungen, versuchte zu begreifen, dass alles endlich war. ich erinnere mich an einen Abend im Juli, ausgerechnet der des Straßenfestes, als ich meinen absoluten Tiefpunkt seit der Rückkehr erreicht hatte.. Ich weinte ohne Sicht auf Ende, ich konnte einfach nicht mehr aufhören. Ich wollte allein sein, ertrug keine Gesellschaft, versank in Trauer und Schmerz. Meine Eltern waren überfordert, anstatt mich in den Arm zu nehmen fragte mich mein Vater, ob ich wohl jemals hier mit ihnen und in Deutschland wieder glücklich werden könne. er verstand mich nicht, niemand verstand mich wirklich... Doch es wurde besser, das nächtliche Weinen wurde weniger, die Utensilien in meinem Zimmer, die mich mit Frankreich verbinden, wurden immer seltener abgestaubt, irgendwann mussten die ersten den neuen Bildern weichen.
Mitlerweile befinden sich die meisten Erinnerungen in einer eigens angelegten Frankreich-Truhe, die ich nur in besonders sentimentalen Momenten öffne und mir erlaube, wieder in die Vergangenheit einzutauchen..

Fazit

Was bleibt vom ATJ ist ein Traum. Ein Traum von Menschen, die einmal Teil meines Lebens waren, die nun aber ihre eigenen Wege gehen müssen, ebenso wie ich. Ich habe lange gebraucht, um das zu erkennen. Manche Dinge sind unwiederbringlich vorbei und man kann sich manchmal nur an ihrer Erinnerung noch wärmen.

Alles in allem habe ich ein sehr lehrreiches Austauschjahr verbracht, das mich wahnsinnig stark gemacht hat, was mir jetzt 15 Punkte in Französisch einbringt (nicht, dass das das wichtigste wäre!) und was mein Leben unglaublich bereichert hat.

Als Gastland kann ich Frankreich schon empfehlen, jedoch ist der lange Schultag wirklich wahnsinnig gewöhnungsbedürftig, die ausgeh-muffligen Franzosen ebenfalls aber mit ein bisschen gutem Willen eröffnen sich einem ungeahnte Möglichkeiten! :)

In diesem Sinne: Vive la France!