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Die erste Zeit

Am Anfang war alles sehr komisch. Man kannte sich nicht auf, wusste nicht, auf was man zu achten hat, und so lief ich die meiste Zeit einfach meiner Gastschwester, die auch in meiner Klasse war, hinterher.
Meine Gasteltern haben mit mir (leider) meistens auf deutsch gesprochen, doch mit meinen Gastschwestern versuchte ich es auf Spanisch, und es wurde stetig besser.
Ich erinnere mich, ich war gerade mit meiner älteren Gastschwester auf dem Weg von einer Freundin nach Hause. Wir laufen auf der "plaza" und sie erzählt mir was. Ich verstand, was sie sagte, und wollte noch fragen "warum", doch das einzige Fragewort, das ich zu dem Zeitpunkt konnte war "qué" (was), und so fragte ich immer dieses eine Wort, und sie erzählte mir immer wieder diesen Satz, da sie dachte, ich verstände sie nicht. Dabei hatte ich es verstanden, doch konnte ich mich nicht ausdrücken. Zu diesem Zeitpunkt wäre ich fast verzweifelt, im Nachhinein ist es für uns beide eine sehr witzige Anekdote! :)
Ich lernte schnell viele Verwandte kennen, so zum Beispiel meine Gastgroßeltern, die ein Haus weiter wohnten. Sie sprachen auch Deutsch mit mir.
In der Schule kam ich in die 11. Klasse, diesselbe Klasse, in der auch meine Gastschwester war. So lernte ich schnell neue Leute kennen. Es gab auch noch andere Austauschschüler in dieser Klasse, und so freundete ich mich besonders mit Tabea (aus Bremen) an, sie ist echt total lieb. Mit ihr verbrachte ich viel Zeit am Anfang, und so half mir auch oft beim Übersetzen von irgendwelchen Fragen, denn sie hatte in Deutschland schon 4 Jahre Spanisch gehabt.
Mit ihr, und auch den anderen Austauschschülern v.a. Carmen, war ich oft unterwegs. Entweder wir sind nach Osorno (nächste Stadt) gefahren, oder auch mal nach Valdivia, dort haben wir uns dann den Fischmarkt angeschaut.

Die erste Reise

Mit Carmen, einer anderen Austauschschülerin, machte ich mich Mitte August auf in den Norden, um dort ein bisschen von der Landschaft zu sehen.
Angefangen hat alles in La Unión, wir sind dort losgefahren, und kamen am nächsten Morgen in Santiago an, dort hatten wir eine kurze Zeit, bevor es weiter nach La Serena (IV Region) gehen sollte. Die Busse in Chile sind wirklich sehr bequem, man kann sich echt daran gewöhnen, mit genügend Beinfreiheit Bus zu fahren. Denn in Chile stellt man schnell fest, welches der richtige Bustyp für einen ist.
La Serena ist eine Stadt mit 120 000 Einwohnern, sie liegt am Meer, und liegt direkt gegenüber von Coquimbo, einer Hafenstadt.
In La Serena blieben wir 3 Tage. Wir schauten uns die Stadt an, trafen andere Austauschschüler, und besuchten die Sehenswürdigkeiten von La Serena und Coquimbo.
Danach ging es im Bus weiter nach San Pedro de Atacama, eine kleine Stadt mitten in der Wüste. Heutzutage verdient sie ihr ganzes Geld über den Tourismus, so auch mit uns.
Wir kamen dort an, und obwohl wir ein anderes Hotel reserviert hatten, gingen wir in ein anderes, denn es war so, das man sobald man aus dem Bus ausgestiegen ist, von 5 Leuten umringt wurde, die Werbung für ihr Hotel machten, dort bekamen wir also ein gutes Angebot (sehr günstig, mitten im Dorf), und so entschieden wir uns spontan um.
Das "Hotel" war sehr niedlich eingerichtet, es gab einen Innenhof mit Hängematten, und die Zimmer waren dunkel und ohne Licht. Aber das machte nichts, denn wir wollten ja nur dort übernachten. Tagsüber waren wir immer auf verschiedenen touristischen Angeboten, so waren wir zum Beispiel im Valle de la luna, oder bei den Geysiren. Auch waren wir in der Salzwüste und bei verschiedenen Lagunen. Denn San Pedro liegt zwar mitten in der Wüste, aber es gibt soviel anzuschauen, es ist verblüffend. :)
Nach 4 weiteren Tagen ging es für uns dann wieder zurück nach La Unión. Die 30h Busfahrt dahin überstanden wir unbeschädigt. Doch wir waren sehr müde, als wir wieder da waren!

Chilenische Woche

Was in Chile sehr groß gefeiert wird, ist der 18. September, der Nationalfeiertag! :)
Gefeiert wird überall, eine ganze Woche lang, oder doch den ganzen Monat. So kam es mir vor. In der chilenischen Woche, waren erstmal Alianza von unserer Schule, diese Alianza findet jedes Jahr statt, und zwar am Geburtstag der Schule. Alianza ist ein Spiel für die ganze Schule. Es gibt drei Gruppen, schwarz, rot und gelb und die Klassen werden gleichmäßig auf diese 3 Gruppen verteilt. Dann gibt es über 3 Tage hinweg jeden Tag verschiedene Aktivitäten, z.B. Modenschau, verschiedene Spiele, oder Sportaktivitäten. Am Schluss der 3 Tage gewinnt eine Farbe. Ich konnte leider nicht mitmachen, da die 11. Klasse das ganze organisierte, also half ich beim Organisieren mit. Und es war ein sooo großer Spaß! :)
Ich verstand auch immer mehr Spanisch, sodass es richtig lustig wurde! :)
Nach den Alianzas gab es einen Tag, an dem die ganze Schule zum "desfile" (marschieren) ging, und so war es das erste Mal, das ich marschierte. Es war komisch. Erst durfte ich nicht mitmarschieren, da ich keine schwarzen Schuhe hatte, doch dann bekam ich Schuhe von dem Mann der Schulleiterin (ich hab halt große Füße), und so durfte ich doch. Marschiert wurde ein paar cuadras weit. Ich glaube es war nur dazu da, um Werbung für die Schule zu machen, aber ich weiß es nicht genau.
Der größte aller Feiertag jedoch ist der 18. September.
Ich selber war über diesen Feiertag mit meiner Gastfamilie in ihre cabaña (Ferienhaus) am Lago Ranco gefahren.
Und so empfand ich ihn als nicht zu wichtig, obwohl er eigentlich doch sehr sehr wichtig ist. In unserem Ferienhaus gab es ein Essen (Fleisch, was denn sonst?) und wir saßen den ganzen Nachmittag eigentlich nur am Tisch und haben gegessen. Das machen die Chilenen sowieso sehr gerne! :)

Alltag

Zu dieser Zeit lebte ich mich auch langsam ein. Und so lernte ich immer mehr Sachen, und verstand die Dinge besser.
Mit meiner Gastfamilie kam ich gut klar, jedoch behandelte sie mich immer wie einen Gast. Ich versuchte oft das zu ändern, aber es funktionierte nicht.
Wir fuhren oft übers Wochenende weg, und so lernte ich viel von der Gegend kennen. In der Schule machte ich eigentlich nichts.
Deutsch war das einzigste Schulfach, in dem ich wirklich was machen musste, darauf hat die Lehrerin geachtet. Ansonsten war ich ein paar Mal im Aerobic, aber nachdem das für mich zu anstrengend war (ich bin in Chile sehr faul geworden), hab ich das wieder aufgegeben. Ansonsten hab ich mich ab und zu mit Freunden getroffen.
Tabea musste im September, nachdem sie schon einen Monat verlängert hatte, leider wieder zurück nach Deutschland, so war ich die einzigste Austauschschülerin an der Schule. Jedoch gab es immer noch Carolin, sie machte ihr Praktikum an der Deutschen Schule, und so hab ich mich auch oft mit ihr getroffen!
An den Wochenenden war ich oft auf irgendwelchen Privatpartys, wenn ich nicht geschlafen hab, denn zu dieser Zeit war ich immer sehr müde. Denn durch das Umdenken in die Sprache wird man sehr schnell sehr müde, und so schlief ich sehr oft, und auch sehr lange.
Ein normaler Alltag sah so aus, das ich aufstand, ins Bad ging, danach aß ich, und danach wurden wir mit dem Auto zur Schule gefahren. In der Schule saß ich oft nur gelangweilt rum, manche Stunden schwänzte ich auch zusammen mit Freunden. Zum Mittagessen fuhren wir nach Hause. Danach ging es wieder in die Schule.
Auch hatte ich einige schlechte Ereignisse, die lassen sich durch den Kulturunterschied erklären, doch zu dieser Zeit war es sehr schlimm für mich, und Carolin, half mir dann immer, mich damit abzufinden. Sie hat auch ein Austauschjahr hinter sich gehabt, sie war früher für 1 Jahr in Australien gewesen. Anfang Dezember flog meine Gastschwester, mit der ich mich in der Familie am Besten verstand, nach Deutschland, für einen Austausch. Sie war erst in meiner Familie, jedoch kam sie in der Schule nicht zurecht, und so wechselte sie ihre Familie nach Bochum, dort waren Freunde aus Chile von meiner Familie.

Umzug Nr. 1

Mitte Dezember hieß es dann für mich La Unión verlassen. Es war bis dahin so geregelt, das ich nach den Sommerferien nach Punta Arenas gehen würde, dort wurde auch schon eine Gastfamilie für mich gefunden.
Also machte ich mich mit Carolin auf, und wir kauften Fahrkarten für den 19. Dezember. An diesem Tag sollte ich also La Unión verlassen.
Vor dem Abschied war noch alles sehr stressig, ich wollte noch Freunde treffen, noch dies erledigen, noch das erledigen. Dann bastelte ich auch noch für alle möglichen Leute Weihnachtsgeschenke, etc. Die Zeit am Ende verging sehr schnell.
Und auch das Kofferpacken war wieder sehr schwer, denn ich hatte viel mehr Zeug als vorher. Und so ließ ich einige Sachen dort, die ich nicht mehr brauchte.
Am Busbahnhof verabschiedeten sich Familie und Freunde von mir, und es flossen auch Tränen.

Am nächsten Morgen kamen Carolin und ich in Santiago an. Und dadurch, dass wir keine Ahnung hatten, stiegen wir prompt beim falschen Busbahnhof aus. Ich rief dann meinen Cousin an, der uns dann am anderen Terminal abholte.
Mit dem Auto fuhren wir dann zu meiner Tante, dort ließ ich meine Sachen, und wir fuhren weiter zu meiner anderen Tante. Dort sollte Carolin für die ersten Nächte übernachten.

In den nächsten Tagen hab ich dann viel mit Carolin unternommen, so waren wir bei meiner Organisation (deutsch-chilenischer bund), und haben uns dort mit Ingrid unterhalten, oder wir waren zusammen shoppen.
Danach zog Carolin dann um, zu einer Familie, die sie über Bekannte kannte. Jedoch wohnte sie immer noch sehr nah.