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Die Tage vor dem Flug ging es mir gut. Ich war überhaupt nicht aufgeregt und wenn ich eine Frage hasste, dann war es die, ob ich schon aufgeregt sei. Darauf antwortete ich immer "Es geht", denn wenn ich sagte "Nein", dann kam darauf wieder eine dumme Frage, darauf konnte ich verzichten. In Wahrheit jedoch war ich nie aufgeregt. Ich hatte zwar ein paar Down-Phasen, aber die gingen, dank guter Freunde, wieder vorbei.
Welches Lied ich vor dem Abflug immer gehört habe, war "Wind of Change" von den Scorpions. Was ich auch sehr oft machte, war mit meiner besten Freundin zu telefonieren.
Aber was ich zu dem Zeitpunkt noch nicht geschafft hatte zu realisieren, war dass ICH für ein Jahr weggeh. Denn am Anfang war es nur eine Idee wegzugehen. Ich bewarb mich, wurde angenommen, hatte zwischendurch eine Austauschschülerin aus Argentinien und dann war Kassel (Forentreffen im Juli 04, Anm. v. Stefan) und schon zwei Wochen darauf sollte ich fliegen.
Realisieren, das wollte ich noch vor dem Flug, doch geschafft - habe ich das?
Nein, habe ich nicht.

Doch auch wenn ich es nicht realisierte, der Tag des Abflugs kam immer näher und plötzlich war er da.
Wir fuhren morgens los, denn ich flog ab Frankfurt und das sind von mir zu Hause 300 km. Morgens heißt bei mir 9 Uhr oder halb 10.
Im Auto habe ich noch einige SMS abgeschrieben, die ich nicht verlieren wollte, denn mein Handy blieb in Deutschland.
Kurz vor Frankfurt sind wir dann auf einen Park&Ride Parkplatz gefahren und dann mit der S-Bahn nach Frankfurt.
In Frankfurt angekommen, schlossen wir meinen Koffer und meinen Handgepäckkoffer in ein Schließfach, denn mein Flieger ging abends und es war erst 15 Uhr.
Vor dem Bahnhof warteten wir, denn ein sehr guter Freund wollte für mich dahin kommen. Als er da war, sind wir in die Stadt und haben geredet. Es tat gut.
Ab und zu gab es Zeitpunkte, bei denen ich total losheulen hätte können, dann schaute ich ihn an und mir ging's wieder besser. Warum es so Zeitpunkte gab, weiß ich nicht. Es war einfach so. Warum es mit geholfen hat ihn anzusehen, weiß ich auch nicht!
Dann irgendwann sind wir zurück zum Bahnhof, haben meine Koffer geholt, sind runter zur S-Bahn und haben gewartet. Dann hat mich meine beste Freundin nochmal auf dem Handy angerufen - es war toll. Dann stellte sich heraus, dass die S-Bahn, mit der wir zum Flughafen fahren wollten, nicht fuhr, weil ein Mann auf den Gleisen Selbstmord begangen hatte :/
Wir sollten dann alle mit einem anderen Zug fahren, also wieder hoch, Zug gesucht, Gleis gesucht, Vater mit Koffer gesucht, in den Zug gestiegen und mich von dem Freund verabschiedet. Auf der Fahrt zum Flughafen habe ich versucht alle Tränen zu unterdrücken. Meine Eltern schauten mich ab und zu an und ich grinste zurück. Im Zug waren zum Glück alle total verstreut, denn er war so voll.
Am Flughafen versuchte ich schnell zum Gruppenschalter zu kommen, weil ich dachte wir kommen zu spät. Doch wir waren pünktlich.
Ich gab meinen Koffer auf und setzte mich mit meinen Eltern hin, denn meine Gruppe sollte sich erst nach zwei Stunden wieder treffen.
Wir saßen also da und haben geredet. Nach zwei Stunden sind wir wieder zum Schalter. Nun wurde es ernst, wir sollten uns einchecken. Ich verabschiedete mich von meinen Eltern und es liefen Tränen, zumindet bei mir. Doch ca. 15m hinter dem Check-In lernte ich Carmen und Franzi kennen, die in dieselbe Stadt kamen wie ich. So war ich abgelenkt. Das Warten war überhaupt nicht schlimm. Ich lernte immer mehr Leute kennen, alle super lieb. Und als wir im Flieger saßen, ich fand es nur toll und entspannend. Ich lernte noch mehr Leute kennen. Wir schauten Dirty Dancing 2 und es war nur toll. Zwischenstop in Buenos Aires. Dann nach Santiago über die Anden drüber - total schön. So schloss ich die Phase als Hopee ab und begann meine Awayee-Phase.
Aber wenn mich jetzt einer fragt, ob ich es nach den drei Wochen, die ich schon hier bin, schon realisiert habe. Ich weiß es nicht!