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Vorher

Aber am Besten fange ich mal ganz von vorne an. In den Sommerferien nach der 8. Klasse war ich für 2 Wochen in England auf einer Sprachreise. Da hat mich mein Fernweh gepackt und als ich nach Hause gekommen bin, habe ich angefangen, mich im Internet nach Organisationen für Austauschjahre umzugucken. Ich wollte ursprünglich in die USA, weil ich dachte, das sei das einzige mögliche Land. Nachdem ich aber die ganzen Kataloge geschickt bekommen habe, habe ich mich recht schnell für Australien umentschieden. Erst dachte ich, ein halbes Jahr sei besser, wegen der Schule, da ich auf keinen Fall wiederholen wollte. Meine Eltern und diverse Bücher über Austausch, die ich regelrecht verschlungen habe, haben mich dann aber schnell überzeugt, dass ein ganzes Jahr besser ist und auch nicht wirklich lange. Nachdem ich dann von so gut wie jeder Organisation den Katalog hatte (drei Ordner voll!) habe ich dann angefangen, Listen zu schreiben, um die Leistungen und Seriösität zu vergleichen. Für Australien kamen aber nicht allzu viele Orgas in Frage, da die meisten einfach zu viel gekostet hätten. Nachdem ich die Finanzierung geklärt hatte und einen Job gefunden hatte, habe ich mich dann beworben. Eigentlich hatte ich mich schon im März 2004 bei einer anderen Organisation beworben, aber die hatte keine Jahresplätze, also bin ich bei DFSR gelandet. Das Auswahlgespräch war Anfang Juni 2004 und in den Sommerferien habe ich die umfangreichen Bewerbungsunterlagen ausgefüllt. Anfang September waren sie dann in Australien und SEA, die Partnerorganisation hat mit der Gastfamiliensuche angefangen.
Meine Familie habe ich am 21. Mai 2005 bekommen, ca. 8 Wochen vor meinem Abflug und als eine der ersten. Sie wohnt eine halbe Stunde südlich von Perth und besteht aus Mutter und 8-jaehriger Tochter. Ich konnte es erst gar nicht glauben, denn ich hatte ja ein dreiviertel Jahr auf diesen Moment gewartet! Es war auch eine recht lustige Situation, weil ich gerade in ein Internetforum zum Thema "Ich habe meine Gastfamilie immer noch nicht" geschrieben habe und mich genau dann meine Mutter gerufen hat, dass ich meine Familie habe. Ich habe ihnen dann gleich gemailt und am nächsten Tag Antwort bekommen. Von da an hatte ich recht viel Kontakt per E-Mail und nach 2 oder 3 Wochen habe ich sie das erste Mal angerufen. Ich war ziemlich nervös, weil mir viele ehemalige ATS erzählt haben, dass der australische Slang so stark sein soll und ich wusste auch nicht wirklich, was ich sagen soll. Erst mal habe ich einen Schock bekommen, weil Terri, meine Gastmutter so aufgeregt war, dass ich am Telefon bin, dass sie nach ihrer Tochter Jesse gerufen hat und ich dachte, sie schreit mich am Telefon an. Danach war es aber kein Problem, sie hat recht viel erzählt und ich konnte sie gut verstehen, kein großer Akzent. Wir haben dann auch ganze 25 Minuten telefoniert, bis meine Mutter meinte, ich soll mal Schluss machen, weil ich keine Billigvorwahl hatte. Die Telefonrechnung betrug dann 17 Euro... Das Wochenende danach war das Vorbereitungstreffen in Kassel, wo ich zum Glück mit einer Freundin hin bin, die nach Neuseeland gefahren ist. Es war ziemlich gut, aber auf einmal war alles so nah. Ich habe ein paar neue Freunde gefunden und es war sehr interessant, mit ehemaligen ATS zu reden und ihnen Löcher in den Bauch zu fragen, wie es war.

Abflug

Eine Woche vor meinem Abflug, dem 12. Juli 2005 habe ich dann angefangen, meine ersten Sachen rauszulegen und mein Zimmer aufzuräumen. Als ich dann meine Tasche gepackt habe, war es doch ein komisches Gefühl, die Tasche für ein Jahr zu packen und für ein Jahr fortzugehen. Dieser Moment war aber zum Glück sehr kurz, wie auch die anderen kurzen Angstmomente im Jahr zuvor und ziemlich schnell war das letzte Wochenende rum, der letzte Schultag (ein Montag) und der Dienstag, der Tag des Abflugs da. Das Flugzeug ging um 22:35 ab Frankfurt, also hatte ich noch den ganzen Tag zum fertig packen. Morgens habe ich meine Tasche gewogen und geschockt festgestellt, dass ich 4 kg Übergepäck hatte. Und das bei erlaubten 30kg! Also Unnötiges aussortieren, hatte aber immer noch 1.5 kg. Ich hab dann bei Singapore Airlines angerufen, um zu fragen, wie viel das Kilo Übergepäck denn kostet, das waren 37,50 Euro! Ich habe dann schließlich meine Notenständer daheim gelassen, weil ein Neuer 15 Euro kostet und ich mir ja einen in Australien kaufen konnte. Nachdem das geklärt war, sind meine Eltern und ich essen gegangen, wo wir peinlicherweise meine ganzen Lehrer getroffen haben, die mich dann verwundert gefragt haben, warum ich noch hier sei, da ich ja nicht in der Schule war...
Auf dem Weg zum Flughafen haben wir dann meine beste Freundin abgeholt, aber irgendwie war immer noch alles etwas unrealistisch. In Frankfurt haben wir meine andere beste Freundin getroffen, deren Bruder mit mir geflogen ist. Einchecken, noch ein paar Minuten und dann hieß es Verabschieden. Einer meiner beiden kleinen Brüder war wohl etwas mehr an den Internet Telefonen interessiert, als an meinem Abflug, aber schließlich konnte ich ihn doch umarmen. Zum Glück war ich zu aufgeregt und fröhlich um traurig zu werden. Mit der ganzen Gruppe von anderen ATS sind wir dann zum Flugzeug. Bis Singapore waren es 10-11 Stunden und dort hatten wir 4 1/2 Stunden Aufenthalt. Mit ein paar Freunden bin ich in den Swimmingpool auf dem Flughafen. Das war schon lustig, der Mond stand senkrecht über uns, es hat leicht genieselt, die Sonne hat geschienen, man konnte direkt aufs Rollfeld gucken und wir waren Deutsche auf dem Weg nach Australien im Swimmingpool in Singapore! Der Flug nach Sydney war dann nur 7 Stunden und verging recht schnell, da wir Plätze getauscht hatten und ich im Gegensatz zum ersten Flug mit meinen Freunden sitzen konnte.

In Australien angekommen

Um ziemlich genau 5 Uhr morgens sind wir Donnerstags in Sydney durch die Passkontrolle gegangen und waren in Australien. Wir mussten dann noch mit unserem gesamten Gepäck durch die Zollkontrolle, da in Australien recht stark kontrolliert wird, dass man keine Samen, Pflanzen etc. einbringt, die eventuell Schaden anrichten können. Wir hatten den halben Flug über Schokolade diskutiert, dann aber beschlossen, dass es wohl durchgehen wird. War eigentlich auch kein Problem, aber bei mir haben sie natürlich gestoppt und meine Tasche dreimal durchleuchtet und mich schließlich gefragt, ob sie da mal reingucken können. Ich hatte absolut keine Ahnung, was ich illegales haben könnte, aber da hatte der Zollbeamte schon einen meiner Jonglierbälle rausgezogen und gefragt, ob er den an einer Naht ein bisschen aufschlitzen könne, um zu sehen, was da drin ist. Er hat dann natürlich Samen gefunden, was ich aber nicht wusste, ich dachte, die sind mit Plastikkügelchen gefüllt... Er hat mir nun zur Auswahl gestellt, ob ich sie zurückschicken, leermachen oder wegwerfen lassen will. Ich habe mich für letzteres entschieden, da sie eh schon sehr alt waren. Mein Aufenthalt in Australien hat ja schon mal gut angefangen...
Das Vorbereitungsseminar in Sydney, wo wir auch andere ATS aus der ganzen Welt (die meisten aber von Deutschland) getroffen haben, war ganz gut, vor allem, um übers Jetlag zu kommen. Die Themen waren die gleichen wie in Deutschland, aber gekürzt und auf Englisch. Wir haben aber auch was von Sydney gesehen, Opera House, Harbour Bridge, die Innenstadt und ein Rugbyspiel Sydney Roosters vs. New Zealand Warriors. Neuseeland hat gewonnen... Wir waren im Studentenwohnheim Park der Uni untergebracht und jeder hatte sein eigenes Zimmer mit Bad. Abends war es aber sehr komisch, da das Zimmer so groß, kahl und sehr kalt war (es war ja mitten im Winter). Außerdem wusste ich nicht genau, wo ich bin, ich wollte nicht zurück, aber konnte mir auch nicht vorstellen, für 11 Monate hier zubleiben. Am Samstagabend, dem dritten Tag in Australien, waren diese Gefühle aber vorbei und ich habe mich nur noch wahnsinnig auf meine Familie gefreut und war sehr gespannt. Ich hatte das Gefühl, dass es etwas wie heimkommen ist, weil dann jemand da ist, der abends im Haus ist und man weiß einfach, man ist nicht allein.
Den 5 stündigen Flug nach Perth hatte ich gemeinsam mit 6 anderen ATS, ein Junge von meiner Orga, eine andere Deutsche, eine Österreicherin, eine Holländerin, eine Französin und eine Italienerin. Im Flugzeug haben Karlijn, die Holländerin und ich unsere erste positive Bekanntschaft mit dem australischen Volk gemacht. Als die Außentemparatur angesagt wurde, hatten wir beide es nicht verstanden, also hat Karlijn den Mann hinter uns gefragt. Dieser hat dann nicht nur geantwortet, sondern uns gleich gefragt, wo wir herkommen, was wir machen und sich mit uns bis zur Landung unterhalten.
Am Flughafen sind wir aus der Gangway gekommen und da standen schon die Familien und unsere Koordinatorin. Meine Gastschwester hatte ein Schild, auf dem in Deutsch stand "Herzlich Willkommen Lisa". Wir sind dann nach Hause, sie haben mir alles gezeigt, wo was ist und ich habe angefangen, meine Tasche auszupacken. Später sind wir dann zu den Großeltern, die nur 5 min weg wohnen und hatten dort Abendessen. Die Familie ist nämlich sehr eng zusammen, wir sind oft bei den Großeltern und Jordan, meine kleine Gastcousine (4 Jahre alt) ist eigentlich jeden Tag dort. Die ersten Tage habe ich dann sehr viel geschlafen (ich war immer um halb acht abends todmüde, normal wache ich erst so gegen 9 Uhr abends auf...) und jede Gelegenheit genutzt, mit Einkaufen zu fahren, oder einfach nur mit im Auto wohin zu fahren, um möglichst viel zu sehen. Die Supermärkte mit ihrer Größe waren doch recht beeindruckend und ich hab recht schnell festgestellt, dass die Australier eigentlich überall mit dem Auto hinfahren. In meiner Stadt gibt es aber zum Glück eine recht gute Zugverbindung nach Perth. Dienstags sind wir dann in die Schule zum Anmelden und Mittwoch habe ich meine Schuluniform gekauft. Ich gehe auf eine öffentliche Schule im Nachbarort, die aber eine der Besten öffentlichen Schulen in Westaustralien ist und auch ein recht großes Musikprogramm hat. Das war auch der Grund, warum meine Gastmutter unbedingt wollte, dass ich auf diese Schule gehe und nicht auf die in Armadale, wo sie gewohnt hat. Die Schulen dort haben auch beide einen sehr schlechten Ruf und viele Schüler auf meiner Schule haben nach ein oder zwei Jahren dort gewechselt. Donnerstag war dann der erste Schultag für mich. Da es gerade die erste Woche nach den Ferien war, war es nicht besonders schlimm, dass ich erst Donnerstags zur Schule bin. Der Konrektor, bei dem wir zur Anmeldung waren hat mich dann mit einer anderen neuen ATS in eine Kunstklasse gebracht und gemeint, wir sollen einfach mit einem Mädchen den Tag über in die Fächer gehen und unsere später wählen. Das haben wir dann in der letzten Stunde gemacht, ich habe Mathe, Chemie, Musik, Human Biology, Englisch und Outdoor Education gewählt. Wir haben gleich unsere Stundenpläne bekommen und mir wurde gezeigt, wo meine erste Klasse am Freitag ist. Das war dann Outdoor Education und eine Mitschülerin hat mich gleich als "ihre ATS" beansprucht. Sie hat mir meine Räume gezeigt und ist auch in meiner Chemieklasse. Mittlerweile ist sie meine beste Freundin.
Nach 6 Wochen ist die andere deutsche ATS, Katharina, die auch bei mir auf der Schule ist, zu meiner Gastoma gezogen, weil ihre alte Gastfamilie sie rausgeschmissen hat, da die sehr seltsam waren. Jetzt unternehme ich auch recht viel mit ihr.

Nach 4 ½ Monaten:

Outdoor Education ist mein Lieblingsfach, weil wir da so ganz andere Sachen machen, wir lernen Abseilen, Knoten, Klettern, Leute retten und waren einen Tag klettern. Im Oktober waren wir drei Tage auf einem Camp, wo wir uns in Höhlen abgeseilt haben und durch die Höhlen gewandert sind. Es war total klasse und ich habe mittlerweile auch meine Höhenangst wieder verloren, weil ich gelernt habe, dem Material und mir zu vertrauen. Mathe ist ziemlich einfach, weil die nur Stoff machen, den wir in der Mittelstufe gemacht haben, das Ganze aber nicht mal verstehen müsse, sondern alles nur in den Graphischen Taschenrechner eingeben und für Tests Notizen mitnehmen dürfen. Englisch ist ganz interessant, weil unser Lehrer sehr gerne erzählt und hier in der Region aufgewachsen ist. In Musik sind wir nur drei Schüler und es ist TEE, also der höchste Kurs und dementsprechend anstrengend. Wir müssen Melodien dem Gehör nach aufschreiben und Akkorde erkennen, was ich alles noch nie vorher gemacht habe. Mittlerweile geht es aber und da wir nur drei sind, kann die Lehrerin mir manchmal auch etwas alleine erklären oder mit mir üben. Chemie und Human Bio sind recht normal, wie in Deutschland 11. Klasse, manchmal andere Schwerpunkte, aber prinzipiell in Ordnung.
Die Schule hat ungefähr 1700 Schüler und geht von Jahr 8 bis 12, 8 bis 10 ist lower school und 11 und 12 upper school. Ich bin in die 11. Klasse gekommen und durfte deshalb die Privilegien der Upper School students genießen, wie einen Hof, der lower school Kinder frei ist. Wir haben auch eine andere Schuluniform, unsere Poloshirts sind entweder dunkelblau oder weiß und die lower school hat Zitronengelb. Das ist recht praktisch, da man so immer gleich als Upper school Schüler erkannt wird und zum Beispiel in der Bücherei eher an die Computer kann als die lower schoolies.
Am Ende des Schuljahres hatten wir unsere Examen, das waren bei mir fünf (alle Fächer außer Outdoor Ed). Wir hatten in der Schule eine Woche Wiederholung und ich wurde von meinen Lehrern mit dem Stoff vom ersten Halbjahr versorgt, da außer in Bio nicht darauf Rücksicht genommen wird, dass ich ja nur ein Semester da war. Vom Gefühl her sind aber alle Examen (bis auf Chemie) recht gut gelaufen, jetzt warte ich noch auf die Ergebnisse.

Nach zwei Wochen bin ich das erste Mal in die Senior Concert Band unserer Schule gegangen, das ist ein Blasinstrumenten Orchester. Die Band ist sehr gut, bevor ich gekommen bin waren sie gerade auf einer Tournee in Neuseeland und haben reihenweise Preise bekommen. Ich spiele dort jetzt mit Querflöte mit und es ist recht anspruchsvoll.
Zwei Monate später habe ich es dann endlich geschafft, mir ein Cello bei einem Musikgeschäft auszuleihen und in einem Musikgeschäft in der Nähe meiner Schule mit Unterricht weiterzumachen. Ich hatte nämlich schon ziemliche Sehnsucht danach. Ich habe dort jetzt immer Montagsabends Unterricht, aber nächstes Jahr kann ich vielleicht in der Schule kostenlos welchen bekommen, da eigentlich jeder Musikschüler in seinem Instrument in der Schule Unterricht bekommt. Das erste halbe Jahr ging das aber nicht, weil die Lehrerin schon einen vollen Stundenplan hatte.
Nach ein paar Wochen hat meine Gastschwester wieder mit Taekwondo angefangen und da mich das interessiert hat, bin ich mitgekommen. Meine Gastmutter hat mir ihren alten Anzug gegeben und mir hat es so gut gefallen, dass ich jetzt immer einmal die Woche Training habe. Im Dezember kann ich zu meiner ersten Prüfung gehen und bekomme den gelben Gurt!

Normal komme ich so gegen 15:20 von der Schule nach Hause und am Anfang war ich dann immer ziemlich müde, sodass ich außer meinen Hobbies nichts mehr gemacht habe. Jetzt hat sich das aber wieder normalisiert und ich gehe nach der Schule oft ins Einkaufszentrum in Armadale um ein paar Sachen zu erledigen oder einfach mit Freunden zusammenzusein und ein paar Donuts zu essen (die werden dort frisch gemacht). Am Wochenende passiert eigentlich nicht so viel, manchmal treffe ich mich mit den anderen ATS in Perth, oder wir gehen an den Strand. Meistens wasche ich meine Kleider, schreibe meine Briefe und bin daheim.

In den ersten Ferien hier, Anfang Oktober bin ich mit meiner Gastfamilie Down South gefahren, nach Denmark, das ist in der Nähe von Albany im Süden Westaustraliens. Die Strände dort waren einfach klasse und es gibt dort die ältesten und höchsten Bäume von WA. Danach war ich zwei Wochen auf der Red Centre Tour mit den anderen ATS im Outback. Das war zur Abwechslung sehr heiß (45 Grad) und ich hatte nur halblange Hosen dabei, hab meine Shorts vergessen...

Um diese Zeit rum habe ich auch angefangen, nur noch automatisch auf Englisch zu denken und zu träumen, das ist schon lustig, wenn man anfängt, unbewusst auf Englisch zu denken, weil man müde ist! Mittlerweile habe ich sogar Probleme, Deutsch zu reden, da ich auch mit den anderen deutschen ATS an meiner Schule nur Englisch rede, da es einfacher ist und den Australiern gegenüber unhöflich, wenn wir Deutsch reden würden.

Am 7. November war mein Geburtstag, ich bin jetzt 17! Ich hatte gehofft, dass in der Schule sich vielleicht jemand daran erinnert, aber ich hätte mir darum keine Gedanken machen müssen. Meine Freundin hat mir ein 1 Meter hohes aufblasbares Känguruh geschenkt und ich habe eine Karte und Krone von allen bekommen. Das Känguruh musste ich dann aufgeblasen den ganzen Tag mit mir rumtragen, es haben aber alle drauf unterschrieben. Abends kam dann die gesamte Großfamilie zum Abendessen und es war einfach schön. Als ich ins Bett wollte, haben meine Eltern das erste Mal angerufen und ich hatte Probleme, mit ihnen auf Deutsch zu reden, weil ich immer "like" und "because" auf Englisch gesagt habe, es ging irgendwie nicht anders...

Sommerferien:

Die Examen der 11. Klasse waren in Ordnung, auch wenn meine Noten nicht besonders hervorragend waren... Im Zeugnis, das wir in einer Abschlussversammlung (bei der es wie immer sehr sehr kalt war), hatte ich dann in English ein C, in Human Biology ein B, in Chemistry ein C, in Outdoor Ed ein A, in Music ein D (eigentlich durchgefallen, aber ich durfte trotzdem in der 12. Klasse wieder rein) und in Maths ein A. In Mathe habe ich auch den Top Student Award bekommen, als Beste in diesem Mathekurs...
Meine Taekwondoprüfung habe ich auch recht gut bestanden, es war alles halb so schlimm, wie erwartet, da man in der Gruppe war und einem genau gesagt wurde, was man machen soll. Die Ferien waren aber leider Trainingsfrei.
Die Sommerferien war ich überwiegend daheim, was bei 11 Wochen doch lang werden kann, zumal meine beste Freundin gerade in Deutschland auf einem Kurzaustausch über die Schule war und eine andere Freundin in Indien war über die gesamten Ferien. Von einem anderen Freund hatte ich die Telefonnummer nicht... Die ersten zwei Wochen waren wir ATS aber fast täglich in Perth, weil es für alle außer Mailys, der Französin, dem anderen Deutschen (den wir aber nie getroffen haben) und mich nach Hause ging. Exakt 6 Monate vor meinem eigenen Abflug haben wir dann Katharina an den Flughafen gebracht. Irgendwie war es doch seltsam, ich konnte mir überhaupt nicht vorstellen, wie es ist, jetzt in ein paar Stunden die Eltern und Familie wieder zu sehen. Da habe ich auch gemerkt, wie gut es ist, dass ich ein ganzes Jahr bleibe, es ist doch viel „vollständiger“ als ein halbes.
Weihnachten war dann sehr komisch. Vorher schon habe ich mich nicht sehr in Weihnachtsstimmung gefühlt, trotz der zahlreichen Dekorationen in den Läden und des Plastikbaumes daheim, der schon Anfang Dezember im Wohnzimmer stand. Bis endlich Weihnachten war, hatte die Katze aber schon das gesamte Lametta zerfetzt und der Baum sah recht kläglich dekoriert aus... Ich war auch recht froh, als Weihnachten rum war, weil ich dann nicht mehr erklären musste, warum ich mich nicht weihnachtlich fühle. Wir waren zwar öfters Christmas light looking, aber wenn dann die Palmen mit Lichterketten dekoriert sind und auf dem vertrocknetem Rasen ein Schlitten und Rentiere (manchmal auch six white broomers, weiße Kängurus) standen, kommt bei einem Mitteleuropäer einfach keine Weihnachtsstimmung auf... Es war einfach ganz anders als in Deutschland. Es war warm (38° an boxing day), ich hatte nur einen Sommerrock und ein Trägertop an und wir saßen draußen. Morgens haben meine Gastschwester und ich daheim die Socken gefunden, Santa hat sogar Fußspuren am Kamin hinterlassen, die aber seltsamerweise schneeweiß waren! Wir haben dann ein paar Geschenke ausgepackt (ich wurde auch üppig beschenkt, von Terri, Jesses Vater und Pamma (Gastoma), die mich bei unserer Art Weihnachtswichteln hatte) und den Rest mit zu den Großeltern genommen, wo schon der Rest der Familie war. Wir haben dann alle Geschenke ausgepackt und hatten ein großes Weihnachtsessen mit Truthahn, Lamm, Hühnchen und Gemüse, alles als „roast“, was ziemlich typisch ist. Aber Weihnachtslieder singen oder in die Kirche gehen, so wie hier in Deutschland, gab es nicht. Wir haben uns den Rest des Tages dann vom Mittagessen ausgeruht, viel erzählt und abends noch mehr gegessen. Zum Glück gab es dann viel Obst, alles WA grown, Melonen, Bananen, Kirschen (das ist dort ein typisches Weihnachtsobst!) und Kiwis!
Nach Weihnachten sind wir nach Geraldton gefahren, zur besten Freundin von Terri. Mailys, die Französin war auch dabei. Geraldton liegt 500 km nördlich von Perth und Terri ist dort aufgewachsen. Dort ist es noch ein bisschen heißer, aber furchtbar windig, die Bäume wachsen oft am Boden entlang, weil es so windig ist! Geraldton ist auch Nummer 8 auf der Liste der weltbesten Windsurforte... Dort haben wir dann auch Sylvester verbracht, mit Verkleiden, aber leider ohne Feuerwerk, weil man ja selbst keines kaufen darf, wegen der Brandgefahr und das städtische Feuerwerk wurde wegen des starken Windes wörtlich abgeblasen. Kellys Mann hat uns dann auch noch zum Sandboarden mitgenommen, das ist wie Snowboard, nur eben in den Dünen. Das war toll, nur war es so windig, dass man kaum stehen konnte...
Die letzten zwei Januarwochen war ich mit Pamma bei Lyndon, ihrem Sohn, in Brisbane. Der wurde Vater und deshalb sind wir hingeflogen. Der Flug ging 5 ½ Stunden und das war ein Inlandsflug! Brisbane war sehr schön, alles so grün, wenn man aus dem vertrockneten und braunen Perth kommt. Aber es war auch sehr schwül und ich weiß nicht, warum dort nicht alle Klimaanlage haben, ich konnte nachts kaum schlafen, weil es so schwül und warm war! Da war ich echt froh, als ich wieder nach Perth kam, wo es immer nur trocken heiß ist und überall Klimaanlagen sind. Immerhin war Brisbane schon sehr anders, ich habe abends außen an meinem Fenster kleine Geckos gesehen, die über die Scheibe gelaufen sind und die Umgebung sieht ganz anders aus. Alles war sehr hügelig, im Vergleich zum flachen Perth.
Mein Rückflug war dann leider abends an Australia Day, dem Nationalfeiertag. Kein Wunder, dass der Flug so billig war... Aber das haben wir alle nicht gemerkt, beim Buchen. Und durch die Zeitverschiebung bin ich vor den Feuerwerken in Brisbane losgeflogen und nach denen in Perth angekommen. Und dazwischen liegt ja nicht viel, sodass ich auch nichts von oben gesehen habe... Später habe ich mir dann eben noch etwas im Fernsehen angeguckt, weil das sehr groß gefeiert wird. Es gibt großes Feuerwerk und überall sind Fahnen, Paraden und Partys.

12. Klasse:

Dann hat schon wieder das neue Schuljahr angefangen, ich konnte endlich wieder alle wiedersehen und hatte glücklicherweise drei Fächer mit Megan, meiner besten Freundin zusammen. Meine Fächer waren jetzt Applicable Maths (der nächsthöhere Kurs vom Vorjahr, offiziell darf man da mit Foundations gar nicht rein...), History (Australia 1900-1945, leider durch den langweiligen Lehrer doch nicht sehr interessant), Outdoor Ed, English, Music und French. Die Klassen waren überwiegend jetzt auch klein, in Mathe waren wir nur 9, in Musik immer noch 3 und in Französisch nur 2. Da hatten wir dann auch den Französischkurs der „School for Isolated and Distance Education“ (SIDE). Wir bekamen also ein Buch und ein Arbeitsheft, das wir durcharbeiten mussten. In der Schule hatten wir dann nur einen Supervisor und da ich nicht bei SIDE angemeldet war, wurden meine Tests auch nie korrigiert... Das Niveau war aber sehr niedrig, das war jetzt 12. Klasse TEE und wir haben Sachen der deutschen 8. Klasse gemacht. Wir waren sogar dem Plan voraus um ein paar Wochen! In Outdoor Ed hatten wir im ersten Term Schnorcheln, erst im Schwimmbad und dann am Meer. Montagmorgens immer um 6.55 Uhr in der Schule sein, damit es sich lohnt! Und Montags hatte ich auch noch Cellounterricht in der Schule, das heißt, ich musste meinen Schulranzen, mein Cello und meine Schwimmsachen aufm Rücken auf meinem Fahrrad in die Schule transportieren, weil das Rad keinen Gepäckträger hatte und ich nicht 20 Minuten laufen wollte... Aber das Schnorcheln hat Spaß gemacht, die Abschlussexpedition ging nach Rottnest Island, einer Insel vor Perth. Dort haben wir an verschiedenen Buchten geschnorchelt, es gibt dort nämlich das südlichste bunte Korallenriff der Welt mit sogar ein paar kleinen tropischen Fischen!
Der Cellounterricht an der Schule war auch sehr gut, ich musste dafür auch nichts bezahlen, weil ich Musik als Unterrichtsfach hatte und die Lehrerin war ausgebildet und wesentlich besser als der im Musikladen, wo ich vorher war. Als einzige Bedingung musste ich noch ins Streichorchester, Mittwochs vor der Schule, aber das hat Spaß gemacht und war auch recht einfach. So musste ich mein Cello dann eben zweimal die Woche mitnehmen, bis dann im 2. Term der Unterricht auf Dienstag verlegt wurde und ich es dort lassen konnte.
In der Schule hatte ich mich dann auch mehr in die Fächer eingefunden, die Englischlehrerin hat mir erklärt, wie man richtig Essays schreibt, weil die in einer bestimmten Form sein müssen und in Geschichte hatte ich auch immer um die 85%. Nachdem ich in Englisch dann drittbeste der Klasse war, hatte die Lehrerin gewisse Erwartungen an mich und deshalb habe ich dann doch etwas für die Arbeiten gelernt und auch das 1800 Wort Essay über die Osterferien geschrieben...
Zwischendurch habe ich meine nächste Taekwondoprüfung ablegen können und kurz vor Abflug noch meine Dritte. Ich war damit schon Fortgeschrittene und sogar weiter als Jesse, die vor Weihnachten aufgehört hatte. Taekwondo hat mir richtig viel Spaß gemacht und nachdem ich Montags auch kein Cellounterricht abends mehr hatte, konnte ich immer zweimal die Woche trainieren gehen, was richtig gut getan hat. In Deutschland will ich auch auf jeden Fall weitermachen, auch wenn das Prüfungssystem dort anders sein soll...
In den Ferien waren wir nur 2 Nächte weg, nur Terri, Jesse und ich in Bunbury, auf einem Campingplatz. Bunbury ist 200 km südlich von Perth und auch am Meer. Dort waren wir dann auch noch in Busselton, noch mal 100 km südlich. Dort gibt es den längsten Holzsteg der südlichen Hemisphäre, den Busselton Jetty. Wir sind dann die ganzen 1.6 km bis zum Ende rausgelaufen und ins Underwater Observatory gegangen. Das ist eine Art runder Turm, der auf den Meeresboden geht und ringsherum Fenster hat, durch die man die Pfosten sieht. Die sind nämlich durch die günstige Lage komplett mit bunten Korallen und Pflanzen bewachsen.
Tja, und dann waren nur noch 4 Wochen Schule übrig, die ich aber voll ausgenutzt habe. Das ganze zweite Halbjahr habe ich auch viel mehr mit Freunden gemacht, wir sind an den Strand nach Cottesloe oder in die Stadt rein oder nach Freo, wie Fremantle auch genannt wird. Dort waren wir auch ein paar Mal im Gefängnis und haben verschiedene Touren gemacht. Das ist das älteste Gefängnis Western Australias, noch aus der Convictzeit. Jetzt ist es aber nicht mehr in Betrieb, sondern steht unter Denkmalschutz.
Ich glaube, das ist mal wieder typisch, je näher das Ende meines ATJ gerückt ist, desto tiefer wurden die Freundschaften, mit Megan konnte ich über alles reden und auch mit Shane und Christin und den anderen habe ich mich sehr gut verstanden. Wir haben uns auch öfters mal zum Videoabend getroffen oder bei Megans Vater übernachtet. Aber so kommt es eben.
Im zweiten Term hatten wir in Outdoor Ed dann Kanufahren. Eigentlich war die Tour auf dem Avon (der größte Fluss in WA, Wildwasser) erst nachdem ich schon weg war, aber nachdem eine andere ATS auch nicht mehr da wäre, haben unsere beiden Outdoor Ed Lehrer uns am letzten Schultag mit auf eine kurze Tour genommen. Das war ein toller Abschluss, nur war vom Wildwasser nicht viel übrig, da der Fluss über Sommer fast ganz austrocknet und wir ständig stecken geblieben sind. Immerhin saßen wir je mit einem Lehre im Kanu, die dann ausgestiegen sind und uns wieder freigeschoben haben... Die letzten zwei Wochen hatte ich frei, weil die andern Examen hatten, die ich verweigert hatte, mitzuschreiben, da meine Noten in Australien in Deutschland sowieso nicht anerkannt werden. Ich habe aber trotzdem ein Zeugnis bekommen, mit Empfehlungsschreiben des Schulleiters! Diesmal hatte ich mich ziemlich verbessert, Maths A, Outdoor Ed A, History A, English A und Music C, French habe ich keine Note bekomme, weil ja keiner meine Tests korrigiert hatte... In den letzten zwei Wochen habe ich auch mehr mit Terri unternommen, wir waren einmal in York, einer „alten“ Stadt im Inland und im botanischen Garten (es war zwar Winter, aber egal ;-) und am 1. Juni hatten wir ein „Winteranfangspicknick“ in Kings Park mit der ganzen Familie.
Eine Abschiedsparty hatte ich auch noch, mit typisch australischem BBQ (mit diesen grauenhaft schmeckenden Würstchen), das ich aber mit gebackenem Schafskäse und zum Nachtisch mit selbstgemachter Schwarzwälder Kirsch Torte internationalisiert habe... Es war leider nur sehr kalt und da es Winter war, wurde es auch schon wie immer um halb sechs dunkel...
Am letzten Abend waren wir dann Essen und später haben wir das Fußballspiel Japan-Australien bei Pamma geschaut, da sie einen Videobeamer und Großleinwand hat. Das besonders lustig, weil wir noch gerade eine japanische ATS bei uns wohnen hatten, die beinahe geheult hat, weil Australien am Schluss noch alle Tore geschossen hat... Megan hat dann bei mir übernachtet und eigentlich wollte ich ja früh ins Bett, aber dann war es auch wieder 12. Morgens mussten wir nämlich um 4:10 Uhr aufstehen, weil mein Flug um 7:45 ging. Es kam aber trotzdem die ganze Familie mit, wir haben auch noch Shane abgeholt, der 20 Minuten zum Highway runtergelaufen ist, morgens um halb 5! Am Flughafen gab es leider nicht viel zu tun, außer rumzusitzen, da Perth international sehr klein ist. Ich habe es aber noch geschafft, von allen etwas aufzunehmen, da ich zum Abschied von der ganzen Familie einen MP3 Player bekommen habe, mit Mikrofon. Durch einen Druckfehler auf dem Ticket bin ich dann auch eine Dreiviertelstunde zu früh los, da die Passkontrolle nicht lang gedauert hat, saß ich dann noch 1 ½ Stunden rum, obwohl ich noch bei den anderen sein könnte... Es gab auch nur ein paar Läden, die zu waren, da es insgesamt nur 5 Gates gab! Immerhin habe ich so noch einen letzten wunderschönen Sonnenaufgang gesehen und bis ich ins Flugzeug konnte, habe ich mich endlich auf Deutschland freuen können, da ich vorher das Gefühl hatte, die Welt geht jetzt unter, weil ich von Australien weg muss. Aber der Flug war dann sehr angenehm, beide Flüge waren nicht ganz voll und ich hatte jeweils den Platz neben mir noch frei. Als ich in Deutschland ankam, habe ich bei der Temperaturansage immer thirteen anstatt thirty verstanden und einen ziemlichen Schlag bekommen, als ich aus dem Flugzeug kam und es hatte 30°! Ich hatte noch Kniestrümpfe, Winterschuhe, drei Pullis und ein Shirt an, da es im Flugzeug ja immer kalt ist und es in Perth gerade tiefster Winter war... Außerdem musste ich ja möglichst viel anziehen, da ich sowieso schon 34 kg statt der 30 zugelassenen in der Tasche hatte und mein Handgepäck war auch 11 kg, statt 7... Aber die Dame am Check In in Perth hat das nicht gejuckt, sie war nur erstaunt, dass ich die einzige bin, die fliegt, es standen ja noch 9 andere Personen um mich herum, da war sie zu verwirrt, wer die jetzt alle sind... Immerhin saß ich nie neben Deutschen, da ich Angst hatte, Deutsch reden zu müssen. Ich konnte mir überhaupt nicht mehr vorstellen, Deutsch zu reden, ich hatte seit Weihnachten, als ich mit meinen Eltern telefoniert hatte, kein Deutsch mehr geredet und selbst beim Schreiben am Schluss Probleme. In Frankfurt bei der Passkontrolle habe ich auch kaum ein „Danke“ rausgebracht, bis ich es geschafft hatte, war ich schon weiter... Mein Gepäck kam zum Glück gleich und dann stand ich schon bei meiner Familie, der Moment, auf den ich fast 11 Monate gewartet hatte, war da! Und ich war nicht enttäuscht, es war toll, alle wieder zu sehen. Deutsch musste ich dann doch reden, es ging zwar schwer, aber nach einer Woche war ich wieder recht gut. Meine Familie hat viel lachen müssen, wenn ich geredet habe, aber für mich war es auch ein interessantes Experiment, dass man seine Muttersprache doch recht stark vergessen kann, wenn man sie nicht mehr hört und spricht! Ich sage selbst jetzt, 1 ½ Monate nach meiner Rückkehr immer noch komische Sachen, aber das ist vielleicht auch einfach ein „Souvenir“ aus Australien...

Wieder in Deutschland:

Die ersten 4 Wochen ungefähr war ich dauermüde, obwohl ich kein Jetlag hatte. Ich bin auch gleich wieder in mein deutsches Schlafsystem zurückgefallen, abends wach und morgens müde. Das ist sehr seltsam, weil es in Australien genau anders rum war!
Zwei Tage nach meiner Ankunft haben meine Eltern dann eine Überraschungsparty für mich gemacht, mit allen Verwandten und Freunden. Ich habe ewig gebraucht, zu kapieren, was los ist, weil sie mir erzählt hatten, das wäre die Geburtstagsfeier meines Bruders, der vorher Geburtstag hatte. Nur als dann alle meine Lieblingsgerichte da standen, meine Patentante kam, die Australische Flagge draußen hing und australischer Wein auf dem Tisch stand, haben sie mich aufgeklärt, da ich mir dann auch nicht mehr vorstellen konnte, dass das jetzt für meinen Bruder ist... Zum Glück hatte ich schon mein Fotoalbum in Australien so gut wie fertig und konnte das dann allen zeigen und gut erzählen. Wenn man nämlich gefragt wird „Und wie wars, jetzt erzähl doch mal!“, dann weiß man nicht, wo man anfangen soll...
Die Woche danach bin ich dann wieder in die Schule, aber nur zum Hallo sagen und mal überall gewesen zu sein. Die Schulstunden kamen mir plötzlich so kurz vor, nur 45 min statt 1h 10 min! Danach bin ich wieder daheim geblieben und habe es irgendwann auch geschafft, mit Nachlernen anzufangen, weil ich nächstes Jahr gleich in die 12. weitergehe und für Mathe LK doch noch etwas aufzuholen habe...